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  • 14.07.2012           2      Teilen:   |

Medien-Satire: Ich war mal prominent

Der Autor kennt sich im Medienbetrieb aus; Klaus-Peter Grap moderierte einst die MDR-Talkshow "Riverboat"
Der Autor kennt sich im Medienbetrieb aus; Klaus-Peter Grap moderierte einst die MDR-Talkshow "Riverboat"

Im Roman "Flaatsch" erzählt Klaus-Peter Grap die Geschichte eines geschassten TV-Moderators, der bei seinem besten schwulen Freund Unterschlupf findet.

Von Angelo Algieri

Gut, dass Peter Sander seinen schwulen, besten Freund Frederik hat. Der päppelt ihn etwas auf. Denn Peter hat seinen Job als Moderator einer bekannten Fernsehsendung verloren. Und zwar von heute auf morgen. Gleichzeitig erfährt er, dass seine Freundin Suzanne einen anderen hat. Er glaubt sich am Tiefpunkt, doch es kommt noch schlimmer...

So der Beginn des Romans "Flaatsch" von Klaus-Peter Grap, der im Berliner Satyr Verlag erschienen ist. Grap, Jahrgang 1958, ist wie sein Protagonist Moderator, Schauspieler und Synchronsprecher. Er moderierte etwa im MDR die Talkshow "Riverboat" Ende der 1990er Jahre sowie auf RTL "Tut er's oder tut er's nicht?". Zudem ist er regelmäßig in Fernsehserien zu sehen, beispielsweise in "Für alle Fälle Stefanie", "Danni Lowinski" oder in verschiedenen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen. Außerdem ist er im Berliner Radio 88,8 abendlich als "Ohrenbär" zu hören.

Doch zurück zum Plot. Dass vor Peters Haus noch Tage nach dem Rauswurf die Hölle los ist, ist nicht verwunderlich. Schließlich hat er in der "Skandal-"Sendung die "Mutter der Nation" beleidigt. Auch sonst ging in der Live-Sendung so einiges schief... Zudem interessiert die Boulevardpresse, wie Peter die Trennung von Suzanne verkraftet. Der Skandal ist perfekt!

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Frederiks Schwuppen-Clique muntert den gefallenen Hetero auf

Ein Glück, dass Peter bei Frederik Unterschlupf bekommt. Er übernachtet dort einige Tage. Um Peter auf ein paar andere Gedanken zu bringen, lädt Frederik seine Schwuppen-Clique ein. Heiner ist total angetan von Peter, dem die Anmache zunächst unangenehm ist. Doch zu Silvester sollen sich beide besser verstehen. Sie tauschen sich über ihr Leben aus: Heiner ohne Tunten-Allüren und Peter offenherzig.

Der Image-Schaden für Peter ist nach dem TV-Debakel groß. Keiner möchte ihn einstellen. Aber er braucht unbedingt Geld. Frederik stellt ihn als Möbelpacker bei seiner Auktionsfirma ein. Nach ein paar Wochen gibt Peter jedoch auf, weil sein Gesicht noch zu bekannt ist. Er versucht sich als Call-Center-Agent, doch die rigiden Arbeitsbedingungen machen ihn fertig. Bei der Arbeitsagentur entdeckt er anschließend den bürokratischen Alltagswahnsinn... Cornelia, die beste Freundin seiner Ex und mittlerweile selbst mit Peter gut befreundet, nimmt ihn beim Synchronsprechen mit. Immerhin, hier verdient er für einen Satz eine kleine Gage. Doch sonst scheint alles aussichtslos für die gewohnte Rampensau.

Selbst die Bitte eines ehemaligen Klassenkameraden, die Jahresversammlung seines Imkervereins in Heppenheim zu moderieren, gerät zu einer fürchterlichen Provinz-Posse. Peter ist frustriert. Einzige Hoffnung: ein Karriere-Coach. Peter bekommt dort den Rat, sich ständig ins Gespräch zu bringen, beispielsweise durch ein Buch. Das Resultat hält der Leser in den Händen...

Slapstick, subtile Ironie und eine Prise Bitterkeit

Grap, Jahrgang 1958, arbeitet als Schauspieler, Synchronsprecher und Moderator. "Flaatsch" ist sein erster Roman
Grap, Jahrgang 1958, arbeitet als Schauspieler, Synchronsprecher und Moderator. "Flaatsch" ist sein erster Roman

Autor Grap analysiert präzise - mit einem Augenzwinkern - die harte Welt hinter den TV-Kulissen. Es geht nicht nur um Einschaltquoten, sondern auch um das Image eines Fernsehsenders. Ein Moderator transportiert ein Image-Produkt des Senders: Ausscheren somit unerwünscht. Und wer einen Fehler macht, fliegt. Doch der Rausschmiss hat für Peter noch einen anderen, bitteren Preis: Ihm haftet von nun an ein schlechter Ruf an. Zudem zeigt Grap konsequent, wie vor allem Boulevard-Medien ihren Anteil am Ruf eines Moderators haben.

Zusätzlich gelingt es dem in Berlin lebenden Autor, ein Gespür für den Alltag von nicht-prominenten Künstlern aufzuzeigen. Er verdeutlicht dies anhand der Figur Cornelia, die täglich um das Überleben kämpft - und das als alleinerziehende Mutter von zwei lebhaften Kindern.

Vom Stil her oszilliert der Roman zwischen Slapstick und subtiler Ironie. Komisch etwa ist gleich zu Beginn die letzte Sendung, die zum Rausschmiss Peters geführt hat. Eine Panne führt zur nächsten Katastrophe. Auch lustig ist die Provinz-Posse im Imker-Verein. Absurd - beinahe kafkaesk - ist dagegen die Arbeitsagentur-Szene. So ergibt sich ein schöner Mix von verschiedenen Humor-Stilen. Doch es ist nicht alles lustig: Grap mischt seinen Humor mit Nüchternheit und Melancholie. Und mit einer Brise Bitterkeit und Resignation. Weil die Fernseh- bzw. Promi-Welt so tickt, wie sie eben tickt...

Die Eitelkeit des B-Schauspielers

Dennoch muss ich etwas Wasser in den Wein einschenken - leider. Trotz der minutiösen Zersetzung Peters ist der Roman zu lang und teilweise geschwätzig. Eine Straffung und Kürzung hätte dem Text sehr gut getan. Zudem fühlt man sich als Leser mit dem Ende des Buches zum Teil betrogen. Man fragt sich: "Habe ich das Buch deswegen gekauft, damit Grap sich ins Gerede bringt?" oder "Bin ich auf die Eitelkeit eines B-Schauspielers reingefallen?" oder "Geht es dem Autor gar nicht um die Geschichte, sondern um wieder moderieren zu können?"

Auf der einen Seite ist das gut, dass Grap uns auf fiese Promi-Strategien von Beratern und Agenten aufmerksam macht und sensibilisiert. Ja mehr noch: Diese hinterfragt! Doch auf der anderen Seite benutzt er genau dieselben Mittel, um dies zu verdeutlichen. Doppelte Ironie, möchte man freudig ausrufen. Allerdings: auf Kosten des Lesers?

  Infos zum Buch
Klaus-Peter Grap: Flaatsch. Ich war mal prominent. Roman. Satyr Verlag, Berlin 2012. 270 Seiten. 14,90 €. ISBN: 978-3-9814891-0-1
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Roman und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Homepage von Klaus-Peter Grap mit aktuellen Lesungsterminen
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Tags: klaus-peter grap
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Reaktionen zu "Medien-Satire: Ich war mal prominent"


 2 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
14.07.2012
14:42:27


(-2, 2 Votes)

Von Karel Zeich


Hier kriegt man immer den verzerrten Eindruck, als würden homosexuelle Autoren nur B-Lektüre verfassen können.


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#2
15.07.2012
14:19:54


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Geschichte kommt einem bekannt vor: es gibt in Deutschland zahlreiche Moderatoren, denen so ein ähnliches Schicksal passiert ist.


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