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  • 19.07.2012           41      Teilen:   |

Katholisches Krankenhaus kündigt lesbischer Seelsorgerin

Wollte "selbstverständlich" mit ihrer Freundin leben und verlor deshalb den Job: Kirstin Germer
Wollte "selbstverständlich" mit ihrer Freundin leben und verlor deshalb den Job: Kirstin Germer

Nach zwölf Jahren im Dienst outete sich die 40-jährige Pastoralreferentin Kirstin Germer aus Dinslaken beim Dechant - und wurde fristlos entlassen.

Von Carsten Weidemann

Schon wieder musste eine Mitarbeiterin einer katholischen Einrichtung ihren Hut nehmen, nur weil sie lesbisch ist: Nach zwölf Jahren im Dienst wurde Kirstin Germer, Pastoralreferentin und Krankenhausseelsorgerin im Dinslakener St.-Vinzenz-Hospital, zum 31. Juli 2012 gekündigt.

Sie wolle künftig "selbstverständlich" mit ihrer Lebenspartnerin leben, hatte die 40-Jährige zuvor ihrem vorgesetzten Dechant Gregor Kauling mitgeteilt - der davon wenig begeistert war. "Die fristlose Kündigung hat mich überrascht, aber so ist das in der Katholischen Kirche und ihrem Umgang mit Homosexualität", meinte Kirstin Germer resigniert gegenüber der "NRZ".

In der vergangenen Woche wurde die beliebte Mitarbeiterin mit einer Eucharistiefeier in der überfüllten Kapelle des Hospitals verabschiedet. Pastor Gregor Kauling sprach laut einem Bericht der "WAZ" von einem "entscheidenden Tag für dich und das Haus", von einer "Herzensangelegenheit und Berufung, hier im Hospital zu arbeiten", von einer "Säule und Stütze für Patienten und Mitarbeiter", aber auch von einer "persönlichen und mutigen Entscheidung, den neuen Lebensweg jetzt gemeinsam zu gehen".

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Kein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

Germer, eine gelernte Industriekauffrau, hatte Katholische Theologie in Münster und Fribourg studiert, in der klinischen Seelsorge aber schon früh ihre Berufung gefunden. Zu ihren Aufgaben im St.-Vinzenz-Hospital gehörten Gespräche und Gebete am Krankenbett, die Betreuung von Angehörigen, Segnungen von Neugeborenen, aber auch Beerdigungen von früh- und totgeborenen Kindern. Wie es mit ihr beruflich weitergehen wird, weiß Kirstin Germer noch nicht. "Jetzt bin ich erst einmal arbeitslos. Aber vielleicht bewerbe ich mich auf eine andere Stelle im Krankenhaus."

Nach der geltenden Rechtslage wäre eine Klage gegen die fristlose Kündigung aufgrund des so genannten Tendenzschutzes aussichtslos. Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das die Diskriminierung von Arbeitnehmern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung eigentlich verbietet, haben die Kirchen weitreichende Ausnahmen zugebilligt bekommen.

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Tags: kirstin germer, st.-vinzenz-hospital
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Reaktionen zu "Katholisches Krankenhaus kündigt lesbischer Seelsorgerin"


 41 User-Kommentare
« zurück  12345  vor »

Die ersten:   
#1
19.07.2012
13:28:07


(+6, 8 Votes)

Von Mitch
Aus Berlin
Mitglied seit 21.06.2010


Tja, das ist eben die viel gerühmte Religionsfreiheit, unter die sich in Deutschland aktuell so einiges unterzuordnen hat.

Schon traurig.


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#2
19.07.2012
13:30:56


(-6, 12 Votes)

Von Timm Johannes


Die Katholische Kirchenleitung ist zutiefst scheinheilig und bigott.

Gottseidank kann eine solche arbeitsrechtliche Kündigung in einem evangelischen Krankenhaus oder bei der Diakonie nicht geschehen.

*
Link zu www.ekd.de

(EKD: Theologische, staatskirchenrechtliche und dienstrechtliche Aspekte zum kirchlichen Umgang mit den rechtlichen Folgen der Eintragung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz)

Mittlerweile haben in den letzten Jahren alle landeskirchlichen Kirchen der EKD explizite Kirchengesetze verabschiedet, wonach sogar verpartnerte Pfarrer in den Landeskirchen erlaubt sind und diese offen mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben können (siehe zuletzt in Sachsen, Bayern und Baden).

----
Die Katholische Kirchenleitung hingegen geht den gegensätzlichen Weg im Umgang mit ihren homosexuellen Mitarbeitern und nur dadurch das zunehmend deutsche Rechtsprechung Schranken zieht, haben immer öfter homosexuelle katholische, verpartnerte Beschäftigte Erfolg vor den deutschen Gerichten. Denn zunehmend unterscheidet die deutsche Rechtsprechung danach, ob der jeweilige Beruf bei den Kirchen verkündungsnah oder verkündungsfern ist; eine Putzfrau, ein Hausmeister, eine Kindergärtnerin, ein Altenpfleger, eine Krankenschwester bei einem katholischen Arbeitgeber haben da höhere Chancen zu gewinnen, wenn sie aufgrund ihres Privatlebens entlassen werden, als verkündungsnahe Berufe (Priester, Pastoralreferent).

Gleichwohl würde ich an Frau Germers Stelle gegen die arbeitsrechtliche Kündigung vorgehen (Klagefrist beachten), denn sie mag zwar vor den deutschen Gerichten verlieren, aber ein letztinstanzliches Urteil im deutschen Rechtssystem vor dem Bundesverfassungsgericht sowie notfalls vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu dieser Frage wäre dringend einmal geboten.


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#3
19.07.2012
13:31:31


(+6, 8 Votes)

Von 175er


Heteros! und Schwule!

Hungert die kirchlichen Einrichtungen aus!

Keine Mitarbeiter in kirchliche Einrichtungen!


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#4
19.07.2012
13:35:04


(0, 10 Votes)

Von Pohls Freundin


Das hat sie nun davon!


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#5
19.07.2012
13:42:10


(+4, 6 Votes)

Von erbsenzähler


"Zum Teil werden auch katholische Pfarrer als Pastoren bezeichnet. In manchen Gegenden der Eifel, des Westerwaldes, des Sauerlandes und am Niederrhein wird im Dialekt zwischen dem auf der ersten Silbe betonten (evangelischen) P'astor und dem auf der zweiten Silbe betonten katholischen Past'or (mundartlich auch gesprochen: Past'ur) unterschieden."


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#6
19.07.2012
14:22:12


(+2, 10 Votes)

Von Christine


Sehr geehrte Frau Gerber,
vielen Dank für Ihren Mut offiziell mit Ihrer Partnerin zusammenzuleben und dies auch noch Ihrem Arbeitgeber mitzuteilen.
Da das Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in verschwurbelten Formulierungen Andeutungen enthält, dass Religionsgemeinschaften von ihren Beschäftigten ein "loyales und aufrichtiges Verhalten im Sinne ihres jeweiligen Selbstverständnisses verlangen können" (was die Katholische Kirche anscheinend gerne zum fristlosen Rauswurf von Beschäftigten nutzt), sollten endlich einmal die Obersten Gerichte klären, ob Schwule und Lesben auch weiterhin ungeschützt der Willkür von Religionsgemeinschaften ausgesetzt sein dürfen, die sich möglicherweise gegen das Grundgesetz richten: Art.1, Abs.1:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Dann sollte ein Arbeitgeber auch nicht eine Frau nur deswegen rausschmeißen dürfen, nur weil sie lesbisch lebt - was ja nicht verboten ist, oder?
Da das Bundesarbeitsgericht 2011 entschieden hat, dass ein katholischer Arzt trotz zweiter Ehe nicht von einer katholischen Klinik entlassen werden durfte, sehe ich auch keinen Grund, wieso Sie als lesbische Frau, die mit ihrer Partnerin lebt, von einer ebenfalls katholischen Klinik bzw. der Kirche direkt vor die Klinikstür geworfen werden dürfen.
Ich wünsche Ihnen das allerbeste für die Zukunft, am besten einen ordentlichen Arbeitgeber, der Ihre Arbeit schätzt, ansonsten aber viel Erfolg bei einer Klage gegen Ihre Entlassung.


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#7
19.07.2012
14:39:22


(+1, 9 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #2 von Timm Johannes


es stimmt, in evangelischen einrichtungen ist homosexualität ausdrücklich kein kündigungsgrund. aber heißt das, dass es dort einen umfassenden diskriminierungsschutz gibt?

"Ein Grund für eine außerordentliche Kündigung ist insbesondere der Austritt aus der evangelischen Kirche oder ein Verhalten, das eine grobe Missachtung der evangelischen Kirche und ihrer Ordnungen und somit eine Beeinträchtigung der Glaubwürdigkeit des kirchlichen Dienstes darstellt. Ein Kündigungsgrund kann auch gegeben sein, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter aus einer anderen als der evangelischen Kirche austritt."

Link zu www.ekd.de (PDF)

mit anderen worten: auch der katholische chirurg, der seine kirche verlässt und die putzfrau, die auf facebook zum kirchenaustritt aufruft - sie können schneller rausfliegen, als man AGG sagen kann. der umfassende schutz vor diskriminierungen, den man in einrichtungen erwarten sollte, die zum großteil mit öffentlichen geldern finanziert werden - es gibt ihn nicht. der staat finanziert diskriminierung mit unser aller geld.

und das ist natürlich politisch so gewollt. wer es weiß, darf hier gerne ergänzen, welche parteien sich alle dafür aussprechen, dass das so bleibt.

ich weiß nur von der linkspartei, dass sie diesen zustand, der einer demokratie wirklich unwürdig ist, kritisiert.


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#8
19.07.2012
15:07:26


(+3, 9 Votes)

Von Fiete_Jansen
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #6 von Christine


Die einfachste Lösung wäre aus der BRD endlich einen Staat zu machen, in denen Großsekten nichts mehr zu sagen haben!


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#9
19.07.2012
15:24:24


(+4, 4 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz muß bald ganz dringend reformiert werden! Die Ausnahmen, welche die Kirchen erhalten haben, müssen weg, und zwar pronto!


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#10
19.07.2012
15:27:21


(0, 10 Votes)

Von Geert


Als Pastoralreferentin kannte sie die Spielregeln in der katholischen Kirche, die da lauten: Nicht darüber sprechen. Sie hätte mit ihrer Freundin zu allen kirchlichen Veranstaltungen gehen können, wenn sie diese als "eine" Freundin vorgestellt hätte. Man hätte die Situation sicher erkannt, aber man hätte so getan, als merke man es nicht. Alle hätten das Spiel mitgespielt, so wie es schon seit Jahrhunderten geschieht. Jetzt hat sie die Sache verbalisiert und der Dechant konnte nicht anders entscheiden, denn die Kampfkatholiken von kreuz.net und anderswo warten nur auf so etwas. Die hätte dem Dechant das Leben zur Hölle gemacht.
Wer diese Spielregeln nicht einhalten will, muss sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Das ist bedauerlich, aber bei der hierarchischen Struktur der katholischen Kirche leider nicht zu ändern.


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