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Zwei charakterstarke Diven: Miriam Weissenstein und ihr schwuler Enkel Ben kämpfen um ihren Fotoladen

Ihr kleiner Laden in Tel Aviv ist das Archiv einer Chronik Israels: In der Doku "Life in Stills" setzt Tamar Tal der Fotografen-Witwe Miriam Weissenstein ein Denkmal.

Von Peter Fuchs

Omi ist eine Wucht. Weit über 90 Jahre alt, sitzt Miriam in ihrem Fotoladen in Tel Aviv und hütet dort einen fotografischen Schatz von historischer Bedeutung. Dabei disst sie im Dokumentarfilm "Life in Stills" mit jüdischem Witz neugierige Kunden und liefert sich schrullige Wortgefechte mit ihrem hübschen schwulen Enkel Ben. Bezaubernd lakonisch wehrt sie sich gegen sein Betüddeln und gegen ein Hörgerät. Eine Diva weiß auch im hohen Alter, wie man das Wort Eitelkeit buchstabiert.

Miriam ist eine ehemalige Tänzerin und die Witwe des legendären Rudi Weissenstein. Er war als einziger Fotograf akkreditiert, um die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel im Jahr 1948 zu knipsen. Die Negative, auf denen der Politiker David Ben Gurion unterschreibt, befinden sich in Miriams Besitz. Das berühmte Foto hängt natürlich im Fotoladen. Doch der Laden ist in Gefahr. Die Stadtverwaltung plant eine Aufwertung des Viertels, und Miriams Laden soll einem Neubau weichen.

Das Leben zweier starker Persönlichkeiten authentisch eingefangen


Oma und Enkel vor ihrem Laden in Tel Aviv

Dabei ist der Fotoshop, der nun auch von Enkel Ben geführt wird, das Archiv einer Chronik Israels. Rudi Weissenstein fotografierte den Aufbau Tel Avivs und anderer Städte, porträtierte neben Ben Gurion auch Golda Meir, Itzhak Rabin, Teddy Kollek oder 40 Jahre lang das Israel Philharmonic Orchestra. Viele Leute besuchen täglich den Laden, um Fotos zu bestimmten Menschen, Ereignissen oder Orten zu finden. Enkel Ben organisiert mittlerweile Ausstellungen auf der ganzen Welt und gibt Bildbände heraus. Gemeinsam mit Miriam zieht er in den Kampf um die Erhaltung des Ladens an seiner historischen Stelle.

Regisseurin Tamar Tal begleitet Großmutter und Enkel mit unaufgeregter Kamera und verzichtet auf Kommentare aus dem Off. Damit fängt sie das Leben der beiden starken Persönlichkeiten angenehm nebenbei und authentisch ein. Das Publikum darf sich ganz auf die zwei Protagonisten, ihre Reibereien und ihrer Liebe zueinander einlassen: Wenn Ben seiner Oma zärtlich zwischendurch die Nase putzt, sie sich starrsinnig gegen neue Vermarktungsmethoden wehrt, ihm knapp vor einer OP eine komische Grimasse schneidet oder die Tatsache, dass ihr homosexueller Enkel mit seinem Freund zusammenzieht, einfach ausblendet. Besonders bewegend versuchen sie den gewaltsamen Tod von Miriams Tochter - Bens Mutter - gemeinsam aufzuarbeiten. Aber auch das geschieht en passant in diesem kleinen und feinen Film.

Im Juli 2011, knapp nach der Premiere in Tel Aviv, ist Miriam Weissenstein im Alter von 98 Jahren gestorben. "Life in Stills" setzt ihr ein charmantes und bewegendes Denkmal.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Life in Stills, Dokumentation, Israel 2011, Regie: Tamar Tal, Laufzeit: ca. 58 Minuten, Sprache: hebräische Originalfassung, Untertitel: Deutsch, Kinostart: 16. August 2012, Spielstätten: Aachen (Apollo), Berlin (Moviemento. Lichtblick Kino), Essen (Studio). Köln (Odeon), Leipzig (Kinobar Prager Frühling), Passau (Scharfrichter Kino), ab 23.8. Dresden (Kino im Dach), ab 30.8. München (Neues Arena), Regensburg (Kinos im Andreasstadl), ab 6.9. Hamburg (Abaton, Koralle), Saarbrücken (Filmhaus), 13.9. Bochum (Endstation), ab 27.9. Kiel (Kommunales Kino), ab 18.10. Erfurt (Kinoclub am Hirschlachufer), 25.10.Bamberg (Lichtspiel)


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 15.08.2012, 15:31h
  • Gott hab sie selig! Selbst mit über 90 Jahren hat sich diese Frau nicht unterkriegen lassen! Hoffe, daß ihr Shop bleiben darf und nicht einem neuen Wohn- bzw. Geschäftsviertel weichen muß!
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#2 MaarivAnonym
#3 festiValAnonym
#4 FelixAnonym
  • 15.08.2012, 21:51h
  • Hoffentlich bleibt ihr Laden. Ist schließlich ihr Lebenswerk, das ihr schwuler Enkel auch fortführen will.

    Ich finde es eh immer schade, wenn so schöne kleine Läden verschwinden und überall dieselben internationalen Ketten ihr gleichmachendes Sortiment durchsetzen.
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