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Promi-Preisträger der kiloschweren Kompassnadel ist in diesem Jahr der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker (Bild: Christian Scheuß)

Die Kölner Urgesteine Ludwig Rubruck und Alfred Schiefer wurden gemeinsam mit dem Sexualwissenschaftler Martin Dannecker ausgezeichnet.

Von Christian Scheuß

Es ist Cologne-Pride-Samstag am frühen Nachmittag. Das Wummern der Tanzbühne ist vorüberstehend verstummt. Vor dem Gürzenich, Kölns guter Eventstube, versammelt sich das "Who is who" der schwul-lesbischen Community und schreitet die große Freitreppe hinauf in den großen Saal, in dem zum zwölften Mal die "Kompassnadel" verliehen werden soll. Der von den Dachverbänden "Schwules Netzwerk" und "AIDS-Hilfe NRW" initiierte CSD-Empfang hat nicht nur Tradition, sondern auch etwas Sakrales. 700 Gäste zelebrieren das Hochamt auf das schwul-lesbische Ehrenamt. Georg Roth führt als Sister George wie immer mit Charme und bissigen Kommentaren durch eine zweistündige Zeremonie mit Zeitüberziehungs-Garantie.

Jedes Jahr gibt es Diskussionen darüber, ob die Preisträger - vor allem die aus der Abteilung Prominenz - es denn verdient haben, die kiloschwere Kompassnadel-Skulptur in die Hände gedrückt bekommen. In diesem Jahr gibt es nicht den Hauch eines Zweifels. Mit dem bekannten Sexualwissenschaftler Martin Dannecker sowie den langjährigen Kölner Aktivisten Ludwig Rubruck (81) und Alfred Schiefer (83) hat man ins Schwarze getroffen. Die Kompassnadel 2012 ging damit an den Intellekt und die Liebe.

Alfred und Ludwig sind vor Rührung und Nervosität sprachlos


Die gerührten Szene-Pristräger: Ludwig Rubruck und Alfred Schiefer sind seit 56 Jahren ein Paar (Bild: Christian Scheuß)

"Alfred und Ludwig" sind das Synonym für ein seit 56 Jahren auch privat liiertes Paar, das die Aufbaujahre des ersten Kölner Schwulen- und Lebenzentrums SCHULZ und weiteren Institutionen wesentlich mitgeprägt hat.Als ehrenamtliche Berater und Fotografen, als Spender und Förderer waren sie für Jahrzehnte mittendrin im Geschehen.

Laudator Stefan Meschig zitierte Willigis Jäger: "Am Ende unseres Lebens werden wir uns zuerst und vor allem der Frage stellen müssen, wie viel wir geliebt haben." Meschig ergänzt: "Ihr habt uns mit eurem Lachen, eurer Liebe und mit eurer kämpferischen Unterstützung bereichert." Die Geehrten waren so nervös und gerührt, dass sie anders als sonst kaum eine Silbe herausbrachten.

Dannecker betonte immer, das wir "anders" sind und auch bleiben

An kämpferischer Aktivität hat es auch Martin Dannecker nie gemangelt. Gemeinsam mit Rosa von Praunheim drehte er die agitatorische Doku "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt", die Initialzündung zur Gründung vieler Schwulengruppen in der Bundesrepublik war.

Als Wissenschaftler veröffentlichte Dannecker 1974 die erste große empirische Studie über homosexuelle Lebensweisen. Damals ein Standardwerk, heute ein Klassiker. Auch bei der Aids-Aufklärung hat er entscheidende Impulse gegeben.

Laudator Jörg Litwinschuh von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld gratulierte: "Die Welt hat sich im Sexuellen sehr verändert. Kritisch auf die Gesellschaft zu schauen, dies theoretisch zu untermauern und dies immer mit dem Menschen zu verbinden, das sind auch in Zukunft unsere Aufgaben."