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Nach dem Geldsegen kann sich das schwule Paar künftig ein teureres Hotel leisten... (Bild: Wiki Commons / Fg68at / CC-BY-2.0)

Zwei Männer zusammen im Bett würden Gott beschämen, hatten die ehemaligen Betreiber des Riverbed Bed and Breakfast im kanadischen Grand Forks befürchtet.

Von Carsten Weidemann

Klare Ansage in Kanada: Der Gerichtshof für Menschenrechte der Provinz British Columbia verurteilte die ehemaligen Betreiber des Riverbed Bed and Breakfast zu einer Geldstrafe, weil sie 2009 die Buchung eines schwulen Paares storniert hatten. Insgesamt muss das pensionierte Ehepaar Les und Susan Molnar aus Grand Forks über 4.500 kanadische Dollar (ca. 3.650 Euro) zahlen.

Das schwule Paar Shaun Eadie and Brian Thomas hatte im Juli 2009 telefonisch ein Zimmer mit einem Doppelbett im Riverbed Bed and Breakfast gebucht, was zunächst von Susan Molnar auch bestätigt wurde. Dann machte sich die Pensionsbesitzerin jedoch Sorgen, dass es sich bei den Gästen um Homosexuelle handeln könnte, und rief zurück. Als Eadie ihre Befürchtungen bestätigte, stornierte sie die Buchung. Das schwule Paar klagte daraufhin vor dem Gerichtshof für Menschenrechte der Provinz.

Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot

Im Prozess berief sich das Ehepaar Molnar auf die Religionsfreiheit und seine "aufrichtigen religiösen Überzeugungen". Es hätte nicht nur sie selbst, sondern "auch Gott beschämt", hätten die beiden schwulen Männer in der Pension ein Bett geteilt. Les und Susan Molnar gaben an, regelmäßig Gebetstreffen in ihrem Haus abzuhalten.

Richterin Enid Marion ließ dies nicht gelten. Sie beurteilte die Stornierung des Zimmers in ihrer am 17. Juli veröffentlichten Entscheidung als klaren Verstoß gegen die Verfassung von British Columbia, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbiete. Zudem seien Privat- und Gästebereich im Riverbed Bed and Breakfast voneinander getrennt gewesen. Marion verurteilte die Molnars zur Zahlung von 1.500 Dollar Schadensersatz, 340 Dollar Reisekosten zum Prozesstermin in Kelowna und über 400 Dollar Verdienstausfall an jeden der beiden schwulen Männer.

Nur wenige Monate nach dem Vorfall gab das christliche Ehepaar die Pension nach nur zwei Jahren auf. Vor Gericht beklagte es sich, es sei belästigt worden. Außerdem hätte es sich Sorgen über weitere Beschwerden gemacht.



#1 EnyyoAnonym
  • 26.07.2012, 14:17h
  • Tja, im "Land der Dichter und Denker" wäre die Sache für die Vermieter wohl folgenlos geblieben, weil der §3 die sexuelle Diskriminierung nicht verbietet.

    Danke CDSU und FDP!
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
#3 finkAnonym
  • 26.07.2012, 18:28h
  • Antwort auf #1 von Enyyo
  • ich glaube, da irrst du dich. bin kein rechtsexperte, aber immerhin gibt es ja noch das AGG, und da heißt es:

    "§ 19 Zivilrechtliches Benachteiligungsverbot
    (1) Eine Benachteiligung aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, wegen des Geschlechts, der Religion, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität bei der Begründung, Durchführung und Beendigung zivilrechtlicher Schuldverhältnisse, die 1. typischerweise ohne Ansehen der Person zu vergleichbaren Bedingungen in einer Vielzahl von Fällen zustande kommen (Massengeschäfte) oder bei denen das Ansehen der Person nach der Art des Schuldverhältnisses eine nachrangige Bedeutung hat und die zu vergleichbaren Bedingungen in einer Vielzahl von Fällen zustande kommen [...]
    ist unzulässig."

    hotelvermietungen müssten hier eigentlich hineinfallen, so weit ich das sehe.
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#4 EnyyoAnonym
  • 27.07.2012, 00:25h
  • Antwort auf #3 von fink
  • Wahrscheinlich hast Du Recht, doch ist mir die Weigerung der Regierungskoalition, den Zusatz des Verbots der Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung zum Art.3 GG hinzu zu fügen, noch in sehr guter Erinnerung.

    Während diese "Helden" in Berlin kein Problem damit hat, die Genitalverstümmelung kleiner Jungen rechtmässig zu machen, tun sie sich dabei, etwas zu "unseren" Gunsten zu tun, doch i.d.R. sehr schwer.

    Auf alle Fälle ein gutes Urtel des kanadischen Gerichts, das keine Rücksicht auf mögliche Religionsfreiheit der Vermieter nahm, was in dem Fall sehr zu begrüßen ist.
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#5 NachtwacheAnonym
  • 27.07.2012, 01:34h
  • Interessante Frage wie in Deutschland entschieden würde.

    Ich weiss nur das bei politischer Gesinnung der Hotelier/ die Hotelkette in Deutschland entscheiden darf ob er einen Gast aufnehmen will oder nicht.
    Dem rechtsradikalen Politiker Vogt ( NPD, REP oder so) wurde ein privater Hotelaufenthalt mit seiner Familie aufgrund seiner politischen Gesinnung verweigert, was bis vors Gericht ging und das ( übrigens als gayfriendly bekannte) Hotel recht bekam. In dem Hotel hatte er die Jahre zuvor angeblich normal Urlaub machen können bis ihm das Hotel irgendwann weitere Aufenthalte mit obiger Begründung verbot.

    Einerseits finde ich die Entscheidung gut, auf der anderen Seite birgt in so einem Präzedenzfall die Gefahr das es auch auf andere politische Gesinnungen anwendbar sein könnte.
    Über Pro und Contra solcher Entscheidungen lässt sich diskutieren.

    Aber jemandem wegen der sexuellen Orientierung den Aufenthalt zu verweigern ergibt keinen plausiblen Grund und ist daher als Diskriminierung anzusehen.
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#6 SebiAnonym
  • 27.07.2012, 08:35h
  • Bravo!

    Es kann ja wohl nicht sein, dass sich Leute aus ihrem persönlichen Wahn und Aberglauben heraus über Recht und Gesetz stellen und Menschenrechte mit Füßen treten!

    Im übrigen wird es Gott wohl mehr "beschämen" wenn man so hasserfüllt und menschenverachtend ist, wie diese beiden.
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#7 MarekAnonym
  • 27.07.2012, 08:59h
  • In Kanada kann man sich wenigstens gegen solche menschenverachtenden Diskriminierungen wehren.

    In Deutschland ist das ja leider ein ganz normales und legales Verhalten, denn sowohl Art. 3 GG erlaubt ganz bewusst die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und auch das AGG erlaubt explizit die Diskriminierung aus religiösen Gründen.

    Beides dank CDU/CSU und FDP. Die Union gibt wenigstens offen zu, dass sie uns hasst und deshalb weiterhin als Untermenschen behandeln will. Aber deren Schoßhündchen von der FDP wollen uns dann auch noch verarschen und uns weismachen, dass es sogar besser wäre, das "dem Markt zu überlassen", der das angeblich regele. Was natürlich nicht funktioniert...
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#8 YannickAnonym
  • 27.07.2012, 09:28h
  • Richtig so!

    Solche ideologisch verklärten Leute wird man mit Fakten und Argumenten nie erreichen können. Die verstehen nur die Sprache des Geldes.

    Schön, dass sie ihre Pension aufgegeben haben. Solche Leute sollten kein Gastgewerbe führen. Und auch keine sonstigen Sachen, wo sie Kundenkontakt haben. Denn sie kommen offenbar mit der Vielfalt auf der Welt nicht klar.
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#9 Simon HAnonym
  • 27.07.2012, 10:01h
  • Antwort auf #7 von Marek
  • Dieses ganze Geschwafel, dass der Markt das regelt und man deshalb keine Gesetze braucht ist doch eh nur wieder eine der typischen FDP-Ausreden. Weil die nicht zugeben wollen, dass sie anders handeln als sie reden.

    Würden die alles das für uns tun, was sie in Reden und Wahlprogrammen behaupten, wären wir ein Stück weiter. Aber sie tun dann in der Praxis das genaue Gegenteil.

    Genauso ist das ja auch in anderen Bereichen:

    - angeblich wollten die auch das Steuerrecht radikal vereinfachen und Ausnahmene abschaffen. Aber dann haben sie nach der Wahl als erstes mal zusätzliche Ausnahmen für Hoteliers erlassen. Klar, wer der Partei die größte Spende ihrer Geschichte zukommen lässt hat sich natürlich auch Steuergeschenke verdient. Leider ist diese Art von Bestechung in Deutschland nicht verboten.

    - angeblich will die FDP Datenschutz und Bürgerrechte. Und beschließt jetzt mal eben so, dass eine offizielle Behörde (die Meldeämter) mal eben so zum kommerziellen Adresshändler werden sollen und die Adressen und Daten aller Bürger an private Unternehmen verscherbeln soll.

    - etc. etc. etc.
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#10 seb1983
  • 27.07.2012, 17:10h
  • Antwort auf #7 von Marek
  • Ruhig durchatmen!
    Selbst wenn der (wünschenswerte) Eintrag ins GG noch fehlt heißt es nicht dass dadurch diskriminiert wird, andererseits schützt ein Eintrag nur ungenügend vor Diskriminierung.
    Frauen stehen da schon seit '48 drin, und wenn ich dran denke wie da die rechtliche Lage bis in die 1960er war ist Art. 3 eine hohle Phrase...

    Zudem hast du in Deutschland gleichberechtigt Zugang zu Dienstleistungen, worunter auch Hotels fallen dürften.

    Dass Diskriminierung auf Grund religiöser Gefühle erlaubt sei ist zudem einfach falsch!
    Religiöse Tendenzbetriebe, also eine Reihe kirchlicher und kirchennaher Organisationen, haben dieses "Recht" in eingeschränktem Maße was den Verkündungsauftrag angeht.

    Es gibt noch einige Probleme bei uns, aber so ein hysterisches und falsches Gewäsch hilft keinem.
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