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Der neue Werther und das Vorstadt-Kid von heute (Bild: PRO-FUN Media)

Wie ticken junge Männer heute? Regisseurin Héléna Klotz zeichnet in ihrem Debüt "Atomic Age" das Bild einer Generation, die Sex und Drugs mit Poesie statt Rock'n'Roll mixt.

Von Carsten Weidemann

Die so genannte "heutige Jugend: Sie ist stets wie sie ist, weil sie von den politischen, literarischen und musikalischen Gegebenheiten der Vergangenheit geprägt ist. Mit dazu gehört auch die jeweilige Jugendsprache. Die eigenen Codes, mit denen man sich von Älteren distanzieren will. Das ist nichts Überraschendes. Doch wenn aus dem Mund der Kids statt "coolen Sprüchen" neue Poesie zu vernehmen ist, dann erstaunt das doch. Regisseurin Héléna Klotz hat diese poetische Sprache auf der Straße vernommen und sie in ihrem mehrfach ausgezeichneten Filmdebüt "Atomic Age" aufgegriffen.

Die Story: Der impulsive Schönling Victor (Elliott Paquet) und sein bester Kumpel Rainer (Dominik Wojcik) gleichen zwei vergnügungssüchtigen Magneten in einem künstlichen Paradies aus Sex, Drogen und Gewalt. Selbstverliebte Jungs zwischen Sehnsucht und Hoffnung, Unschuld und Illusion. Sie stürzen sich in das Pariser Nachtleben und erleben dabei flüchtige Flirts, Ernüchterung, Gewalt und Klassenkampf. Die Reise in die Stadt endet in einem Wald mit Frustration und Verlorenheit. Doch am Ende der langen Nacht, fern all der erlebten Härte der urbanen Welt, bekennen sie sich zu ihren wahren Gefühlen.

Romantische Reime in der harten Realität der Großstadt


Mit poetischen Worten gegen Straßengewalt (Bild: PRO-FUN MEDIA)

Héléna Klotz macht aus dem Faible für die beiden pubertierenden Pariser Vorstadtkids, die bald keine mehr sein werden und gleichzeitig alles sein könnten, keinen Hehl: "Auf der einen Seite ist Viktor. Er ist ein Kind der heutigen Zeit. Er spricht die Sprache der heutigen Zeit", erzählt sie im Interview. Auf der anderen Seite stehe Rainer, der ganz anders ist als die heutige Jugend. "Fast wie ein Geist aus der deutschen Romantik. Rainer ist für mich eine komische Figur. Ich habe 'Die Leiden des jungen Werthers' von Goethe noch einmal gelesen und fand sie sehr unterhaltsam."

Wie die Regisseurin selbst eingesteht, will sie kein getreues oder gar empirisch belegbares Abbild der heutigen Jugend abliefern, sie möchte vielmehr die Vielseitigkeit dieser Jugend und der äußeren Einflüsse zeigen: "Diese poetisch-literarische Seite ist für mich ein Teil der Jugend." Das Verhältnis zur Sprache, das wir in der Musik - sei es im Pop oder im Punk - finden, sei ein Teil des Idealismus der heutigen Jugend. "Deswegen wollte ich, dass meine Figuren mit der gleichen Freiheit und Leichtigkeit sprechen wie ein Sänger."

Trotz aller positiven Reaktionen, die sie seit der ersten Aufführung des Films bei der Berlinale 2012 vernommen hat, musste sie sich deswegen auch Kritik anhören, wie sie sagt: "Wenn es um Filme geht, höre ich die Leute oft sagen: Aber die reden doch nicht wirklich so." Aber dem hält sie entgegen: "Wenn es um einen Musiker geht, der seinen ganz eigenen Stil gefunden hat, würde man so etwas nie sagen."

Youtube | Offizieller Trailer
Infos zum Film und Aufführungstermine

Atomic Age (Originaltitel: L'âge atomique), Spielfilm, Frankreich 2011, Regie: Héléna Klotz, Darsteller: Dominik Wojcik, Eliott Paquet, Niels Schneider, Luc Chessel, Mathilde Bisson, Clémence Boisnard, Vertreib: Pro-Fun Media. Bisherige Termine: Ab dem 16.8. in Berlin (Kino Rollberg), Hamburg (3001 Kino) und Leipzig (Cineding), vom 23.-29.08. in Frankfurt (Mal Seh'n Kino) und am 26.10. in Lörrach (Free Cinema).