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  • 24.09.2012           28      Teilen:   |

Debatte

Schwule Fußballer: Die Mutlosen

Jan Feddersen ist plötzlich Fußballexperte und redet, neben dem Girl des Tages, über die besondere Heteronormativität im Fußball
Jan Feddersen ist plötzlich Fußballexperte und redet, neben dem Girl des Tages, über die besondere Heteronormativität im Fußball

Sie sind hier, sie sind queer – und sie schweigen. Eine Antwort auf Jan Feddersen, der nicht an die Existenz homosexueller Profifußballer glaubt, und auf eine unverhältnismäßige Debatte.

Von Norbert Blech

Der mediale Wirbel um ein Interview mit einem schwulen Fußballer will nicht enden. Nun hat sich, in einem Interview mit der "tz" aus München, auch noch "taz"-Redakteur Jan Feddersen in die Debatte eingeschaltet – mit gewohnt überrraschenden Aussagen. So glaubt der schwule Journalist nicht an die Echtheit des anonymen Fußballer-Interviews, das vor zwei Wochen im Magazin "Fluter" erschienen ist (queer.de berichtete).

"So ein Interview könnte ich zu Hause am Schreibtisch, ohne jegliche Recherche, kalt runterschreiben", so Feddersen. "Es stecken so viele Klischees darin, man könnte es leicht erfinden." Nun sollte man als Journalist durchaus Dinge anzweifeln und eine gesunde Skepsis haben – zu der es aber auch gehört, rufschädigende Anschuldigungen nicht ohne Belege zu bringen. Vor allem die Kritik-Orgie des Magazins "11 Freunde", das die Echtheit des Interviews in ganzen zwei Artikeln anzweifelte, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack: Wäre das Interview im "Spiegel" erschienen, hätte es niemand angezweifelt. Wer aber grundlos einen Journalisten der Lüge bezichtigt, weil er jung ist und für ein kleines Medium arbeitet, der schadet damit der Glaubwürdigkeit aller Medien. Dazu wird der Eindruck verstärkt, Homosexualität sei ein so großes Tabu, dass ein solches Interview geradezu erfunden sein muss.

Der "Fluter"-Redaktion kann man vorwerfen, das Interview nicht genügend redigiert und abgesichert zu haben. Das ändert aber nichts daran, dass man es für wahr halten kann – wie es auch der ehemalige schwule Fußballspieler Marcus Urban tut, der mit dem jungen Journalisten in Kontakt steht.

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Natürlich gibt es schwule Profikicker

Sorgen die Medienberichte dafür, dass Tabus Tabus bleiben?
Sorgen die Medienberichte dafür, dass Tabus Tabus bleiben?

Ist die Redaktion von "11 Freunde" also sauer über den entgangenen Scoup? Oder glaubt man einfach, dass es tatsächlich keine schwulen Profi-Fußballer gebe? Das behauptet nun Feddersen: "Eine Aussortierung der potenziell schwulen Spieler findet schon lange vor dem Profibereich statt. Jährlich wollen es Hunderttausende schaffen, aber nur wenigen gelingt es."

Bereits Eltern hätten "heterosexuelle Erwartungen" an den Sohn, eine Haltung, die sich im Sport besonders fortsetze, so Feddersen: "95 Prozent der Kabinengespräche drehen sich um Weiber und um das, was Jugendliche in diesem Alter eben interessiert. Bei diesem ganzen Gerede fallen fast immer die potenziell schwulen Spieler raus, weil sie merken, dass sie das nicht betrifft und dass sie sich dort nicht einklinken können. Besonders heikel wird es beim Übergang vom A-Jugend- in den Profibereich."

Der Gegenbeweis zu Feddersens These ist schnell erbracht: Natürlich gibt es schwule Profofußballer, Marcus Urban ist da ein Beispiel, auch wenn der sich aufgrund seiner Homosexualität kurz vor einem Einstieg ins Profigeschäft zurückzog und damit durchaus zu Feddersens These passt. Aber allein dieser Redaktion sind weit über Gerüchte hinaus zwei schwule Fußballer bekannt, die noch vor wenigen Jahren in der ersten Bundesliga spielten. Und da ist die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling, die schwule Fußballspieler berät und darüber öffentlich glaubwürdig berichtet, ohne Details zu nennen.

Angst vor dem Karriereknick

Das heteronormative Klima, das Feddersen beschreibt, findet sich so nicht nur auf den Fußballplatz; es führt auch heute noch dazu, dass viele Schwule und Lesben sich nicht in ihrer Familie, nicht auf dem Arbeitsplatz outen. Davon ist in den Medien leider wenig die Rede. Aber das führt bei diesen Personen zumeist nicht dazu, dass sie einen Job nicht antreten oder aufgeben. Sie verschweigen stattdessen ihre Homosexualität, der Karriere zuliebe.

Es gibt keinen Grund für die Annahme, beim Fußball wäre das als einzigem Arbeitsplatz anders. Gibt es etwa ernsthaft Unterschiede zu den Kabinen im Rugby, im Boxen? In den Sportarten gab es prominente Coming-outs. Zweifellos ist die Fallhöhe deutlich höher: Wer – wie andere Prominente auch – in der Öffentlichkeit steht, muss mit mehr Anfeindungen rechnen. In diesem Fall durch Fußballfans, deren Reaktionen auf ein Coming-out noch als unberechenbar eingeschätzt werden, obwohl selbst Ultras inzwischen Aktionen gegen Homophobie unterstützen.

Der erste offen schwule Profifußballer schaut zudem einer ungewissen Zukunft entgegen – es darf befürchtet werden, dass er es bei einem Vereinswechsel weiterhin schwierig haben wird, dass Sponsoren das Interesse verlieren. Vieles spricht dafür, dass hier, und nicht bei möglicherweise homophoben Mitspielern oder Fans, der Hauptgrund für ein weiteres Versteckspiel steckt: Ein Bekanntwerden der Homosexualität steht einer bestmöglichen Karriereplanung entgegen. Bei einer Abwägung der Eigeninteressen kommt das Coming-out, so befreiend es auch sein kann, nicht an erster Stelle.

Das alles spricht nicht gegen die Existenz von schwulen Profifußballern, es erklärt hingegen, warum diese weiterhin kein Coming-out wagen. Der alle paar Monate neu ansetzende Medienrummel um das Thema und die damit einhergehende Überhöhung tragen letztlich ebenso wenig zu einer Entspannung bei wie Äußerungen vermeintlicher Experten.

Der Glaube jedenfalls, homosexuelle Fußballer ließen sich bereits durch ein vermeintlich besonders stark heterosexuelles Kabinengeschätz von einer Karriere abhalten, ist zu wenig durchdacht, folgt einer gewissen Weichei-Logik, die nicht hilfreich ist, und ist wohl auch zu einfühlsam: Unsere Klemm-Fußballer sind karriere- und geldgeil genug, sich davon nicht abhalten zu lassen.

Anders als die anderen?

Aktion von Mainzer Fans gegen Homophobie
Aktion von Mainzer Fans gegen Homophobie

Man sollte ihnen daher auch nicht mehr Mitgefühl und Aufmerksamkeit zugestehen als Anderen: dem schwulen Schüler, der lesbischen Kindergärtnerin, dem bisexuellen Pastor (wie, das nebenbei, dem schwarzen Spieler). Dass der Fußball im Jahr 2012 tatsächlich noch homophober ist als der Rest der Gesellschaft, ist mehr Vermutung als belegt.

Homophobie ist zugleich weiterhin ein schweres Problem, das umfassend bekämpft gehört – leider nimmt die Riesenaufregung über ein anonymes Interview mehr Raum in den Medien und der öffentlichen Debatte ein als etwa weiterhin mangelnde Aufklärung in Schulbüchern oder die ganze Schar von CDU-Abgeordneten, die sich in den letzten Wochen für einen Fortbestand der rechtlichen Diskriminierung von Schwulen und Lesben ausgesprochen haben. Darunter die Kanzlerin.

Ausgerechnet sie wurde mit "mutmachenden" Äußerungen an den Profifußballer zitiert (sie wurde öffentlich gefragt, was hätte sie anderes sagen sollen?) So lenkt die Debatte viel zu sehr von den eigentlichen Problemen, Journalisten zu sehr von den eigentlichen Themen ab, wird vielleicht auch als Feigenblatt genutzt. Das wäre doch produktiver: Diskriminierung, Gewalt und Homophobie konkret und energisch benennen, kritisieren und bekämpfen, wo sie existiert, anstatt über vermeintliche Tabus und vermeintliche Homophobie zu spekulieren und damit Tabus aufrecht zu erhalten.

Es gibt viele Wege, Homophobie zu bekämpfen. Der wichtigste ist, sich ihr zu stellen, wie es viele Schwule und Lesben privat und öffentlich, im Kleinen und im Großen tun. Sich zu outen, sich zu engagieren. Hier seien beispielhaft die schwulen und lesbischen Fußballfans benannt, die sich in Fanclubs zusammengetan haben und auf den Tribünen viel mehr auf heterosexuelle und vermeintlich homophobe Fans treffen als die Profis selbst.

Den eigenen Kampf gegen Homophobie kann den schwulen Kickern keine Kanzlerin, kein DFB, keine Sport-Bild abnehmen, so sehr die Erzeugung eines positiven Klimas auch wichtig und ausbaubar ist. Mit mangelndem Mut ändert man keine Vorurteile, mit mangelndem Mut ist man kein Vorbild, wie gerade der Sport sie erzeugen sollte.

Jan Feddersen glaubt nicht an ein baldiges Coming-out eines Profispielers. Damit dürfte er Recht haben.

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Tags: fußball, marcus urban, jan feddersen, dfb
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Reaktionen zu "Schwule Fußballer: Die Mutlosen"


 28 User-Kommentare
« zurück  123  vor »

Die ersten:   
#1
24.09.2012
19:20:10


(+7, 9 Votes)

Von alexander
Profil nur für angemeldete User sichtbar


unerträglich dieses DUMMGEBABBEL von feddersen, der kann doch eigentlich garnicht so dämlich sein, wie er sich gibt ???
aus welchem grund er sich wieder mal "ereignen" muss, scheint ihm selbst nicht klar zu sein ?


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#2
24.09.2012
19:33:56


(+4, 10 Votes)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Lieber Herr Feddersen, bloggen Sie bitte nur noch für den ESC und lassen Sie die Finger von Dingen, die Sie nicht verstehen!


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#3
24.09.2012
20:58:09


(+13, 13 Votes)

Von Peinlich


Jan Feddersen wird mit zunehmendem Alter offenbar immer mehr zum unzufriedenen ältlichen Schwulen, der voller Neid auf andere schaut.

Mit würdevollem Altern hat sein peinliches Geschreibsel jedenfalls kaum noch etwas zu tun. Und wie Norbert Blech in seinem Artikel schon sehr richtig schrieb, ist die Mindestvoraussetzung für eine journalistische Breitseite gegen einen Kollegen die nachprüfbare Quelle.

Feddersen:
Politisch inkompetent (siehe sein verharmlosendes Geschreibsel über das Gastgeberland des Song-Contests).
In Sachen Popmusik ebenfalls ohne jede Kompetenz (siehe seine meilenweit daneben liegenden Prognosen für die ersten Plätze beim Song-Contest).
Ich will ja nicht kleinlich sein, aber sein letzter taz-Online-Artikel enthielt derart viele Rechtschreibfehler, dass mir die Schamröte ins Gesicht gestiegen ist, das soll ein professioneller Schreiber sein?


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#4
24.09.2012
21:26:06


(+6, 6 Votes)

Von frontallappen


wieviele stunden hat ein ca. 20-jähriger spieler, bevor er in der 1. oder 2. liga auf dem rasen läuft, bei vereinen verbracht?


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#5
24.09.2012
21:38:13


(+12, 12 Votes)

Von fink
Antwort zu Kommentar #3 von Peinlich


"das soll ein professioneller Schreiber sein?"

die frage stelle ich mir seit jahren. anscheinend reicht es nicht aus, schlechten stil, krude wortwahl und grausliche grammatik zu pflegen, um "journalist" zu sein, man kann auch irgendwelche vermutungen hinstammeln und schon ist man "experte".

was feddersen da unbedarft an bloßen vermutungen hinbrummt, das hätte ich auch "ohne jede recherche" drauflosbrabbeln können. bin ich jetzt auch experte?


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#6
24.09.2012
21:47:22


(+9, 9 Votes)

Von Robin


Diese unsägliche Jan Feddersen, der schon beim letzten Eurovision Song Contest Diktaturen verharmloste, ist jetzt plötzlich auch noch Fußballexperte und will wieder mal alles besser wissen als alle anderen.

In einer Demokratie herrscht ja Redefreiheit, aber bei Leuten wie Jan Feddersen, die nur Löcher in die Welt leben, fragt man sich schon, wie lange man deren durchgeknalltes Gelaber noch ertragen muss.


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#7
24.09.2012
22:47:33


(+7, 7 Votes)

Von FrageanFeddersen


"allein dieser Redaktion sind weit über Gerüchte hinaus zwei schwule Fußballer bekannt, die noch vor wenigen Jahren in der ersten Bundesliga spielten.
Und da ist die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling, die schwule Fußballspieler berät und darüber öffentlich glaubwürdig berichtet, ohne Details zu nennen."

Meint Feddersen das dies auch erfunden ist?


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#8
24.09.2012
22:54:57


(+4, 6 Votes)

Von Leo G


Warum soll es denn keine schwulen Profis geben, das ist Wahnwitz bzw. dümmlich sowas zu behaupten.
Ich wette, dass vor allem die knackigen U21 sich kräftig die rasierten langen Teile massieren.


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#9
24.09.2012
23:44:07


(-1, 3 Votes)

Von Sven


Ob das wohl hilfreich sein wird, wenn man sich streitet wer mehr Ahnung davon hat wie schwule Fußballer ticken?
Vielleicht denkt der ein oder andere da schon in Klischeemustern und vergißt, dass jeder Mensch anders ist und denkt.


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#10
24.09.2012
23:54:35


(+4, 4 Votes)

Von GF Pr von Pr


Die Mutlosen? Warum hat ein sensibler Kerl doch die Mut, in Belgrad, St. Petersburg oder Vilnius auf die Aktion mit grossem Risiko-Faktor namens CSD auf die Strasse zu gehen, - und die muskulosen Kerle aus Hamburg, Dortmund oder Munchen doch nicht - ist hier die Rede nur um die Mut? Vielleicht eher um den Wunsch zum etwas absolut zugehorig zu sein, indem man so wie auch alle anderen ist. Sehr menschlich, ich weiss, und sehr charakteristisch fur die Psyche des Mannes. Dann aber bitte das mit den Themen 'grosses Geld', 'Karriere' oder 'Reputation' nicht vermischen. Ich selbst interessiere fur den Sport schon seit meiner fruhen Kindheit ganz und gar nicht (er war fur mich immer nur eine Art von Qualerei, zu der andere mich wieder und wieder im Turnsaal gezwungen haben), also habe auch keine Antwort und kann mich so exakt auf die Stelle dieser armen Kerle nicht stellen. Riesengrosse Stadien aber, voll von betrunkenen und fanatischen Heteros, erscheinen mir jedes Mal als eine schreckliche Metapher des sozialen Gefangnisses, wo die Manner in der Tat sehr wenig Freiheit haben und ihr ganzes Leben eine streng vor vielen Jahrhunderten von irgendwem bestimmte soziale Rolle spielen mussen - ohne jegliche Hoffnung, dass es irgendwann anders wird. Ich habe grosse Angst vor diesen Platzen. Und spiele nicht mit.


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