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Von bisexuellen Kriminellen und unzüchtigen Pilzen: In "Bettgeschichten" lassen 18 deutsche Zeichnerinnen und Zeichner die Sau raus

Die neue Anthologie "Bettgeschichten" aus dem Zwerchfell Verlag enthält auch schwule und lesbische Clips.

Von Carsten Weidemann

Geben Sie einem Künstler oder einer Künstlerin ein Zeichenwerkzeug zur Hand, und früher oder später (aber meistens früher) werden sie Schweinereien zeichnen. Mann auf Frau, Frau auf Frau, Mann auf Mann, Mann auf Frau auf Frau auf Mann, drunter und drüber und drauf. Versuchen Sie's mal mit einer Kamera, ob Film oder Foto, das Ergebnis ist das gleiche: Nackerte. Neben-, bei- und ineinander.

Das Ergebnis nennt man dann, ganz nach Standpunkt, Erotik oder Pornographie oder Kunst oder Schund oder "für Erwachsene" oder ganz einfach das saftige Leben.

Den Begriff "Bett" eher weit gefasst...


Schwuler Sex mit Bier auf dem Klo: Reinhard Kleist steuerte "Die Turbojacke" bei

Und so verwundert es kaum, dass schon bald nach der Geburt der Comics auch gleich die ersten Pornocomics, damals Eight-Pagers oder Tijuana Bibles genannt, veröffentlicht und verschämt-verrucht unterm Ladentisch verkauft wurden. Sex gab's danach oft und gerne in den Comics, ob in den Undergrounds der Sechziger, oder der New Wave der Comicmagazine wie "Metal Hurlant / Heavy Metal" und "Fluide Glacial". Von Manga ganz zu schweigen.

Die deutschen Independent-Comic-Zeichner haben sich beim Zeichnen von erotischer Kunst natürlich auch nicht zurückgehalten. Nur: Veröffentlicht wurde davon bisher nicht viel. Und da inzwischen die dritte Generation von Indie-Zeichnern mit freundlichem Getöse und einer riesigen Menge an Talent die Bühne betreten hat, fand der Zwerchfell Verlag, dass es höchste Zeit für einen Band mit Bettgeschichten wurde. Wobei der Begriff "Bett" da eher weit gefasst wurde…

Die geheimen Schubladen der Indie-Zeichner


"Lesbisches Intermezzo": Eine Szene des Berliner Zeichners Mawil

Naomi Fearn und Reinhard Kleist als Herausgeber haben deutsche Indiezeichner gebeten, ihre geheimen Schubladen zu öffnen.

Und was zum Vorschein kam, ist weit entfernt von schnauzbärtigen Hetero-Tennissockenträgern, die Mittdreißigerinnen mit "Just Seventeen"-Sweatband gymnastisch verbiegen, von Nähmaschinen-Rein-Raus, von YouPorn-Pseudoamateuraufnahmen und von durchretuschierten Silikon-Barbies und -Kens.

Es sind pralle und dralle Fantasien, bei denen Kategorien wie Hetero-, Homo- oder Bisexualität gar nicht erst diskutiert werden. Bei denen ganz einfach fröhlich gevögelt wird. Bettgeschichten halt…

Infos zum Buch

Naomi Fearn & Reinhard Kleist (Hrsg.): Bettgeschichten. Comics für Erwachsene. Beteiligte Künstler: Maike Plenzke, Christian Nauck, Heiko Nerenz, Steffi Schütze, Reinhard Kleist, Calle Claus, Naomi Fearn, Mawil, Christopher Tauber, Christian Turk, Frank Schmolke, Véro, Tim Dinter, Nikolas Mahler, Ingo Römling und Iris Luckhaus. 104 Seiten. Farbig. Softcover. Format: 190 x 255 mm. Zwerchfell Verlag. Stuttgart 2012. 20 €. ISBN 978-3-943547-04-7