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Die kleine Ursula speist beim Papst in Rom.... (Bild: Ralf König)

Der Comic-Zeichner erzählt die Legende der Heiligen Ursula, die nach Köln pilgerte, um ihre Unschuld zu bewahren. Im Oktober startet in Köln eine Ausstellung dazu.

Von Christian Scheuß

Es ist reiner Zufall, dass ausgerechnet in der Woche der neue Ralf König Comic erscheint, in der weltweit ein weiteres Mal die von Gewalt begleitete Auseinandersetzung über die Darstellung von Religionen und ihrer Ikonen ausbricht. "Elftausend Jungfrauen" passt wie die berühmte Faust aufs Auge in einem Kampf, der von verschiedenen Seiten durch Provokationen angefacht wird. Dem "Karikaturenstreit", der mit den Mohammed-Zeichnungen 2005 seinen Anfang nahm und mit einem dümmlichen Youtube-Video gerade neu entflammt (queer.de berichtete), setzt König entwaffnenden Humor entgegen.

Nachdem sich Ralf König drei Comicalben lang vom Alten zum Neuen Testament durchgeackert hat, greift er nun in den Fundus der Heiligenfiguren und ihrer Legenden. Ein unfassbar reicher Schatz, denn die Geschichten, die man sich seit Jahrhunderten über das Leben der Märtyrer erzählt, sind so absurd wie haarsträubend. Dementsprechend setzt der Zeichner seiner Interpretation der Legende der Heiligen Ursula ein Zitat aus Karheinz Deschners "Das Kreuz mit der Kirche. Eine Sexualgeschichte des Christentums" voran: "Es ist kaum übertrieben, wenn man behauptet, dass das mittelalterliche Europa einem großen Irrenhaus glich." Und dass König Irrenhäuser liebt, hat er mit seinen zahlreichen Geschichten aus der schwul-lesbischen Community bewiesen.

Durch einen Lesefehler wurden aus den elf plötzlich elftausend Jungfrauen


Die Vorlage zur Zeichnung ist im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen (Bild: RBA / Kölnisches Museum)

Die heilige Ursula von Köln soll im 4. Jahrhundert nach Christus gelebt haben. Just, da der christlichen Königstochter der Bretagne die Verheiratung mit dem Sohn des heidnischen Königs von England drohte, soll ihr ein Engel erschienen sein, der sie zu einer Pilgerfahrt nach Rom aufforderte. Statt kleinem Handgepäck solle sie mit 11.000 weiteren Jungfrauen zur Wallfahrt aufbrechen. In der Heiligen Stadt angekommen wird die keusche Megareisgruppe durch den Engel weitergeleitet ins Heilige Köln, wo die heiratsunwillige Ursula schließlich mitsamt den anderen Pilgern von gerade anwesenden hunnischen Stadtbelagerern getötet wird.

Heute ist Ursula die Schutzpatronin der Domstadt. Nicht so sehr wegen ihrer abstrusen Geschichte mit den elftausend Jungfrauen, die vermutlich nur durch einen Lesefehler im 11. Jahrhundert entstanden waren. Vielmehr hatte die Heilige der Touristenstadt des Mittelalters erheblich zu Wohlstand verholfen. Im 12. Jahrhundert entdeckte man ein altes römisches Gräberfeld, hielt es für die getöteten elftausend Jungfrauen und verscherbelte die Knochen als Reliquien an die Pilger.

Der Papst onaniert einmal wöchentlich, die Nonnen üben Zungenküsse


Ein passender Beitrag zum neu entfachten Karikaturenstreit (Bild: Rowohlt-Verlag)

Ralf König macht sich über diesen mittelalterlichen Auswuchs des Kapitalismus ebenso lustig wie über den vergeblichen Kampf der Amtsträger der katholischen Kirche gegen die weltlich-leiblichen Begierden. Dass sich die Mönche junge Burschen für Aktzeichnungen des Heiligen Sebastian ins Kloster holen, die geschäftstüchtigen Nonnen dagegen an ihre Brüder im Herrn Selbstkasteiungsinstrumente verkaufen, die man heute als SM-Sextoys kennt, ist klar.

Auffallend viele der vermeintlichen Jungfrauen, die zur Pilgerreise in die Boote steigen, sehen so aus wie die Vertreterinnen lesbischer Wandergruppen, die ganz unter sich bleiben wollen. Die wenigen Begleiter aus dem Männerkloster werden deswegen von Schiffsbauer-Lesbe Rotzwitha auf das "Schwuppenboot" mit der Bemerkung verwiesen: "Rom von hinten…"

Ralf Königs Beschäftigungswut mit seinen katholischen Wurzeln erzeugt keine Glaubenskriege und keine Toten. Sie bewirkt höchstens sehr befreiende Lachkrämpfe. Und das 190 Seiten lang. Übrigens: Im Oktober wird das Kölnische Stadtmuseum der Heiligen Ursula und der Darstellung ihrer Geschichte eine Ausstellung widmen. Ralf Königs eigenwillige Neuinterpretation steht dabei im Zentrum.

Weitere Angaben

Ralf König, Elftausend Jungfrauen, Rowohlt-Verlag, Hamburg, Comic, Hardcover, 192 S., 18,95 €, ISBN 978-3-498-03558-7


#1 CheckAnonym
#2 MitchProfil
  • 21.09.2012, 19:18hBerlin
  • Oh, oh... ich sehe schon wie Zehntausende empörter Christen überall auf der Welt randalierend und brandschatzend durch die Straßen ziehen und deutsche Botschaften stürmen. Dieser Comic muß unbedingt verboten werden!
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#3 knobibomberAnonym
#4 Lich KingAnonym
  • 21.09.2012, 19:54h
  • Wirklich mutig wäre es wenn der gute Herr König sich mal Mohammed und den Koran vornehmen würde. Aber das traut er sich wohl dann doch nicht und so wird es nun, mal wieder, die Kirche.
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#5 MitchProfil
#6 finkAnonym
  • 21.09.2012, 20:55h
  • Antwort auf #4 von Lich King
  • die behauptung, niemand traue sich noch, öffentlich den islam zu kritisieren, mag ja ein beliebtes mantra unter verschwörungstheoretikern sein (die meistens im gleichen atemzug öffentlich den islam kritisieren), aber es entspricht hier nicht den tatsachen. ralf könig hat schon 2005 den fundamentalistischen islam in einem ganzen doppelband der verdienten lächerlichkeit preisgegeben. etwa gleichzeitig erschienen mehrere einzelne islamkritische karikaturen.

    www.ralf-koenig.de/typo3temp/pics/410ff3235f.jpg
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#7 Nazis stinkenAnonym
  • 21.09.2012, 21:31h
  • Antwort auf #4 von Lich King
  • Bis jetzt haben noch alle massenmordenden Imperialisten mit dem göttlichen Beistand des Christentums ihre Kreuz- und Raubzüge durchgezogen.

    Die Washington Post zählt mindestens sechs Millionen Todesopfer der Kriege des US-Imperialismus seit dem Zweiten Weltkrieg ("eine konservative Schätzung").

    www.washingtonpost.com/opinions/why-do-we-ignore-the-civilia
    ns-killed-in-american-wars/2011/12/05/gIQALCO4eP_story.html


    Da die 9/11-Märchen bei der breiten Masse der Lohnsklav_innen inzwischen nicht mehr ganz so ziehen, wie sie sollten, war klar, dass sehr bald eine neue Serie von "Aktionen"und rassistischen Kampagnen würde folgen müssen,

    um die imperialistischen Verbrechen (nächste Station: Iran) nach außen und die Hetze gegen Migrant_innen im Inneren sowie die Herrschaftsoption des Faschismus in Zeiten der immer tieferen Systemkrise entsprechend zu flankieren.
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#8 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.09.2012, 08:51h
  • Ralf König: unangepaßt und politisch inkorrekt! So lieben wir ihn und der neue Comic ist der Hammer!
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#9 stromboliProfil
  • 22.09.2012, 11:10hberlin
  • Antwort auf #1 von Check
  • die männlichen "jungfrauen" fielen den hunnen ( hunnen vor köln???) zum opfer.. hoffentlich!

    Eins ist jedenfalls sicher..kölner fastnacht gabs zur zeit der ursula noch nicht, sonst hätte sie sich ohnehin die weiterfahrt nach rom sparen können...
    und sich den hunnischen "eindringlingen" ohne bedenken hingegeben ...kölle alaf
    Ob da eine verbindung besteht zwischen dem schlips abschnipppeln am weiber-faschingstag, oder ob das nur eine metapher für am schwanz maß nehmen ist...
    Das allein weiß ursula.
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