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  • 07.09.2012           62      Teilen:   |

IWWIT

Sex, Partys, Drugs: Einblicke eines Insiders

Florian hat sich Gedanken gemacht, wie er "Chems" in sein Sexleben einbauen und dabei Risiken möglichst minimieren kann - Quelle: IWWIT
Florian hat sich Gedanken gemacht, wie er "Chems" in sein Sexleben einbauen und dabei Risiken möglichst minimieren kann (Bild: IWWIT)

Er steht auf Gruppenaktionen, Sex mit vielen verschiedenen Männern. Für Florian (33) gehören Drogen dazu. Durch sie bringt ihm der Sex die Befriedigung, die er sich wünscht. Außerdem helfen sie ihm, mit seinen Partnern auch härtere Sexpraktiken auszuführen, da sie ihn lockerer und schmerzunempfindlicher machen.

Der HIV-positive Augsburger ist das neue Rollenmodel der IWWIT-Präventionskampagne. Mit seinen offenen und klaren Ansagen zu Sex und Rausch tritt erstmals jemand mutig mit einem Thema an die Öffentlichkeit, über das sonst kaum geredet wird. Dabei existiert in vielen deutschen Großstädten eine Sexpartyszene, die sich teils privat, teils an kommerziellen Orten trifft und dabei nicht nur Poppers nutzt. Wie man enthemmten Sex im Rausch mit dem Schutz der eigenen Gesundheit in Einklang bringen kann, das hat Florian, der mit Speed und Crystal, GHB und Ketamin bereits vieles probiert hat, für sich herausgefunden. Seine simple Formel lautet: "Die Dosis macht das Gift".

Wann hast du zum ersten Mal Drogen ausprobiert?

Wenn man mal die gesellschaftlich akzeptierten Drogen wie Alkohol oder Nikotin ausblendet, dann war da der erste Kontakt schon vor meinem Coming-out. Das begann auf den Plätzen, auf denen ich zum Cruisen war. Da hat mir irgendwer mal Poppers angeboten, ich habe angenommen und gemerkt, dass es für mich damit viel einfacher ist, Sex zu haben. Später kamen andere Drogen dazu. Heute spielt Poppers für mich keine so große Rolle mehr. Vor allem deswegen, weil es für mich inzwischen Substanzen gibt, die für mich besser passen.

Youtube | Florian erklärt im IWWIT-Video, wieso die Dosis für ihn erst das Gift macht
Fortsetzung nach Anzeige


Wie hat sich das weiter entwickelt?

Zu anderen Drogen kam ich über meinen Freundeskreis und Bekannte. Da fing es "ganz harmlos" mit Kiffen an. Irgendwann kam Speed dazu. Da gab es mitunter lange Wochenenden, an denen wir von Freitag bis Montag wach waren und häufig konsumiert haben. Das hatte damals aber noch nichts mit schwuler Szene oder Sex zu tun. Ich hab's einfach im Freundeskreis ausprobiert. Erst später habe ich es dann für meine Sexpartys adaptiert, um auch da länger Spaß zu haben und es länger auf der Party auszuhalten. Ich habe früher auf Partys gar nicht mitbekommen, dass Leute Drogen konsumieren, weil ich selbst nie etwas genommen habe. Wenn man dann aber selber konsumiert, erkennt man auch andere, die das machen. Aus der gemeinsamen Erfahrung mit Drogen auf den Partys haben sich dann auch Freundschaften entwickelt.

Was hattest du früher für eine Einstellung zu Drogen, als du noch nicht regelmäßig konsumiert hast?

Wenn du mich mit 18 gefragt hättest, ob ich Drogen probieren würde, hätte ich ganz klar "Nein" gesagt. Ich wurde konservativ erzogen, und so war auch mein Bild von Menschen, die Drogen nehmen: Ich stellte mir immer vor, dass die mit Nadeln in den Armen im Frankfurter Bahnhofsviertel liegen. Ich habe erst nach Jahren festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von Drogenkonsum gibt. Und dass es auch einen bewusst gesteuerten Drogenkonsum gibt. Ich würde mich zum Beispiel nicht als abhängig bezeichnen. Drogen sind für mich klarer Bestandteil von Sexpartys. Und ich nehme sie auch nur da. Ich lebe in einer Berufs- und einer Freizeitwelt. Während meiner Arbeitswoche und in meinem normalen Umfeld haben für mich Drogen gar keinen Stellenwert. Ich habe auch kein Problem damit, zwei Wochen auf keine Party zu gehen und auf Drogen zu verzichten. Ich habe auch keinerlei Entzugserscheinungen oder fühle mich körperlich oder psychisch abhängig. Ich brauche die Drogen dann einfach nicht.

Youtube | 90-minütige US-Doku über schwule Sexparty-Gänger, die Crystal Meth nutzen (eng.)

Das hört sich an als ob Du nie negative Erlebnisse mit Drogen hattest?

Natürlich gab es da auch negative Erfahrungen. Zum Beispiel hatte ich die mal bei GHB. Ich hatte da zu schnell und zu viel nachgenommen. Ich hatte schlicht überdosiert. Man verliert damit total das Zeitgefühl. Ich hatte dann Schwierigkeiten zu realisieren, wie spät es ist und wann ich zuletzt was genommen hatte. Ich bin da einmal in einem Club auf einer Toilette aufgewacht. Die Party war schon zu Ende und das Licht zum Putzen war an. Von ein bis zwei Stunden weiß ich gar nichts mehr. Die muss ich auf der Toilette verbracht haben, schlafend oder was auch immer. Mir ging es danach echt schlecht. Ich hatte Probleme mit dem Kreislauf, mir war schwindelig und ich habe mich übergeben.

Hat dich dieses Erlebnis damals nicht beunruhigt?

Das war erschreckend. Letztendlich war dieses Black-out-Erlebnis aber eine Lehre für mich, weil es bei mir eine totale Veränderung des Konsums bewirkt hat. Von dieser Black-out- Gefahr reden ja auch viele bei GHB. Das selbst erlebt zu haben, hat dazu geführt, dass ich sehr, sehr vorsichtig beim Nachkonsum geworden bin und die Zeiten für einen eventuellen Nachkonsum ganz klar einhalte. Auch wenn ich zum ersten Mal am Abend etwas nehme und davor zum Beispiel gegessen habe, dann weiß ich heute, dass es länger dauert, bis die Wirkung einsetzt. Darauf muss man auch achten und nicht zu viel und zu schnell nachkonsumieren.

Wie sein Risikomanagement auf Sexpartys aussieht, um sich vor der möglichen Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen; was er tut, um Abhängigkeiten zu vermeiden; wie ihm Safer use hilft vor falschen Dosierungen, und was sein Freud zu alldem sagt, das lässt sich auf iwwit.de in voller Länge nachlesen.

  Sex, Chems, Safer Use: Weniger Risiken mit diesen Tipps
- Überlege dir, was du mit den Chems jeweils erreichen willst: Aufgekratzt aktiv oder enthemmt entspannt sein? Für unterschiedliche Zustände gibt es unterschiedliche Substanzen.
- Informiere dich vorab über die Wirkung der Substanzen. Nicht nur im Web. Befrage Drogengebraucher nach ihren Erfahrungen. Sie wissen es oft am besten.
- Konsumiere nie allein, das gilt vor allem bei Substanzen, die man noch nicht kennt, oder deren Wirkung noch nicht einschätzbar ist. Die Illegalität des Drogenmarktes vergrößert das Risiko, an gepanschte, gesundheitsgefährdende Mittel zu geraten.
- Den Konsum beim Besuch von Sexpartys vorab planen. Zum Nachlegen nur die Menge dabei haben, die man dafür braucht. Mischkonsum ist immer riskanter, möglichst bei einer Substanz bleiben.
- Mit Freunden zur Party gehen und sie auch wieder gemeinsam verlassen. Falls was schief geht, ist so immer einer da.
Links zum Thema:
» Das komplette Interview mit Florian bei IWWIT
» Drugscouts - Gute Infoquelle zu Drogen und Safer Use
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Tags: iwwit, prävention, drogengebrauch, ketamin, meth, speed, poppers
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Reaktionen zu "Sex, Partys, Drugs: Einblicke eines Insiders"


 62 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
07.09.2012
14:52:31


(+11, 11 Votes)

Von goddamn liberal


Da bin ich kónservativ.

Wer zum Sex Drogen konsumiert, um sich ganz fallen lassen zu können, hat vielleicht seine konservative Erziehung und die Prägung durch die Konsumgesellschaft nicht ganz überwunden.

Ich jedenfalls will in alter Frische mindestens so alt wie der Geis werden. Und dann immer noch - gut konserviert- Leute seines Schlages geißeln...


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#2
07.09.2012
15:28:50


(+8, 8 Votes)

Von Think


Florian sagt über sich selbst:

"Ich habe erst nach Jahren festgestellt, dass es unterschiedliche Arten von Drogenkonsum gibt. Und dass es auch einen bewusst gesteuerten Drogenkonsum gibt. Ich würde mich zum Beispiel nicht als abhängig bezeichnen."

----------------------------------------

Er ist "nicht abhängig" - ja nee, is klar ... Standardspruch eines Users ...

Sorry, aber Sex und Drogen passen nicht zusammen - nicht nur in punkto safer Sex. Wer sich beim Sex nicht ohne Chems fallenlassen kann, sollte sich in Psychotherapie begeben, anstatt sich mit Substanzen vollzuballern.

Mir geht es nicht um Moral, sondern um ein selbstbestimmtes, selbstbewusstes Leben. Das mit Drogen zu versuchen, ist ein Widerspruch in sich selbst. Drogen sind Flucht und Betäubungsmittel. Und wenn ich bestimmte Praktiken ohne Drogen nicht hinbekomme, sollte ich sie lieber ganz lassen.

Ein Bekannter von mir lässt sich seit Jahren fisten - aber ohne Poppers, ohne Lidocain und andere betäubende Drogen. Nur durch Körperentspannung und sich Fallenlassen. Es geht also doch ...


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#3
07.09.2012
15:41:16


(+7, 13 Votes)

Von kawumm


Vakuumsex!

Tatsächlich ist Westerwelle in der Partei so aktiv wie lange nicht mehr - und stößt dabei in ein Führungsvakuum. (spon)


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#4
07.09.2012
15:59:32


(+7, 7 Votes)

Von seb1983
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Selbstbestimmter Drogenkonsum... Ein Widerspruch an sich.

Was mir in seinem vollständigen Interview aufgefallen ist:
So viele Risiken, hier muss man aufpassen, und dort usw.
So viele Dinge die er angeblich nie und niemals tun würde.
So viele Regeln.
Und doch war es nach dem Konsum dann immer mal wieder egal wenn es doch schief ging.
Es wird Sicherheit gesucht, gleichzeitig Anonymität.

Also:
Wer zu schüchtern ist ohne Drogen zu poppen der sollte lieber an seinem Ego arbeiten!
Auf die Signale des Körpers achten, wer müde ist oder Schmerzen hat sollte das nicht mit Drogen betäuben!
Sich besser auf sich selbst verlassen als sich von anderen abhängig machen!


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#5
07.09.2012
16:04:43


(+10, 10 Votes)

Von Junkier slaves


Fragwürde Werbung fürs Drogenbusiness hier bei queer.de.


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#6
07.09.2012
16:17:02


(+2, 10 Votes)

Von Spiegel 1968
Antwort zu Kommentar #5 von Junkier slaves


Die Erkenntnis ist nicht neu:

"Um den Konsum immer höher zu treiben und um die Einsicht in die Mechanismen der Herrschaft ständig mehr zu erschweren, manipulieren die Herrschenden die sexuellen Bedürfnisse der Beherrschten, indem sie Bedürfnisse neu zulassen, anreizen oder gar wecken, deren Befriedigung sie gleichzeitig eben durch die Vermarktung der Sexual-Sphäre teils unmöglich, teils nur zum Schein möglich machen.

Um die Herrschenden im Besitz ihrer Privilegien zu halten, muß mittels schwerer, die sexuelle Entfaltung hindernder Arbeit Sinnloses produziert und das sinnlos Produzierte von den Beherrschten selbst konsumiert werden, in einem raffiniert auf die einzelnen Schichten zugeschnittenen System der ständig angepaßten und neu anzupassenden Konsumbefriedigung, und das heißt hier der sexuellen Nicht- oder Scheinbefriedigung. So kann der Beherrschte nie zu der Einsicht gelangen, "daß man, um sich zu befriedigen, diese Befriedigung jemandem wegnehmen muß (nämlich dem, der sie einem ursprünglich genommen hat -- dem Kapitalisten)."


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#7
07.09.2012
16:43:36


(+5, 5 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #6 von Spiegel 1968


Danke für den Text.

Konsum ist konservativ.

Das Opium des Volkes ist konservativ.

Weil es Widerstand und Selbstbehauptung verhindert.

Opium nehme ich da nicht wörtlich. Auch nicht im übertragenen Sinn.

Ich denke da auch an gutkatholische Kirchgänger im Hinterland, die sich langsam mit unmäßigem Konsum von Schnaps und Zigaretten kaputt machten. Ganz legal.


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#8
07.09.2012
16:50:57


(+3, 5 Votes)

Von kokl


"... und was sein Freud zu alldem sagt ..."

Hey! Das ist immer noch unser aller Freud!


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#9
07.09.2012
17:20:24


(+1, 5 Votes)

Von CarstenFfm
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Es ist zwar beklagenswert aber nun mal Tatsache, dass auf Sexparties Drogen, auch härtere, konsumiert werden. Und gerde die Sexparty Dogenkonsumente sind auch sehr anfällig für Bareback.

Sogesehen ist es konsequant und richtig, diese Zielgruppe in der HIV Prävention auch anzusprechen.


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#10
07.09.2012
17:20:58
Via Handy


(+3, 7 Votes)

Von Traxer83


Also ich finde das Interview sehr gut. Es ist wichtig, dass endlich auch mal über das Thema gesprochen wird. Finde überhaupt nicht das das Werbung für Drogenkonsum macht. Florian stellt sich mit klaren Worten und der eindeutigen Aussage dass es seine Geschichte ist einer kritischen Öffentlichkeit. Ich verstehe das so dass hiermit Prävention gemacht wird, die Unfälle verhindern soll bei Konsumenten. Toll, das endlich mal jemand offen darüber spricht!


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