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  • 12.08.2012           30      Teilen:   |

Happy Together (22)

Das Geheimnis "ewiger" Liebe

Es gibt gute Gründe, 50 Jahre zu bleiben, aber auch richtige Anlässe, nach zwei Wochen weiter zu ziehen - Quelle: Wiki Commons / Raphael Perez / CC-BY-2.0
Es gibt gute Gründe, 50 Jahre zu bleiben, aber auch richtige Anlässe, nach zwei Wochen weiter zu ziehen (Bild: Wiki Commons / Raphael Perez / CC-BY-2.0)

Wieso halten eigentlich manche schwul-lesbische Beziehungen ein Leben lang? Und ist es schlimm, wenn man "ewig" nicht hinkriegt?

Von Christian Scheuß

Es war eine traurige Nachricht, als Ende Juni bekannt wurde, dass der schwule Journalist Martin Ripkens verstorben ist. 78 Jahre wurde er alt, 55 Jahre davon lebte er Seit an Seit mit seinem Freund Hans Stempel. Die zwei Publizisten, Filmkritiker und Journalisten waren auch in der Öffentlichkeit nicht getrennt voneinander zu denken. Sie waren wie die schwulen siamesischen Zwillinge, die alles miteinander teilten. Der 87-jährige Stempel bleibt nun allein zurück.

Es war ein freudiges Ereignis Anfang Juli beim Kölner CSD-Empfang von Schwules Netzwerk NRW und AIDS-Hilfe NRW, als Ludwig Rubruck (81) und Alfred Schiefer (83) auf die Bühne gebeten wurden, um die Kompassnadel entgegenzunehmen. Ein Preis, mit dem das ehrenamtliche Engagement von Menschen in und für die Community ausgezeichnet wird. Es war aber nicht nur ihr gemeinsamer Einsatz, der hier eine Rolle spielte. Auch die Tatsache, dass die beiden seit 56 Jahren ein Paar sind, wurde bewundert und gelobt.

Es lässt sich trefflich darüber streiten, welchem Lebensmodell man den nun besser folgen sollte. Dem romantischen Ideal der ewigen Liebe und Treue, das uns nach wie vor tagtäglich in den Medien als alleinseligmachend angepriesen wird? Einem Ideal, das zudem so eng an das bürgerliche Ehemodell geknüpft ist, das in dieser Kombination viele Paare einschnürt und scheitern lässt, weil es aus diversen Gründen mit der ewigen Liebe und Treue eben nicht klappt. Genauso gut kann man aber auch hinterfragen, ob die weitere Individualisierung des privaten Lebens, die so viel Unabhängigkeit und Freiheit verspricht, die Raum für alternative Verantwortungsgemeinschaften schafft, tatsächlich glücklich macht. Individualisierung ist ja nicht nur eine Folge selbstbestimmter Entscheidungen über den eigenen Lebensstil, es ist häufig auch eine Anpassung für den Arbeitsmarkt, der hohe Flexibilität fordert.

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Das Vorurteil der Beziehungsunfähigkeit von Schwulen und Lesben steckt noch in den Köpfen

Romantik 2012: "Schatzi, ist es ok, wenn ich gleich die nette Butch von letztens aus der Disco knutsche?" "Natürlich Liebes, sei zum Abendessen aber wieder da." - Quelle: Wiki Commons / Fg68at / CC-BY-2.0
Romantik 2012: "Schatzi, ist es ok, wenn ich gleich die nette Butch von letztens aus der Disco knutsche?" "Natürlich Liebes, sei zum Abendessen aber wieder da." (Bild: Wiki Commons / Fg68at / CC-BY-2.0)

Wie immer man es betrachtet, eines ist gewiss: Der Wunsch nach einer gewissen Stetigkeit und Verlässlichkeit von Beziehungen, wie immer sie auch zusammengesetzt sind, steckt in jedem von uns. Dauerhaft möchte keiner allein bleiben. Das Führen von Beziehungen unter diskriminierenden Lebensbedingungen gelingt schwerlich. Die Paare Stempel/Ripkens und Rubruck/Schiefer haben uns aber gezeigt, dass es dennoch möglich ist. Wohl deshalb ist unsere Bewunderung für sie so groß. Zudem wurde und wird schwulen Männern nach wie vor Beziehungsunfähigkeit unterstellt. Weil wir eben triebige Männer seien, die ständig in den Saunen und Cruisingbars hängen, heißt es von neidischer heterosexueller Seite. Oder - wenn es aus der dumpf-homophoben Ecke kommt - weil wir eben Homosexuelle sind. Dass die Beziehungsunfähigkeit ein Märchen ist, das zeigen vor allem die Studien des Soziologen Michael Bochow.

Wie haben aber die oben genannten schwulen Paare die lange Zeit von 50 Jahren und mehr gemeistert? Was ist deren Geheimnis? Martin Ripkens hat es so beschrieben: "Sex hat uns nie entzweit. Geld Gott sei Dank auch nicht, aber wie die Welt einzurichten sei und wie sie denn aussieht, das bringt uns immer noch zum Glühen, tagelang." Das intellektuelle Reiben war einer der Motoren ihrer Beziehung, dafür rieben sie sich auch schon gern mal an anderer Männer Haut außerhalb der Zweierkiste. Bei Ludwig und Alfred ist es ähnlich. Ihr Lebensmotto lautet: "Wir haben Nichts anbrennen lassen". Ihre Beziehung hatten sie in der Vergangenheit sogar für mehr als reine Sexaffären geöffnet und sind trotz - oder wegen - der weiteren Liebesaffären damit gut gefahren. Das Vertrauen, dass der andere ein verlässlicher Partner bleibt, das konnten sie sich jeweils schenken. Die Balance zwischen romantischer Liebe und individueller Freiheit haben sie halten können.

50 Jahre sind allerdings eine verdammt lange Zeit, das kriegt nicht jeder hin. Deswegen ist ganz klar: Wer bislang nur Beziehungen hatte, die ein paar Monate oder ein paar Jahre liefen, der ist kein beziehungsunfähiger Versager. Schließlich ist es Zufall, wem man als potentiellen Partner begegnet. Denn es gibt Lebensphasen, in denen Veränderungen passieren, in denen die Trennung eher hilfreich und erfrischend ist. Erst wenn einen das Gefühl nicht mehr loslässt, dass Beziehungen stets nach selben Mustern beginnen und in Dramen enden, ist eine Analyse fällig. Meist steht man sich selbst irgendwo im Weg oder folgt in seinem Verhalten - unbewusst - gelernten Schnittmustern, die das Beziehungskleid ruinieren.

Wochen-Umfrage: Die längste Beziehung, die Du bislang hattest: Wie lange hielt/hält sie? (Ergebnis)

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Tags: beziehung, partnerschaft, konflikt, kommunikation, regenbogenfamilie
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Reaktionen zu "Das Geheimnis "ewiger" Liebe"


 30 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
12.08.2012
13:09:28


(+2, 10 Votes)

Von vingtans
Profil nur für angemeldete User sichtbar


in unserer gesellschaft gilt es immernoch als "männlich" mit so möglichst vielen partnern sex zu haben. ich denke das ist ein problem das vielen schwulen paaren begegnet.

ah und vielleicht eine meinung, ich find wenn man sexuell nicht exklussivsein kann, inwieweit führt man denn dann noch eine beziehung? ffür mich ist das lediglicheine freundschaft

ich seh das irgendwie so (achtung! meinung!). sex ist die intimste art und weise sich körperlich nahe zu sein, das hat man nur mit einem besonderen menschen, hat man das mit vielen weniger besonderen menschen ist das irgendwie unrein.


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#2
12.08.2012
13:26:44


(+4, 8 Votes)

Von Lapushka
Antwort zu Kommentar #1 von vingtans


Naja sieht jeder anders.
Ich finde emotionale Öffnung viel intimer und schwieriger sich darauf einzulassen als auf Sex.

Und was Beziehung ist, wissen nur die daran beteiligten. Wenn es für jemanden trotzdem Partnerschaft ist wenn jeder machen kann was er will, dann ist das so. Nur weil es für einen selber nicht passt, ist das nicht allgemeingültig.

Ich sage, zu einer guten Beziehung gehört auch Freundschaft.


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#3
12.08.2012
13:28:35
Via Handy


(+7, 7 Votes)

Von MarcelJ


Es ist nicht schlimm, wenn man "ewig" nicht hinbekommt - solange man sich die gemeinsame Zeit so schön wie möglich macht.


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#4
12.08.2012
15:39:54
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Ich bin ein typischer Beziehungsmensch. Daher ärgert mich das blöde Vorurteil, dass wir Schwule weniger Beziehungsfähig sein sollen ungemein. Viele von uns glauben das sogar selbst!

Wer glaubt auch beim liebsten, geilsten Kerl den du kennenlernst, nicht treu sein zu können, soll halt eine sogenannt offene Beziehung versuchen. Jeder nach seiner Facon! Mit mir würde sowas aber nicht klappen. Schon versucht.

Der Artikel gab bei uns Anlass zum rechnen. Vom meinen 25 Erwachsenenjahren (damals bei uns erst mit 20) lebte ich 22 Jahre in festen Händen und das in 5 Beziehungen, deren Dauer zwischen 6 Monaten (Fernbeziehung mit einem Berliner) bis zu jetzt 14 Jahren (aktuelle Ehe) variieren. Nur eine war nicht exklusiv konstruiert (Fernbeziehung) Bei meinem Mann sieht's ähnlich aus.

Was macht eine fuktionierende Beziehung aus? Neben gegenseitiger Liebe und Sex halte ich Ehrlichkeit für das Wichtigste! Glaubt mir, gerade zwischen zwei Männern kann man dem Partner absolut nichts vormachen! Nonverbale Kommunikation macht den grössten Teil der Kommunikation aus. Fallls du also fremdgegangen bist, kannst du abstreiten schlichtweg vergessen, da du nonverbal deinem Partner längst alles in Details zugegeben hast!

Geld ist leider ein wichtiger Punkt. Wenns mangelt, wird die Chance auf Dauerhaftigkeit kleiner. Deshalb gehen in Wirtschaftskrisen so viele Beziehungen in die Brüche. Ebenfalls schwierig wirds, wenn unterschiedliche Kulturkreise im Spiel sind, da man dann einfach nicht gleich tickt. Andere soll aber genau das zusammenschweissen.

Zum Schluss: Mit jeder Beziehung ist auch ein intensives Lernen verbunden. Die Wahrscheinlichkeit dass deine aktuelle Beziehung also hält ist gross! Wenn nicht, als Trost, wird die Wahrscheinlichkeit bei der nächsten umso größer!

Macht's euch gut!


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#5
12.08.2012
17:05:49


(+1, 7 Votes)

Von porokusi
Antwort zu Kommentar #1 von vingtans


Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Bei deinem Kommentar muss man sich fragen ob du den Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden hast.


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#6
12.08.2012
17:17:35


(+6, 6 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Ich war mit meinem Lebenspartner, mit dem ich 21 Jahre zusammen bin, vor einiger Zeit auf der "Silberhochzeit" (25 Jahre) eines Freundespaares. Zu der Feier kamen zahlreiche andere Freundespaare, die zwischen 10 und 48 Jahren zusammen waren. Wir kennen inzwischen alle diese Paare sehr gut. Sie alle haben eine gute Beziehung, haben gemeinsam etwas aufgebaut und haben einen stabilen Freundeskreis. Sie halten in guten und in schlechten Tagen zusammen. Aber ALLE diese Paare haben eine offene Beziehung, sind sich also sozial treu, nicht sexuell. Alle haben aber auch Spielregeln für ihre Beziehung entwickelt, die sie strikt einhalten. Keiner will eine Beziehung zu dritt, lediglich Sex mit anderen, worüber der Sexpartner auch von vorne herein ehrlich aufgeklärt wird. Eine Beziehung mit einem einzigen Menschen, die in guten und in schlechten Tagen hält, ist das, was alle schwulen Männer wollen. Wer behauptet, so etwas nicht zu wollen, sagt das in den meisten Fällen nur, weil er zu oft enttäuscht wurde. Man sollte sich nicht nur Kommentare von bindungsunfähige Menschen verwirren lassen. Spätestens, wenn man älter wird, gibt es nichts Schöneres, als einen Menschen an seiner Seite zu haben, der vorbehaltlos zu einem hält!


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#7
12.08.2012
17:42:58


(+2, 4 Votes)

Von sanscapote
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Schwule sind ebenso faehig zu einer Beziehung wie Hete und es gibt ebenso Hete wie Schwule, die besser alleine oder in Gruppen oder als was auch immer leben. Das kann wirklich nur jeder fuer sich entscheiden. Und jedes ist persoenlich und nicht uebertragbar.

Ich und mein Mann sind Beziehungsmenschen. Als wir einander kennenlernten kochten wir beide sehr gerne, da aber mein Mann u.a. Konditorei und Kochen als Beruf hat, bin ich dazu uebergegangen, die Koestlichkeiten zu geniessen. Nur bei Austern streike ich.

Als wir vor einem deutschen Standesamt JA sagten, stand fuer mich fest, dass ich das auch so meinte. Ein Versprechen ist fuer mich ein Versprechen und da gibt es keine Ausnahmen. Als ich fuer meinen Beruf das Versprechen der Verschwiegenheit abgab, musste ich mich ebenso daran halten .

Ich hatte bereits 2 laengere Beziehungen, eine mit 4 Jahren (300 km Entfernung) und eine mit 6 Jahren hinter mir, dann ein Leben als Single von 4 Jahren, bevor ich meinen Mann kennenlernte.
Er und ich hatten 19 Jahre freiwillig zusammen gelebt, bevor die ELP moeglich war. Wir beide sind in diesen Jahren niemals fremd gegangen. Ich habe bei ihm und er bei mir immer wieder neue Seiten entdeckt.

Im Rückblick faellt mir auf, dass ich immer "denselben" gewählt hatte. Im Grundmuster waren alle gleich. Und es ist auch das, was mich an allen Maennern anzieht. Aber im Lauf des Zusammenseins stelle ich fest, dass ich meinen Traummann geheiratet habe und zudem ihn in dem Masse immer vollkommener sehe, wie ich bereit bin an mir selbst immer mehr Dinge anzunehmen.

Wir kleben nicht auf einander, aber machen was moeglich ist gemeinsam.

Wir sind offen zu einander und sprechen ueber unsere Vorlieben bei anderen Menschen/Maennern.

Fuer die Dauerhaftigkeit unserer Ehe ist all das oben gesagte wichtig.

Fuer mich gilt als wahr: Zusammenbleiben ist besser.


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#8
12.08.2012
18:34:48


(-2, 6 Votes)

Von MalSoGefragt


Erstmal, vingtans scheint jung und romantisch zu sein (und ist damit die Ausnahme, da i.a. gilt, je jünger, desto abgeklärtester = zynischer), und ich finde es eine Unverschämtheit, dass man ihn verdächtigt, den Artikel "nicht gelesen oder nicht verstanden" zu haben.

Zum zweiten, da hier die Beziehungsexperten posten: Erklärt uns, dem Rest, bitte mal, wieso, wenn angebeblich sooo viele eigentlich eine Beziehung suchen, auf den Plattformen (und dort auch in den extra dafür eingerichteten Rubriken, oder unter den dort eigens eingeführten Kriterien) sich so gut wie nichts Einschlägiges tut.

D.h. sogar in den "Suche Beziehung"-Rubriken wird gefaked, dass es eine wahre Freude hat, und das wenige, was dort überhaupt vorkommt, sucht Sexdates, und wenn man dort ernsthaft sucht, wird man enttäuscht - gleichzeitig funktionieren dieselben Sites, für Sexdates, aber, nach den allseits genormten Spielregeln (Facepic oder Monsterdickpic) reibungslos.

Meine Idee nach vielen Jahren, wo ich das alles erlebe: Viele reden sich ein, "eigentlich" eine Beziehung zu suchen, suchen aber definitiv keine. Oder: Die Vorstellung einer Beziehung drängt sich allererst dann auf, wenn man schon miteinander im Bett (oder im Park oder wie auch immer "geschlechtlich beisammen" - cf. "carnal knowledge"!) war - hört sich erstmal sinnvoll an, nur dass dies unberücksichtigt lässt, dass die Kriterien für Sexdates und Beziehung eigentlich differieren müssten, mit der einen Suche die andere also doch nicht gleich miterledigt werden kann - oder ist das nur bei Frauen so? (Dort gibt es auch Untersuchungen zu dem Thema; für Schwule gibt es immer noch nicht viel mehr als den 1974-Geniestreich "Der gewöhnliche Homosexuelle" vom Prof. Dannecker, der gerade hier wg. eines Lapsus' letztens ja ziemlich runtergeputzt worden ist, was darin gipfelte, dass man sogar seinen Prof-Titel in Anführungsstriche gesetzt hat (nicht die Redaktion, ein Forist) - dessen damaliges Standardwerk (in Co-Autorschaft mit dem weniger bekannten Reimut Reiche) immer noch eine Goldmine für Fragen und Antworten zur "schwulen Frage" ist.

Also was ich wissen möchte, ist nicht, "wieso bekommt man keinen Partner, wenn man nicht attraktiv genug ist" o.ä., sondern "wieso behauptet man, soooo viele Schwule wünschten sich eigentlich eine Partnerschaft, wenn doch nur extrem wenige Schwule dies von vornherein beim Kennenlernen in Betracht ziehen möchten?"

Anders ausgedrückt: Nur die Naivsten könnten wohl davon ausgehen, dass man, wenn man Partnerschaft sucht, in jedem potentiellen Sexpartner auch den potentiellen Partnerschaftspartner hätte, denn wir alle wissen, dass von Sexpartnern die meisten eben nur so rumgucken / rumf... wollen - sodass also derjenige, der "eigentlich" sucht, "eigentlich" auch Interesse daran haben müsste, bei einschlägigen Ads auf solche, die solches Interesse ausdrücken, zu stossen; offenbar aber ist das Gegenteil der Fall: wie gesagt, solche Ads sind rar, die ernsthaften dort sind rarer, und die ernsthaft Interessierten auf solche Ads machen sich am rarsten.

Diese Widersprüche liegen auf der Hand; die Suche nach ihrer Beantwortung wäre für Theorie und Praxis hilfreich.

Und noch ein Aspekt: Ältere könnten mehr an Partnerschaft interessiert sein als Jüngere; oder spezieller: Ältere Passive könnten hieran grösseres Interesse haben als andere.

Oder sagen wir es mal ganz brutal: Während ältere Aktive eine Riesenauswahlt (unter Gleichaltrigen UND unter Jüngeren) haben, geht die Auswahl für ältere Passive (unter Gleichaltrigen / Älteren) gegen Null, bzw. findet sich praktisch ausschliesslich im Strichjungen-Milieu (mit ganz seltenen Ausnahmen); auf gut Deutsch heisst das, auch für ältere A's finden sich noch soviele jüngere P's, dass sie es nicht "nötig", sich mit gleichaltrigen P's "abzugeben" - die Älteren von uns können das bestätigen, und auch, dass es so weit geht, dass sich Ältere sogar - Notwehr! - als a/p oder a darstellen, um dich ins Bett zu kriegen, wo sie dann plötzlich zu rein-a mutieren; Dannecker/Reiche haben diese Hoffnung, in anderem Zusammenhang (schlechte Liebhaber in Saunen) sinngemäss so ausgedrückt, dass in Schwulenkreisen die Regel gilt - und auf sie gebaut werden kann -, dass, wenn man einmal zusammen in der Kiste ist, man dann, ist der Sex auch noch so schlecht, "am Mann bleibt".

Hübsch ausgedrückt, und in der Tat, mit Lügen kann man also auch bei suboptimaler Ausgangslage Körperkontakt quasi-erzwingen - aber ist das alles nicht völlig krank?

Diese Fragen sind allerdings tabuisiert, d.h. wenn sie mal jemand anspricht, dann wird das abgetan (und anderweitig weiter rumgelogen, soweit nötig) - aber genau solche Fragen, die ohne Antwort bleiben, bewirken doch, dass es nur für einige (Gutaussehende und / oder Jüngere, und sogar da... wenn du als Jüngerer nicht gut aussiehst, gefällst du nur Älteren, was dir aber wiederum nicht gefällt...) eine echte "Community" gibt - während Heten, wüssten sie darum, wie gnadenlos Homos ihre Partner / Expartner / Potentialpartner behandeln, uns noch für "kränker" hielten, als sie es so schon tun.

Mit anderen Worten: Nach meinen Erfahrungen im "Homosexuellen-Milieu" gelange ich immer schärfer zu dem Fazit, dass man mit Anständigkeit hier nicht weit kommt, wenn man nicht attraktiv genug ist, oder anders ausgedrückt, dass Anstand etwas ist, was sich nur attraktive Schwule "leisten" könnten - wenn sie es denn wollten.

Oder noch anders: Erlebte Gnadenlosigkeit macht uns zu Lügnern untereinander - und dann sollen die Heten Respekt vor uns als Gruppe haben? (Und dass bei gayromeo usw. gezielt gelogen wird, dass sich die Balken biegen, darüber gibt es Untersuchungen, das ist nicht meine "Behauptung".)

Also, wenn man das mal alles in Betracht zieht, könnte man zu dem Fazit gelangen, dass die wenigsten Schwulen wirklich eine Beziehung suchen, denn die meisten tun (anfangs jedenfalls - Ehrlichkeit beim Kennenlernen usw.) "nichts" dafür.

Und sich "hinterher" beklagen, "ach ja, die anderen, es wird soviel gelogen, alle nur auf F*ck*-F*ck* aus", und was man dergleichen alles immer wieder hört. Meine Litanei geht ja auch in die Richtung, aber mit dem Unterschied, dass ich hier bemängle, dass man zum Lügen quasi gezwungen, weil man sonst nichtmal zum Sex gelangt - geschweige denn zur Beziehung - und meine These ist eben: Wenn es nicht so viele gäbe, die gar keine Beziehung wollten, wäre auch die Suche nicht beziehungs-kontraproduktiv gestaltet, sondern organisierte sich, ganz von allein, entsprechend.

Oder irre ich mich?

P.S. Und natürlich habe ich Beziehungen gesehen, in denen der besseraussehende A immer wieder Typen mitbrachte, was der schlechter aussehende P, notgedrungen "tolerant", duldete, um sich nicht allein wiederzufinden...

P.S.2 : Das heute nur noch antiquarisch erhältliche obengenannte Werk war ein Geniestreich, aber wie zum Teufel hätte man 1974 in eine Buchhandlung gehen können, um es zu bestellen, mit voller Adressenangabe usw.? (Bestellen hiess damals Postkarte nachhause, also Falschname und Deckadresse "war nicht" - und welche Buchhandlung hatte sowas vorrätig in der Provinz? Und der unaussprechliche Titel - der Wahnsinn. Immerhin hat es also Dannecker seine Professur verschafft, ich habe es dadurch allerdings erst Jahrzehnte später in die Finger bekommen - während man die überteuerte Zweimonatspostille ("Du und ich", etc.) immerhin noch anonym am Bahnhofskiosk erstehen konnte. Noch ein Tip: Es gibt Uni-Bibliotheken, und es ist ausnahmsweise mal nicht illegal, wenn man seit Jahren vergriffene Bücher fotokopiert. (Der Witz ist, heute bei amazon wird rein alles und zentral gespeichert, aber heute juckt es keinen mehr.)

Vielleicht gibt es ja eine ernsthafte Diskussion mit schliesslich neuen Erkenntnissen für mich u.a. - zumal das Thema gefühlte 50 % von uns jetzt oder später ja hautnah betrifft - JungAnAidsSterben ist ja nun nicht mehr, und spätestens dann müssen sich nicht nur einige mit dem Problem DerPassiveSoloSchwuleImAlter auseinandersetzen - täte man es früher, könnte man es gar vermeiden?

Aber jetzt ernsthaft, Danneckers "Am-Ball-bleiben-Müssen", auch wenn man belogen wurde, als Lösung für immerhin ONS' einzusetzen müssen, kann das es sein? Und wenn dann der andere seinerseits symmetrisch (= er nicht a/p, sondern "nur" p wie man selbst) gelogen hat, ist der Sex nochmal um Klassen schlechter - ja, dann werden die Godemichés aus dem Tiroir geholt!

Jedenfalls ist es verlogen, von Beziehungen zu sprechen, ohne zu erwähnen, dass Passive, in / "für" Beziehungen und ausserhalb, irgendwann per Alter "wertlos" werden. (Und wo wir schonmal dabei sind: Ich habe auch Beziehungen gesehen, in denen P's Sadisten als Partner akzeptiert haben: nicht aus Neigung, sondern aus Angst vor dem Alleinsein.

Ja, wo sind wir denn: Ist die schwule Subkultur wirklich so gnadenlos-verderbt?

Ma gucken, was ausser kleinen roten Quadraten kommt!


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#9
12.08.2012
18:50:24


(+4, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Mein Partner und ich sind seit 12 Jahren ein Paar und wie in jeder Beziehung gibt es sowhl Höhen, als auch Tiefen und wir werden auch für immer zusammen bleiben!


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#10
12.08.2012
20:17:09


(+1, 3 Votes)

Von Lapushka
Antwort zu Kommentar #8 von MalSoGefragt


Gayromeo ist Internet. Internet = jeder kann alles schreiben und viele tun es auch.
Ausserdem ist es ein Kontaktportal wo dich bereits auf der Startseite Porno Downloads erwarten und die ganze Aufmachung ist relativ auf Sex getrimmt. Damit ist doch schon klar, wohin die Reise geht.
Bei der schwulen Ausgabe von Elitepartner geht es sicher nicht so zu.

Ich denke, die meisten Menschen wünschen sich eine Partnerschaft, wie auch immer die aussehen mag. Diese Sehnsucht nach Liebe steckt in jedem Menschen, vom Babyalter an und geht nicht weg. Manche Menschen sind emotional blockiert oder gelähmt z.B durch schlechte Erfahrungen und spüren deswegen lieber überhaupt nichts mehr, anderen passt die Vorstellung, sich jemandem emotional auszuliefern vom Selbstverständnis her nicht. Andere haben nie gelernt, wie sowas funktioniert.
Ich denke, ständiges Jagen nach Oberflächlichkeiten, wozu natürlich auch schneller Sex zählt, kann auch ein Versuch sein, ein Defizit an Nähe zu kompensieren. Kann, muss nicht.

Und mit Szene meinst du wahrscheinlich Feiern und Party. Da einen Partner zu finden ist auch im heterobereich unwahrscheinlich.

Beziehungen entwickeln sich meistens aus Alltagskontakten, man lernt sich im Job oder bei gemeinsamem Hobby kennen.
Das ist für schwule Männer natürlich schwieriger aber auch da denke ich, dass feste Beziehungen sich eher im Alltag bilden.
Oder vielleicht in Szenefremden gemeinsamen Aktivitäten.
Es gibt doch mittlerweile genug queere Freizeitangebote, Sportvereine, Interessengruppen wo man Leute kennenlernen kann.

Optik, also grundsätzliches Attraktivfinden ist zwar wichtig, aber jemand der seine Beziehungspartner total extrem/ausschliesslich nach optischen Eigenschaften auswählt, den sollte man meiden, denn er ist zu oberflächlich für eine Beziehung.

Im Übrigen lügen oder beschönigen die meisten Menschen in gewissen Situationen. Einen potentiellen Partner beeindrucken oder zumindest nicht verschrecken zu wollen gehört da zu.

Im Falle eines Beziehungsinteresses empfiehlt es sich aber, mit dem Sex zumindest etwas zu warten.
Es zeigt, wie ernst es beiden Parteien ist, dass es eben nicht nur um Sex geht und dass man nicht sooo leicht zu haben ist.

"dass in Schwulenkreisen die Regel gilt - und auf sie gebaut werden kann -, dass, wenn man einmal zusammen in der Kiste ist, man dann, ist der Sex auch noch so schlecht, "am Mann bleibt".
Hübsch ausgedrückt, und in der Tat, mit Lügen kann man also auch bei suboptimaler Ausgangslage Körperkontakt quasi-erzwingen - aber ist das alles nicht völlig krank? "

Na wenn das in irgendeinem Büchlein aus den 70ern steht, dann wird das wohl auch so sein hust.

Ich fände das aber so oder so weniger krank als viel mehr extrem höflich ehrlichgesagt^^
Nur um den anderen nicht vor den Kopf zu stoßen, macht man notgedrungen mit. Das ist Selbstlosigkeit und wirkliches soziales Bewusstsein.
Kein Wunder, dass Schwule soviel in Pflegeberufen zu finden sind bei so einem Helfersyndrom


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