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  • 04.10.2012           51      Teilen:   |

Debatte

Neue Empörung über kreuz.net – sinnvoll?

Bach forderte "für die von Gott verabscheute Homo-Verkuppelung die gleichen Rechte", kritisiert kreuz.net
Bach forderte "für die von Gott verabscheute Homo-Verkuppelung die gleichen Rechte", kritisiert kreuz.net

Das homophobe Portal hetzt gegen den verstorbenen Schauspieler Dirk Bach. Es hagelt Strafanzeigen, eine Online-Petition folgt. Doch wie hilfreich und verhältnismäßig ist die neueste Empörung? Ein paar Gedanken in Zeiten des Sturms.

Von Norbert Blech

Vermutlich in der Gegend um Stuttgart freuen sich einige Personen ganz besonders über den Tod des beliebten TV-Stars Dirk Bach: Die Fundamentalisten der Seite kreuz.net nutzten den plötzlichen Tod des beliebten Entertainers, um in zwei Meldungen so heftig wie lange nicht mehr über Schwule herzuziehen.

Die hohe Aufmerksamkeit war ihnen sicher. Ein Artikel vom Dienstag, in der Bach als "homosexueller Sittenverderber" bezeichnet wurde, der nun "in der ewigen Homo-Hölle" brenne, wurde wie wild auf Facebook verbreitet, heute legte die vermutlich von Piusbrüdern betriebene Seite nach und kritisierte die "niederträchtige Kotstecherei" der Homosexuellen.

Ein Blogger hat inzwischen Strafanzeige gestellt und die Adressen von Internetwachen der Polizei veröffentlicht, bei denen Leser das auch tun können. Via Twitter kündigten zahlreiche Personen an, Strafanzeigen zu stellen. Nur Volker Beck mahnte: "Solange niemand ermittelt, wer diese Seite betreibt, nützt ein Strafanzeige nichts."

Bereits früher waren nämlich Strafanzeigen im Sand verlaufen, da die Betreiber der auf den Bahamas gehosteten und angeblich in den USA betriebenen Seite nicht ausfindig gemacht werden konnten. Aber immerhin: Ein Sturm von Strafanzeigen kann die Ermittler dazu bewegen, der Sache mehr Zeit zu geben (es gibt etwa bekannte Gastautoren mit richtigem Namen, die einen Kontakt zur Redaktion haben müssen). Und, nach diversenen Medienberichten über die Aufregung, distanzierte sich die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag erneut deutlich von kreuz.net.

Fortsetzung nach Anzeige


Der Sommer der Online-Empörung

Die Deutsche Bischofskonferenz distanzierte sich am Donnerstag von kreuz.net
Die Deutsche Bischofskonferenz distanzierte sich am Donnerstag von kreuz.net

Aber hat man der Seite damit mehr Aufmerksamkeit zuteil kommen lassen als nötig? Weniger Sinn macht in jedem Fall eine Online-Petition, die sich an die Regierungen in Europa wendet und unter der Überschrift "Zusammen gegen die Volkshetzende Seite kreuz.net" steht. Obwohl die Petition keine konkreten Ziele benennt, hat sie bereits rund 2.000 Unterzeichner. Inzwischen gibt es auch eine Facebook-Seite "Abschaltung des Portals kreuz.net in Deutschland" – mittels umstrittener Internetsperren.

In den letzten Monaten hatte es, verstärkt durch soziale Netzwerke und vor allem Facebook, mehrfach öffentliche Empörung über Homophobie gegeben. Manchmal etwas ziellos und nicht immer produktiv.

So erging nicht nur ein Shitstorm über den "Bild"-Kolumnisten Franz-Josef Wagner, 70 Personen beschwerten sich zusätzlich beim Presserat über eine Kolumne, in der er sich gegen die Homo-Ehe stellte und dabei gönnerhaft erklärte, dass Schwule und Lesben es doch gut hätten und nicht mehr ins Gefängnis müssten (queer.de berichtete). Der Presserat entschied nicht völlig überraschend, die Kolumne sei durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Eine Aufregung, dass der Presserat (wie weiterhin das Grundgesetz) in seinen Richtlinien keine Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung explizit benennt, blieb hingegen aus.

Ein anderer Shitstorm ergoss sich über die CDU-Politikerin Katherina Reiche, als diese im Streit um ein Ehegattensplitting für Homo-Paare sagte: "Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften." (queer.de berichtete) Die Facebook-Seite "Keine Zukunft mit Katherina Reiche" schaffte daraufhin innerhalb von wenigen Tagen über 10.000 Follower bei Facebook (zum Vergleich: queer.de steht kurz vor 4.900). Das brachte Reiche immerhin ein gesteigertes negatives Medienecho und einen eher peinlichen Fernsehauftritt ein (queer.de berichtete). Als Angela Merkel hingegen wenige Tage später das Schlusswort in der Sache sprach und die fortgehende Diskriminierung von Schwulen und Lesben im Steuerrecht bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zementierte, blieben Netz und Medien ruhig.

Mehr Wirkung und Koordination wünschenswert

Protestschilder gegen FDP-Politiker zum CSD in München
Protestschilder gegen FDP-Politiker zum CSD in München

Wie hilfreich ist also die öffentliche Empörung über Einzelthemen im Internet? Dem Streit um Katharina Reiche, der das Nein der Kanzlerin nicht verhinderte, war im Sommer eine Netz-Empörung über eine Abstimmung im Bundestag voran gegangen: CDU/CSU und FDP hatten gegen Anträge der Opposition für eine Gleichstellung gestimmt. In Folge wurde vor allem über Facebook zu Protesten gegen die Wagen der Parteien bei den folgenden CSD-Paraden aufgerufen, einige CSD-Organisatoren forderten die Parteien zudem öffentlich wie vergeblich zu einen Verzicht der Teilnahme auf. An den Protesten beteiligten sich allerdings pro Stadt nur zwischen 10 und 100 Personen, was auch daran gelegen haben mag, dass das Ziel der Proteste zumeist nur die FDP sein sollte.

Ist die Szene nur noch virtuell zum Protest zu bewegen? Dafür sprechen etwa umfangreiche Online-Proteste gegen die homophobe russische Regierung bei zugleich recht kleinen Demonstrationen vor Botschaften des Landes. Man kann also länger sinnieren, ob die Verlagerung der öffentliche Empörung ins Internet viel bringt und wo der eigentliche Protest bleibt. Man kann auch überlegen, welchen Einfluss überhaupt der Lesben- und Schwulenverband hat, wenn in sozialen Netzwerken gepushte Themen wie übrigens auch das Thema schwule Fußballer mehr Medienpräsenz und Interesse erzeugen als drängende Fragen. Man kann, wie diese Redaktion heute morgen, überlegen, ob man das Thema kreuz.net überhaupt aufgreifen sollte.

Dabei dürfte dieser Bericht innerhalb der nächsten Minuten mehr Leser und Verbreitung finden als etwa die Nachricht vom CSD-Verbot in Belgrad heute morgen oder das geplante Verbot von "Homo-Propaganda" in der Ukraine vor zwei Tagen.

Natürlich ist die Aufregung über kreuz.net berechtigt, die fortdauernde Volksverhetzung der widerlichsten Art ist weder zu ertragen noch zu dulden. Dass sich auch Heteros in Massen dem Ärger über die Seite anschließen, ist ein gutes Zeichen, und man darf hoffen, dass die Strafanzeigen zu einem überraschenden Ergebnis führen. Man wünschte sich nur erneut, die Aufregung wäre umfassender und koordinierter.

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Tags: kreuz.net, online-protest, facebook, soziale netzwerke
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Reaktionen zu "Neue Empörung über kreuz.net – sinnvoll?"


 51 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
04.10.2012
19:30:15


(+10, 10 Votes)

Von herve64
Aus München (Bayern)
Mitglied seit 09.12.2008


Diese Aufregungen über kotz.net sind nicht nur mehr als berechtigt, sondern überfällig. Und das, was sie über Dirk Bach schreiben, erfüllt nach meinem Dafürhalten den Straftatbestand der Störung der Totenruhe oder geht zumindest in diese Richtung.

Die ganzen Machenschaften von Kotz.net erinnern mich an diese unsägliche godhatesfags.com-Seite, die seinerzeit in ähnlich degoutierender Weise über den Tod des schwulen Studenten Matthew Shepard ihr Gift verspritzte.

Höchste Zeit, einen Sturm der Entrüstung gegen die Fundamentalisten einzuleiten.


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#2
04.10.2012
19:31:55


(+7, 7 Votes)

Von JoachimG


Also dieser geistiger Müll sollte im Prinzip keine Beachtung erhalten.

Ein schöner Virus, der die Seite einfach lahm legt, das wäre doch mal was. Leider kenne ich niemanden der so was beherrscht, aber Jungs ich bin mir sicher irgendeiner beherrscht so etwas


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#3
04.10.2012
19:32:27


(+2, 6 Votes)

Von unwichtig


Für diese Seite ist mir die Zeit zu schade, ich schaue da gar nicht mehr rein.
Wer so durchdreht wie die macht sich selbst zum Affen.
Der einzige "Vorteil" ist das sie die Kirche in Misskredit bringen was dazu führt das kreuz.net bei vielen als Realsatire als verschrien ist...deswegen nimmt die auch kaum einer ernst.

Die Homophobie der legalen Kirchen, der Politik und auf den Schulhöfen, dort wo die breite Masse vertreten ist, dagegen sollten wir ankämpfen.

Die einzelnen Spinner von kreuz.net sind die sind die Aufmerksamkeit erst gar nicht wert.


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#4
04.10.2012
19:38:08


(+8, 8 Votes)

Von midshipman
Aus Berlin
Mitglied seit 04.10.2012
Antwort zu Kommentar #2 von JoachimG


Beschwert euch doch per Twitter, Facebook und auf allen Social Media Kanälen (Stichwort: Shit storm) bei den Hostern dieser hirnamputierten Seite. Nichts ist so wirksam wie die Aufmerksamkeit auf die Dienstleister dieser Hassprediger zu lenken. Die hosten die Seite offenbar bei www.cloudflare.com. Ich habe denen gerade per Twitter geschrieben.


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#5
04.10.2012
19:43:40


(+12, 12 Votes)

Von Yannick


Diesen Faschisten ist echt nichts heilig! Die haben nicht mal mehr Respekt vor dem Tod eines Menschen und machen sich noch darüber lustig!

Ich hoffe, dass die irgendwann die gerechte Strafe für ihren Hass und ihre Verhöhnung bekommen.


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#6
04.10.2012
19:49:47


(+12, 16 Votes)

Von goddamn liberal


Einige Grundsätze sind für mich wichtig:

1. Man sollte gezielt gegen die vorgehen, die wirklich Macht haben. Kardinäle haben diese Macht - auch als schwerreiche diskriminierende Arbeitgeber - irgendwelche Internetseiten eher nicht.

2. Unser Kampf ist seit jeher eingebettet in einen allgemeinen Freiheitskampf. Deshalb sollte man sich immer auf universale Rechte berufen und damit auch eine breite Front gegen Diskriminierung aufbauen. Das heißt: Möglichst viele andere Minderheiten und andere solidarische Mitbürger mit ins Boot nehmen.

3. Individuelle Freiheit und soziale Sicherheit gehören zusammen.

3. Man muss sich durch Pöbeleien nicht selbst ins Unrecht setzen. Im Gegenteil: Die Rechtsentwicklung in den zivilisierten Teilen dieses Globus ist auf unserer Seite. Die Pöbler sind die anderen. Auch wenn sie fromme Bärte und geistliche Gewänder tragen, um sich eitel zu spreizen.

4. Auch bei Medienschelte gilt: Der Fisch stinkt vom Kopf. Will sagen: Den ollen Wagner nehmen selbst viele Bildleser nicht ernst, selbsternannte massiv homophobe 'Kulturjournalisten' mit und ohne Doktortitel wie Kissler (Focus), Deckers (FAZ), Fleischhauer (Spiegel) u. Co. sind viel gefährlicher. Sie bauen feindselige Querfronten in die Entscheider-Schichten hinein. Auch vor 100 Jahren war z. B. der Antisemitismus eher an Unis als unter der Arbeiterschaft zuhause.

5. Meine Ansichten muss sich nicht jeder zueigen machen. Wer woanders aktiv werden will, soll das tun. Wir haben an vielen Fronten gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu kämpfen.


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#7
04.10.2012
19:52:06


(+8, 10 Votes)

Von ah jetzt ja


"Nur Volker Beck mahnte: "Solange niemand ermittelt, wer diese Seite betreibt, nützt ein Strafanzeige nichts."

Meint Herr Beck das auch zu Hakenkreuzen im öffentlichen Raum? Also keine Anzeige gegen unbekannt?
Keine Anzeige, wenigstens für die Statistik?

Link:
twitter.com/Volker_Beck/status/251425968542072837/
photo/1


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#8
04.10.2012
19:59:46


(+6, 6 Votes)

Von noctur


ungeschickt sind die leider nicht.

"Die hohe Aufmerksamkeit war ihnen sicher. Ein Artikel vom Dienstag, in der Bach als "homosexueller Sittenverderber" bezeichnet wurde, der nun "in der ewigen Homo-Hölle" brenne, wurde wie wild auf Facebook verbreitet"

frei dem motto auch negative werbung ist werbung und bringt leserschaft.


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#9
04.10.2012
20:04:13


(-6, 14 Votes)

Von jaaa jetzt
Antwort zu Kommentar #7 von ah jetzt ja


Meine Fresse wie oft willst du das Bildchen noch posten?
Gründe doch eine Anti- Beck Protestgruppe, Foxxyness Hilfe ist dir gewiss.


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#10
04.10.2012
20:07:30


(+3, 3 Votes)

Von Lapushka


Ich habe mich schon gewundert, warum die erst jetzt einen "Hölle"-Artikel bringen.
Keine Ahnung ob es sich lohnt, da ständig wieder sich aufzuregen.

Einerseits ist es ekelhaft, so nachzutreten, zumal es wohl kaum eine harmlosere, nettere Person als Dirk Bach gegeben hat, aber andererseits wollen die das doch. Deshalb sollte man sich dagegen stellen.

Ich hab aber andererseits das Gefühl, diese "Redakteuere" sind wie verhaltensauffällige Kinder die absolut keiner leiden kann und mit denen niemand was zu tun haben will und deshalb verprügeln und quälen sie ihre Mitschüler um wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit zu kriegen, weil sie sonst nur Luft wären.


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