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  • 18.08.2012           4      Teilen:   |

Märchenkönig

Ludwig II. so schwul wie nie?

Sabin Tambrea als einsamer König in Prunk und Pracht - Quelle: Bavaria Film
Sabin Tambrea als einsamer König in Prunk und Pracht (Bild: Bavaria Film)

Unser "Kini" lebt. Am 26. Dezember besteigt er - 125 Jahre nach seinem Tod - erneut den Thron. Wird Darsteller Sabin Tambrea in der Neuverfilmung besser sein als Helmut Berger?

Von Carsten Weidemann

Vor wenigen Wochen erst gab es auf arte die Gelegenheit, noch einmal Luchino Viscontis Verfilmung des Lebens von König Ludwig II. zu begutachten. Der 1972 veröffentlichte dritte Teil von Viscontis deutscher Trilogie richtet den Blick auf das Innenleben des bayerischen Herrschers, der so wenig mit der Politik zu tun haben wollte, dem der Krieg und die Gründung des Deutschen Reichs am königlichen Hintern vorbei ging. Einem, dem Ästhetik, Kunst, Musik, Architektur und der Genuss wichtiger waren. Ein sensibler Schöngeist, kein kühler Stratege.

Und ein Mann höchsten Ranges, der mit seinem "Schicksal" haderte, das homosexuelle Begehren in sich zu tragen, der seinen Gelüsten aber mehr oder weniger heimlich nachging. Helmut Berger bot den Kinobesuchern eine mehr als überzeugende Darstellung dieser zerrissenen Figur. Visconti ließ Berger oft nur durch dessen intensive Blicke sagen, welche Kämpfe der König gerade mit sich ausfocht. Auch die Liebe zu den Stallburschen und Hausdienern, mit denen er sich umgab, wird durch dessen Blicke klar, weniger durch seine Handlungen.

Nach der Uraufführung des vierstündigen Werks 1972 in Bonn, gab es viele Proteste. Vor allem aus Bayern wurde wegen der dargestellten Schwulitäten lautstark gepoltert. Und auch die Kinobetreiber waren nicht glücklich mit diesem Monumentalwerk. Es wurden 45 Minuten rausgeschnitten, Ludwig war nun nur noch ein lebensfremder Kunstfreund, kein homosexueller Mann mehr. Welche Facetten des Märchenkönigs in der deutschen Neuverfilmung herausgearbeitet werden, ist noch nicht bekannt. Die für die Produktion verantwortliche Bavaria Film gab aber jetzt den 2. Weihnachtsfeiertag 2012 als Starttermin für "Ludwig II." bekannt.

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Kann Sabin Tambrea als schwuler König Helmut Berger vom Thron stoßen?

Starrer Blick, Faust in der Tasche. Helmut Berger als Ludwig II. - Quelle: STUDIOCANAL
Starrer Blick, Faust in der Tasche. Helmut Berger als Ludwig II. (Bild: STUDIOCANAL)

Gespielt wird der jugendliche, idealistische Ludwig von Neuentdeckung Sabin Tambrea. Der aus Rumänien stammende 28-jährige Nachwuchsdarsteller nannte im Interview mit der WAZ einen wichtigen Unterschied zwischen der alten und der neuen Verfilmung: "Ich habe versucht, Ludwig nah an mich heran zu holen, seinen Ängsten und Wünschen auf den Grund zu gehen." Der Film versucht ihn als Menschen zu zeigen. Bei uns wird er nicht zu einem Gott stilisiert wie in der Visconti-Verfilmung." Im gerade veröffentlichten Teaser ist bereits zu erkennen, wie das gemeint ist. Statt bedeutungsschwerer Blicke mit der Faust in der Tasche, bietet Tambrea mehr Action. Sisi wird angeschrien, der König wirft ganz unköniglich mit Gegenständen. Tambrea hatte den notwendigen Druck in sich, um einen expressiveren Ludwig darzustellen: "Während der Dreharbeiten war ich die ganze Zeit in einem Adrenalin-Rausch. Ich konnte kaum abschalten." Das sensibel-homophile bekommt er aber ebenfalls hervorragend hin, wie das erste veröffentlichte Szenenbild in der Oper zeigt.

Als älterer, in seine eigene Welt zurückgezogener König ist Sebastian Schipper zu sehen. Zum weiteren Darstellerensemble gehören u.a. Hannah Herzsprung als Sisi, Edgar Selge als Richard Wagner, Friedrich Mücke als Ludwigs Freund und Vertrauter Richard Hornig, Justus von Dohnányi als späterer Ministerratsvorsitzender Johann von Lutz, Samuel Finzi als Lakai Ludwigs, Tom Schilling als Ludwigs Bruder Prinz Otto, Paula Beer als Sophie in Bayern, Uwe Ochsenknecht als Prinz Luitpold, Peter Simonischek als Minister Ludwig von der Pfordten, Gedeon Burkhard als Graf Max von Holnstein, Katharina Thalbach als Königin Marie, August Schmölzer als Dr. von Gudden, Michael Fitz als Herzog Max in Bayern, Franz Dinda als Heinrich Vogel, Christophe Malavoy als Napoleon III., Bernd Birkhahn als Bismarck, Volker Zack Michalowski als Frisör Hoppe, André Eisermann als Karl Hesselschwerdt, Axel Milberg als König Max II. und August Wittgenstein als Graf Dürckheim. Gedreht wurde auch hier an Originalschauplätzen in Bayern - u.a. Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und Schloss Herrenchiemsee.

Youtube | Der erste Trailer zur Neuverfilmung
Links zum Thema:
» Webseite zum Filmstart
» Ludwig II. von Luchino Visconti auf DVD bei Amazon
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Tags: ludwig ii., helmut berger, sabin tambrea, neuschwanstein
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Reaktionen zu "Ludwig II. so schwul wie nie?"


 4 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
18.08.2012
18:23:20


(0, 2 Votes)

Von GF Pr von Pr


Bislang das erzkatholische Haus Wittelsbach das Vetorecht hat, wer kann in seinem Archiv forschen und zu welchem Zweck, bleibt die Homosexualitat von Konig Ludwig immer noch ein nicht ganz entdecktes, sogar verbotenes Land. Es gab auch Gerichtsprozesse wegen Konigs-Biografien, weil adelige Nachfahren von Graf von Holnstein sich beleidigt wegen nachgesagter homosexuellen Beziehungen zwischen Konig und dem Grafen fuhlten - der Autor musste am Ende zugeben, dass er keine festen Beweise hat und zahlte Schmerzensgsgeld. Deshalb ist es auch in der Kunstwelt etwas problematisch mit diesem Thema umzugehen. Das Risiko ist aber wert! Zumindest was historisch korrekte Darstellung betrifft. Visconti und Berger auch rein kunstlerisch ubertreffen ware schon sehr schwierig. Ich befurchte, ganz am Ende wird es aber wie mit der neuesten Sissi-Verfilmung 2009: etwas feministisch 'modernisiert', aber im Prinzip derselbe Marchen-Narrativ. Und das Thema Homosexualitat wird so gleich schuchtern angetastet sein wie bei Visconti - nur ohne Aura dieses hochadeligen Regisseurs, der noch im Geist der 'belle epoche' lebte. Man wunscht sich letzendlich, dass der Film der absoluten Mehrheit der konservativen Konigstreuen gefalle und bei seiner Premiere Kardinal von Munchen oder Franz Herzog von Bayern prasent waren.


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#2
18.08.2012
18:38:14


(-3, 3 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Sabin Tambrea tritt ein schweres Erbe an! Helmut Berger hat in der Visconti-Verfilmung die Meßlatte ziemlich hoch gelegt.


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#3
19.08.2012
01:33:42


(0, 2 Votes)

Von Christine


Ich habe Sabin Tambrea mit dem Berliner Ensemble in den Shakespeare Sonetten von Robert Wilson (Musik Rufus Wainwright) auf der Bühne gesehen. Tambrea ist ein sehr guter Tänzer, Sänger und hervorragender Theaterschauspieler. Bin gespannt auf den Kinofilm.

Shakespeare Sonett Nr. 20 (ab 1:18)

Youtube-Video:



Erlkönig

Youtube-Video:


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#4
19.08.2012
09:10:25


(+3, 3 Votes)

Von gatopardo
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Mit ausländischen Gruppen reise ich mehrmals im Jahr in die Ludwigsschlösser. Mir geht es jedesmal auf die Nerven, wenn die Palast-Führer andauernd mit Ludwigs Homosexualität rumeiern, als sei dies ein schwerer Makel. Aber dieses Schicksal trägt ja ebenfalls der Alte Fritz auf seinem Buckel, bei dem auch nichts war, was nicht sein darf. Wann geht man mit deren und unserer Neigung denn im XXI.Jahrhundert endlich mal ganz normal um ? Bleibt zu hoffen, dass der neue Versuch einer "Kini"-Beleuchtung ohne die gewohnten verschämten Verdrängungen ausfällt.


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