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  • 30.06.2012           41      Teilen:   |

Interview mit CDU-Abweichler Matthias Zimmer

"Gleichstellung ist ein konservatives Anliegen"

Der Politikwissenschaftler Matthias Zimmer ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Vorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Hessen - Quelle: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde
Der Politikwissenschaftler Matthias Zimmer ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Vorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Hessen (Bild: Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde)

Am Donnerstag enthielt sich der Frankfurter CDU-Abgeordnete Dr. Matthias Zimmer der Abstimmung, als es um die Öffnung der Ehe ging. Queer.de-Redakteur Dennis Klein sprach mit dem verheirateten Katholiken über seinen Meinungswandel beim Thema Homo-Rechte.

queer.de: Bei der Abstimmung über die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben waren Sie einer von drei CDU-Abgeordneten, die sich der Stimme enthalten haben. Warum?

Matthias Zimmer: Ich teile die Zielrichtung des Antrags - dann kann ich nicht sagen, dass ich den Antrag rundherum ablehne. Das muss deutlich werden in der Abstimmung.

In der Union hat man bisher wenig warme Worte für die Gleichstellung im Eherecht gehört. Was hat sie zu Ihrer Einstellung bewogen?

Bis letztes Jahr war ich auch eher dagegen. Im August 2011 habe ich dann zu diesem Thema eine Anfrage auf Abgeordnetenwatch erhalten. Ich bin in mich gegangen und meine Position hat mich bei näheren Nachdenken nicht zufrieden gestellt. Ich kam zu dem Schluss, dass ich meine ablehnende Haltung nicht aufrecht erhalten konnte, weil sich auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner wie Eheleute lieben, füreinander einstehen, füreinander Verantwortung übernehmen. Das entspricht auch dem Prinzip der Subsidiarität (Prinzip der Eigenverantwortung und Hilfe zur Selbsthilfe, Red.).

Haben Sie hierzu auch Diskussionen in der Fraktion angeregt?

Das Thema wurde bislang nicht im großen Kreis der Fraktion diskutiert. Es gibt aber eine Arbeitsgruppe, in der neue Wege gesucht werden. Meine Arbeitsschwerpunkte sind andere. Aber ich weiß, dass das Thema für viele Menschen wichtig ist. Das ist mir auch im Gespräch mit Vertretern der LSU (Lesben und Schwule in der Union, Red.) in Frankfurt klar geworden.

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Hat Ihre Enthaltung Reaktionen bei Ihren Parteifreunden hervorgerufen?

Kaum. Ich habe den Verfahrensweg eingehalten und vor der Abstimmung in der Fraktion meine Enthaltung gemeldet. Das war alles. Ich weiß, dass es Kollegen in der Fraktion gibt, die ihr "Nein" schweren Herzens gegeben haben. Ich komme, wie die beiden Kollegen aus der CDU, die sich ebenfalls enthalten haben, aus einer Großstadt. Da wird dieses Thema offen diskutiert. In vielen ländlichen Gebieten wird das Thema Homosexualität gemieden.

Warum hat Ihre Partei noch immer ein so großes Problem mit gleichgeschlechtlichen Paaren?

Die Union trägt das "C" im Namen. Hier spielen christliche Werthaltungen eine Rolle und ein eher traditionelles Familien- und Geschlechterbild. Ich glaube aber, dass sich aus dem "C" heraus auch die Gleichstellung im Eherecht begründen lässt. Da ist an der Basis der Kirche vieles in Bewegung.

Auf Abgeordnetenwatch haben Sie den CSD als Hindernis auf dem Weg zur Gleichstellung beschrieben. Warum?

Beim CSD scheint sich alles um die öffentlich zur Schau gestellte Sexualität zu drehen, ein Karneval der Frivolität gewissermaßen. Ich überspitze hier bewusst. Bei der Frage der Gleichstellung geht es aber darum, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das ist ein sehr bürgerliches, ein konservatives Anliegen.

Aber der CSD ist auch der Ort, wo sich Selbsthilfegruppen präsentieren und politische Diskussionen stattfinden, für die sonst nirgendwo Platz ist. Die teilweise karnevaleske CSD-Parade ist nur ein kleiner Teil.

Das ist richtig, und hier habe ich selbst auch wertvolle Denkanregungen bekommen. Aber die Parade ist natürlich der öffentlichkeitswirksame Teil.

Wann, glauben Sie, wird die Union wie die anderen vier im Bundestag vertretenen Fraktionen die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren unterstützen?

Das kann ich im Moment nicht abschätzen. Vielleicht hilft es, Brücken zu bauen, wenn Lebenspartnerschaften komplett gleichgestellt werden, aber der Name "Ehe" nicht verwendet wird, einfach, um die Differenz deutlich zu machen.

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Tags: matthias zimmer, ehe-öffnung, cdu, bundestag
Schwerpunkte:
 Homo-Ehe in Deutschland
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Reaktionen zu ""Gleichstellung ist ein konservatives Anliegen""


 41 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
30.06.2012
12:27:20


(-1, 23 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Dr. Zimmer hat recht, vor allem damit, dass die CSDs eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Anerkennung von Schwulen und Lesben sind. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren haben sich die meisten CSDs in der Zwischenzeit zu einem Aufmarsch von Bekloppten, Exhibitionisten, sexuell Gestörten ("zeigefreudig") und Sexsüchtigen entwickelt. Beim CSD sieht man das ganze Elend, das auch(!) -neben sehr vielem Gutem und Schönem- mit Homosexualität verbunden sein kann. Auch wohlmeinden heterosexuelle Mitmenschen, die Familie und Kinder haben, werden Schwule und Lesben nach diesen CSDs beurteilen. Sie denken an die Zukunft ihrer Kinder und möchten nicht, dass diese Zukunft nur aus Hedonismus und Sexsucht besteht, so wie sie es auf dieser Parade der Absurditäten gezeigt bekommen. Seriöse Schwule und Lesben sollten in Zukunft den CSD meiden und andere Formen der Selbstdarstellung finden, die in eine Zeit passen, in der Schwule und Lesben in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und somit auch Mitverantwortung für die Gesamtgesellschaft übernehmen müssen.


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#2
30.06.2012
12:36:21


(-2, 18 Votes)

Von Enyyo


Wow, ein reflektierter und lernfähiger Mann, der Herr Dr. Zimmer.

Und das bei der CDU!
Leider bestätigen gerade in den "C-Parteien" solche Ausnahmen nur die Regel?

Trotzdem, weiter so!


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#3
30.06.2012
12:42:23


(+1, 25 Votes)

Von Jan1


Bevor der Hass hier losgeht: Sie haben meine Respekt, Herr Zimmer, wenn Sie auch auf Ihre Kolleginnen/Kollegen dahingehend einwirken.

Sie haben auch vollkommen Recht mit Ihrer Meinung zu den CSD's. Ich selbst war letzten Samstag in Berlin und war wieder einmal entsetzt.

Menschen, die im Tiergarten hemmunglos Sex haben,während Eltern mit ihren Kindern dort spazieren gehen. Halbnackte Schwachmaten, die auf dem Dildoking- Wagen obszöne Bewegungen machen, ein Sklavenwagen bei dem Menschen symbolisch wie Tiere gepeitscht wurden , Menschen mit Shirts " F****".

Sicher gab es auch positive Beispiele, z.B. die vielen Russen, die wahrlich ihren Stolz und ihre Würde zeigten oder auch einzelne Schwule und Lesben, die das Motto Wissen schaffte Akzeptanz ernstnahmen. Gelungen war auch die Rede von Frau BVerfR Baer.

Insgesamt überwog aber der Party-Charakter.
Eine vertane Chance: Wie stolz und würdevoll wäre es gewesen, wenn 500.000 Menschen eine Menschenkette für die Eheöffnung, die russischen Schwulen oder für das Motto "Wissen schafft Akzeptanz" gebildet hätten?Wieviel Aufmerksamkeit hätten wir in den Leitmedien bekommen?Wie eindrucksvoll wäre das gewesen?


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#4
30.06.2012
13:20:04


(-6, 22 Votes)

Von Timm Johannes


Das ist sehr lobenswert, Herr Zimmer.

"Ich bin in mich gegangen und meine Position hat mich bei näheren Nachdenken nicht zufrieden gestellt. Ich kam zu dem Schluss, dass ich meine ablehnende Haltung nicht aufrecht erhalten konnte, weil sich auch gleichgeschlechtliche Lebenspartner wie Eheleute lieben, füreinander einstehen, füreinander Verantwortung übernehmen."

---> Genauso ist es und dies haben beispielsweise nunmehr auch die britischen Konservativen erkannt und wollen die Ehe in England öffnen.

Sprechen Sie mit anderen CDU-Bundestagsabgeordneten, Herr Zimmer, die diesem Thema aufgeschlossen sind. Eine veränderte Haltung ist in den Reihen der CDU möglich.

Eines weiß ich sicher, wenn "eines Tages" das Thema Eheöffnung politisch endlich geschafft ist und dies kein Hinderungsgrund mehr für die Wahl der CDU ist, wird doch ein beachtlicher Teil der homosexuellen Wählerschaft die CDU wählen. Solange dies aber nicht der Fall ist, wandern bürgerlich denkende homosexuelle Wähler zur FDP und zu den Grünen ab.

Daher Herr Zimmer, es lohnt sich für die CDU, wenn sie dies Thema endlich aufgreift und so wie die britischen Konservativen handelt.

Übrigens Stefan Kaufmann hat sich auch der Stimme enthalten und das war richtig, Herr Kaufmann.


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#5
30.06.2012
13:39:29


(-5, 17 Votes)

Von Arthas


Dr. Zimmer hat Recht, die CSDs kann man als normaler Schwuler heutzutage nur noch meiden, es gibt genügend Alternativen sich zu engagieren. Politik gleich Null, dafür aber die pure sexuelle Verwahrlosung! Noch schlimmer ist es wenn Kinder sowas sehen und denken das ALLE Schwulen sich so benehmen, dann ist es auch kein Wunder warum Homophobie unter Jugendlichen zunimmt


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#6
30.06.2012
14:50:28


(+6, 8 Votes)

Von Floh


An die ganzen Kommentatoren hier: Ihr kennt den CSD anscheinend nur aus Fernsehen und Zeitungsbildern. Die Mehrheit der Teilnehmer ist werder als Drag Queen verkleidet noch als ausgepeitschter oder auspeitschender Volllatex- Mann.

Es mag in den Medien so dargestellt werden das man das Gefühl kriegt es sind nur Extreme vorhanden. Das entspricht aber nicht der Realität. Die sexy Jungs ( die keine Frau imitieren) werden, warum auch immer, kaum gezeigt. Auch die vorhandenen politischen Wagen werden, warum auch immer, nur am Rande abgelichtet.


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#7
30.06.2012
15:08:17


(-5, 7 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Erstaunlich, daß aus dem Mund eines Katholiken ausnahmsweise auch einmal wohlwollende Worte kommen!


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#8
30.06.2012
15:12:54


(+7, 13 Votes)

Von HomoSex ueberall


"Vielleicht hilft es, Brücken zu bauen, wenn Lebenspartnerschaften komplett gleichgestellt werden, aber der Name "Ehe" nicht verwendet wird, einfach, um die Differenz deutlich zu machen."

Gedankenspiel:

Der von der breiten Masse der Lohnabhängigen - ob schwul, lesbisch oder nicht - üppig entlohnte Rassist vermarktet seine Apartheidskonstrukte - und die rassistisch unterdrückten Untermenschen jubeln.

Wahnwitz? Nee, erfolgreiche bürgerliche "Sozialisation" und Indoktrination.

Siehe #1 bis #5.


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#9
30.06.2012
15:13:47


(-4, 12 Votes)

Von Sven


Er hat zwar damit Recht, dass das was sich zwischendurch beim CSD bietet abschreckend wirken kann.

Allerdings sollte man seine sexuellen Neigungen manchmal tasächlich etwas zurückhaltender präsentieren, und sich nicht auf offener Straße ins Maul pissen lassen, nicht nur weil in dem Moment ne Familie mit Kindern zugegen war...(vor ein paar Jahren, CSD Köln)

Man kann auch seine Fetische präsentieren ohne direkt auf in der Öffentlichkeit Sex zu haben...oder andere böse Dinge zu tun...dafür gibts bei den CSDs sicher genug Veranstaltungen außenrum...


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#10
30.06.2012
15:36:40


(+7, 13 Votes)

Von 21st century


"Beim CSD scheint sich alles um die öffentlich zur Schau gestellte Sexualität zu drehen, ein Karneval der Frivolität gewissermaßen."

und das berechtigt sie und ihre "christlichen" freunde dazu, menschen gleiche rechte zu verwehren?

ich lasse mir weder verbieten, meine sexualität ebenso "öffentlich zur schau zu stellen", wie heterosexuelle das auch bei jeder gelegenheit tun, noch lasse ich mir ihre reaktionäre vorstellung von "verantwortung" überstülpen.

mit der sie ja nur meinen, dass alles, was die profite von konzernen, banken und reichen schmälern könnte - angefangen bei versorgung und lebensrechten von kindern, allgemein soziale sicherheit - soweit wie möglich auf das konstrukt von "ehe" und "familie" abgewälzt werden soll.


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