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  • 13.09.2012           37      Teilen:   |

Debatte um Homophobie im Fußball

Merkel: Angst vor Coming-out unnötig

Der offizielle Bericht der Bundesregierung zur "Geh deinen Weg"-Kampagne benennt das Thema Integration, aber nicht die Äußerungen Merkels zu schwulen Fußballern
Der offizielle Bericht der Bundesregierung zur "Geh deinen Weg"-Kampagne benennt das Thema Integration, aber nicht die Äußerungen Merkels zu schwulen Fußballern

Die Kanzlerin sagt, ein schwuler Fußballer müsse sich nicht fürchten. Auch die FDP nutzt das Thema zur Profilierung, während Fans Forderungen an die Politik und an Verbände stellen.

Von Norbert Blech

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Donnerstag ermutigend über schwule Fußballer geäußert. Über einen Bundesligaprofi, der vor zwei Tagen in einem Interview mit dem Magazin "Fluter" anonym über seine Homosexualität und die Angst vor einem Coming-out redete, sagte sie: "Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat, wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte."

Merkel, die sich erst kürzlich gegen eine Gleichstellung von Homo-Paaren im Steuerrecht ausgesprochen hatte (queer.de berichtete), sagte laut dem Portal Sport 1 weiter: "Wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben. Das ist meine politische Botschaft." Die Worte fielen bei der Präsentation der Kampagne "Geh Deinen Weg" – am Wochenende tragen Spieler aller Vereine den Slogan auf ihren Trikots, um für die Integration von Personen ungeachtet ihrer Herkunft zu werben. Die Aktion wurde von der Fußballliga und der Deutschlandstiftung Integration, deren Schirmherrin Merkel ist, ins Leben gerufen.

Am Dienstag hatte "Fluter", das Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, ein Interview mit einem schwulen Bundesligaprofi veröffentlicht (queer.de berichtete). Darin sprach der Spieler von der Angst, sich zu outen, von weiteren Spielern, die ihm als schwul bekannt sein, und von den Frauen, die man bei öffentlichen Veranstaltungen als Begleitung präsentiere, um nicht aufzufallen.

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Politiker profilieren sich

Neben Merkel lobten auch Politiker der FDP das Fußballerinterview als wichtigen Schritt "zu einer Situation, die wir uns alle wünschen: Ein Klima, in dem ein Bekenntnis zur eigenen sexuellen Orientierung nicht mehr als Bedrohung für Karriere und Privatleben von Fußballspielern gilt". Der "Koordinator für die Schwulen- und Lesbenpolitik der FDP-Bundestagsfraktion", Michael Kauch, und Lutz Knopek, Obmann im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, lobten, dass "allen voran aus den Fanszenen immer wieder Aktivitäten kommen, um Vorurteile und Diskriminierung zu benennen und abzubauen."

"Initiativen der Fanprojekte, schwul-lesbische Fanclubs und Netzwerke wie 'FARE – Football Against Racism in Europe', 'Aktion Libero' oder 'Fußballfans gegen Homophobie' tragen Werte wie Toleranz und Weltoffenheit in die Kurven und helfen beim Abbau überkommener Rollenbilder", so die Politiker. "Das gilt insbesondere deshalb, weil es in deutschen Stadien immer noch vereinzelt homophobe Gesänge und Spruchbänder gibt." Man bräuche "dringend stärkere Netzwerke gegen Diskriminierung im Fußball".

Im März hatten CDU/CSU und FDP noch gegen einen Antrag der SPD im Sportausschuss des Bundestages gestimmt, der die "Förderung eines offenen Umgangs mit Homosexualität im Sport" zum Ziel hatte (queer.de berichtete). Die FDP hatte haushaltspolitische Bedenken, die Union sprach von Verallgemeinerungen, da Homosexualität in vielen Sportarten "keine belastende Rolle" spiele.

Alarmsignal statt Ende eines Tabus

In den letzten Jahren haben die positiven Signale aus Verbänden, Clubs und Fankreisen zugenommen. Reicht das?
In den letzten Jahren haben die positiven Signale aus Verbänden, Clubs und Fankreisen zugenommen. Reicht das?
Bild: FARE network / flickr / cc by-sa 2.0

Weniger optimistisch äußerten sich am Donnerstag Mitglieder von Hamburgs schwul-lesbischen Sportverein Startschuss SLSV. Das Spieler-Interview sei ein "Alarmsignal", so der Leiter des Fußball-Bereichs Carsten Stock: "Auch wenn die Fälle unterschiedlich gelagert sind: Derzeit muss jeder schwule Profi fürchten, so zu enden wie Pezzoni." Der Kölner Spieler Kevin Pezzoni war nach schlechten Spielen von Fans bedroht worden und löste seinen Vertrag schließlich auf.

Stock sagte, bisher habe sich offenbar kein Verein mit dem Fall eines homosexuellen Mitspielers ausreichend beschäftigt. "Um Vertrauen zu gewinnen, müssen die Clubs endlich konkrete Konzepte erarbeiten und damit offensiv in die Öffentlichkeit gehen", so der 42-jährige DFB-Ehrenamtspreisträger. "Sonst können wir auf das erste Coming-Out im Profi-Fußball lange warten." Auch die Trainer bräuchten Hilfestellung, wie sie mit einem möglicherweise homosexuellen Spieler umgehen.

Dirk Brüllau, Sprecher des Netzwerks der schwul-lesbischen Fußball-Fanclubs Europas (QFF), sieht den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Pflicht, mehr für Toleranz in den Fußballstadien zu tun. "Der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat sich bislang nicht zu Themen wie Diskriminierung oder Homophobie geäußert", kritisierte Brüllau gegenüber Spiegel Online, "bei seinem Vorgänger Theo Zwanziger war das anders."

Der Präsident vom FC Bayern München, Uli Hoeneß, glaubt hingegen, man sei bereits gut aufgestellt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein schwuler Spieler mit unseren Fans Probleme bekommt. Der FC Bayern ist vorbereitet", sagte Hoeneß bei der Vorstellung der "Geh Deinen Weg"-Kampagne. "Die gesamte Gesellschaft ist in diesem Punkt weiter als in den Medien dargestellt." Über kurz oder lang werde sich der erste Spieler outen. "Die Angst davor darf man aber nicht allein dem Fußball zuschreiben. Der Fußball ist offen genug dafür", sagte Hoeneß.

Liga-Präsident Reinhard Rauball sprach von einem ungelösten Problem: "Wir müssen eine Lösung im gesellschaftlichen Konsens finden. Niemand kann die Nachteile überschauen, die einem Fußballer drohen, der sich outet." Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL, hatte dem Sender "Sky Sport News" gesagt, er habe großen Respekt vor dem Spieler, der das Interview gegeben hatte, "und nicht weniger Respekt, weil es jemand anonym getan hat."

Der Journalist Ronny Blaschke kritisierte im Deutschlandfunk, allein der Umgang der Medien mit dem Thema, die "geheimnisumwitterte Fahndung nach schwulen Kickern", pflege das vermeintliche Tabu eines schwulen Fußballers weiter, wobei niemand wissen könne, "ob es dieses Tabu noch gibt. Es wäre schön, aber es ist zu bezweifeln, dass dieses Interview daran etwas ändern wird."

Mehr zum Thema:
» Bundesligaspieler spricht über sein Schwulsein (11.9.2012)
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Tags: fußball, angela merkel, fluter, michael kauch, carsten stock
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Reaktionen zu "Merkel: Angst vor Coming-out unnötig"


 37 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
13.09.2012
16:16:58


(+11, 13 Votes)

Von splattergay


Mutti gibt sich tolerant. Dient aber nur dazu, nach ihrer Ablehnung der Gleichstellung, die Kritiker wieder zu besänftigen.

Wenn ein Fußballprofi sich daran ein Beispiel nimmt und nach dem Outing ein Spießrutenlaufen beginnt, ist das Mutti auch egal.

Es geht Politiker ja nicht um die Menschen, sondern die eigene Profilierung. Ich weiß, eine sehr pessimistische Sichtweise.


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#2
13.09.2012
16:21:11


(+9, 11 Votes)

Von Hemez
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"Wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben. Das ist meine politische Botschaft."

Klingt ja eigentlich ganz schön. Aber angesichts dessen was in den letzten Wochen so von der CDU/CSU zu hören war, kann man nur noch mit dem Kopf schüttelt. Glaubt diese Frau eigentlich selbst was sie den lieben langen Tag so erzählt?


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#3
13.09.2012
16:23:43


(-2, 6 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Aktionen gegen Homophobie und Ausländerhaß sollte es im Profifußball öfters geben, gerade auch bei Länderspielen!


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#4
13.09.2012
16:24:44


(+2, 4 Votes)

Von GF Pr von Pr


Ich hoffe, das gilt auch fur sie selbst. Wenn die politische Karriere vorbei sein wird, doch naturlich. Vielleicht noch in diesem Jahrzehnt?


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#5
13.09.2012
16:34:05


(+10, 10 Votes)

Von Mutti ist toll


Dann soll Mutti sonst auch mal nicht so diskriminierend auftreten. Vielleicht outet sich der Fußballer, wenn die Schwulen gleichgestellt werden.


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#6
13.09.2012
16:41:53


(+10, 12 Votes)

Von micha271
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ich könnt kotzen, wenn ich sätze lese wie: "man müsse trainern hilfestellung geben, wie man mit homosexuuellen spielern umgehen müsse!"
hey, hat eigentlich noch niemand darüber nachgedacht, dass homosexualität etwas ganz normales ist?? homosexuelle wollen in der regel keine extra.- oder sonderbehandlung!!
homosexuelle outen sich doch nur deshalb nicht, weil sie von der gesellschaft immer noch nicht so anerkannt werden, wie das der fall sein könnte. wenn von der politik endlich vernünftige rahmenbedingungen geschaffen würden, wozu die aktuelle regierung jedoch zu feige ist, wäre das problem sehr schnell aus der welt.


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#7
13.09.2012
17:21:18


(+12, 14 Votes)

Von fink


"Ich bin der Meinung, dass jeder, der die Kraft aufbringt und den Mut hat, wissen sollte, dass er in einem Land lebt, wo er sich eigentlich davor nicht fürchten sollte."

wenn man sich nicht fürchten muss, warum braucht man dann kraft und mut?

was steckt hinter dem wort "eigentlich"?

merkel weiß es, aber sie schiebt subtil die verantwortung den schwulen selber zu: wir müssen uns nur von unseren angeblich ja unbegründeten ängsten verabschieden und schon ist alles super. es wird geleugnet, dass diese ängste ihre berechtigung haben und woher diese ängste stammen. das ist natürlich auch bequemer, denn so liegt das problem bei den ängstlichen schwulen und nicht bei den politikern, die für die realen ursachen dieser ängste mitverantwortlich sind.

im besten fall ist merkels äußerung ja sogar gut gemeint. aber von billigem trost haben wir nichts. wir brauchen eine realistische analyse des problems und eine bekämpfung der ursachen, kein wegreden des problems, kein abschieben politischer verantwortung und erst recht niemanden, der UNS den schwarzen peter zuschiebt.


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#8
13.09.2012
17:22:06


(+2, 4 Votes)

Von Kenny
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Ich glaube, es bringt nichts ausser Anfeindungen, wenn sich nur punktuell der eine oder andere Fussballprofi outet. Vor etlichen Jahren gab es (ich glaube im Stern) eine Aktion von (auch prominenten) Frauen "Ich habe abgetrieben" mit zwanzig Portraits auf dem Titel.

Eine entsprechende Aktion bei den Kickern "Ich bin schwuler Bundesligaprofi" könnte ich mir gut vorstellen. Das würde den Einzelnen schützen und eine gewaltige gesellschaftliche Diskussion (und Akzeptanz?) bewirken.


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#9
13.09.2012
17:29:46


(+9, 9 Votes)

Von GF Pr von Pr


Schon irgendwie ironisch, dass die Politiker, die 'keine Angst zu haben' die armen Schwule mahnen, zumindest hier in Deutschland selbst sehr feige sind und sich beim Thema Homo-Rechte auf moglichst niedrigstes, aber desto wie moglich breitestes Minimal-Standart in der offentlichen Meinung orrientieren. Versteht Frau Merkel etwa nicht, dass alles miteinander eng verbunden ist: offiziell nicht existierende schwule Fussballer und gleich so - die lesbischen Mutter, erfolgreiche homosexuelle Politiker und gemobbte Teenager in der Schule, beliebte Fernsehstars und Angestellten in der katholischen Kirche, die um ihren Arbeitsplatz jeden Tag bangen mussen, mannliche Hetero-Prostituierten auf dem Berliner Zoo-Bahnhof und zwei unattraktive Manner im Potsdamer Standesamt, die im Schatten der beruhmtesten Hetero-Hochzeit des Jahres eine Lebenspartnerschaft registrieren lassen, obwohl auch heiraten gerne mochten. Nur ein Mitglied in dieser Kette zu akzeptieren und die anderen nicht, das ist nicht fair und schon irgendwie zynisch.


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#10
13.09.2012
17:40:37


(+8, 10 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #9 von GF Pr von Pr


zynisch - das war das wort, nach dem ich suchte!


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