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  • 28.07.2012           18      Teilen:   |

Die Olympia-Eröffnung - ein Fest der Vielfalt

Diesen Lesbenkuss aus der britischen Soap "Brookside" sahen gestern rund eine Millarde Menschen weltweit - Quelle: Screencapture BBC
Diesen Lesbenkuss aus der britischen Soap "Brookside" sahen gestern rund eine Millarde Menschen weltweit (Bild: Screencapture BBC)

Ein Lesbenkuss, ein Männerkuss, zwei Jungen im Kleid - Regisseur Danny Boyle hat nicht nur beim Thema Homosexualität die Diversity seines Landes gezeigt.

Von Norbert Blech

Man werde nicht aufgeben, bis man auf Englands grünen und schönen Hügeln Jerusalem gebaut hat - so heißt es in dem Gedicht "And did those feet in ancient time" vom britischen Dichter und Freidenker William Blake (1757-1827), der auch in sexuellen Dingen frei dachte, der damals schon die Liebe unter Männern enttabuisieren wollte.

Inzwischen ist "Jerusalem" als Lied eine Art inoffizielle Hymne des Königreiches und es ist passend, dass Regisseur Danny Boyle ("Trainspotting", "Slumdog Millionaire") mit ihr die Eröffnungszeremonie der XXX. Olympischen Spiele begann.

Die Briten zeigten, bisweilen kitschig, bisweilen lustig und bisweilen atemberaubend, wie man sich im Laufe der Jahre ein sehr eigenes Paradies auf Erden erschuf, wie es sich William Blake in seinen kühnsten Träumen nicht hätte erträumen können. Ein cooles Paradies mit einem reichhaltigen Schatz an tollen Filmen, an guter Musik, an hervorragenden Sportlern. Ein Paradies auch, dass durch und durch geprägt ist vom Gedanken der Vielfalt, der Diversity.

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Küsse, Kleider und Klänge

Ein Junge im Fummel, fotografiert von seiner Mutter - Quelle: Screencapture BBC
Ein Junge im Fummel, fotografiert von seiner Mutter (Bild: Screencapture BBC)

So wurde in einer Montage der schönsten TV- und Filmküsse auch ein Frauenkuss aus der Soap "Brookside" gezeigt - er war 1994 der erste lesbische Kuss im britischen Fernsehen und gestern der erste homosexuelle TV-Kuss überhaupt in Ländern wie Saudi-Arabien (ironischerweise war es der US-Sender NBC, der die Szene bei der zeitversetzten Übertragung rausschnitt).

Gezeigt wurde auch ein kleiner Junge, der sich in ein Frauenkleid steckt und dabei von seiner Mutter fotografiert wird - im nächsten Schnitt folgte ein Ausschnitt aus "Billy Eliot" mit dessen schwulen Jugendfreund im Fummel. Es gab Musik der Pet Shop Boys, von Queen und selbst "Relax" von Frankie Goes to Hollywood, der Orgasmus-Song war einst der BBC zuviel. Es gab Camp beim Fackellauf: Die Mädels von "Absolutely Fabulous", David Walliams von "Little Britain" und ein Kuss eines Fackelträgers auf die Stirn des nächsten (leider ließ sich dazu nichts näheres finden).

Auch ansonsten zeigte sich die Show gelegentlich politisch: Der staatliche Gesundheitsdienst NHS bekam viel Zeit eingeräumt, während die britische Regierung ihn beinahe kaputt sparen will. Und der Verweis auf weibliche Athleten durch IOC-Präsident Jacques Rogge bekam einen Unterbau durch die Sufragetten, die im ersten Teil der Zeremonie mehrfach im Bild auftauchten.

Ein Gegenbild zu Peking

Ein Kuss unter Fackelträgern - Quelle: Screencapture BBC
Ein Kuss unter Fackelträgern (Bild: Screencapture BBC)

In der Boylschen Geschichtsstunde waren besonders die düsteren Bilder der Fabriktürme beieindruckend, die nicht nur an die Industrielle Revolution erinnerten, sondern auch an die ein oder andere Ecke des heutigen China. So war die Eröffnungszeremonie auch ein Gegenstück zu der von Peking vor vier Jahren. Damals wurde die junge Sängerin der Nationalhymne durch ein vermeintlich besser aussehendes Mädchen ersetzt.

In London stimmte ein Kinder-Gehörlosenchor "God save the queen" an, körperliche und geistige Behinderungen spielten bei den Akteuren, bei den unzählichen Ehrenamtlern der Zeremonie ebenso wenig eine Rolle wie deren ursprüngliche Herkunft. Vielfalt groß geschrieben und oft doch nur lässig nebenbei im Bild - Großbritannien zeigt das Jerusalem, das es sich wünscht und an dem es ernsthaft arbeitet.

Getrübt wurde der Abend nur in dem Bereich, in dem Boyle wenig zu sagen hatte: Bei den Ehrengästen. Weißrusslands Präsident Lukaschenko war zwar eine Teilnahme verweigert worden, dafür gab es aber unter anderem ein unnötiges Wiedersehen mit Aserbaidschans Präsidenten Ilham Alijew. Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Schweden beim Eurovision Song Contest auch als die besseren und vielfältigeren Gastgeber als die Vorveranstalter erweisen. Großbritannien hat gestern gezeigt, was möglich ist.

Mehr zum Thema:
» Sportskanonen und Medaillen in HD (27.7.2012)
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Tags: olympia, london, danny boyle
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Reaktionen zu "Die Olympia-Eröffnung - ein Fest der Vielfalt"


 18 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
28.07.2012
15:49:46


(0, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Eröffnungsfeier war abwechselungsreich, aber es gab sowohl Licht als auch Schatten. Wüßte mal gerne, ob es der Queen auch gefallen hat, weil sie meistens etwas mürrisch dreinblickte.

Das Ende der Feier wäre fernsehtechnisch hier im Münsterland beinahe von einem Gewitter vorzeitig beendet gewesen. Zum Glück gabs im Internet auf ZDF den Livestream, so daß der Abend gerettet war.


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#2
28.07.2012
16:11:51


(+10, 10 Votes)

Von zuschauer
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Das Gefasel der ZDF-Crew war unterirdisch. Leider auch Teile der Bildführung, die sich dem Niveau anpaßte. Dann lieber alte Knacker, die nur mit lexikalischem Wissen allen Nationen ganz die Kamera widmen, statt Anekdötchen mit Halbwissen
zu verbraten, während die Kamera auf deutsche Hütchen gerichtet ist, die erregt hampeln wie bei einer FB-Party vor einer Tanke. Das Monaco- und Royals- und Prinzen-Gedöns war reine Zeitverschwendung. Bisher hielt ich eigentlich das ESC-Gefasel bei der Punktvergabe für ultimativ grottig.


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#3
28.07.2012
16:42:06


(+8, 8 Votes)

Von alexander
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Antwort zu Kommentar #2 von zuschauer


deine rede :
[Das Gefasel der ZDF-Crew war unterirdisch.] !!!
und auch noch zu dumm, weil zu jung !!!
allein der spruch : huch, damals war in 1 jahr alt ???
die show selbst fand ich doch sehr interessant, hat mir sehr gut gefallen, tolle ideen wurden eingebracht !


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#4
28.07.2012
16:47:07


(+9, 9 Votes)

Von Claudia


Das mit dem Lesbenkuss ist natürlich schön - wenn mir diese Sekunde leider auch aufmerksamkeitstechnisch entfallen ist.
Aber Danny Boyles Show war vielfältig - ganz anders als die Eröffnungsfeier in China damals. Hier war für alle was dabei. Auch die Musik: Sex Pistols, Queen, Pet Shop Boys...
Die Klamotten des deutschen Teams fand ich unterirdisch. Sahen nach Plastikoutfits aus, waahnsinnig originell in rosa und blau für Weiblein und Männlein - total kleinkariert und spießig.
Den absoluten Abgrund bildeten aber die Team-Outfits der Amis. Diese dunkelblauen, paramilitärischen Kostüme - grässlich!
Scheint mir auch symptomatisch, wenn ein großes TV-Netzwerk in Amiland die Lesben-Kussszene rausschneiden - nicht, dass die Evangelikalen im Bible Belt noch mitkriegen, dass gleichgeschlechtliche Liebe was Normales ist!
Man konnte Spaß haben an dieser Eröffnungsfeier - nur die Queen hatte wohl keinen. Lustig, wie die Kamera sie da einfing, als sie gelangweilt ihre Fingernägel betrachtete...


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#5
28.07.2012
16:55:43


(+4, 6 Votes)

Von carolo


"I shall not cease form mental fight,
nor shall my sword rest in my hand,
'til we have built Jerusalem,
in England's green and pleasant land."

Der idealisierende Interpretationsversuch des Herrn Blech in allen Ehren, vieleicht hätte er William Blake sogar gefallen, aber...

Jerusalem ist vor allem ein Kirchenlied, ein reichlich nationalistisches noch dazu - gern zusammen mit Rule Britannia gesungen - seit Jahrhunderten von der Church of England vereinnahmt, und schon immer so verstanden, dass nicht das heutige multikulturelle Jerusalem gemeint ist, sondern jene Wiege der Christenheit, die man in England noch weit bis ins letzte Jahrhundert glaubte, den Heiden mit dem Schwert entreißen zu müssen.

Ein solches Jerusalem sollte auch "in England's green and pleasant land" entstehen, anstatt der "dark satanic mills" aus der ersten Strophe.

Die Church of England, deren formales Oberhaupt die Queen ist, versucht gerade wieder mit Zähnen und Klauen, die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben zu verhindern.

Wenn man das Gesicht des Erzbischofs von Canterbury gestern abend gesehen hat (mit Bart, rechts hinter der Queen auf dem Foto*, wo sie die Formel zur Eröffnung spricht), der mag ermessen, wie sehr er diese Feier der Diversität genossen hat.

*)
Link zu www.spiegel.de


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#6
28.07.2012
17:20:51


(+4, 6 Votes)

Von übrigens
Antwort zu Kommentar #5 von carolo


ganz kurz - ganz schnell wieder weg:

es gab in gb, übrigens ohne nennenswerte empörung der linken, bis weit in das marxistische lager hinein, nie eine gesellschaftliche aufarbeitung der verbrechen des empires.

was das deutsche grauen, vom ende des vorletzten jahrhunderts und des letzten jahrhunderts an, nicht verkleinern soll.


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#7
28.07.2012
17:31:14


(+6, 6 Votes)

Von Enyyo


@2-4 Stimme Euch vollkommen zu: das Geschwätz der 2DFler war in weiten Teilen sehr daneben, ebenso die Bildführung mit den langen Aufnahmen der blöd-behüteten deutschen Sportler.

Mich würde interessieren, wie viel Bogner bezahlt hat, dass diese fürchterlichen Anzüge anstelle von Adidas/Puma von der deutschen Mannschaft getragen werden. Ähnlich hässlich sind mir gestern nur die schwedischen Outfits in Erinnerung.

Und all ihre sportlichen Leistungen in Ehren, da haben schliesslich auch andere Leute Lorbeeren gesammelt: gabs keine/n attraktivere/n Frau/Mann als Natascha Keller? Die erinnerte mich gestern nämlich sehr an Anke Engelke in einer ihrer Masken...

Lyncht mich jetzt, aber schließlich zählt der erste Eindruck, deshalb haben die meisten Nationen auch attraktivere Menschen an die Fahnen gelassen und ihre Mann- und Frauschaften in schicke und z.T. auch landestypische Kleidung gesteckt.

Auf alle Fälle 'ne tolle Show, hoffentlich verlaufen die ganzen Spiele schön und friedlich.

Anfangs hatte ich (@1) übrigens auch den Eindruck die Queen is amused - fast hätte sie gelächelt und die Augen waren gerührt. Leider hat sie das dann im Lauf des Abends aber dann doch wieder hinter grimmiger Maske zu verbergen gewusst.


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#8
28.07.2012
17:59:31


(+5, 5 Votes)

Von Stretchingmaster
Aus Essen / Holsterhausen (Nordrhein-Westfalen)
Mitglied seit 06.01.2012


Ich habe Gestern auch auf dem 2ten angefangen zu schauen. Aber mir gingen die Kommentare auf den Keks. Deshalb hab ich auf Eurospor... umgeschaltet. Da war die Kameraführung zwar die gleiche, aber zumindest die Kommentatoren haben in langen Strecken einfach die Bilder wirken lassen und teilweise 10 Minuten gar nichts gesagt.

Fand ich schon beeindruckend alles.

Das Deutsche Outfit ist mir auch schwer aufgestoßen.

Und zum Outfit der Amis: Die sind ich China hergestellt worden. Schön die Billigproduktion. So hieß es jedenfalls vom Kommentator. Das ist absolut daneben.

Ansonsten Super Eröffnung. Auch der Film im James Bond Stil in dem die Queen mit Daniel Craig angeblich über dem Stadion mit dem Fallschirm abgesprungen sind. Das zeigt das die Briten und insbesondere die Queen auch Spaß versteht. Denn es wurde ausdrücklich betont das es wirklich die Queen sei die in diesem Filmchen mitspielte. Fand ich sehr gut.

Mich hat es auch überrascht, das so viele Tabus angesprochen und gezeigt wurden. Angefangen von Behinderten, die munter mit ihren Rollstühlen in der Masse der Volontäre mittanzten, bis hin zu vielen Schwulen und Lesbischen Szenen nebst der Musik von eben diesen Musikern und Gruppen.

So etwas wäre in Deutschland nie gezeigt worden. Garantiert.
Daran sieht man wie verbohrt die Deutschen immer noch sind.

Alles in allem eine sehr gelungene Eröffnungsfeier.

Schönen Tag noch


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#9
29.07.2012
00:33:42
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von trembo


Der Schwulenkuss war gerade einmal ein kurzer bussi auf die Wange, im Gegensatz zum Lesbenkuss. Wann merkt ihr endlich das Küsse zwischen Männern und zwischen Jungs tabuisiert sind. Lesbenküsse sind nichts besonderes und werden in deutschen Medien ausreichend gezeigt, da haben die lesben und heten genug zugucken. Findet man es wirklich als fortschritt wenn gestern Millionen den Frauen beim knutschen zugefügt haben, was die bei Bild und Co täglich sehen? Schwule Erotik ist die wirklich unterdrückte Erotik in unserer Gesellschaft, nicht hetero- und lesbische Darstellungen.


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#10
29.07.2012
02:05:51
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von hammerfaust


@8
Die Show war klasse, die Briten koennen sowas. Insbesondere koennen sie auch ueber sich lachen.
Wir in Deutschland werden uns ueber Eroeffnungsfeiern niemals Gedanken machen muessen, weil es immer eine "sozial-oekologisch-besserwissende" Minderheit geben wird, die mal wieder dagegen sind. Ich hoere noch die Kritiker vor der WM 2006, und hinterher wars ein Sommermarchen! Wir hier in Deutschland sind cooler und offener wie viele glauben. Wir haben einen schwulen Aussenminister,einen behinderten Finanzminister, eine Frau als Bundeskanzlerin, die zudem noch aus dem Osten kommt. Also das macht uns so schnell keiner nach.


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