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  • 19.07.2012           4      Teilen:   |

Sponsoring

Kein Widerspruch: die Wirtschaft und der CSD

Die legendäre Aids-Gala zum Kölner CSD im Maritim-Hotel ist ohne Sponsoring nicht durchführbar - Quelle: Jeffrey Wahl
Die legendäre Aids-Gala zum Kölner CSD im Maritim-Hotel ist ohne Sponsoring nicht durchführbar (Bild: Jeffrey Wahl)

In der CSD-Saison 2012 sind Firmen präsent wie nie. Es geht nicht mehr nur darum, etwas zu verkaufen, es geht auch um Glaubwürdigkeit durch Diversity. Ein Beispiel: KLM Royal Dutch Airlines.

Von Carsten Weidemann

Der Vorwurf ist fast so alt wie es in Deutschland CSD-Paraden gibt. Spätestens als aus der rein politischen Demonstration von Studenten und Homogruppen eine Veranstaltung mit Rahmenprogramm, Kulturwoche und Straßenfest geworden ist, läuft nach der Parade an den Bierständen die Diskussion darüber, warum der Protesttag so "kommerziell" geworden sei. Doch was ist damit eigentlich gemeint? Zu teuer, um daran teilzunehmen? Kann ja wohl nicht sein. Zu sehr dominiert von Werbung an den Paradewagen? Die Truckmiete muss irgendwie bezahlt werden. Zuviel Reispfanne statt Regenbogenfahne? In der Regel stehen die schärfsten Kritiker in der Futter-Schlange...

In diesem Jahr zeigen sich die Unternehmen so zahlreich wie nie - und das ist gut so. Neben werbewirksamen Give Aways haben sie eine Botschaft mit im Gepäck: "Wir unterstützen die Community beim CSD". Und trotz dieser starken Präsenz der Wirtschaft gilt beispielsweise der Cologne Pride 2012 als einer, der durch die "Ja, ich will"-Kampagne stärkere politische Impulse als in den Jahren zuvor gesetzt hat.

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Etwas Glamour am Abend soll die Aufmerksamkeit für den CSD steigern

Neues Bündnis von links nach rechts: Einmal Taxiruf, zweimal KLM, einmal Völklinger Kreis am 7. Juli in Köln - Quelle: Jeffrey Wahl
Neues Bündnis von links nach rechts: Einmal Taxiruf, zweimal KLM, einmal Völklinger Kreis am 7. Juli in Köln (Bild: Jeffrey Wahl)

Berlin, 22. Juni. Am Abend vor der CSD-Parade in der Hauptstadt kommen ein bisschen Prominenz, etwas Politik und sehr viel Community im Hotel Adlon Kempinski zusammen. Der offizielle Empfang des Berliner CSD e.V. ist schick, mit ein bisschen Glamour und Galaprogramm, vor allem ist er Kontakthof für die Szene. Das Luxushotel stellt dafür seine Räumlichkeiten und das Catering zur Verfügung, die Fluglinie Air France ist Ausrichter des Events unter dem Titel "Wings of Luxury" (queer.de berichtete).

Ganz klar ist: Ohne Air France würde es diesen Abend nicht geben, der CSD e.V. könnte dies niemals finanziell stemmen. Im Gegenteil. Die Vorstände mussten mit Spendendosen durch die Reihen der Gäste laufen, weil noch 12.000 Euro zur Deckung der Kosten für die Demonstration fehlten. Hätte man nicht auf den Event verzichten und die Sponsoren bitten können, die 12.000 Euro zu spenden? Diese Frage erzeugt unter einigen befragten Gästen Kopfschütteln. "Zu kurz gedacht," lautet die Antwort. Der Glamourabend trägt schließlich den Networking-Gedanken in sich. Hier ergeben sich neue Beziehungen und Kontakte, die es ermöglichen, in der Zukunft den CSD auf wirtschaftlich festere Füße zu stellen.

Köln, 7. Juli: Es ist schwül und stickig im Terrassencafé des Hotel Maritim. Die schwul-lesbischen Verbände Völklinger Kreis (VK) und Wirtschaftsweiber (WW) haben zum ersten Businessempfang geladen, der auf reges Interesse stößt. VK und WW arbeiten seit langem daran, in großen Unternehmen Diversity und den Abbau von Diskriminierungen gegenüber Schwulen und Lesben zu thematisieren. In diesem Jahr spüren sie offensichtlich auch das größere Interesse der Wirtschaft am CSD und wollen den Empfang zu einer festen Einrichtung machen.

Kommerzielle Interessen und politische Agenda im Gleichgewicht?

Tagelang himmelblau: Die Damen vom KLM-Promoteam - Quelle: Jeffrey Wahl
Tagelang himmelblau: Die Damen vom KLM-Promoteam (Bild: Jeffrey Wahl)

In einer kurzen Diskussionsrunde wird in Köln über "Pink Money" debattiert. Neben Alexander Tritshkow von der Kölner Taxiruf e.G. und Brigitte Kasztan, Diversity Managerin für Ford in Europa, sitzen auch Tony Dryden und Hans Gesk vom gemeinsamen Konzern AIr France/ KLM Royal Dutch Airlines in der Talkrunde. Alle schauen noch etwas müde, da die Gala zugunsten der Kölner Aids-Hilfe im Maritim am Vorabend erst wenige Stunden zurück liegt. Ford stiftete wieder ein Auto als Gewinn, KLM warf eine Reise nach Aruba in den Gewinntopf, um die Galagäste zu animieren, Lose zu kaufen, deren Erlös der Aids-Arbeit zugutekommt.

Tony Dryden und Hans Gesk listen in der Diskussion ihre Aktivitäten auf: Während manch andere Fluglinie erst jetzt aus rein wirtschaftlichen Gründen die Zielgruppe der Schwulen und Lesben entdeckt, hat die niederländische KLM ihre homosexuellen Mitarbeiter bereits vor über 15 Jahren gleichgestellt. 1998 übernahm KLM als Hauptsponsor der Gay Games eine Vorreiterrolle beim Gay-Marketing in Europa und ist inzwischen weltweit in mehreren Ländern präsent. Bereits seit 2004 ist die Fluggesellschaft Sponsor der Kölner Aids-Gala, auch der Run of Colours in der Domstadt wird von ihr finanziell unterstützt.

Angestoßen und ausgebaut wurde das Engagement im niederländischen Unternehmen vor allem durch schwule Männer, die nicht nur eine Zielgruppe mit "Pink Money" sehen, sondern dies auch als ihren Beitrag zur Förderung der Community betrachten. Es profitieren dabei alle Seiten. Die Community und Benefiz-Events werden erst durch den Einsatz großer Sponsoren möglich. "Und wir haben den direkten Kontakt zur Zielgruppe, die unseren Umfragen nach gern mehrmals im Jahr verreist und am liebsten online bucht," erklärt Tony Dryden die Win-Win-Situation.

Ein Einsatz, der nach Ansicht der Gäste des Business-Empfangs noch viel zu selten geschieht. Als der Moderator in die Runde fragt, wer glaube, dass die Wirtschaft die Belange der Community bereits genügend berücksichtige, bleiben sämtliche Hände unten.

VK-Sprecher Hans Jablonski nickt und bekräftigt: "Das Potential von Schwulen und Lesben in der Wirtschaft wurde bisher noch nicht erkannt."

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Tags: csd, gay pride, sponsoring, klm, ford, aids-gala, cologne pride, berlin pride
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Reaktionen zu "Kein Widerspruch: die Wirtschaft und der CSD"


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
19.07.2012
15:36:21


(+1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Geld regiert die Welt!


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#2
19.07.2012
15:57:37


(+1, 3 Votes)

Von Itcheb


"Es geht nicht mehr nur darum, etwas zu verkaufen"

wer's glaubt wird seelig ... so hinterfotzig wie politische Parteien, so scheinheilig sind auch Unternehmen.

"Diversity" erfolgt stillschweigend und als Selbstverständlichkeit. Alles andere ist Kommerz, sei es Neukunden- oder Mitarbeitergewinnung.


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#3
19.07.2012
16:10:31


(+2, 2 Votes)

Von fink


die aktuellen hauptforderungen der bewegung werden heute größtenteils (!) nicht mehr als bedrohung der gesellschaftlichen verhältnisse angesehen. ob das ein gutes zeichen für die gesellschaft oder ein schlechtes zeichen für die bewegung ist, darüber wird ja schon seit längerem zu recht gestritten.

die meisten csds heute stellen jedenfalls gesellschaftliche verhältnisse und hierarchien in keiner weise mehr grundsätzlich in frage, geschweige denn wirtschaftliche machtverhältnisse. so ist natürlich auch der eine oder andere sponsor zu haben.

sobald man eine im weitesten sinne wirklich emanzipationspolitische veranstaltung planen würde, spränge dafür sicherlich KEIN nagelneuer ford dafür raus, und die türen des maritim blieben zu.

wes lied ich sing, der gibt mir brot. die frage, ob man diesen satz tatsächlich auch schon zu recht umdrehen kann, würde ich je nach csd unterschiedlich beurteilen. einige scheinen es zu schaffen, sponsoren einzubinden, ohne sich dabei inhaltlich korrumpieren zu lassen, anderen gelingt das offenbar nicht.

ganz so sorglos wie in der überschrift würde ich es also nicht formulieren.


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#4
19.07.2012
17:02:33


(+3, 3 Votes)

Von Mullah v d Alm


Glückwunsch Carsten!
Diese Weltsicht ist so abenteuerlich, dass es mir die Sprache verschlägt. Das schafft nicht jeder.


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