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  • 09.09.2012           19      Teilen:   |

Er heißt "Schwein" und muss gehorchen

Thomas hat sich bereit erklärt, für 18 Monate als Sklave seinem Meister und Ich-Erzähler Jens zu dienen
Thomas hat sich bereit erklärt, für 18 Monate als Sklave seinem Meister und Ich-Erzähler Jens zu dienen

Im Männerschwarm Verlag ist Jens van Nimwegens schwuler SM-Roman "Die Abrichtung" erschienen – ein wahrliches Ein-Hand-Buch.

Von Angelo Algieri

Er heißt "Schwein", muss seinem Meister gehorchen, seine Bedürfnisse blind verstehen. Er läuft meist nackt durch die Wohnung und bekommt täglich Champagner zu trinken und Tatar zu essen – aber erst nachdem er das Sperma seines Meisters für das Tatar rausgeholt hat.

Das steht im SM-Roman "Die Abrichtung" von Jens van Nimwegen. Der Autor ist im Bergischen Land 1950 geboren. Er ist Mathematiker und Physiker und arbeitet als Wissenschaftler in den Niederlanden und Berlin. Daneben konditioniert er devote Männer – auch über mehrere Jahre.

Aus diesen Erfahrungen schöpft der Autor seine Story. Das Schwein heißt Thomas und hat sich bereit erklärt, für 18 Monate als Sklave seinem Meister und Ich-Erzähler Jens zu dienen. Bei Nichteinhaltung der vertraglich vereinbarten Regeln wird Thomas bestraft. Entweder wird er im Keller angekettet oder er bekommt Peitschenhiebe. Das geschieht schon am darauffolgenden Morgen seiner Ankunft, als er verpasst, den Meister pünktlich zu wecken. Zwölf Minuten zu spät bedeuten zwölf Peitschenhiebe – das erste Mal ist für Thomas schmerzhaft, und er schreit sich die Seele raus…

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Eine Woche nackt im Berliner Tiergarten

Ein schwuler Sklave bei einer Gay-Pride-Parade in den USA - Quelle: Elvert Barnes / flickr / cc by 2.0
Ein schwuler Sklave bei einer Gay-Pride-Parade in den USA (Bild: Elvert Barnes / flickr / cc by 2.0)

Die ersten Wochen dienen der Akklimatisierung. Thomas lernt schnell. Jens bringt ihn auf Partys oder stellt ihn bei Treffen mit anderen Meistern vor. Er wird gedemütigt. So muss er Essensreste aus Stiefeln futtern oder Pisse trinken. Immer wieder gibt es neue Proben: Etwa nackt im Berliner Tiergarten für eine Woche verbringen, während Jens im Hotel schläft. Doch Thomas darf von anderen angefasst werden…

Jens erlaubt Thomas, weiter zu studieren. Eines Tages bringt er zwei Kommilitonen mit: Maik und Punker "Ratte". Sie wissen von der Meister-Sklaven-Beziehung. Maik, der sein Coming-out erfährt, findet solch ein Verhältnis anregend. Er möchte es auch mit Ratte leben.

Doch dieser, obwohl er ihn liebt, möchte ihn eine Woche auf die Probe stellen. Dass Maik ihm sein ganzes Geld und Vermögen vermacht hat, reicht ihm nicht als Liebesbeweis. Maik – zukünftig Sucker genannt – muss unbegründete Schläge und gemeine Demütigungen erfahren. Doch er schafft es.

Auch wenn Ratte bei Jens noch in "Ausbildung" ist, wie man mit Sklaven umgeht, macht Ratte intuitiv alles richtig. Während es bei Thomas und Jens in die letzte Phase geht: Da Schwein seit langem keine Regeln gebrochen hat, bekommt er täglich 70 Peitschenhiebe – diesmal lustvolle Schläge. Im Gegensatz zum ersten Mal genießt er sie nun.

Autor van Nimwegen zeigt einfallsreich und verschiedenartig eine Meister-Sklave-Beziehung. Ein Reigen an SM-Praktiken und ein wahrliches Ein-Hand-Buch!

Ein oberlehrerhafter Ich-Erzähler

Jens van Nimwegen wurde 1950 im Bergischen geboren, studierte Mathematik und Physik und wirkt seit 1986 als Wissenschaftler und Autor in den Niederlanden und in Berlin
Jens van Nimwegen wurde 1950 im Bergischen geboren, studierte Mathematik und Physik und wirkt seit 1986 als Wissenschaftler und Autor in den Niederlanden und in Berlin

Wer mehr erwartet, wird leider schnell enttäuscht. Schon allein die Figur des Ich-Erzählers. Er wirkt distanziert, beinahe emotionslos, plump, altklug, selbstgefällig, selbstgerecht, oberlehrerhaft bzw. oberguruhaft. Zudem scheint er nie in Konflikte oder Extremsituationen zu kommen. Eine Entwicklung der Ich-Figur auf intellektueller oder emotionaler Ebene findet nicht statt – unglaubwürdig und langweilig! Van Nimwegen hätte sich ein Beispiel an Knut Kochs Roman "Barfuß als Prinz" nehmen sollen (queer.de rezensierte).

Leider ist auch die Handlung streckenweise öde. Die SM-Episoden oder -Experimente werden einfach nacheinander hingeklatscht. Eine Spannung dazwischen baut sich nicht auf. Der Text verkommt so zu einem Handbuch mit etwas Handlung drumherum. Ein Roman sieht anders aus!

Ärgerlich ist zudem, dass es Sätze gibt, die entweder entsetzen oder unfreiwillig absurd sind. Etwa fahren Thomas und Jens Bahn. Neben ihnen sitzt ein Türke mit einem kopfbedeckten Mädchen. Er starrt auf Thomas' Achselhöhle, das Mädchen nicht. Daraufhin der Satz: "Es (das Mädchen) ist auch gut abgerichtet, auf seine Weise." Da bleibt einen die Spucke weg. Denn diese kleine Szene wird unvermittelt präsentiert. Der Leser weiß von dem Türken und seinem Verhältnis zum Mädchen nichts. Ist der Türke der Vater, der Bruder oder der Geliebte? Wie alt ist das Mädchen? Und was heißt in diesem Fall abgerichtet? In Bezug auf was? Zur Religion? Oder zum patriarchalischem System? Nur weil jemand ein Kopftuch trägt und nicht auf eine fremde Achselhöhle schaut, heißt es noch lange nicht, dass er "abgerichtet" ist!

Gespräche zwischen Meister und Lehrling

Allerdings hätte Jens van Nimwegen doch noch eine spannende Wendung hinbekommen können: Nach etwa Dreiviertel des Buches finden Gespräche zwischen Jens und Ratte statt, zwischen dem Meister und seinem "Lehrling". Es geht u.a. um die Würde bei solch einem ungleichen Verhältnis. Doch statt zu reflektieren, inwiefern eine längerfristige SM-Beziehung mit der Würde zu vereinbaren ist, fertigt Jens kurz und bündig die Würde mit Stolz und Ehre ab. Das ist zu wenig und klärt diese hochspannende Zentralfrage nicht ausreichend. Schade – eine verpasste Chance!

Fazit: Wer Anregungen für Abrichtungs-Praktiken haben möchte, wird in diesem Buch eine wahre Fundgrube finden. Für all die anderen gibt es immer noch de Sade, Pasolini oder den oben erwähnten Koch!

  Infos zum Buch
Jens van Nimwegen: Die Abrichtung. Roman. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2012. 154 Seiten. 17 €. ISBN: 978-3-86300-120-9.
Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
» Vier Briefe, die nur online stehen, bevor "Die Abrichtung" beginnt
» Leseprobe auf der Verlags-Homepage
» Homepage von Jens van Nimwegen
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Tags: jens van nimwegen, abrichtung, sklave, sadomaso, männerschwarm
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Reaktionen zu "Er heißt "Schwein" und muss gehorchen"


 19 User-Kommentare
« zurück  12  vor »

Die ersten:   
#1
09.09.2012
13:23:35


(-1, 5 Votes)

Von Gayberlin


Es gibt in der schwulen Literatur viele Bücher die das Thema SM behandeln.
Wenn der Kritiker dieses Buch so negativ bewertet, warum stellt er nicht eines vor bei dem das Interesse geweckt wird es zu lesen?


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Anm. d. Red.: Van Nimwegens Roman ist gerade neu erschienen, und wir besprechen auf queer.de auch Bücher mit Schwächen. Wie in der Rezension erwähnt, hat Angelo Algiere erst vor sechs Wochen Knut Kochs Autobiografie "Barfuß als Prinz" über sein Doppelleben als Schauspieler und SM-Callboy sehr gelobt:

Link zu www.queer.de

 
#2
09.09.2012
14:14:50


(+13, 15 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Eine Wichsvorlage - mehr nicht!
Die S/M-Wirklichkeit sieht anders aus: Da ist nämlich der sogenannte "Meister" derjenige, der die Wünsche des "Sklaven" erfüllen muss und das auch nur in dem Rahmen, den der "Sklave" ihm vorgibt. Geht er über diesen Rahmen hinaus, ist es kein S/M-Spiel mehr, sondern strafbare Körperverletzung.
Sogenannte S/M-"Meister" sind im Alltag oft schwache Persönlichkeiten, oft im Beruf eine Nullnummer. Durch dieses S/M-Getue wird ihr Selbstbewusstsein etwas aufgewertet. Ich kenne einen Typen, der 60 Jahre alt ist und sich überall als der große S/M-Meister anbietet. Das Problem: Er kann keinen Sklaven mit nach Hause nehmen, weil er noch bei seiner Mutter wohnt und die das nicht wissen darf.....
Gerade an diesem Wochenende konnte man sich hier in Berlin wieder die "Lederleute" ansehen, die zu dem Folsom-Treffen gekommen waren: Je kleiner die Männer, desto größer die Ledermützen, je ängstlicher die Gesicher, desto mehr Peitschen und Ketten hingen an den großen "Meistern", die dann oft noch, wie sie es im Internet gesehen hatten, riesige Zigarren rauchten...Alles total harmlos, eben ein Spiel für Schwule, die auch mit 50 noch nicht erwachsen werden können.


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#3
09.09.2012
14:25:12


(+6, 8 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #2 von Thorsten1


"Da ist nämlich der sogenannte "Meister" derjenige, der die Wünsche des "Sklaven" erfüllen muss und das auch nur in dem Rahmen, den der "Sklave" ihm vorgibt."

Erinnert mich an mein Verhältnis zu meiner Katze...


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#4
09.09.2012
14:59:54


(+2, 6 Votes)

Von Lapushka


Klingt nach "50 Shades of Grey" für Männer.


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#5
09.09.2012
16:00:53
Via Handy


(+7, 7 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Wir suchen gerade eine neue Putzfrau. Seit ich vorhin von diesem "Ein-Hand-Buch" gelesen habe, frage ich mich, ob wir diesen Sklaven wohl stundenweise mieten könnten für Gartenarbeiten, Staub- und anderes saugen, Böden fegen, Wäsche waschen und bügeln. Bei uns gibts immer viel zu tun. Alles nackt versteht sich. Mann will ja schließlich auch was fürs Auge.


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#6
09.09.2012
16:43:11


(-5, 15 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #2 von Thorsten1


"Sogenannte S/M-"Meister" sind im Alltag oft schwache Persönlichkeiten, oft im Beruf eine Nullnummer."

woher nimmst du diese erkenntnis? reicht da das eine beispiel aus, das du persönlich kennst? oder kommen noch ein paar zeitschriften beim friseur dazu?

falls jemand sich wirklich mal inhaltlich auf das thema einlassen und es nicht bei klischees, zwanghafter abgrenzung und küchenpsychologie belassen möchte: hier empfehle ich "die wahl der qual" von kathrin passig und ira strübel. das ist zwar für schwule nicht als wichsvorlage geeignet, aber lehrreich und vor allem mit viel witz geschrieben. danach weiß der BDSM-laie einigermaßen, worum es wirklich geht.

einen guten SM-roman habe ich bisher leider nicht gelesen. vielleicht kann ja jemand was empfehlen?


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#7
09.09.2012
16:59:21


(+5, 7 Votes)

Von -hw-
Antwort zu Kommentar #6 von fink


aber auch:

Link zu www.rainerzenz.de

(nach helmut k. der berühmteste oggersheimer!)

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Napoleon_Seyfarth


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#8
09.09.2012
18:08:47


(+5, 5 Votes)

Von alexander
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Antwort zu Kommentar #2 von Thorsten1


erinnert mich an die 70ziger, an ELLI'S BIERBAR, da war jeden donnerstag "ledertag" !
ich habe mich köstlich amüsiert, wenn da plötzlich meine bäcker oder schlachter in montur auftauchten, natürlich alle verheiratet !
hatte was von GEORG GROSZ, aber det war berlin ?!


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#9
09.09.2012
18:43:53
Via Handy


(+3, 5 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #2 von Thorsten1


"Ich kenne einen Typen, der 60 Jahre alt ist und sich überall als der große S/M-Meister anbietet. Das Problem: Er kann keinen Sklaven mit nach Hause nehmen, weil er noch bei seiner Mutter wohnt und die das nicht wissen darf...."

LOL! Was für ein Looser! Bestimmt wählt diese Schrankschwester auch noch CDU oder FDP. Passen würde es!


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#10
09.09.2012
19:03:32


(+1, 3 Votes)

Von goddamn liberal
Antwort zu Kommentar #7 von -hw-


Youtube-Video:


Achjoo...

'It's a love like life'

Da kann man ja jetzt über die Widerspiegelung herrschender widerlicher Herrschaftsverhältnisse philozopfieren...

Oder munter Geis'sche Opus-Dei-Geißeln assoziieren.

Man kann es aber auch mal lassen....


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