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  • 07. Oktober 2004, noch kein Kommentar

Der schwule Torwart Ecki kämpft gegen seine engstirnigen Hetero-Mitspieler. Wir haben mit Hauptdarsteller Maximilian Brückner gesprochen.

Von Dennis Klein

Die Welt von Ecki, Torwart bei einem Dorf-Fußballteam aus dem Münsterland, gerät aus den Fugen: Seine Mitspieler machen ihn für den verpatzten Aufstieg verantwortlich - und schmeißen ihn nach einem unfreiwiligen Coming-out aus der Mannschaft. Doch Ecki schlägt zurück: Er will innerhalb von vier Wochen eine schwulen Mannschaft zusammenstellen und es damit seinen alten Spielkameraden zeigen. Einzige Hürde: Ecki muss zehn schwule Fußballer in der Ruhrpottmetropole Dortmund finden.

Nach "Sommersturm" ist "Männer wie wir" bereits der zweite deutsche Kino-Film innerhalb eines Monats über das Coming-out eines jungen Provinzlers. Anders als Tobi (Robert Stadlober) in Sommersturm gewöhnt für Ecki (Maximilian Brückner) schnell an seine Homosexualität, während Eltern und Freunde erst einmal geschockt sind. Ecki denkt jedoch nur an den Fußball und findet nebenher im hübschen Zivi Sven (David Rott) seine erste Liebe. Obgleich das Ende allzu vorhersehbar wird und auch einige Charaktere etwas unverhofft ihre tolerante Seite beim Anblick eines Fußballspiels entdecken, ist der Film eine gelungene Komödie ohne plumpen Humor. Mariele Millowitsch, Rolf Zacher und Dietmar Bär glänzen zudem in Nebenrollen als Dortmunder Originale. Regie führte Sherry Hormann ("Irren ist männlich"). "Männer wie wir" läuft ab sofort in den deutschen Kinos. In der Schweiz ist Filmstart am 14. Oktober, in Österreich am 11. November.

Im queer.de-Interview plauderte der (heterosexuelle) Hauptdarsteller Maximilian Brückner über seine Rolle, Darkrooms und schwule Küssse.

In deinem Kinodebüt spielst du einen Schwulen. Wie war's?
Mich hat am Drehbuch interessiert, dass die Besetzung, die Regisseurin Sherry Hormann gemacht hat, nicht dem typischen Klischee entspricht. Sie hat zwei Typen genommen, die wie der Junge von Nebenan aussehen. Und dann fragt sich der Zuschauer: "Was, der ist schwul, das kann doch nicht sein". Das fand ich sehr interessant.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Gar nicht. Ich hab einfach gesagt, der Ecki hat von nichts eine Ahnung. Ich hab auch von nichts eine Ahnung. Bisher wurde ich damit nicht konfrontiert. Ich komme aus einem kleinen Dorf und dort gibt es so etwas offiziell nicht. Ich hab' mir gedacht, was Ecki erlebt, erlebe ich persönlich auch zum ersten Mal, dann wäre es blöd, wenn ich mich darauf vorbereiten würde. Ich hab nur Fußballtraining bekommen.

Im Film stolpert Ecki in Dortmund nichts ahnend gleich in einen Darkroom. Was hast du dir dabei gedacht?
(lacht) Das ist schon eine verrückte Welt, aber ich finde das nicht schlimm. Ich weiß genau, dass ich mir in meinem Dorf einiges anhören werden muss, weil ich die Rolle gespielt habe. Aber das ist alles okay, meine Freunde finden das auch gut. Es gibt ja immer Idioten, die einen "Schwuchtel" nennen und aufziehen werden.

Du hast während des Drehs gesagt, dass die Kuss-Szene mit David Rott das schwierigste im ganzen Film war.
Ja, ich muss gestehen, da hatte ich Schiss, auch wenn heutzutage jeder sagt, dass alles locker ist. Das Gute war, dass es am Ende der Drehzeit war und wir uns alle schon kannten. Es ist aber wirklich komisch, wenn man da die Veranlagung nicht hat - was bei mir anscheinend so ist. Und dann war David nicht rasiert und das hat übel gestochen. Ich hab daraus gelernt, dass ich mich rasieren muss, wenn Mädchen mir das sagen.

Als ich den Film gesehen hab, dachte ich, die Szene war etwas zu kurz.
Ich find' das gerade an der Kante, weil es muss auch ein breiteres Publikum ansprechen. Es ist super, dass dir das gefällt, aber viele andere darf man nicht überanspruchen. Vielleicht sind die Leute in zehn Jahren noch etwas aufgeschlossener.

Hast du durch den Film etwas gelernt in Bezug auf Schwule?
Was soll man da groß lernen? Der eine verliebt sich in ein Mädchen, der andere in einen Jungen. In meinem Dorf wird man mir wohl einige Sachen an den Kopf werfen, obwohl ich nicht schwul bin, aber einen Schwulen spiele.

Wenn der Film ein Hit wird, erwartest du auch Liebesbriefe von Typen.
Darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht. (lacht) Mal kucken. Schau'n wir erstmal, ob's ein Hit wird.

Wäre das komisch für dich?
Nee, das wär's nicht. Liebesbriefe sind natürlich immer schmeichelnd (lacht). Ich würde halt sagen, ich mag die Damen doch sehr gerne.

7. Oktober 2004, 14:00 Uhr