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  • 03.10.2012           116      Teilen:   |
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CDU-MdB: "Deutschland leidet nicht an Diskriminierung von Schwulen und Lesben"

Ein ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, der Bürgerrechte von Schwulen und Lesben mit Füßen tritt: Arnold Vaatz, direkt gewählter CDU-Abgeordneter aus Dresden - Quelle: Wiki Commons / Laurence Chaperon / CC-BY-SA-3.0-DE
Ein ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, der Bürgerrechte von Schwulen und Lesben mit Füßen tritt: Arnold Vaatz, direkt gewählter CDU-Abgeordneter aus Dresden (Bild: Wiki Commons / Laurence Chaperon / CC-BY-SA-3.0-DE)

Micha Schulze schreibt an den Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz, der eine Gleichstellung von Eingetragenen Lebenspartnern ablehnt, weil "zu wenige Kinder geboren werden".

Sehr geehrter Herr Vaatz!

In diesem Jahr ließ Ihre Partei, die CDU, endlich mal die Katze aus dem Sack. In der noch immer andauernden Sommerlochdebatte um die Gleichstellung Eingetragener Lebenspartner im Steuerrecht übertreffen sich Politiker der Union seit Wochen mit den aberwitzigsten Begründungen, warum Homosexuelle in Deutschland weiterhin diskriminiert gehören. Es gebe "Qualitätsunterschiede" zwischen Homos und Heteros (Thomas Goppel), Gleichstellung sei "Werbung" (Veronika Bellmann) oder "keine Menschenrechtsfrage" (Erika Steinbach), zudem liege "unsere Zukunft (…) nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften" (Katherina Reiche).

Nun haben auch Sie sich zu Wort gemeldet, als ehemaliger DDR-Bürgerrechtler und seit zehn Jahren stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. "Deutschland leidet nicht an einer Diskriminierung von Schwulen und Lesben, sondern an der Tatsache, dass zu wenige Kinder geboren werden", schreiben Sie auf die Frage eines Mitglieds der "Initiative 2=2" auf abgeordnetenwatch.de. Sie sehen deshalb "keine gesellschaftliche Notwendigkeit, eingetragene Lebenspartnerschaften durch eine Gleichstellung im Einkommensteuerrecht genauso wie die Ehe mit Steuervergünstigungen zu unterstützen".

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Ein offener Aufruf zur weiteren Diskriminierung

Ihr Satz und die darin vorgenommene Vermischung zweier Themen, die so rein gar nichts miteinander zu tun haben, ist eine demagogische Meisterleistung. Und eine Unverfrorenheit obendrein: Da maßen Sie sich als heterosexueller Ehemann und Vater von vier Kindern an, zu definieren, was in Deutschland wichtig ist und was nicht, und schließen dabei die täglichen Erfahrungen einer gar nicht so kleinen Minderheit aus. Wenn schwul-lesbische Bürger Diskriminierung erleben, ist dies aus Ihrer Sicht offensichtlich nicht nur irrelevant, sondern völlig in Ordnung. Ihre Antwort an die "Initiative 2=2" ist ein offener Aufruf zur weiteren Ausgrenzung und Benachteiligung!

Zudem, Herr Vaatz, ist es eine reine Ansichts- und keine "Tatsache", ob in Deutschland "zu wenige" Kinder geboren werden – objektive Kriterien für eine "richtige" Geburtenrate kann es nun mal nicht geben. Ein unumstößlicher Fakt hingegen ist, dass Schwule und Lesben in Deutschland noch immer nicht in allen Bereichen dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle.

Wären Sie wirklich so kinderfreundlich, wie Sie sich darstellen, hätten Sie doch ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare unterstützen können. Dies lehnen Sie jedoch ebenfalls ab: "Für die gesamte Entwicklung eines Kindes halte ich Mutter und Vater als Bezugspersonen für unverzichtbar", schreiben Sie entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse auf abgeordnetenwatch.de.

Worunter leidet nun Deutschland wirklich? Aus meiner Sicht an arroganten und unbelehrbaren Volksvertretern, die Minderheitenrechte mit Füßen treten und sich mit rhetorischen Entgleisungen disqualifizieren. Zumindest in Ihrer Partei scheinen Sie da in bester Gesellschaft zu sein!

Micha Schulze, Jahrgang 1967, ist Geschäftsführer von queer.de und seit 25 Jahren in schwul-lesbischen Medien zu Hause. Normalerweise schreibt er vor allem Konzepte, Angebote, Rechnungen und Mahnungen, in dieser Kolumne aber immer wieder auch Emails an Leute und Organisationen, über die er einfach nur den Kopf schütteln kann.
» Mehr Kolumnen: Message von Micha
Links zum Thema:
» Arnold Vaatz auf abgeordnetenwatch.de
» Homepage von Arnold Vaatz
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So rechtfertigen 20 Unionspolitiker die Diskriminierung von Schwulen und Lesben (6.8.-3.9.2012)

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Tags: arnold vaatz, cdu, homo-ehe
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Reaktionen zu "CDU-MdB: "Deutschland leidet nicht an Diskriminierung von Schwulen und Lesben""


 116 User-Kommentare
« zurück  12345...1112  vor »

Die ersten:   
#1
03.10.2012
11:05:29


(+13, 13 Votes)

Von stephan
Profil nur für angemeldete User sichtbar


Sehr gut, Micha! Du hast es wieder einmal gut getroffen! - Ich hätte manches schärfer - dafür aber wohl weniger sachlich - geschrieben


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#2
03.10.2012
11:30:30


(+10, 12 Votes)

Von David77


*Gäähn*

Ja klar doch, Deutschland leidet an zuwenig Kinder - warum wird dann nicht konsequent die Eheschliessung ab 60 verboten und kinderlose Ehen aufgelöst?

""Deutschland leidet nicht an Diskriminierung von Schwulen und Lesben"

Aha. Dann stelle ich mal fest: Ehepaare leiden nicht an Diskriminierung, wenn andere Formen mit den gleichen Pflichten gleichgestellt werden.
Und für die Geburtenrate ist das doch völlig irrelevant.


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#3
03.10.2012
11:40:18


(+13, 15 Votes)

Von pöolikujzh


Klar, logisch, die LGBT sind natürlich daran schuld das zu wenig Kinder geboren werden....

Was für ein Realitätsferner schwachkopf ist der?

Vielleicht wäre es mal sinnvoll darüber nachzudenken warum immer weniger junge Heteros eine Familie gründen.

Sinnvoll wäre es über prekäre beschäftigung, Hungerlöhne, Leiharbeit, Unsicherheit und mangelnde zukunftsaussichten nachzudenken.

anstatt wieder den LGBT die schuld zu geben.

Zumal es absolut irrsinnig ist, die LebPart zu benachteiligen wegen zu wenig Kindern.


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#4
03.10.2012
11:47:36


(+10, 10 Votes)

Von Joel


Anscheinend beschäftigen sich Bürgerrechtler nicht mit Menschenrechten. Noch so ein Schwachkopf. Wann hört das endlich auf?


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#5
03.10.2012
11:53:02


(+10, 10 Votes)

Von Peer


Also dass die Homohasser nicht gerade zu den hellsten Köpfen zählen, ist ja nichts neues. Aber wieso müssen die ihre Dummheit auch noch so laut rausschreien.

Laut dieser Knallcharge muss man Schwule und Lesben also diskriminieren, weil zu wenig Kinder geboren werden.

Mal eine Gegenfrage:
glaubt er ernsthaft, dass Schwule und Lesben plötzlich hetero werden und Kinder zeugen, wenn man sie diskriminiert?

Es wird eher umgekehrt ein Schuh draus:
wenn man Regenbogenfamilien nicht mehr diskriminieren würde, würden Schwule und Lesben vielleicht auch mehr Kinder haben.

Diese Witzfigur verwechselt Ursace und Wirkung.


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#6
03.10.2012
11:58:12


(+8, 10 Votes)

Von Luca


CDU und CSU werden sich nie ändern.

Die werden immer aus ihrem totalitären Wahn heraus ihre eigene Meinung für alle anderen diktieren wollen. Mit der CDU/CSU werden wir immer Menschen zweiter Klasse bleiben.

Und deren Schoßhündchen von der FDP sind reine Mehrheitsbeschaffer für die Union, die uns noch dazu verarschen und uns weismachen wollen, sie täten was für uns, aber dann das genaue Gegenteil tun.


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#7
03.10.2012
12:18:04


(+11, 11 Votes)

Von radio
Antwort zu Kommentar #4 von Joel


Der spinnt. Er erfindet mittlerweile in Interviews sogar Zwangsarbeit von Gefangenen auf Kuba, um sich auzuplustern.

Kein CIA- und/oder sonstiger Menschenrechtsbericht kennt oder "vermutet" solche Zwangsarbeit. Und denen entgeht nichts.
Auch keine "Vermutung".


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#8
03.10.2012
12:20:33


(+7, 9 Votes)

Von Kerouacly
Antwort zu Kommentar #6 von Luca


Keine Hassprediger im Bundestag!


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#9
03.10.2012
12:27:38
Via Handy


(+8, 8 Votes)

Von Björnar


Welch verquere Logik! Die institutionalisierte Benachteiligung von Kindern, die in Eingetragenen Lebenspartnerschaften aufwachsen, soll sich also förderlich auf die Demographie auswirken? Wie das? Empfinden Heten es etwa als aphrodisierend, auf andere herabzublicken, so daß sie dann mehr Kinder zeugen? Oder hofft er darauf, Menschen davon abzubringen, eine homosexuelle Orientierung zu "wählen" (wobei er fälschlicherweise scheinbar Homosexualität mit Kinderlosigkeit gleichsetzt)?


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#10
03.10.2012
12:38:37


(+9, 9 Votes)

Von Marc


Wenn man die Situation von Kindern verbessern will und mehr Kinder in Deutschland haben will, sollte man lieber erst mal die Situation von Kindern in Regenbogenfamilien verbessern (durch Gleichstellung im Adoptionsrecht, etc.).

Stattdessen fährt der die bewährte CDU-Masche, uns für Dinge verantwortlich zu machen, die in Wirklichkeit Schuld der vermasselten Familienpolitik von Union und FDP sind.

Immer schön den Leuten Angst vor den bösen Homos machen. Wenn man selbst versagt hat, muss man einen Feind aufbauen, um die Leute wieder auf Linie zu bringen.

Wann hören CDU, CSU und FDP endlich auf, ihr eigenes Versagen vertuschen zu wollen, indem sie uns als Sündenböcke darstellen?!


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