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  • 05.08.2012           6      Teilen:   |

Die queeren Promis der Weltgeschichte

Die beiden alten Ägypter Chnumhotep und Nianchchnum (2.400 v.Chr.) gelten als das erste Homo-Paar der Weltgeschichte
Die beiden alten Ägypter Chnumhotep und Nianchchnum (2.400 v.Chr.) gelten als das erste Homo-Paar der Weltgeschichte

In jedem Jahrhundert und in jeder Kultur gab es LGBT-Persönlichkeiten - in seinem Buch "Gay Lives" stellt der Historiker Robert Aldrich 80 von ihnen vor.

Von Angelo Algieri

Einen einmaligen historischen Überblick über queere Lebensentwürfen gibt der Historiker Robert Aldrich in seinem Band "Gay Lives". Darin verfasst der 59-jährige australische Professor Kurzbiografien von berühmten Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Trans*menschen aus aller Welt, die bis 2011 verstorben sind.

Bei manche Persönlichkeiten kann aus Beweismangel nicht genau zugeordnet werden, ob sie in unserem modernen Sinne homosexuell waren. Nach Hunderten von Jahren fehlen nun mal Zeugen und klare "Beweise". Doch Aldrich bekräftigt, dass in seinen Kurzbiografien auch Personen aufgenommen wurden, deren sexuelle Orientierung "gleichermaßen emotionale wie physische Aspekte" haben.

So gleich beim ersten Paar: Chnumhotep und Nianchchnum, die um 2.400 v. Chr. in Ägypten gelebt haben. Man geht davon aus, dass es die erste Dokumentation von Homosexualität überhaupt ist. Das Paar - die beiden Männer waren wohl königliche Vertraute - wird gemeinsam bei verschiedenen Unternehmungen abgebildet, was zu jener Zeit Heteros vorbehalten war. Das erste Homo-Paar der Weltgeschichte? Einige Historiker bezweifeln das. Sie gehen eher davon aus, dass die abgebildeten Männer entweder Brüder oder einfach gute Freunde waren. Unabhängig vom Beziehungsverhältnis zeigt Aldrich auf, dass in vielen Kulturen die Grenzen zwischen Freundschaft und sexuellem Verlangen fließend waren. Allein deshalb sei es wichtig, an dieses ägyptische Paar zu erinnern.

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Von Sokrates und Sappho zu Oscar Wilde und Harvey Milk

Antinoos (110-120 n.Chr.) war der Liebhaber des römischen Kaisers Hadrian - Quelle: Wiki Commons / Bibi Saint-Pol / PD
Antinoos (110-120 n.Chr.) war der Liebhaber des römischen Kaisers Hadrian (Bild: Wiki Commons / Bibi Saint-Pol / PD)

Natürlich dürfen im Kapitel der Antike die Griechen nicht fehlen: Philosoph Sokrates mit seinen Epheben und die lesbische Dichterin Sappho sind selbstverständlich porträtiert. Genau so wenig darf der Antinoos-Kult fehlen, der dann von einigen Schwuppen im 18. Jahrhundert "wiederbelebt" wurde. Autor Aldrich liefert dazu die Geschichte: Der römische Kaiser Hadrian (76-138 n. Chr.) hat sich 123 n. Chr. in den jungen Griechen Antinoos (110-120) verliebt. Der Jüngling verstarb auf mysteriöse Weise 130 n. Chr. und Hadrian erhob seinen Geliebten zu einem Gott und ließ einen Tempel bauen. Daraufhin wurden im Römischen Reich mehrere Tempel zu Antinoos' Ehren errichtet. Doch als die christliche Religion sich dort ausbreitete und gar Staatsreligion wurde im 4. Jahrhundert, fand der Antinoos-Kult ein jähes Ende...

Des Weiteren sind in dieser Porträtsammlung die biblischen "Freunde" David und Jonathan aufgelistet, auf die sich auch der schwule Kardinal John Henry Newman (1801-1890) bezog. Der britische Geistliche hat mit seinem langjährigen Freund Ambrose St. John ein Verhältnis gehabt. Als St. John vor ihm starb, verglich Newman ihre Beziehung mit der von David und Jonathan. Nach seinem Tod wurde Newmans Leichnam auf seinen Wunsch hin im Grab seines Freundes bestattet. Newman wurde im Jahr 2010 von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen, doch sein Verhältnis zu St. John wurde beflissentlich vom Vatikan verschwiegen.

In Aldrichs Buch sind von jeder Epoche viele Lebensgeschichten aufgeführt. Darunter die bekannten: Michelangelo Buonarotti, Michel de Montaigne, Friedrich der Große; natürlich auch die "Gründerväter und -mütter der modernen schwul-lesbischen Kultur", wie ein Kapitel betitelt ist. So beispielsweise die Autoren Walt Whitman, E.M. Forster und André Gide. Nicht zu vergessen: Oscar Wilde, Wilhelm von Goeden, Annemarie Schwarzenbach und Carson McCullers. Sowie Federico García Lorca, Magnus Hirschfeld und Harvey Milk.

Flüchtige Begehrlichkeiten und langjährige Beziehungen

Auch Tratsch-Gelüste werden befriedigt: Professor Aldrich beschreib in seinem Buch auch, wer mit wem geschlafen hat
Auch Tratsch-Gelüste werden befriedigt: Professor Aldrich beschreib in seinem Buch auch, wer mit wem geschlafen hat

Erfreulicherweise sind auch einige weniger bekannte Persönlichkeiten aufgeführt. Etwa der schwedische Maler Eugène Jansson (1862-1915), der nackte Männerbilder vor den Kulissen von Badeanstalten oder der Marine malte. Weitestgehend unbekannt ist auch die Lebensgeschichte von Chevalier d'Eon (1728-1810), der etwa die Hälfte des Lebens zunächst als Mann, dann als Frau lebte. Herrlich mutig und bezaubernd radikal im Zeitalter der Aufklärung!

Auch Personen der arabisch-orientalischen Welt werden vorgestellt, etwa der Dichter Abu Nuwas (757-814), der über hübsche Jungs und Trinklieder schrieb. Lobenswert ist auch der Blick nach Fernost - vor allem Japan -, Indien und Lateinamerika. So werden die japanischen Autoren Saikaka Ihara (1642-1693) und Yukio Mishima (1925-1970) vorgestellt. Aus Indien werden etwa der Maharadscha von Chhatarpur (1866-1932) und der Maler Bhupen Khakhar (1934-2003) porträtiert, während aus Lateinamerika beispielsweise der brasilianische Fotograf Alair Gomes (1921-1992) und der kubanische Autor Reinaldo Arenas (1943-1990) beschrieben sind.

Robert Aldrich stellt in "Gay Lives" nicht nur die Lebensgeschichten der Promis mit ihren Erfolgen im Beruf vor, sondern stellt auch die zunächst boulevardesk wirkende Frage, wer mit wem geschlafen hat. So erfährt man beispielsweise, dass der Ballett-Tänzer und Librettist Boris Kochno mal der Geliebte vom Komponisten Karol Szymanowski war, dann mit dem Balett-Impresario Sergei Djagilew zusammen kam und schließlich eine Affäre mit dem Komponisten Cole Porter hatte. Auch spekuliert Aldrich, ob jeder Junge, den Alair Gomes fotografiert hat, mit ihm ins Bett gegangen ist. Unnötiger Tratsch? Im Gegenteil: Eher das Aufzeigen von homosexueller Normalität in ihrer großen Bandbreite von flüchtigen Begehrlichkeiten bis hin zu langjährigen Beziehungen, wie auch die von Eleonor Butler und Sarah Ponsbony, deren lesbische Beziehung über 50 Jahre dauerte - und das im England des 18. Jahrhunderts!

Undurchschaubare Kriterien für die Auswahl der Porträts

Klar ist, dass in einer solch wundervollen Sammlung von LGBT-Lebensgeschichten viele Persönlichkeiten aus Platzgründen nicht aufgenommen werden konnten. Es fehlen beispielsweise Klaus und Erika Mann, Alan Turing, Friedrich Alfred Krupp, Pier Paolo Pasolini oder Rainer Werner Fassbinder - überhaupt: Schauspieler und Regisseure sind gänzlich ausgespart worden. Ein ärgerliches Manko! Auch weil Aldrich in seiner Einleitung keine Kriterien dafür angibt, welche Personen nun ein Kurzporträt verdient haben und welche nicht. Wäre es nicht klug gewesen, mehrere Bände zu verschiedenen Epochen herauszugeben? Zudem sind keine schwule Persönlichkeiten gewürdigt worden, die im KZ ermordet wurden oder vor den Nazis fliehen mussten - ein No-Go!

Dennoch: "Gay Lives" sollte unbedingt in jedem Bücherregal stehen. Nicht nur als Nachschlagewerk. Denn diese Biografien dienen auch als Vorbilder und bieten eine emotionale Verbindung zu einer mittlerweile Jahrtausende alten homosexuellen Kultur. Mehr noch: Die Anthologie fördert ein stolzes, queeres Selbstbewusstsein!

  Infos zum Buch
Robert Aldrich: Gay Lives. Lebensgeschichten. Aus dem Englischen von Jochen Stremmel. DuMont Verlag, Köln 2012. 304 Seiten mit 120 Abbildungen. 34,95 €. ISBN: 978-3-8321-9422-2.
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Tags: robert aldrich, gay lives
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Reaktionen zu "Die queeren Promis der Weltgeschichte"


 6 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
05.08.2012
16:47:20


(+2, 4 Votes)

Von achwieungerecht


"Es fehlen" der Sohn eines Arztes und einer Übersetzerin, der Sohn eines britischen Kolonialbeamten, der Sohn eines italienischen Berufsoffiziers, ein deutscher Großindustriellensproß. Und die Abkömmlinge einer Lübecker Kaufmanns-Dynastie.
Und "Überhaupt" die Bespaßer dieser Milieus.

(Angelo Algieri wählt SPD?)


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#2
05.08.2012
17:10:06


(+3, 3 Votes)

Von GF Pr von Pr


Der Herzog von Orlean Philippe (der jungere Bruder von Louis XIV), Friedrich der Grosse, Ludwig II., Umberto II. von Italien, Papst Paul VI...


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#3
06.08.2012
09:07:42


(+1, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #2 von GF Pr von Pr


Also bei Umberto II. von Italien und Papst Paul VI. bezweifle ich, daß die schwul oder bi waren, weil sich in den dazugehörigen Wikipediaartikeln keine Hinweise finden und es nicht erwähnt wird. Darum wäre ich vorsichtig.

Ansonsten liest sich das Buch wie ein Who-is-Who der Weltgeschichte und es erinnert mich an die Out-Bücher von Axel Schock, in dem ja auch viele Schwulen, Lesben, Bisexuelle und Transgender vorgestellt werden.


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#4
06.08.2012
11:13:35


(+1, 3 Votes)

Von unser Paul
Antwort zu Kommentar #3 von FoXXXyness


Bei Paul VI gibt es nun absolut gar keine Zweifel. Das wußte und weiß in Italien jede Hausfrau, die sonst nix mit schwul zu tun hat.
Und er war nicht der einzige Papst, der es mit Männer trieb.


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#5
06.08.2012
12:07:40


(0, 2 Votes)

Von GF Pr von Pr
Antwort zu Kommentar #3 von FoXXXyness


Gibt es zwei Wikipedias? Ich zumindest habe die englische Version gelesen. Umberto II (1904 -1983), der letzte Konig von Italien aus dem Hause Savoyen, war homosexuell oder zumindest bi, da gibt es keine Zweifel, im Artikel sind viele Fakten und Quellen erwahnt. Sogar die Zeitung der deutschen Monarchisten 'Corona' schreibt sehr klar daruber (Ausgabe 78). Unter seinen Lovern waren auch der legendare Regisseur Luchino Visconti und der franzosische Schauspieler Jean Marais, der wiederum der langjahrige Partner von Jean Cocteau war. Uber die Homosexualitat des Papstes Pauls VI schreibt Wikipedia auch, ganz am Ende des Artikels. Seine grosse Flamme war bekanntlich der italienische Schauspieler Nino Castelnuovo ('Regenschirme von Cherbourg').


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#6
06.08.2012
13:49:04


(-1, 1 Vote)

Von qinqi
Antwort zu Kommentar #3 von FoXXXyness


na ja wikipedia ist ja nicht unbedingt die zuverlässigste quelle, da steht zwar eine menge, eine menge steht da eben auch nicht.

btw: bin immer wieder erstaunt wie inflationär hier bei queer.de(!) mit dem begriff "queer" umgegangen wird. queerness ist nicht gleich homosexualität! vor allem nicht nur männliche, aber alles andere wird hier ja gerne marginalisiert...


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