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  • 09.07.2012           14      Teilen:   |

Rheine: 9 von 10 Zahnärzten wollen Positiven nicht behandeln

Immer wieder weigern sich Zahnärzte, Patienten mit HIV zu behandeln - Quelle: Wiki Commons / Politikaner / CC-BY-SA-3.0
Immer wieder weigern sich Zahnärzte, Patienten mit HIV zu behandeln (Bild: Wiki Commons / Politikaner / CC-BY-SA-3.0)

Die Aids-Hilfe Münster kritisiert irrationale, diskriminierende und pflichtverletzende Verhaltensweisen von Zahnärzten in Rheine: Auf telefonische Nachfrage hätten neun der zehn Praxen der Ems-Stadt erklärt, einen HIV-positiven Patienten nicht oder nur als Notfall beziehungsweise am Abend behandeln zu wollen. Dies berichtet die Münstersche Zeitung.

Anfang Juli habe sich ein HIV-positiver Mann aus Rheine an die Aids-Hilfe Münster gewandt, ob diese einen Zahnarzt in seinem Wohnort kenne, der ihn behandeln würde, heißt es in dem Artikel vom vergangenen Freitag. "Sein bisheriger Zahnarzt hatte eine weitere Behandlung aufgrund der HIV-Diagnose abgelehnt", erklärte Aids-Hilfe-Mitarbeiter Ulrich Besting. Er und seine Kollegen setzten sich daraufhin ans Telefon und fragten bei zehn Zahnärzten aus Rheine an. Das erschreckende Ergebnis: Nur ein einziger erklärte sich ohne jede Einschränkung bereit, den positiven Mann zu behandeln. "Der Zahnarzt wies darauf hin, dass er ohnehin jeden Patienten so behandeln müsse, als sei er mit HIV oder Hepatitis infiziert", lobte Besting die Reaktion.

Die Ängste der anderen neun Ärzte nannte der Mitarbeiter der Aids-Hilfe Münster "irrational" und "diskriminierend": Er verwies auf eine Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts, nach der die "routinemäßig erforderlichen Hygienemaßnahmen" auch bei bekannt HIV-positiven Zahnarzt-Patienten genügen und es keine Notwendigkeiten für Behandlungstermine am Ende eines Sprechtages besteht. "Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen, sind aufgrund der modernen Therapien kaum noch infektiös", erklärte Besting zudem gegenüber der Münsterschen Zeitung.

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Bei Verstößen gegen die Behandlungspflicht kann ein Arzt seine Approbation verlieren

"Grundsätzlich müssen solche Patienten behandelt werden", erklärte auch Anne Sandfort, Justiziarin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. Verstoße ein Arzt gegen diese Behandlungspflicht, könne er seine Approbation verlieren. Das Verschieben der Behandlung auf die Abendstunden hält sie allerdings für legitim. Bei HIV-positiven Patienten sei das Bemühen um besondere Vorsicht "verständlich", wird Sandfort in der Münsterschen Zeitung zitiert.

Die Behandlungsverweigerungen aus Rheine sind kein Einzelfall. Seit Jahren gibt es immer wieder Berichte über Ängste von Zahnärzten, HIV-Positive zu behandeln. Auf queer.de hatten wir zuletzt über einen Fall aus Osthofen bei Worms berichtet, wo eine Praxis einen 38-Jährigen abgewiesen hatte, nachdem er die Arzthelferin per Fragebogen über seine HIV-Infektion informiert hatte.

Angesichts der Reaktionen der Zahnärzte in Rheine ist dem HIV-positiven Blogger Ondamaris nun die Geduld geplatzt. "Es reicht", heißt es in seinem Artikel vom Montag, in dem er ein Ende "dieser Stigmatisierung und Behandlungsverweigerung durch Zahnärzte" fordert. Rhetorisch fragt der Blogger: "Oder wird es Zeit, dass HIV-Positive den Deutschen Zahnärzte-Tag aufmischen, hier ihren Protest deutlich hörbar machen?" Der nächste Deutsche Zahnärztetag findet am 9. und 10. November 2012 in Frankfurt statt - kurz vor dem Welt-Aids-Tag. (cw)

Links zum Thema:
» Bericht der Münsterschen Zeitung
» Kommentar von Blogger Ondamaris
Mehr zum Thema:
» Zahnarzt will HIV-Positiven nicht behandeln (20.07.2011)
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Tags: hiv, zahnarzt, rheine, behandlungsverweigerung
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Reaktionen zu "Rheine: 9 von 10 Zahnärzten wollen Positiven nicht behandeln"


 14 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
09.07.2012
10:51:00


(+5, 5 Votes)

Von Tomm


"Bei HIV-positiven Patienten sei das Bemühen um besondere Vorsicht "verständlich", wird Sandfort ( Justiziarin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe) in der Münsterschen Zeitung zitiert ...

Kaum zu glauben, das es sich bei der Dame um eine "studierte" Person (Juristin) handelt !!


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#2
09.07.2012
11:30:34


(+3, 3 Votes)

Von anonymus


Davon kann ich ein Lied singen ...
Auch wenn man die Zahnärzte theoretisch belangen könnte, wird man irgendwann entnervt aufgeben. Ich habe mir einen 3 monatigen Briefwechsel/krieg mit der zahnärztlichen Vereinigung geliefert weil ich vom Samstagsnotdienst nicht behandelt wurde und mir daraufhin in der folgenden Woche der Zahn gezogen werden mußte, was nicht hätte sein müssen bei sofortiger Behandlung. Mein Zahnarzt hat mich noch unterstützt und sich mit der anderen Praxis in Verbindung gesetzt, hat sich also gegen seinen "Kollegen" gestellt. Hat alles nix genutzt - übrígens werde ich und andere Positive bei meinem Zahnarzt n i c h t auf die Abendstunden verlegt - das würde ja im Umkehrschluß bedeuten, die Zahnärzte nehmen es mit der Desinfektion und den Reinigungsmaßnahmen tagsüber nicht ganz so genau - Hepatitis B/C Syph und Tripper und anderes ist ja wesentlich leichter zu übertragen ... auch und vor allem bei unsterilem Arbeitswerkzeug des Zahnarztes ....
Der immer wiederkehrende Tenor der zahnärztlichen Vereinigung war, ist, lautet: Zahnärzte sind nicht verpflichtet jemanden zu behandeln solange dessen Leben nicht unmittelbar davon betroffen, also bedroht ist...


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#3
09.07.2012
11:42:38


(0, 2 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Was bilden sich die Zahnärzte in Rheine eigentlich ein? Anscheinend haben die noch nie etwas vom "Eid des Hippokrates" gehört:

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Eid_des_Hippokrates


Darin steht u. a.:

"Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden."

und

"Wenn ich diesen Eid erfülle und nicht breche, so sei mir beschieden, in meinem Leben und in meiner Kunst voranzukommen, indem ich Ansehen bei allen Menschen für alle Zeit gewinne; wenn ich ihn aber übertrete und breche, so geschehe mir das Gegenteil.“

Die Diskriminierung von HIV-Positiven muß aufhören!


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#4
09.07.2012
12:28:49


(+2, 4 Votes)

Von Timm Johannes


Also ganz einfache Lösung:

Einfach beim Zahnarzt nicht verraten, dass man/frau HIV-positiv ist. Als Patient beim Zahnarzt besteht keine Pflicht, dass der HIV-Positive dem Zahnarzt von seiner Infektion berichtet.

Natürlich wäre es besser, wenn der HIV-Positive sorglos den Zahnarzt informieren könnte, aber das "Problem" umschifft sich, indem die Infektion beim Zahnarzt einfach nicht angegeben wird.


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#5
09.07.2012
13:00:52


(+3, 5 Votes)

Von Roman Bolliger


Somit kann man 90% der Zahnärzte und Zahnärztinnen jener Stadt attestieren, keine wissenschaftlich fundierten Mediziner zu sein, sondern vielmehr religiös und/oder abergläubisch inspirierte Angsthasen und Angsthäsinnen.


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#6
09.07.2012
18:24:53


(+2, 2 Votes)

Von DannyCologne89
Aus Köln (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 17.08.2016


Tja das ist halt so in der Region... Komme aus der Ecke dahinten die leben noch ein bisschen hinterm mond... Leider!

Dabei sind wir doch alle nur Menschen... Ich kenne viele HIV-Positive die aufpassen, die würden denen bestimmt kein Blut ins Gesicht spritzen... (War mal n Argument im Dorf Uelsen)

Bescheuert nicht wahr? Wahre Diskriminierung! Positive werden oft wie Abschaum behandelt. Dabei sind Positive nix anderes als die Zahnärzte auch - nämlich MENSCHEN


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#7
09.07.2012
18:37:24


(+2, 2 Votes)

Von aua-zahn


ich vermute die zahnärzte befürchten, dass ihre praxen von den braven rheiner bürgern boykottiert werde, wenn herauskommt, dass hiv-positive dort behandelt werden.

von ärzten würde ich mehr zivilcourage erwarten!!!


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#8
09.07.2012
19:44:44


(0, 2 Votes)

Von vulkansturm


Bin mittlerweile seit 25 Jahren HIV-Positiv und seit vier Jahren konstant Virus unter der Nachweisgrenze, also kaum infektiös.
Muss nach meinen neuesten Erfahrungen leider sagen, dass es besser ist, den Zahnarzt nicht über die Infektion zu informieren. An meinem alten Wohnort hatte ich den Zahnarzt aufgrund früherer negativer Erfahrungen nicht informiert und war super behandelt worden.
An meinem neuen Wohnort fragte ich bei der Aidshilfe nach einem zu empfehlenden Zahnarzt.
Diese hatten ähnlich wie in Münster bei den Zahnärzten nachgefragt, welche von diesen bereit wären, einen HIV-Positiven zu behandeln.
Zu einem dieser Ärzte bin ich dann auch gegangen und mein akutes Problem wurde auch behoben. allerdings kannte ich es von vorherigen Zahnarztbesuchen, dass regelmässig Zahnstein entfernt wurde und das ganze Gebiss nach Karieslöchern abgesucht wurde.
Also ohne Information über HIV volles Behandlungsprogramm. Mit Information wird nur da allernötigtste gemacht und der Arzt ist froh, wenn er einen wieder los ist.
Die Zahnärzte sollten aufhören in diesen
Fragebögen nach HIV zu fragen.
Ich bin jedoch mittlerweile eindeutig der Meinung, dass es sowohl für mich, wie auch für den Zahnarzt besser ist, wenn dieser nichts von der Infektion weiss. Ein nervöser Zahnarzt richtet eventuell mehr Schaden als Nutzen an


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#9
09.07.2012
20:47:26


(+2, 2 Votes)

Von Marek


Auch unter Akademiern gibt es Dummheit und Hass.


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#10
09.07.2012
22:52:20


(-1, 1 Vote)

Von postagebuch
Aus Frankfurt (Hessen)
Mitglied seit 13.01.2012


Ich bin selbst HIV-positiv und habe auch meine eigene Erfahrung mit der Zahnarztbehandlung gemacht.

Ich erinnere mich gerade daran, wie es bei mir gewesen ist, als ich mich bei meinem Zahnarzt outete.

Darüber schreibe ich in meinem Blog:

Link:
postagebuch.wordpress.com/2012/07/09/als-hiv-posit
iver-beim-zahnarzt-teil-1/


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