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  • 12.09.2012           3      Teilen:   |

Komödie

Parada: Ein Film voller "Schwuchteln"

Der Macho Limun und der Softie Radmilo lernen sich kennen - Quelle: Neue Visionen
Der Macho Limun und der Softie Radmilo lernen sich kennen (Bild: Neue Visionen)

Die Komödie "Parada" war in Serbien und auf der Berlinale ein Publikumshit. Regisseur Srdjan Dragojević schlägt darin Vorurteile kurz und klein.

von Carsten Weidemann

Belgrad, die Hauptstadt Serbiens, gilt als kulturelles Zentrum und Metropole des Balkans. 2010 griffen 6.000 Hooligans eine von 5.000 Polizisten geschützte Gay-Pride-Parade an. 2011 wurde die Parade ganz abgesagt. Schwule und Teile der Bevölkerung verstehen sich eigentlich nicht gut auf dem Balkan. Genauso wenig verstehen sich Kriegshelden der verschiedenen ethnischen Gruppen der Region. Und doch wurde eine Komödie über einen serbischen Kriegsveteran, der gemeinsam mit anderen Veteranen aus ehemaligen feindlichen Gebieten eine Schwulenparade beschützt, zum Überraschungshit in der gesamten Balkanregion. Dem serbischen Regisseur Srdjan Dragojević gelang es mit seiner Komödie, über 600.000 Zuschauer in die Kinos zu locken und das in einer Region mit 20. Mio Einwohnern.

Die Story: Eine Gruppe homosexueller Aktivisten versucht eine Gay-Pride-Parade in Belgrad auf die Beine zu stellen – in einem der schwulenfeindlichsten Länder Europas. Teil dieser Gruppe ist Mirko, ein erfolgloser Theater-Regisseur, der sich als Hochzeitsplaner über Wasser hält. Rechte Radikale bedrohen die Gruppe und die Polizei weigert sich, ihnen Schutz zu bieten. Mirkos fester Freund Radmilo, ein Tierarzt, ist politisch nicht aktiv und will einfach nur in Ruhe gelassen werden. Und obwohl beide sehr diskret sind, müssen sie im alltäglichen Leben immer wieder Anfeindungen und Übergriffe über sich ergehen lassen.

Fortsetzung nach Anzeige


"Ich habe Menschen erschossen, aber noch nie Schwuchteln beschützt. Man muss alles mal ausprobieren."

Der Film erhielt den Panorama Publikumspreis der Berlinale 2012
Der Film erhielt den Panorama Publikumspreis der Berlinale 2012

Limun ist ein kleinkrimineller Kriegsveteran, laut, ein Macho, von oben bis unten tätowiert, Besitzer eines Judo- Clubs und einer kleinen Sicherheitsfirma, die eher zwielichtige Gestalten beschützt. Der geschiedene Vater eines Sohnes ist verlobt mit Pearl. Pearl ist das, was man in Limuns Welt wohl als Trophäen-Frau bezeichnet, wesentlich jünger, extrem gestylt und ein wenig zu vulgär. Doch Pearl hat in der Beziehung der beiden auf jeden Fall die Hosen an. Wenn sie nicht bekommt, was sie will, muss Limun so lange leiden, bis sie doch ihren Willen durchsetzt.

Eines Tages kreuzen sich die Wege der zwei Paare, und zunächst könnte die gegenseitige Abneigung nicht größer sein. Pearl streitet sich mit Limun wegen dessen Homophobie und droht, die Hochzeit platzen zu lassen. Mit Radmilo schmiedet sie einen Pakt. Limun soll die Gay-Parade mit seinen Leuten beschützen, dann kann auch die Hochzeit stattfinden. Da sich seine bisherigen Sicherheitsleute weigern, dabei mitzumachen, macht er sich zusammen mit Radmilo auf den Weg durch das ehemalige Jugoslawien, um unter alten Kriegs-Feinden neue Unterstützer zu finden. Die Mission der beiden stellt sich als erfolgreich heraus. Sie rekrutieren mehrere Mitstreiter. Gemeinsam fahren sie zurück nach Belgrad, um sich auf die Gay-Pride- Parade vorzubereiten.

"Ihr Schwuchteln seid gar nicht so anders als die Normalen"

Srdjan Dragojević hat tief in die Klischeekiste gegriffen, um die Charaktere zu überzeichnen. Limun hat einen Kampfhund, wohnt in einem geschmacklosen Haus voller Kriegstrophäen, ist ein Waffennarr, der auf alte Heldenschinken wie "Ben Hur" steht, aber den schwulen Unterton des Films nicht erfasst. Die Schwulen stehen auf Plüsch und Kitsch, sind unsportlich, ängstlich, wehrlos, und totale Dramaqueens. Radmilo fährt einen Mini in Pink. Doch gerade die bunte Übertreibung, die ein bisschen an Almodovars kunterbunte Sets erinnert, gibt der Komödie den besonderen Dreh.

Es führt die Unmenschlichkeiten und Absurditäten, die offensichtlich Realität in Serbien sind, deutlich vor Augen. Der Regisseur, der zunächst eine Weile als Psychotherapeut gearbeitet hat, benennt den Kern seiner Arbeit: "Für mich ist Humor Heilung. Aber auch eine Waffe gegen die stumpfsinnige, mittelmäßige Welt, in der wir heute leben." Er will Vorurteile abbauen, und hat dafür – auf Seiten der "Schwuchteln" wie auch bei den "dummen Heteros" – jede Menge Vorurteile kurz und klein.

Youtube | Offizieller Trailer, Kinostart: 13. September 2012
Links zum Thema:
» Offizielle Website zum Film
» Statt der Parade gibt es im Dezember 2012 in Belgrad ein Gay-Filmfestival
Galerie
Parada (Komödie, Serbien 2011)

8 Bilder
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Tags: parada, gay pride, belgrad, serbien, srdjan dragojević
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Reaktionen zu "Parada: Ein Film voller "Schwuchteln""


 3 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.09.2012
08:33:46


(+1, 1 Vote)

Von schwarzerkater
Profil nur für angemeldete User sichtbar


freue mich schon riesig auf den film.
vor allem, dass die hauptrollen mit männern und nicht mit schönlingen und models besetzt sind.


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#2
13.09.2012
08:58:32


(0, 0 Vote)

Von Reich-Rabatzki


Cineastisch der Hammer!


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#3
14.09.2012
00:24:37


(+1, 1 Vote)

Von Basti
Antwort zu Kommentar #2 von Reich-Rabatzki


Eine Komödia ist es nicht, sondern ein Drama.....

Habe ihn heute gesehn, sehr gut und heftig.


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