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Gut, wenn der Sohn Hetero ist, sonst würde er womöglich Papi im Dampf treffen (Bild: GMfilms)

Der Spielfilm "Kawa" erzählt vom schwierigen Coming-out eines konservativen Familienoberhauptes in Neuseeland.

Von Carsten Weidemann

Familienoberhaupt? Was für ein verstaubtes Wort und was für eine fürchterlich veraltete Vorstellung von Familie, die dahinter steckt. Der Mann an der Spitze der Familienhierarchie, darunter dann Ehefrau und Kinder. Die Emanzipationsbewegung der Frauen hat in den vergangenen Jahrzehnten glücklicherweise einige dieser Bollwerke männlichen Machterhaltes eingerissen. Und dennoch gibt es sie noch, die patriarchalischen Strukturen. Die zeigen sich zwar weniger in einem "Oben" und "Unten" innerhalb der Beziehung, aber deutlich in den Vorstellungen, wie sich denn ein Ehemann und eine Ehefrau oder die Kinder zu verhalten haben. Wenn das Bild, das man nach außen verkörpert Risse bekommt, weil es mit dem inneren Selbst nicht übereinstimmt, nimmt das Drama seinen Lauf. So eine Geschichte erzählt Regisseurin Katie Wolfe.

Die Story: Auckland, neuseeländischer Mittelstand, glückliche Familie, schönes Haus. Kawa (Calvin Tuteao) ist ein stolzer Ehemann und Vater, erfolgreich im Beruf, ein Mann, der alles hat. Bald soll er, ganz dem kulturellen Erbe einer Maori-Familie verpflichtet, die Führung der (Groß-)Familie übertragen bekommen. Doch so einfach ist das alles natürlich nicht, denn: Kawa hat auch ein Geheimnis, er sucht gerne Badehäuser auf, und das nicht zum Schwitzen, nein: er steht auf Männer. Er hat auch einen Geliebten, einen smarten jungen Schauspieler (Dean O'Gorman).

Die schwule Vätergruppe der Māori wird es nicht so schnell geben

Natürlich lässt sich das Geheimnis nicht verbergen, denn eines Abends werden die beiden von Kawas Mutter beobachtet, wie sie sich küssen. Die Konsequenz: Kawa soll aus seiner Familie verstoßen werden. Doch gibt es wirklich nur diesen einen Weg? Kann es keine Versöhnung zwischen Althergebrachtem und Moderne geben? Die Familie ist gezwungen, wieder zusammenzufinden und mit sich ins Reine zu kommen. Aber wie wird das allen Beteiligten gelingen?

Die Vorfahren der heute rund 560.000 auf Neuseeland lebenden Māori haben vermutlich im 13. Jahrhundert mit der Besiedelung begonnen. Mit der zunehmenden Einwanderung von Europäern, kriegerischen Auseinandersetzungen um Land und Besitz und die Einschleppung neuer Krankheiten, dezimierte sich das Māori-Volk gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Das befürchtete völlige Aussterben fand nicht statt, aber nur 15 Prozent der Bewohner Neuseelands zählen heute zu den Māoris. Der Minderheitenstatus und die Geschichte sorgten für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und einer Stammes-Identität. Und damit auch zu dem starken Wunsch, traditionelle Lebens- und Familienmodelle zu erhalten. Vor der überwältigenden Küstenkulisse der neuseeländischen Nordinsel entfaltet sich deshalb ein sehr beeindruckendes und sinnliches Drama.

KAWA, NZ 2010, 76 min, Regie: Katie Wolfe, engl. OmU, FSK 12, Verleih: GMfilms. Nach einem Buch von Witi Ihimaera ("Whale Rider")

Youtube | Offizieller Trailer
Aufführungstermine

Berlin: Xenon, Kolonnenstraße 5-6, ab 05.07.2012
Berlin: International, Karl-Marx-Allee 33, 30.07.2012
München: City, Sonnenstraße 12, 30.07.2012
Galerie:
KAWA (Spielfilm, NZ 2010)
12 Bilder


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 05.07.2012, 20:28h
  • Die Maori sind die Ureinwohner Neuseelands und der Film spricht ein sensibles Thema an: ein Mann, der zu dieser ethnischen Gruppe gehört und seine Homosexualität heimlich auslebt. Mich würde gern einmal interessieren, wie denn die Ureinwohner Neuseelands und die Australiens (die Aboriginies) über das Thema Homosexualität denken und wie sie damit umgehen.
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#2 MoxMoxAnonym
  • 07.07.2012, 13:02h
  • "Gut, wenn der Sohn Hetero ist, sonst würde er womöglich Papi im Dampf treffen"

    Iiihhhh!
    Wenn ich an manche Väter meiner Exfreunde denke...geile Fantasie. Aber doch nicht wenn man an seinen eigenen Vater denkt!
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