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Kinostart "Mixed Kebap"

Erwischt beim Sex im Hamam


Traditioneller Ort in der Türkei für Sex unter Männern: Schwitzbad Hamam (Bild: Pro-Fun Media)

Ein Coming-out zwischen Antwerpen und Anatolien, zwischen Tradition und Moderne. Guy Lee Thys Dramödie "Mixed Kebap" ist ein unterhaltsames Plädoyer gegen Rassismus.

Von Carsten Weidemann

Bereits in "Kassablanka" hat sich das Enfant terrible des flämischen Kinos Guy Lee Thys dem Thema der muslimischen Minderheit in seinem Heimatland Belgien angenommen. In "Mixed Kebab" geht er allerdings noch einen Schritt weiter. Er entfesselt ein Liebes- und Familiendrama, das dazu animiert, sich Gedanken zu machen, was denn das Verbindende sein könnte, wenn Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebensweisen aufeinandertreffen.

Die Story: Der 27-jährige Bram Aydin (Cem Akkanat) lebt als türkischer Muslim im Schmelztiegel Antwerpen. Fernab von seinem konservativen Herkunftsland führt der gut aussehende Mann ein sorgsam kaschiertes Doppelleben. Tagsüber pflichtbewusster Stolz seiner Familie, nachts charmanter Aufreißer mit Hang zu Männern. Auch die Hochzeit mit der schönen Cousine Elif ist bereits fest eingeplant. Doch je näher der Tag rückt, desto größer wird der Druck für ihn. Denn eigentlich hat er ja ein Auge auf den bildhübschen Kevin (Simon Van Buyten) geworfen, der im angesagten Café seiner Mutter Marina arbeitet.

Der Stolz der Familie entpuppt sich als Schrankschwuler


Diese Familie steht kurz vor dem Abgrund, nachdem der schwule Sohn verstoßen wurde (Bild: Pro-Fun Media)

Zu Hause wird Bram "Ibrahim" genannt. Seine Eltern Mehmet und Fatma sind stolz darauf, dem liberalen Westen die Stirn zu bieten. Wäre da nicht Brams jüngerer Bruder Furkan, der gerne die Schule schwänzt, mit seinen Kumpels den örtlichen Supermarkt tyrannisiert oder nächtens in Marinas Café einbricht und mehr als nur die Kasse plündert. Furkan ist es dann auch, der das ganze Trugbild vom "normalen Stammhalter" einreißt, durch ein knallhartes Outing.

Bram fliegt in die Türkei, mit dabei hat er seinen Lover Kevin. Dem kann er sich nur heimlich nähern. In Anatolien herrscht noch immer der türkische Machokult, der zwar den heimlichen Sex zwischen unverheirateten Männern duldet, aber wer sich offen zu seiner homosexuellen Identität bekennt, der verliert sein Gesicht und seine Ehre. Als Kevin und Bram sich im Hamam lieben und dies vom Ex der Verlobten fotografiert wird, beginnt ein Familiendrama, das mit Tränen startet, in Trennungen mündet und mit einer schlimmen Tat endet. Ausgerechnet das bisherige schwarze Schaf Furkan will die Familienehre wieder herzustellen und erklärt sich selbst als Instrument der Reinigung zum Heiligen Krieger.

Youtube | Offizieller Trailer zum Film

Die romantischen und dramatischen Szenen zeigen Realität

Guy Lee Thys weiß es aus eigener Beobachtung: "Schwulsein ist immer noch ein großes Problem in den türkischen wie auch nordafrikanischen Gemeinden. Mittlerweile gibt es zwar mehr und mehr Muslime, die sich zu ihrer Homosexualität bekennen, aber es gibt wohl keine muslimische Familie, die dies nicht als Tabu ansieht", so der Produzent, Regisseur und Drehbuchautor. Vierzig Jahre nach der sexuellen Revolution sollte dies längst kein Thema mehr sein, aber viele Menschen haben einfach Angst sich zu outen. Nicht nur die soziale Feindseligkeit gegenüber Schwulen und Lesben nimmt wieder mehr und mehr zu, auch die Straftaten gegen selbige steigen rapide an.

Deutlich legt der Filmemacher seinen Finger auch in die offene Wunde des Rassismus sowohl auf der Seite der weißen Europäer als auch der islamischen Fundamentalisten. Thys fragt auch, ob wir nicht aus Angst zu schnell klein beigeben.

Doch der zentrale Aspekt des Films bleibt die Liebe der beiden jungen Männer. Die Idee zum Film kam ihm beim Durchblättern einer Zeitung, in der er über eine Statistik stolperte: "In der haben sich 90 Prozent aller jungen Muslime gegen Homosexualität ausgesprochen, während 90 Prozent aller jungen Belgier keine Probleme damit haben. Das verletzt." Guy Lee Thys klagt jedoch niemanden an, er plädiert dafür umso leidenschaftlicher, dem Rassismus auf beiden Seiten mit Verständnis und Achtung entgegenzutreten.

Infos zum Film

Mixed Kebap. Spielfilm, Dramödie. Belgien, Türkei 2012. Regie: Guy Lee Thys. Darsteller: Cem Akkanat, Simon Van Buyten, Gamze Tazim, Karlijn Sileghem, Lukas De Wolf, Ergun Simsek. Pro-Fun Media. Kinostart: 20. September 2012


#1 le_waldsterbenProfil
  • 20.09.2012, 18:09hBerlin
  • Was ist daran schon wieder rassistisch, wenn man als offen schwuler Europäer es nicht so toll findet, dass 90 "% aller jungen Muslims gegen (emanzipierte) Schwule sind?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 20.09.2012, 19:19h
  • Leider wird der FIlm nicht als Synchronfassung in den Kinos zu sehen sein - Chance verpaßt!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 blechbläserAnonym