Grummel, Kreisch, Heul, Haare zerrauf!!! Die homosexuelle Beziehung zwischen Green-Lantern-Held Alan Scott und Lover Sam hielt nur ein Comicheft lang.
Von Christian Scheuß
Schockschwerenot! Schwule Beziehungen gelten ja landläufig als äußerst kurzlebig. Wer zehn Jahre hinter sich hat, wird frenetisch bejubelt, bei 20 Jahren ungläubig angestarrt. Aber eine homosexuelle Liebe, die nur ein Comicheft lang hält? Das ist dann doch etwas zu schnell. Im Juni noch hatte Comicheld Alan Scott von der intergalaktischen Weltenretter-Truppe Green Lantern im Abenteuer "Earth 2 #2" seinen Lover Sam knutschend in die Arme geschlossen und damit der Leserschaft demonstriert: "Ich bin ein schwuler Supermann und das ist gut so" (queer.de berichtete). Genau ein Heft später verliert er bereits seinen Geliebten durch ein schreckliches Zugunglück.
Wie konnte das passieren? Was machen die Beiden auch ausgerechnet in einem Schnellzug nach Hangzhou in der chinesischen Provinz Zhejang, wo doch sonst kein Superheld hin will? Sollte der explodierte Zug von Siemens entwickelt worden sein, werden wir sofort eine juristische Prüfung auf Schadensersatz und Schmerzensgeld veranlassen! Alan Scott überlebt als Einziger das Inferno, weil ihn so ein dahergelaufenes sprechendes grünes Leuchtedingens schützt und heilt. Doch warum rettete es nicht auch seinen Freund? Das verantwortungslose Energiebündel argumentiert wie ein Schalterbeamter nach Dienstschluss: "Es war nur meine Aufgabe dich zu schützen, damit du die dir vorgesehene Rolle erfüllen kannst." Bla, bla, bla, lauter Sprechblasen. Wo kann man der grünen Lampe den Saft abdrehen?
Fortsetzung nach Anzeige
Die kurze schwule Beziehung dient der Dramaturgie
Vor einem Heft war die schwule Comicwelt noch in Ordnung
Wir sind empört! Das ist doch hier nicht das olle Raumschiff Enterprise, wo stets klar war: Die Männer in den roten T-Shirts, die mit Kirk, Pille und Spock auf den Pappmaschee-Planeten heruntergebeamt wurden, die sind gleich tot. Reine Statisten-Staffage um klar zu machen: Hu hu huuu, hier ist es aber ganz schön gefährlich!
Der Autor James Robinson hat dieses zarte schwule Liebespflänzchen bei Green Lantern nicht der Emanzipation wegen angelegt, sondern nur, um der Story eine dramatische Wende zu verpassen und dem Helden ein Motiv für das Erwachen der bösen Seite in ihm zu geben.
Wir sind nicht naiv und wissen, dass das ein beliebter Kniff der Story-Schreiber ist. Derricks Frau war auch mal kurz da und plötzlich wieder verschwunden, trotzdem musste Stefan mit Klein-Harry ewig weiter ermitteln, als wär nichts gewesen. Aber hätten die beiden schwulen Jungs nicht erst noch eine Regenbogenfamilie gründen oder zumindest noch einen CSD gemeinsam erleben dürfen? Uns würde es nicht wundern, wenn Alan in "Earth 2 #4" dem Suff und den Drogen verfällt, Mitglied bei der FDP oder den Piraten wird, sich nur noch in übelriechenden Darkroom-Kellern aufhält und anschließend zum Rollenmodell-Kandidat für die IWITT-Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe mutiert, weil er aus Selbstmitleid nur noch ohne Kondom rumvögelt.
Wir ziehen auf jeden Fall die Regenbogenfahne auf Halbmast, verlassen unter Protest das Green Lantern Universum und gehen nächsten Donnerstag ins Kino. Zu Batman. Der ist wenigstens besser gepanzert und steigt nicht in unsichere öffentliche Verkehrsmittel...
Kommentare:Selbst kommentieren | Bisher 10 KommentareArtikel teilen:(mehr) Klicke hier, um Buttons undähnliche Dienste von sozialen Netzwerken dauerhaft auf queer.de anzuzeigen. Dabei werden bereits bei einem Seitenbesuch auf queer.de Daten an die Dienste übertragen. Du kannst das später wieder abschalten. Mehr Infos in den AGB.Dieser Bericht ist mir etwas wert:(Info)
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Reaktionen zu "Schwuler Green-Lantern-Lover schon wieder tot"
Von Timm Johannes Antwort zu Kommentar #1 von Arthas
Es gibt ja noch einige andere homosexuelle Comicfiguren wie beispielsweise Midnighter und Apollo oder Shatterstar und Rictor oder Obsidian und Damon Matthews oder Batwoman bei Marvel Comics oder DC Comics....
Von Feendrache Aus Leipzig (Sachsen) Mitglied seit 16.10.2011
Ich erspare mir hierzu einen längeren Kommentar und zitiere einfach mal eine meiner Amazon-Rezension:
>>Homosexuelle Literatur ist in meinen Augen ein doch recht umstrittenes Gebiet:
........
3. in jeder dritten Geschichte stirbt der Hauptcharakter einen tragischen Tod durch AIDS, Schuss- und Stichwaffen oder wahlweise durch Selbstmord.
......
Von stromboli Profil nur für angemeldete User sichtbar Antwort zu Kommentar #3 von Feendrache
ja, nur ein toter schwuler ist ein guter schwuler!
Das durchzieht alle "dramatische" darstellung von schwulem. Der pausenclown der heterogesellschaft ist dann die tunte...
eins wie das andere soll traurig stimmen.
Im film gilt das selbe maß; jeder 3te in jeder geschichte in der schwul vorkommt nimmt ein schröckliches ende, und hier zudem auch nur als randerscheinung erlaubt.
In The mexican", einem Rodrigues/Roberts/Pitt vehickel im Tarantino stil,spielt ein schwuler auftragskiller eine bemerkenswert wichtige rolle mit identifikatioinsgehalt.. aber .., am schluss muss er ins gras beisen.. sprichwörtlich, um die balance der heterogeschichte des filmes nicht zu stören...
Wobei "hauptfiguren" es nur im schwul/lesbischen film gibt..; der mainstreamfilm mit homosexuellen hauptfiguren lässt sich bis heute an den fingern abzählen... und wird dort zumeist als chiffre gezeichnet, denn als offen schwuler.. siehe Lumets "Hundetage"
Von haulchen Aus Marburg (Hessen) Mitglied seit 27.07.2011
Öhmm... IWITT? Für "Ich weiß - ich tus trotzdem"? Könnte in diesem Kontext fast schon Absicht gewesen sein... Oder ist da doch einfach ein Buchstabe verrutscht?