Service   Gewinne   Jobs   Newsletter   Bild des Tages   Presseschau   Partner   Gay Hotels
Queer.de - das schwul-lesbische Magazin
 Community | CSD-Termine
Suche:  (News-Übersicht)
 
Login (Nick / Passw.):  (Registrieren)
  Autologin  
 Home || Politik | Szene | Boulevard | Blog | Meinung | Glaube | Lifestyle | Reise | Kultur | Buch | CD | DVD | Liebe | TV-Tipps || Galerie
 powered by
  • 07.08.2012           3      Teilen:   |

Parade ohne Engel

Amsterdam, die Stadt in Pink (2)

Sunshine after the rain: Sebas - Projektleiter bei Amsterdam Marketing - konnte seine Frisur retten - Quelle: Kit
Sunshine after the rain: Sebas - Projektleiter bei Amsterdam Marketing - konnte seine Frisur retten (Bild: Kit)

Stell dir vor, es ist CSD und alles wird rosa. Bei der 17. Canal Parade machte die ganze Stadt mit. Teil 2 des Reports.

Von Christian Scheuß

Überall dieses Rosa! Hüte, Federboas, Fähnchen, T-Shirts, Strümpfe, Shorts: In den Devotionalienshops entlang der Damrak-Promenade ist alles pink. Die Amsterdamer tragen ebenfalls pinke Kleidung. So wie sie auch am Nationalfeiertag, dem Koninginnedag, alle ganz selbstverständlich etwas in Orange anhaben. Pink, die "schwule Farbe", die in Deutschland ziemlich verpönt ist, leuchtet hier an allen Ecken und Enden in einer Intensität, dass man die Regenbogenfahne kaum noch wahrnimmt. Entsprechend riesig ist auch das Exemplar, das man am Turm der Westkeerk extra für den CSD aufgehängt hat.

Die Canal Parade ist seit 17 Jahren der Höhepunkt der schwul-lesbischen Kultur- und Partytage. Wegen des Regens zu Beginn der Parade kamen zwar nur rund 380.000 der erwarteten 500.000 Besucher, doch die Live-Fernsehübertragung und der Livestream von Youtube haben geschätzte zwei Millionen Menschen mit ins Geschehen eingebunden.

Die Parade auf dem Wasser bietet Vorteile im Vergleich zur Straßenparade: Man braucht zum Beispiel die vielen "Wagenengel" nicht, die mit ihren Absperrbändern üblicherweise verhindern, dass betrunkene Tunten unter die Räder der Trucks geraten. Ein paar begleitende Polizeiboote reichen aus, um Auffahrunfälle zwischen den Floats zu verhindern und die übermütigen Zuschauer raus zu fischen, die sich den CSD aus der Fischperspektive anschauen wollen.

In Amsterdam ist zudem der Blick auf das Geschehen frei, zumindest für all die, die sich rechtzeitig einen Platz in den ersten Reihen entlang der Prinsengracht und auf den kreuzenden Brücken sichern konnten. Logenplätze haben natürlich sämtliche Anwohner, die ihre großen Fenster der mitunter 400 Jahre alten Häuser weit geöffnet haben, um mitzufeiern. Und die Hausbootbesitzer, die noch am Vortag schnell hier den Anker ausgeworfen haben. Die Organisation Progay, die für den Amsterdam Pride verantwortlich ist, hat in diesem Jahr zudem erstmals eine VIP-Tribüne aufstellen lassen, in die nicht nur Promis wie der Bürgermeister durften. Es gab ein Kontingent von Tickets, die sich - zur Unterstützung des Events - käuflich erwerben ließen. Die rund 300 Plätze waren fast komplett besetzt.

Fortsetzung nach Anzeige


Zuschauer und Paradenteilnehmer feuern sich gegenseitig an

Jeder Jeck schwimmt anders, bis ihn die Wasserpolizei rausfischt - Quelle: Kit
Jeder Jeck schwimmt anders, bis ihn die Wasserpolizei rausfischt (Bild: Kit)

80 Boote ziehen jedes Jahr durch die Grachten. Wer mitmachen will, muss sich vorab bewerben, daraus wird dann eine quotierte Auswahl gezogen: nicht zu viele kommerzielle Veranstalter, ausreichend Platz für politische Organisationen, soziale Einrichtungen und Gruppen aus der Community. Die Zahl der Mitfahrenden, das erlaubte Wurfmaterial und Konfetti, die Höhe und Art der Aufbauten - alles ist genau reglementiert. Jedes Boot muss einen Verantwortlichen haben, der dafür sorgt, dass vor der nächsten Brücke die aufblasbaren Dekorationen eingeklappt und die Köpfe eingezogen werden.

Wer an Bord gegangen ist, der muss bis zum bitteren Ende durchhalten, was bei mehrstündiger Dauer und reichlich Alkohol eine existentielle Frage aufkommen lässt: Wie halte ich es mit dem Harndrang? Die Antwort: Es gibt Toiletten, sogar für Frauen. Während die in kleinen selbstgezimmerten Verschlagen auf hölzernen Klobrillen Platz nehmen dürfen, gibt es für die Herren verhängte Notdurftstätten. Am Gesichtsausdruck lässt sich erkennen, welche Überwindung es manchen kostet, beim Public Peeing in Fluss zu kommen. Ein Blick auf das Ende des Plastikrohrs, über dem sie stehen, zeigt dann aber jeweils, ob man seine Pinkelschüchternheit überwinden konnte.

Youtube | Das "Gaymobil"-Boot wurde von einer Jury als "Bestes 2012" ernannt

Politische Inhalte mit Kreativität präsentiert, das bringt sogar Geld

Dass sich die Teilnehmer jedes Jahr besonders schöne und aufwändige Bootsdekorationen ausdenken, dass die Besatzungen stundenlang vorab einstudierte Tanz-Choreographien präsentieren und dass sie ohne Unterlass den Zuschauern fröhlich zuwinken, liegt nicht nur daran, dass sich beide Seiten nahezu auf Augenhöhe befinden. Es motiviert auch das Geld. Jedes Jahr bewertet eine Jury die Kreativität der Boote. Wer auf dem ersten Platz landet, bekommt die Kosten für die Gestaltung, die schnell mal die 10.000 Euro übersteigen, erstattet. 2012 erhielt das (pinke) Boot von "Gaymobil", einer Kampagne gegen Stereotype, den Zuschlag. Diese Motivationsspritze für Paradewagen mit Qualität würde manchem CSD in Deutschland sicherlich gut tun.

Auch der "Playboy" macht dieses Jahr mit und präsentiert dabei eine "lesbische Ausgabe" des Herrenmagazins. Das in den liberalen Niederlanden die politischen Inhalte nach wie vor eine große Rolle spielen, das ist das Signal des Prides, der 2012 unter dem Motto "We Are - on the Move" stand. Allen Bestrebungen, Freiheiten einzuschränken oder zu verweigern, wird der "Stolz" der Community entgegengehalten. Man liest das Wörtchen häufig auf den Dekos der Boote.

"Proud to be your Politie" heißt es zum Beispiel bei "Roze in Blauw" (Pink in Blue), dem landesweiten Homonetzwerk der Polizei, das seit 1998 existiert. Ellie Lust, Sprecherin der Amsterdamer Polizei und Vorsitzende des Netzwerks. erklärt, dass es nicht um die Orientierung an sich geht, sondern um das bislang Erreichte. "Ich bin seit 25 Jahren bei der Polizei und sehe nun überall Fortschritte", erklärt sie in einem Interview. Noch stolzer wäre sie allerdings, wenn man die Arbeit des Netzwerks einstellen würde. "Ich träume davon, das Roze in Blau-Team aufzulösen, denn es würde bedeuten, dass es keine Gewalt aufgrund von Homosexualität mehr gibt."

Links zum Thema:
» Website der Amsterdamer Organisation "Progay"
Mehr zum Thema:
» Amsterdam, die Stadt in Pink (1)
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
Galerie
Amsterdam, Canal Pride, 4. August 2012

51 Bilder
Kommentare: Selbst kommentieren | Bisher 3 Kommentare | FB-Debatte
Teilen: 64             2     
Service: | pdf | mailen
Tags: csd, amsterdam, canal pride, grachten
Schwerpunkte:
 Niederlande
Unterstützen:
  |   Überweisung / Abo / weitere Infos

loading...

Reaktionen zu "Amsterdam, die Stadt in Pink (2)"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
07.08.2012
19:19:34


(+1, 1 Vote)

Von Frankyboy
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wer die Amsterdamer Gay-Pride noch nicht miterlebt hat, sollte dies auf alle Fälle mal irgendwann tun. Für mich die schönste CSD-Parade und die Amsterdamer wissen eben, wie man(n) feiert...


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#2
07.08.2012
20:06:55


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness
Antwort zu Kommentar #1 von Frankyboy


Genau!


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 
#3
08.08.2012
07:39:21


(+2, 2 Votes)

Von ehemaligem User alexMuc


Trotzdem ist es lange nicht mehr so, wie zu Zeiten, als es "iT", Cockring und COC noch gab. Das waren Partys. Das war teilweise Sodom und Gomorra. Herrlich. Natürlich ist man älter geworden, aber es ist trotzdem anders. Ich war vor 4 Jahren dort und ich fand es langweilig und vor allem steril. Selbst zum Rauchen geht man auf die Straße. Ich selbst rauche nicht, aber es ist ein Stimmungskiller, wenn die Hälfte der Leute auf der Straße steht. Und, und das hat mich an Amsterdam schon früher gestört, wenn in anderen europäischen Städten, die Party erst richtig anfängt, früh ab 6:00 oder noch später, da schließen in Amsterdam die Clubs. Einzig zum Queens-Day oder zur Canal-Pride, gabs früher ne Afterhour im "Cockring". Amsterdam lohnt nicht mehr, eindeutig. Szenemäßig, gibts bedeutend Besseres in Europa.


Antworten | Kommentar schreiben | Direktlink zu diesem Kommentar
 


 REISE - STäDTEREISEN

Top-Links (Werbung)

 REISE



Anderswo
Bild des Tages
Aktuell auf queer.de
Wieder homophobe Fangesänge gegen Cristiano Ronaldo Stuttgart: Laura rüffelt schwule Cruiser MV: Fast alle LGBT-Schüler beklagen Diskriminierung Regenbogenfahnen gestohlen und verbrannt
 © Queer Communications GmbH 2016   Unternehmen | Team | Mediadaten | Logos | Impressum / AGB | Spenden | Kontakt