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Am Anfang standen die Teilnehmer noch im Regen, doch nach ein paar Minuten hatte Petrus ein Einsehen (Bild: Guido Klein)

Der Stuttgarter CSD hat am Wochenende für Gleichberechtigung am Arbeitsplatz geworben. Die katholischen Piusbruderschaft brandmarkte auf einer Gegendemonstration die CSD-Teilnehmer als Sünder.

Von Dennis Klein

Zu Beginn der CSD-Parade am Samstagnachmittag regnete es zunächst wie aus Kübeln. Trotzdem hatten sich am Straßenrand 200.000 Zuschauer versammelt, um die rund 3.000 Teilnehmer zu unterstützen. Dieses Jahr wollten die Organisatoren unter dem Motto "Gleichbeschäftigt - Lesben und Schwule aus dem Schrank" darauf hinweisen, dass viele Homosexuelle an ihrem Arbeitsplatz im Regen stehen.

Der Schirmherr Harald Christ, ein schwuler Unternehmer aus Berlin und ehemaliger Schattenwirtschaftsminister der SPD, bemängelte, dass Homosexuelle nach wie vor im Arbeitsleben wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden würden: "Wir sind immer noch weit davon entfernt, von einer Normalität zu sprechen", sagte er im Vorfeld des CSD. Nicht nur in der deutschen Fußballnationalmannschaft, sondern auch in anderen Berufen wie Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr müssten Schwule und Lesben nach wie vor ihre sexuelle Ausrichtung verstecken, beklagte Christ. Der CSD war in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil kein schwäbischer heterosexueller Unternehmer die Schirmherrschaft übernehmen wollte. Daraufhin verliehen die Veranstalter dem Unternehmer aus der über 500 Kilometer entfernten Bundeshauptstadt den Titel (queer.de berichtete).

Youtube | Mitschnitt der Parade von Youtube-Nutzer pfender

Piusbrüder demonstrieren und beten


Katholische Piusbrüder beten gegen Homosexuelle - der Blitz ist trotzdem nicht in die Parade eingeschlagen. (Bild: Guido Klein)

Dass auch religiöse Gruppen nach wie vor große Probleme mit der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben haben, zeigte sich an der Demonstration der Pius-Bruderschaft, die zeitgleich zur Parade am Marienplatz stattfand. Wenige Minuten vor Start der Parade hat eine kleine Gruppe mit zwei Priestern im Gewand angefangen, öffentlich gegen Homosexualität zu beten. Die katholische Priesterorganisation demonstriert bereits seit mehreren Jahren auf dem CSD gegen Homosexuelle und recycelte diesmal die Transparente der letzten Jahre ("Homosexualität ist Sünde"). Auf dem Platz waren allerdings mehr Polizisten anwesend als christliche Demonstranten. Weit zahlreicher waren schwule und lesbische Gegendemonstranten, die mit vielen Schildern und Transparenten die homofeindliche Einstellung der katholischen Traditionalisten geißelten ("Hetero ist keine Pflicht. Homophobie ist widerlich"). Die Polizei drängte die Gruppe der Gegendemonstranten ab, damit sie nicht mit den Piusbrüdern aneinander gerieten.

Die Bischöfe der Piusbruderschaft wurdem 1988 wegen ihres traditionalistischen Weltbildes aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, sind aber 2009 von Papst Benedikt XVI. rehabilitiert worden. Die Priesterorganisation fordert unter anderem die Wiedereinführung des Homo-Verbotes in Deutschland (queer.de berichtete), geriet aber in der deutschen Presse insbesondere wegen der Verharmlosung des Nationalsozialismus in die Kritik: So hat die Staatsanwaltschaft Regensburg erst vor einer Woche erneut Anklage wegen Volksverhetzung gegen den britischen Pius-Bischof Richard Williamson erlassen. Williamson hatte in einem Interview erklärt, kein Jude sei in deutschen Konzentrationslagern vergast worden.

CSD im Zeichen des OB-Wahlkampf

Auch Wahlkampf wurde beim CSD betrieben: Die drei Haupt-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 7. Oktober gaben sich bei der Parade die Ehre, unter ihnen auch der parteilose Favorit Sebastian Turner, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wird. Der Werbefachmann und Publizist wurde vom schwulen Stuttgarter CDU-Parteichef Stefan Kaufmann vorgeschlagen: "Als Unternehmer habe ich hervorragende Erfahrungen mit einem offenen Umgang mit Homosexualität gemacht. Dies entlastet die Arbeitnehmer ungemein", erklärte Turner laut "Südwestpresse". Auch seine Gegenkandidaten Fritz Kuhn (Grüne) und Bettina Wilhelm (parteilos, tritt für SPD an) nahmen am CSD teil.

Auch beim Stuttgarter CSD gab es wieder Proteste gegen die schwarz-gelbe Bundesregierung, die Ende Juni im Bundestag die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern mit (heterosexuellen) Eheleuten verhindert hatte (queer.de berichtete). So positionierte sich eine Gruppe vor dem FDP-Wagen und beklagte das Abstimmungsverhalten der Liberalen, die zwar in ihrem Grundsatzprogramm die Gleichstellung forderten, aber in der Koalition mit der Union nicht umsetzten. Auf kleinen Postern prangerten die Protestler liberale Politiker an, die gegen den Antrag auf Gleichbehandlung stimmten. So hieß es etwa: "Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagt NEIN zu gleichen Rechten für Schwule und Lesben".

Obwohl der CSD mit der Diskriminierung am Arbeitsplatz ein ernstes Thema behandelte, konzentrierten sich Teile der Lokalpresse eher auf die karnevaleske Atmosphäre, die dieses Jahr eher im Hintergrund stand. Den albernsten Artikel lieferte die "Bild"-Regionalausgabe mit der Überschrift "Stuttgart total aufgestrapst!". Das Fazit der Boulevardzeitung lautete: "Schrill kostümierte Frauen, aufgestrapste Männer, pure Lebenslust und Spontan-Tänze auf den Straßen. Von wegen verklemmtes Stuttgart!".



#1 David77Anonym
  • 30.07.2012, 13:02h
  • Wann und wo haben diese Pharisäer namens Pissbrüder denn mal eine eigene Veranstaltung, bei der wir uns mit einer Gegendemo revanchieren können?
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 30.07.2012, 14:00h
  • Es ist schon unglaublich und dreist, daß sich dieses Piusbruderpack eine Gegendemo zum Stuttgarter CSD auf die Beine gestellt hat! Diese Pharisäer und christlichen Fundamentalisten hätten bei mir ganz schnell einen Platzverweis bekommen oder hätte sie zu "unverwünschten Personen" gebrandmarkt!
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#3 Geert
  • 30.07.2012, 15:20h
  • "Obwohl der CSD mit der Diskriminierung am Arbeitsplatz ein ernstes Thema behandelte, konzentrierten sich Teile der Lokalpresse eher auf die karnevaleske Atmosphäre"

    Die Organisatoren des CSDs mussten wissen, dass sich die Medien auf sexuell gestörte Einzelpersonen ("Zeigefreudige") im CSD stürzen würden. Das ist auch legitim, denn das Ziel der Zeitungsmacher ist es, ihre Zeitungen zu verkaufen. Wenn man diese Irren zulässt, darf man sich hinterher nicht über die Presse beschweren. Wenn man ernst genommen werden will, muss man auch dafür sorgen, dass der CSD (wieder) zu einer seriösen Veranstaltung wird.
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#4 GayreporterAnonym
  • 30.07.2012, 17:19h
  • Trotz Grünenhochburg: Stuttgart bleibt doch eine der verklemmtesten Städte der Republik...
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#5 userer
  • 30.07.2012, 17:36h
  • Antwort auf #3 von Geert
  • Geert findet: "Wenn man diese Irren zulässt, darf man sich hinterher nicht über die Presse beschweren."

    Klar, Geert, das nächste Mal muss es ein schwules KZ (Komitee für die Zulassung) geben, dem auch, oder besser noch: nur, Verteter der Springer-Presse, der Salafisten und der Piusbruderschaft angehören und die dafür sorgen, dass der CSD in Stuttgart endlich seriöser wird. Das diesjährige Thema "Diskriminiereung in der Arbeitswelt" war ja auch einfach viel zu albern und abseitig.

    Frage an alle anderen: Ist dieser Geert eigentlich echt oder schreibe ich grad einem Troll?
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#6 userer
#7 userererAnonym
#8 GF von PrAnonym
  • 30.07.2012, 18:43h
  • Seid barmherzig - wer weiss, vielleicht war das fur die 'Bruder' der einzige Weg, ihre verborgene Lust, auf die hubschen Kerle langer als eine Sekunde zu schauen, ohne Risiko auszuleben!
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#9 MARIA HELLWIGAnonym
  • 30.07.2012, 18:49h
  • lustiges video von herrn pfender !

    laut lachen musste ich bei den "marilyn's", bei der ersten einstellung, dachte ich es wäre eine verballhornung der "jakob sister's", bei der zweiten, erkannte ich MM nur am kleid !
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#10 dancebearAnonym
  • 30.07.2012, 20:10h
  • Seit wann waren denn diese sonderbaren Piusbrüder exkommuniziert - das waren doch nur 3 oder 4 von denen.... Jungs, immer bei der Wahrheit bleiben.
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