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  • 06.08.2012           3      Teilen:   |

Aufgefummelt

Amsterdam, die Stadt in Pink (1)

Der Touristenstrom zum CSD ist ungebrochen - Quelle: Amsterdam Marketing
Der Touristenstrom zum CSD ist ungebrochen (Bild: Amsterdam Marketing)

Die Homometropole mit Tradition versucht sich als schwul-lesbisches Reiseziel neu zu profilieren. Queer.de war zum Gay Pride zu Besuch.

Von Christian Scheuß

In den vergangenen Jahren hörte man unterschiedliches über und aus der niederländischen Metropole. Die einen beklagen den Niedergang der guten alten liberalen Zeiten, in denen in Amsterdam so ziemlich alles möglich war. Und dann gibt es die Stimmen, die bereits einen neuen Aufbruch verkünden: Neue Läden, neue Partys, und nach wie vor eine im Vergleich mit anderen europäischen Städten stark spürbare Lockerheit des Lebens. Das sei nicht verschwunden, allen konservativen Regierungen zum Trotz. Die Gerüchte, dass die Coffeeshops verschwunden seien, werden durch die aromatischen Marihuana-Schwaden an jeder Ecke der Altstadt wiederlegt. Selbst die Mushrooms mit pychedelischer Wirkung sind nach wie vor zu haben. Und die Pornofilme liegen wie gehabt in den offenen Regalen. Nur das Poppers ist inzwischen aus den Schaufenstern verschwunden.

Und die Touristenströme? Schon vom Augenschein her ungebrochen. Am ersten Augustwochenende 2012 füllen nicht nur die üblichen Reisegruppen die Straßen, es kommen zusätzlich noch die rund 500.000 schwul-lesbischen Gäste aus allen Ecken der Welt zum Amsterdam Pride dazu. Die Stadt ist dermaßen voll, dass sich selbst in den ansonsten gediegen-ruhigen Fünf-Sterne-Hotels die Massenabfertigungsatmosphäre von Low Budget-Bettenbunkern einstellt.

Zu den Homo-Touristen gesellen sich in diesem Jahr 20 JournalistInnen und FotografInnen der Szenemedien dazu, auf Einladung von "Amsterdam Marketing. "Vielen Dank dafür. Doch warum? Der Tourismusgulden rollt doch", lautet entsprechend eine der ersten Fragen direkt nach Ankunft. Frans van der Avert, Direktor des städtischen Marketingunternehmens macht es plausibel: "Wir sehen uns mittlerweile im Wettbewerb mit anderen Metropolen, die ihren CSD als großes und wichtiges Event vermarkten." Der Gay Pride Amsterdam ist von der Besucherzahl her gesehen die größte Veranstaltung der Stadt und gehöre deshalb ganz selbstverständlich zur Außendarstellung dazu.

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Homomonument und Homobar - Viel Historie im Schnelldurchlauf

Jennifer Hopelezz, die bekannteste und geschäftstüchtigste Drag Queen der Stadt - Quelle: Kit
Jennifer Hopelezz, die bekannteste und geschäftstüchtigste Drag Queen der Stadt (Bild: Kit)

Wir Journalisten sind also für eine Art Update hier, und um dem Höhepunkt des neuntägigen Kultur- und Partyspektakels beizuwohnen: Der 17. Bootsparade auf dem Kanal, der an so vielen Orten schwul-lesbischen Lebens entlangfließt. Diese Parade ist eine weltweit einmalige Angelegenheit. Denn statt Trucks und Fußgruppen, die sich wie sonst überall durch die Straßen schlängeln, präsentiert sich hier die Szene auf 80 großen bunten Booten.

Doch bevor es soweit ist, gibt es erst einmal eine Stippvisite durch das moderne Amsterdam mit seinen neuen Museen und Konzerthäusern entlang der Amstel und dem berühmten Red-Light-Bezirk in Bahnhofsnähe, dem Zentrum der schwulen Szene. Am nahegelegenen Westermarkt, dem Platz, auf dem das Homomonument liegt, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert, treffen wir auf Jennifer Hopelezz, eine der bekanntesten Drag Queens der Stadt. Jennifer kam in den Achtzigern als Richard Keldoulis von Sydney nach Amsterdam und prägt seitdem das Szeneleben mit. Der Szene-Star ist nicht nur im Verein tätig, der sich um den Erhalt des Monuments zur Erinnerung an die homosexuellen Kriegsopfer kümmert. Er organisierte auch die ersten großen Sexparties in den Neunzigern mit.

Und eben jener wilde, kinky Fetischsex, der ist nicht mehr so "doll" wie früher. Jennifer Hopelezz nennt im Interview mit einem Szenemagazin den Grund: "Die jungen Leute sind heute sehr konservativ. Sie räumen überall im Rotlichtbezirk auf, weil Sex irgendwie etwas sehr Negatives bekommen hat. Sexy ist noch ok, aber Sex nicht. Das ist schade." Einige Cruisingbars, in denen es früher abging, haben ihre Pforten geschlossen. Das hat sich in der gern reisenden schwulen Szene natürlich rumgesprochen. Berlin gilt momentan als der Ort mit den geilsten (Sex)partys.

Das Rotlicht im Red-Light-Bezirk ist gedimmt, das Szeneleben nimmt neuen Anlauf

Fotografien an der Wand, Unterwäsche an der Decke. Die älteste Homobar des Landes ist voller Geschichten - Quelle: Kit
Fotografien an der Wand, Unterwäsche an der Decke. Die älteste Homobar des Landes ist voller Geschichten (Bild: Kit)

Doch Jennifer Hopelezz setzt - ganz und gar nicht hoffnungslos - der neuen Generation von Sexmuffeln, die inzwischen an den wirtschaftlichen Schalthebeln der Stadt sitzen, ihren neuen Laden als Signal entgegen: Der "Club Church" ist eine Cruisingbar in der Keerkstraat, mitten im Zentrum gelegen, mit zwei Etagen zum Tanzen und Vögeln. Das Ganze auf der Höhe der Zeit mit wechselnden DJs und Themenparties, mit freier Kleideraufbewahrung und Kondomversorgung, mit Privatkabinen und ausleihbaren Toys. Versaut darf der Sex hier weiterhin sein, schmutzig muss dabei aber keiner werden. Es gibt auch Duschen.

Und es tut sich noch mehr. Das "Prik" ist eine schicke Cocktailbar, in der ein gemischtes jüngeres Publikum auf Allüren und Arroganz verzichtet. Das "Bump" ist die neueste Errungenschaft. Die größte Gay-Bar der Stadt über zwei Etagen ist frei von jener Kumpelnest-Piefigkeit, wie man sie - ganz bewusst - in der ehemaligen reinen Lederbar "The Cockoo's Nest" konserviert. Vor vier Jahren tauchte sogar ein verloren geglaubter Ort der Szene wieder aus der Versenkung auf. Das "Café `t Mandje" an der Zeedijk - 1927 von einer stadtbekannten Lesbe eröffnet - wurde durch liebevolle Restaurierung in seinen Originalzustand versetzt.

Der kleine Laden, der stets gut besucht ist, feiert nun seinen 85. Geburtstag. Die erste Homobar der Niederlande ist auch die älteste existierende Europas. Und für die ehemalige Eigentümerin Bet van Beeren gibt es nicht nur im Homomuseum eine Gedenkcke. In der Etage über der Kneipe wurde der schmale Raum, in dem sie lebte, mit der Originaleinrichtung so hergerichtet, wie es auf alten Fotografien zu sehen ist. Man kann die lesbische Wohnstube auf Wunsch besichtigen.

Teil 2 des Reports: Parade ohne Pinkelpause und Wagenengel

Links zum Thema:
» Infos zum Pink Point und zum Homomonument
» Website von Jennifer Hopelezz
» Website des Café Mantje
Mehr zum Thema:
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
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Amsterdam Gay Pride 2012 - Die Stadt in Pink

16 Bilder
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Tags: csd, amsterdam, canal pride, grachten
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Reaktionen zu "Amsterdam, die Stadt in Pink (1)"


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
06.08.2012
21:20:47


(+2, 2 Votes)

Von GF Pr von Pr


Ich wunschte mir, dass auch Rom, Athen, Belgrad, Warschau, Budapest oder auch meine Stadt Vilnius so bekamen wie Amsterdam. Rosa Traume eben.


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#2
06.08.2012
23:10:33
Via Handy


(+1, 1 Vote)

Von daVinci6667
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Antwort zu Kommentar #1 von GF Pr von Pr


Einverstanden. Träume soll und muss man haben!

Deshalb bitte auch Teheran, Bagdad, Mekka, Kingston, Moskau, Peking und Belgrad!


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#3
07.08.2012
09:03:10


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Der Artikel von Christian Scheuß ist brilliant! Für mich bleibt Amsterdam DIE Schwulenhauptstadt Europas!


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