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Professorin Judith Butler steht wegen ihrer Haltung zu Israel in der Kritik

Die umstrittene US-Gendertheoretikerin Judith Butler erhält den Frankfurter Adorno-Preis – der Zentralrat der Juden kritisiert die Auszeichnung scharf.

Am 11. September soll Judith Butler in der Frankfurter Paulskirche der Theodor-W.-Adorno-Preis übergeben werden, der von der Stadt alle drei Jahre für herausragende Leistungen im Bereich Philosophie und Kultur vergeben wird. Das Kuratorium würdigte Butler als "eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit".

Ungewohnt scharfe Kritik für die Auszeichnung kommt vom Zentralrat der Juden in Deutschland: "Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als 'Halbjude' in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten", erklärte Generalsekretär Stephan J. Kramer. "Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen."

Butler steht in der Kritik, weil sie zu einem Boykott gegen Israel aufgerufen hatte und das mit der Unterdrückung der Palästinenser begründet hatte. Außerdem hatte sie die von Deutschland als Terror-Organisationen eingestuften Gruppen Hamas und Hisbollah als "soziale Bewegungen" bezeichnet, die "progressiv" und "Teil der globalen Linken" seien – später erklärte sie jedoch, dass sie nur gewaltlosen Widerstand unterstütze.

Streit um "Pinkwashing"

In der schwul-lesbischen Szene hat es wiederholt Diskussionen um die Haltung zu Israel gegeben. Manche Aktivisten loben Israel, weil es als einziges Land der Region Schwulen und Lesben weitgehende Rechte gewährt, andere werfen dem Land "Pinkwashing" vor. Das bedeutet, dass sich Israel nur für LGBT-Rechte einsetze, um sich von anderen Menschenrechtsverletzungen wie der Unterdrückung von Palästinensern reinzuwaschen. Israelische Homo-Aktivisten beklagen, dass die "Pinkwashing"-Vorwürfe den Antisemitismus förderten: So ist etwa beim CSD Madrid ein israelischer Wagen verboten worden, in Berlin verzichtete eine Delegation aus Tel Aviv auf das Zeigen des Davidsterns, da sie mit antisemitischen Übergriffen rechnete.

Die Philosophin Butler hat bereits 2010 für Aufregung gesorgt, als sie den Zivilcouragepreis des CSD Berlin ablehnte (queer.de berichtete). Sie warf CSD-Organisatoren und Sponsoren vor, "explizit rassistische Ansichten" zu haben (siehe queer.de-Interview).

Butler wurde 1956 als Tochter jüdischer Einwanderer in Ohio geboren und ist heute Professorin an der University of California in Berkeley. In den 1970er Jahren hatte sie unter anderem im Heidelberg studiert. Sie wäre die erste Frau, die den seit 1977 vergebenen Adorno-Preis erhält. Vor ihr wurden unter anderem Jürgen Habermas und Alexander Kluge ausgezeichnet. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. (dk)



#1 goddamn liberalAnonym
  • 29.08.2012, 13:06h
  • 1. Davidsterne aus Angst nicht zeigen. In Deutschland. Das geht nicht. Sollen die Antisemiten doch aus ihren Löchern kriechen.

    2. Adorno war kein Charakterheld. Er hat seinen deutschen Namen Wiesengrund nicht grundlos gegen den italienischen seiner Mutter ausgetauscht. '33 hat er sich in Musikkritiken den Nazis angebiedert, was Erika Mann gar nicht gut fand. Eine Professur ihres Bruders Golo soll er durch eine homophobe Intrige verhindert haben...

    3. Die positiven Einschätzungen klerikalfaschistischer Organisationen durch Frau Butler sind meschugge. Das ist ein altes Elend der amerikanischen 'Linken': Man versucht die eigene Machtlosigkeit durch aufmerksamkeitsheischende bizzare Thesen zu kompensieren.

    4. Pinkwashing Israels. Da ergeben sich für mich zwei Fragen: Was muss da genau weggewaschen werden, wenn man an die unmittelbaren Nachbarn Israels denkt? Und: Wie kann man einen Staat 'pink-waschen', der sich einen Innenminister wie Elie Yishai leistet, für den Homosexualität eine Seuche ist und der am liebsten im ganzen Land die CSDs verbieten möchte?
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#3 Die nichtAnonym
  • 29.08.2012, 13:42h
  • Es wäre konsequent von Frau Butler nun auch den 2. Preis, der ihr auf deutschem Boden verliehen werden soll, abzulehnen, wie zuvor schon den Zivilcourage-Preis am Christopher-Street-Day in Berlin 2010.

    Mit dieser erneuten Ablehnung könnte sie wirkungsvoll gegen die, seit mehreren Wochen tobende, stark braun gefärbte, Debatte über die Beschneidung von Juden und Moslems protestieren, die deutlich macht wieviel Antisemitismus, Islamophobie und Rassismus in Wirklichkeit in den Köpfen vieler Deutscher steckt.

    Dass Butlers platter Anti-Israelismus nur Ausdruck eines starken und unverarbeiteten jüdischen Selbsthasses ist, läßt sich nicht verstecken. Er ist zu offensichtlich.
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#4 Thorsten75Anonym
  • 29.08.2012, 13:51h
  • Antwort auf #2 von Lich King
  • Naja, die Theorien von Butler sind nicht islamophil. Das ist wirklich Unsinn. Nur weil sie einen neutraleren Blick drauf wird, ist sie jetzt eine sich selbsthassende Jüdin? Wobei ich nachvollziehen kann, wenn manche Leute ein Problem mit dem Abstraktionsvermögen von Butler haben. Sie ist halt Philosophin.
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#5 PRO ISRAELAnonym
#6 Butler respondsAnonym
#7 -hw-Anonym
  • 29.08.2012, 14:30h
  • Ich erfuhr Anfang Juni vom Beginn der Kampagne zur Verhinderung der Preissverleihung.

    Die Mails waren im Verteiler zum homophoben Broder und seinem dreckigen Dutzend.

    Ansonsten zionistische Stimmen die ich noch ernst nehme:

    www.thedailybeast.com/openzion.html

    www.timesofisrael.com/

    Die beste Seite, mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung, das junge zivilgesellschaftliche Israel:

    wwww.972mag.com/c/c/

    Kramer? Graumann? Die kann man in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle ehren.
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#8 lucasAnonym
#9 Anti-WashingAnonym
  • 29.08.2012, 15:01h
  • Antwort auf #1 von goddamn liberal
  • Soso. Die brutale rassistische Unterdrückung der Palästinenser_innen, im Interesse nicht zuletzt des US-Imperialismus, wird von Leuten wie dir, wenn überhaupt, als bloßer Nebentatbestand behandelt?

    Wie gut, dass Pseudo-Linke, die die Arbeiterklasse, ob jüdisch, ob arabisch, verblöden statt aufklären wollen, sich bei diesem Thema immer wieder selbst entlarven.

    Die herrschende Klasse Israels repräsentiert den mächtigsten und brutalsten Gendarmen des Imperialismus im Nahen Osten, wie nicht erst der Angriff auf das palästinensische Wohngebiet in Gaza Anfang November 2006 eindeutig demonstriert hat. Die herrschende Klasse Israels ist eine tagtägliche Bedrohung für die PalästinenserInnen, die der Zionismus aus ihrer Heimat vertrieb, in Flüchtlingslager pferchte und hungern lässt und bei jedem Zeichen des Widerstandes mit seiner Killermaschinerie zuschlägt.

    Die herrschende Klasse Israels ist eine Gefahr für den Libanon, von dem es noch immer Teile besetzt hält. Sie ist mit von bürgerlichen Militärexperten geschätzten 200 Atomraketen eine Gefahr für jedes Land im Nahen Osten!* Sie ist vor allem auch eine Gefahr für die eigene, jüdische Bevölkerung. Sie führt nicht nur einen permanenten Unterdrückungskrieg gegen das palästinensische Volk, sondern plündert auch große Teile der jüdisch-israelischen Arbeiterklasse durch einen neoliberalen Feldzug aus.

    An diesen Verhältnissen dürften "pink" angestrichene Marketingveranstaltungen in Tel Aviv auch für Schwule und Lesben wenig bis gar nichts ändern.

    *Laut Angaben des israelischen Nuklearwissenschaftlers Mordechai Vanunu, der für die Bekanntgabe dieser Information in Rom entführt und in Israel ins Gefängnis geworfen wurde. Siehe: Eine besondere Beziehung. Wie Israel zur Bombe kam; in: Le Monde diplomatique, Nr 04/10. Jg - April 2004
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#10 TödlichAnonym