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Der Mörder inszeniert sein Opfer "liebevoll" drappiert (Bild: WDR/Willi Weber)

In Dortmund debütiert ein neues Tatort-Team. Es muss zwei Morde an Schwulen aufklären. Die Ermittlungen führen zum Unbehagen über das Sexuelle

Von Christian Scheuß

Kaum ist die Tatort-Melodie verklungen, geht es schon heftig ab. Ein Mann und eine Frau verlieren sich in sexueller Ekstase, zeitgleich wird an anderer Stelle ein Mann ermordet. Der Akt der Lust und der des Tötens wird in schnellen Schnitten zusammengebracht. Während die einen nur der "La petite mort" – wie die Franzosen den Orgasmus umschreiben – ereilt, wird der Exitus des anderen durch einen Flachbild-Monitor krachend vollendet. Die Verknüpfung der Sexualität mit dem Grausamen erzeugt großes Unwohlsein beim Zuschauer. Ein starker Einstieg, der eines der Motive vorgibt, das im Tatort "Alter ego" immer wieder auftaucht: Das Unbehagen über das Sexuelle.

Ein neues Tatort-Team tritt erstmals in der westfälischen Metropole Dortmund auf. Diesmal ist es kein Duo, es sind gleich vier Ermittler – zwei Männer, zwei Frauen – die ein bisschen bei CSI und Co. abgeguckt haben. Sie verstehen sich als Profiler. Das gilt besonders für Peter Faber (Jörg Hartmann). Er leidet unter Depressionen und ist mehr Ekelpaket als Teamplayer. Aber er besitzt zugleich ein unglaubliches Einfühlungsvermögen für die Motive und Gefühle von Mördern.

Kollege Daniel Kossik (Stefan Konarske), ein bodenständiger Westfale in den Dreißigern muss sich erst einmal an die Sperrigkeit des neuen Chefs gewöhnen. Außerdem weiß er nach einer gemeinsam verbrachten Nacht mit Nora Dalay (Aylin Tezel)- Teammitglied Nummer 3 – nicht, wie er sich ihr gegenüber verhalten soll. Will sie mehr, muss er jetzt mehr wollen? Oder war es nur das eine Mal und mehr geht nicht? Weil es sonst die Arbeit negativ beeinflussen könnte. Martina Bönisch (Anna Schudt)ist die starke Frau im Quartett. Sie bringt den sperrigen Faber auf eine gemeinsame Spur.

Revierkulisse 2012: Hightech, Zechen-Tradition und schwule Szene


Auch das alte Ruhrpott-Klischee Taubenvater ist dabei (Bild: WDR / Willi Weber)

Der Tote aus der Anfangsszene ist der Student Kai Schiplok. Er liegt nur mit einem Tuch verhüllt auf dem Boden seiner Wohnung. Erste Spuren deuten auf ein Eifersuchtsdrama hin. Das Mordopfer ließ nichts anbrennen, offensichtlich sehr zum Leidwesen seines Ex-Freundes Lars Bremer. Wenig begeistert ist Kossik, dass Faber ihn zu verdeckten Ermittlungen in eine Schwulenbar beordert, obwohl er doch eigentlich Tickets fürs Stadion hat. Die Spurensuche führt die Kommissare in ein Dortmunder Hightech- Unternehmen. Bei dem Firmenchef Dr. Hendrik Strehlsen und dessen Mitarbeiter Sebastian Lesniak hatte ihr Praktikant Schiplok einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Da geschieht ein zweiter Mord. Wieder ist der Tote nur mit einem Tuch bedeckt …

Vorbehalte gegenüber Schwulen und Lesben hat keiner der Neuen. So finden Kossik und Faber die richtigen Worte, wenn sie mit homophoben Haltungen konfrontiert werden. Die Liberalität und Offenheit findet bei Kossik aber ein Ende, als er mit Faber die Szenebar "Chelsea" betritt. Er fühlt sich sehr unwohl, als ihn andere Männer ansprechen. Mit Aggression beißt er die Interessenten weg, und erfährt so nur wenig über das Mordopfer, das hier Stammgast war. Faber dagegen flirtet mit dem Barkeeper. Kossik ist irritiert und fragt seinen Chef später, ob er denn wirklich einmal mit einer Frau verheiratet gewesen sei. Doch für Faber ist der (homo)sexuell konnotierte Körperkontakt mit dem Umfeld des Opfers Mittel zum Zweck. Würde er einen pädophilen Mörder suchen, würde er auch versuchen sich vorzustellen, wie schön es ist, ein Kind unter seinem Einfluss zu haben.

Faber versucht per Verführung den Verdächtigen zu überführen


Die vier neuen Profiler aus Dortmund (Bild: WDR)

Faber hat bald einen Mann als potentiellen Täter im Visier und will ihn mit Provokationen aus der Reserve locken. Er versucht die Verführung, indem er ihn beiläufig im Gespräch berührt. Später imaginiert Faber vor dem Verdächtigen, wie schön es wohl sei, mal wieder einen "harten Schanz" zu spüren und fordert ihn zu einem Kuss auf. Der Profiler überführt den Täter durch Erzeugen starken Unbehagens, weil der seine sexuelle Orientierung nie für sich hat akzeptieren können.

Der gesellschaftliche Umgang mit der (homo)sexuellen Orientierung zwischen Ablehnung und Annäherung spiegelt sich auch in zwei weiteren Szenen. Da ist zum einen der "Taubenvatter", dessen schwuler Sohn ermordet wurde. Er erzählt den Ermittlerinnen unter Tränen, wie er sich an die "Schrächlage" seinen Nachwuchs gewöhnt hat und schimpft über all die, die einen nicht akzeptieren, weil sie nicht "anders sein" wollen. Zum anderen treffen die Fahnder vor der schwulen Bar auf Kossiks Fußball-Kumpel. Sie ziehen ihn mit Anzüglichkeiten auf und verabschieden ihn mit einem fröhlich gegrölten "Rosettenalarm". Wenn man vor Augen hat, wie stark Homophobie in Teilen der Fußball-Fans noch verankert ist, ist ein frotzelnder Umgang mit dem eigenen Unbehagen über homosexuelle Praktiken per "Rosettenalarm" ein deutlicher Fortschritt.

Keine Tatort-Folge zuvor hat sich so intensiv und durchdacht mit den individuellen und sozialen Folgen einer unterdrückten sexuellen Orientierung befasst. Dies zum Thema der Auftaktfolge des neuen Tatorts aus Dortmund zu machen, ist mutig und macht Lust auf mehr.

Sendetermine

ARD, 23.9., 20:15 Uhr, EinsFestival, 23.9., 21:45 und 23:45Uhr, ARD, 24.9., 00:40 Uhr. Danach sieben Tage lang als Stream in der ARD-Mediathek abrufbar
Wöchentliche Umfrage

» "Alter Ego" - Deine Note für den neuen Tatort aus Dortmund?
    Ergebnis der Umfrage vom 24.9.2012 bis 01.10.2012


#1 DanielStevensProfil
  • 22.09.2012, 15:55hBochum
  • Schön geschrieben. Das einzige das mich ehrlich gesagt wieder ein bisschen erschreckt hat ist das hier wie so oft (wenn auch indirekt) wieder der Vergleich "Homosexuelle-Pädophile" eingestreut wurde...
    Auch wenn einer der Akteure nur seinen Denkansatz beim einfinden in die Psyche eines bestimmten Typus von Täter darlegt hätte man da einen etwas "angemesseneren" Vergleich finden können als einen Kinderschänder...

    Für mich persönlich sind solche Vergleiche immer sehr, sehr anfeindend... Schwule Ehe=Sodomie, Schwuler Mörder=Kinderschänder etc.

    Warum muss man homosexuelle Lebenslagen, Verhaltensweisen etc. immer mit wirklich abstossend,widerlichen, abnormalen, kranken Dingen vergleichen und/oder in einem Satz erwähnen und so einen Zusammenhang herstellen?!
    (Ja, Mord ist sowieso widerlich und "krank" aber mal ehrlich: Warum immer ein Vergleich mit dem absolut "unterstem, widerlichstem, ekeligstem" das es gibt ?!?)
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#2 Kristian
  • 22.09.2012, 17:36h
  • "Würde er einen pädophilen Mörder suchen, würde er auch versuchen sich vorzustellen, wie schön es ist, ein Kind unter seinem Einfluss zu haben."

    Hat ein schwuler Mörder also Männer unter seinem Einfluss? Die immer mal wieder auftretende Pädophilenfeindlichkeit im schwul-lesbischen Milieu ist echt enttäuschend und ärgerlich.
    Besonders übrigens die im Kommentar von Daniel Stevens. Gegen schwule Diskriminierung sein und gegen diskriminierende Gleichungen arbeiten, aber im gleichen Atemzug die Gleichungen 'Pädophiler=Kinderschänder', sowie 'pädophile Lebenslagen und Verhaltensweisen = wirklich abstoßend, widerlich, abnormal und krank' aufstellen. Respekt und ich befürchte leider, dass dir deine Doppelmoral nicht mal bewusst ist...
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#3 daVinci6667
  • 22.09.2012, 18:19h

  • Ich will mir kein Urteil bilden bevor ich diesen Tatort gesehen habe.

    Was mich ein bisschen stört sind die beiden schwulen Toten, aber mal sehen.

    Zur Erinnerung: Wurden in Filmen Schwule gezeigt, kamen die früher IMMER im Laufe der Handlung ums Leben oder sie waren gleich die Mörder oder mindestens pädophil.

    Wo käme man denn hin, wenn man mal glückliche, zufriedene Schwule zeigen würde!
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#4 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 22.09.2012, 18:36h
  • Nach Essen (Haverkamp) & Duisburg (Schimanski) ist Dortmund die dritte Ruhrgebietsstadt, in der beim Tatort ermittelt wird. Ich werde mir den auf jeden Fall ansehen!
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#5 sokoAnonym
#6 joegabAnonym
#7 daVinci6667
  • 22.09.2012, 20:21h
  • Antwort auf #6 von joegab

  • Doch! Könnte man problemlos einbauen. Zum Beispiel könnte der Sohn des Opfers oder Täters in einer glücklichen schwulen Beziehung sein. Oder der Kommissar selber oder die Eltern eines Opfers/Täters etc etc. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Werde dir mal bewusst, wo überall glückliche Heten-Paare eingebaut werden. Das ginge auch in einer schwulen oder lesbischen Version.

    Man müsste nur wollen!
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#8 ZwangshetenkackeAnonym
  • 22.09.2012, 22:44h
  • Ja, tot zeigt das Unterhaltungsprogramm Schwule gern.

    Und wieder geschickt Schwulsein und Kindesmissbrauch auf eine Stufe gestellt.

    Weiter so!

    Was Widerstand und Protest bedeuten, wissen Schwule sowieso seit Jahrzehnten nicht mehr.
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#10 NickAnonym
  • 23.09.2012, 01:25h

  • Hört sich nach einem interessanten, guten Tatort an. Einige Bekannte von mir, darunter auch schwule bvb Fans, haben die Premiere im Stadion gesehen und empfanden ihn auch positiv.
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