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  • 25.08.2012           3      Teilen:   |

Die verbotene Liebe des schwulen Baseballspielers

Hat Autor Chad Harbach mit den Themen Baseball und Homosexualität gleich zwei Zielgruppen ausgeschlossen?
Hat Autor Chad Harbach mit den Themen Baseball und Homosexualität gleich zwei Zielgruppen ausgeschlossen?

In seinem phänomenal-intelligenten Debüt-Roman "Die Kunst des Feldspiels" beschreibt US-Autor Chad Harbach u.a. subtile Homophobie.

Von Angelo Algieri

"Mit den Themen Baseball und Homosexualität habe ich gleich zwei Zielgruppen ausgeschlossen", sagte scherzhaft der US-amerikanische Autor Chad Harbach in einem Interview beim Writers' Festival im australischen Sydney. Dennoch wurde sein Debüt "Die Kunst des Feldspiels" nicht nur ein Bestseller in den USA, sondern auch von der dortigen Kritik gefeiert.

Autor Harbach, Jahrgang 1975, ist in Racine im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Er studierte in Harvard Englisch und ist Mitherausgeber des kritischen New Yorker Magazins "n+1". Sein Mit-Herausgeber ist Benjamin Kunkel, der vor ein paar Jahren sein ebenfalls gefeiertes Debüt "Unentschlossen" herausbrachte. Regelmäßig werden auch Artikel des deutschen Altmeisters Alexander Kluge in diesem Magazin publiziert.

Hetero Henry teilt sich mit dem schwulen Owen ein Zimmer

Doch nun zum 600 Seiten starken Roman, der in diesen Tagen auf Deutsch im Kölner DuMont Verlag erschienen ist. Wie eingangs erwähnt, geht es auch um Baseball. Das Naturtalent auf der Position Shortstop Henry Skrimshander wird vom College-Studenten Mike Schwartz entdeckt. Er überzeugt den perfekten Baseballspieler, sich auf das Privat-College Westish (fiktiver Ort in Wisconsin) einzuschreiben. Henry teilt sich mit dem schwulen und brillant-denkenden Owen Dunne, der ebenfalls Baseballspieler ist, ein Wohnheimzimmer. Sie werden gute Freunde.

Mit seinem Mentor Mike trainiert Henry für die neue Baseball-Saison. Der schmächtige Henry bekommt u.a. ein hartes Muskelaufbautraining mit Eiweißpräparaten. Nach einigen Spielen wird Henry in der Position Shortstop eingesetzt – dank Mikes listiger Hilfe. Seitdem ist die Mannschaft auf Erfolgskurs.

Bereits nach zwei Jahren spielen Henry, Mike und Owen um die Liga-Meisterschaft. Henry wird nicht nur von den Fans gefeiert. Auf ihn sind Scouts und Agenten aufmerksam geworden. Er bekommt unzählige Angebote – auch die Option, in der Major-League, also der Profi-Liga, zu spielen. Eine blendende Zukunft wartet auf ihn...

Allerdings bekommt er eine psychische Krise, das sogenannte Steve-Blass-Syndrom. Er kann nicht mehr den Ball direkt zurückwerfen, da er die Hand nicht kontrollieren kann. Das macht ihn mental zu schaffen. Im entscheidenden Spiel ist er so ratlos, dass er den Ball – zur Verblüffung aller – seinem Spielkameraden persönlich in die Hand drückt. Daraufhin hört er auf. Er lässt sich gehen, ist orientierungslos und phlegmatisch. Derweil spielt die Mannschaft um die Nationalmeisterschaft gegen Universitäten-Teams... Wird Henry nochmals zurückkommen?

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Der 60-jährige College-Präsident verliebt sich in den jungen Studenten

Sein Romandebüt wurde ein Bestseller in den USA: Chad Harbach - Quelle: Wiki Commons / Larry D. Moore / CC-BY-SA-3.0
Sein Romandebüt wurde ein Bestseller in den USA: Chad Harbach (Bild: Wiki Commons / Larry D. Moore / CC-BY-SA-3.0)

Das ist die eine Geschichte. Die andere ist die Liebesgeschichte zwischen dem 60-jährigen Guert Affenlight, Präsident des College, und dem Anfang 20-jährigen Owen. Ungewöhnlich für den Präsidenten, dass er sich in einen Mann verliebt. Da er bisher nur auf Frauen gestanden hat. Er galt sogar – nachdem seine Frau früh verstorben ist – als regelrechter Womanizer.

Zunächst nähern sich Guert und Owen platonisch, doch schon bald fordert Owen Zärtlichkeit und Sex und möchte, dass sie sich wie ein normales Liebespaar in der Öffentlichkeit verhalten. Dass es auf dem Campus nicht geht, weiß auch Owen. Doch 50 Kilometer weiter weg, wird es wohl niemanden auffallen. Und so gehen sie gemeinsam Essen oder steigen gemeinsam in einem Motel ab...

Doch das wird Affenlight zum Verhängnis. Er wird von einer internen Kommission bedrängt, zurückzutreten, nachdem seine Gegner perfiderweise geheime Ausforschungen machten. Ein leitender Angestellter darf nach dem Ehrenkodex des College nicht mit einem Studenten liiert sein. Sie drohen, die Liebesgeschichte in die Öffentlichkeit zu bringen. Affenlight sind die Hände gebunden. Doch ihm schwebt eine andere Lösung vor...

Eine verhängnisvolle schwule Liebesgeschichte

"Ich wollte nicht nur ein Buch über Baseball schreiben", unterstreicht Autor Harbach. Und das ist ihm auch meisterlich gelungen. Geschickt verwebt Harbach unterschiedliche Themen in verschiedenen Erzählsträngen. Die verhängnisvolle schwule Liebesgeschichte erinnert an Michael Cunninghams "In die Nacht hinein", wo ein gestandener Hetero sich in den jungen Bruder seiner Frau verliebt. Doch anders als Cunningham schaut Harbach präzise unter die Oberfläche von Erfolg, Ästhetik und Political Correctness.

Auf der einen Seite stellt im College Homosexualität kein Problem dar. Schließlich ist der offen schwule Owen ein akzeptierter Teil der Mannschaft. Doch als die geheime Kommission Affenlight erpresst, sind Einblicke in die homophoben Abgründe unverkennbar. Der folgende Satz zeigt es am deutlichsten, einer der Kommissionäre wendet sich damit an Affenlight: "Wir sind ein Liberal Arts College, aber wir beide wissen, dass wir so liberal nicht sein können." Und hier offenbart sich die verlogene, subtile Tragweite einer Gesellschaft. Die Angst ist groß, dass durch die Veröffentlichung der Homo-Liebe großzügige Spender ausbleiben – ein wichtiger Faktor für das Überleben des Privat-College, gerade in der Wirtschaftskrise. Im konservativen Heartland Amerikas passen wohl schwule Liebe, wirtschaftliche Interessen und moralische Vorstellungen nicht zusammen. Denkt man an die Mobbing-Opfer von LGBT-Schülern und -Studenten, die tragischerweise in den Selbstmord getrieben wurden, so erweist sich Harbachs Roman als Stachel in der ach so liberalen Welt des College.

Literarische Kritik an einem verlogenen Wertesystem

In Deutschland ist Harbachs Roman bei DuMont erschienen
In Deutschland ist Harbachs Roman bei DuMont erschienen

Doch der Autor verweist nicht nur auf ein verlogenes Wertesystem. So durchlebt jeder der fünf Protagonisten eine persönliche Krise. Eine Krise, die meist im Kontext und in einer Wechselwirkung zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft steht. Doch Harbach ist auch hier ambivalent. Er zeigt nicht nur Krisen, sondern auch Chancen dieses Beziehungsgeflechts. Am deutlichsten mit Baseball, das für sich auch als Metapher steht. Man gewinnt zwar insgesamt als Mannschaft, doch in keiner anderen Sportart werden die Erfolge oder Fehler genau auf den Einzelnen zurückverfolgt. Baseball – eins der populärsten Sportarten der USA – spiegelt so die amerikanische Gesellschaft wider: Wer Leistung bringt wird belohnt, wer keine bringt ist out! Doch kommt es nur darauf an? Genau um diese Auseinandersetzung geht es bei den meisten der Protagonisten.

Literarisch stellt dieser Roman den Bezug etwa zu Herman Melville und Walt Whitman her. Wie bei den berühmten Autoren geht es auch bei Harbach um Männerfreundschaften und -liebschaften. Er zeigt darin beispielsweise Rituale in einer Freundschaft oder die Dynamik innerhalb des Teams. Das andere Thema, was Harbach und Melville verbindet, ist Selbstaufopferung – für den Erfolg einer Mannschaft oder wie bei Affenlight für seinen Freund Owen.

Eine außergewöhnlich gute Übersetzung

Ein Wort zur Übersetzung: Stephan Kleiner und Johann Christoph Maass haben eine außergewöhnliche gute Leistung erbracht. Der Roman liest sich nicht nur flüssig, sondern beide haben den richtigen Ton des Buches getroffen. Der nicht einfach ist, da Harbach für jeden Protagonisten einen eigenen Stil bereithält – bei Henry eher wortlos, behäbig; bei Affenlight reflektiert und intellektuell.

Fazit: Auch wenn der Schluss nach meinem Geschmack ein wenig zu pathetisch ausfällt, hat Chaf Harbach mit "Die Kunst des Feldspiels" nicht nur ein phänomenal-intelligentes Debüt vorgelegt. Sondern er reflektiert die dahinterstehenden Werte einer Gemeinschaft aus verschiedenen Perspektiven, hinterfragt sie oder kritisiert sie. Etwa subtile Homophobie. Zudem verblüfft dieses Debüt mit Tiefe, Vielseitigkeit und Klarheit. Ein fulminanter Roman von einem vielversprechenden Autor!

Youtube | Frank Stieren liest aus „Die Kunst des Feldspiels“
  Infos zum Buch
Chad Harbach: Die Kunst des Feldspiels. Aus dem Englischen von Stephan Kleiner und Johann Christoph Maass. DuMont Buchverlag, Köln 2012. 607 Seiten. 22,99 €. ISBN: 978-3-8321-9626-4.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Chad Harbach im Interview auf dem Writers' Festival in Sydney
» Homepage des n+1 Magazins
» Wikipedia-Eintrag über Shortstop
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Tags: baseball, chad harbach
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Reaktionen zu "Die verbotene Liebe des schwulen Baseballspielers"


 3 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
26.08.2012
16:48:00


(0, 0 Vote)

Von Reich-Rabatzki


Literarisch wertvoll, aber auch völlig überdreht!


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#2
26.08.2012
23:13:19


(-1, 1 Vote)

Von antos
Profil nur für angemeldete User sichtbar


'Phänomenal-intelligent' sind zum Beispiel Sätze wie: "Doch als die geheime Kommission Affenlight erpresst, sind Einblicke in die homophoben Abgründe unverkennbar."

Hoffentlich kann das besprochene Buch nichts dafür.


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#3
27.08.2012
19:10:10


(+1, 1 Vote)

Von hach
Antwort zu Kommentar #2 von antos


Nein, dafür gibt es im Zweifelsfall immer das CloseUp Portrait des Autoren als Beigabe. Das Auge liest schließlich mit.


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