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Jetzt auf DVD und Blu-ray erhältlich: "Tomboy" (Bild: Alamode Film)

Der bezaubernde französische Spielfilm über ein Mädchen, das gern ein Junge wäre, ist jetzt auf DVD erschienen.

Von Carsten Weidemann

"Du bist neu hier. Verrätst du mir deinen Namen?" – "Michael. Ich heiße Michael." Manchmal hat es auch Vorteile, wenn die Familie ständig umziehen muss. So lässt sich beispielsweise viel leichter eine neue Identität einnehmen. Die zehnjährige Laure, die wegen Vaters Jobwechsel an einem anderen Ort neu anfangen muss, nutzt spontan die Gunst des Augenblicks, als sie von Lisa nach ihrem Namen gefragt wird.

Dass Michael ein Mädchen ist, erfährt auch der Zuschauer erst nach einer viertel Stunde, als sie aus der Badewanne steigt. In den Minuten davor, in der die französische Regisseurin Céline Sciamma die Familie vorstellt, bleibt es offen. Wir wissen nun: Laure hat ein Geheimnis, das sie ihren Eltern und der sechsjährigen Schwester Jeanne gegenüber bewahren will. Nur dem ungeborenen Baby im Bauch ihrer Mutter flüstert Laure zu, welchen Konflikt sie gerade wegen ihrer Geschlechterrolle mit sich herumträgt.

Wie lange kann Laure die Identität, die ihr lieber ist, aufrechterhalten?


Laure als Michael weiß nicht, wie er mit der verliebten Lisa umgehen soll (Bild: Alamode Film)

Doch da ist zunächst einmal der Nervenkitzel und das Abenteuer, dass Laure erlebt beim tieferen Hineinschlüpfen in die neue Haut, die sich so gut anfühlt. Als Michael übt er das Spucken auf den Boden, beim Fußballspiel der Jungs ist auch bald das Schamgefühl überwunden, das T-Shirt fällt. Nur beim Pinkeln am Wiesenrand kann Michael nicht mithalten. Vor dem Tag am Badesee gibt es ein weiteres Problem zu lösen. Wie lässt sich in der Badehose das darstellen, was schlicht nicht da ist? Laure bastelt für Michael eine Penisattrappe.

Lisa fällt schnell auf, dass Michael keiner üblichen Jungs ist, mit denen sie sonst abhängt und mit denen sie "Wahrheit oder Pflicht" spielt. "Du bist nicht wie die anderen", sagt sie, und das findet sie sehr attraktiv. Sie beginnt, sich ihn Michael zu verlieben. Die kleine Schwester checkt als erstes, dass die große Schwester draußen einen Jungen mimt und spielt das Spiel mit. Einen großen Bruder zu haben, ist schließlich auch nicht verkehrt: "Der kann einen viel besser beschützen."

Doch allzu lange lässt sich das Doppelleben nicht mehr verheimlichen. Laures Mutter zwingt ihre Tochter, ihre wahre Identität gegenüber den Freunden aufzudecken.

Ein würdiger Nachfolger für "Mein Leben in Rosarot" (1997)


Papa bringt Laure heimlich das Autofahren bei

Der bezaubernde französische Spielfilm "Tomboy" erhielt 2011 mehrere Preise schwul-lesbischer Filmfestivals, darunter den "Teddy Jury Award" der Berlinale. Die einfühlsame Erzählweise und vor allem die wunderbar gespielten Rollen von Laure/Michael (Zoé Héran), Jeanne (Malonn Lévana) und Lisa (Jeanne Disson) öffnen das Herz und das Verständnis des Zuschauers für den Konflikt, dem all die Kinder ausgesetzt sind, die sich in den Rollen ausprobieren wollen, die sie instinktiv als die richtigen für sich erkennen. Und wie schwer es einem dabei das Umfeld macht, dass in der Regel die Umsetzung der üblichen Geschlechterrollen erwartet und voraussetzt.

Anders als der ebenfalls aus Frankreich stammende Film "Mein Leben in Rosarot", in dem ein kleiner Junge liebend gern ein Mädchen wäre, setzt "Tomboy" nicht auf die camp-kitschige Traumwelt, die sich der Knabe Ludovic ausdenkt, und weniger auf das Drama, das sich in dem Kinohit von 1997 entfaltet. Regisseurin Céline Sciamma bleibt in "Tomboy" ganz nah dran an den Personen, ihrem Alltag und ihren Gefühlen. Laure nutzt die Chance, wenigstens für kurze Zeit jemand anders zu sein. Soviel Mut wünscht sich manch anderer auch, bleibt dann aber doch in seiner Haut.

Youtube | Der offizielle Trailer zum Film
Galerie:
Tomboy (Spielfilm, F 2011)
6 Bilder


#1 TashaAnonym
  • 11.10.2012, 11:20h
  • Ein "Mädchen, das gern ein Junge" wäre? Von der heteronormativen Mainstream-Presse erwarte ich ja so ein plumpes binäres Schubladen-Bestücken - aber bei einem (von mir sehr gern gelesenen) Magazin, das sogar das "queer" im Namen trägt, hätte ich mir wirklich ein paar mehr Zwischentöne erhofft.. Schade..
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Lapushka
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 11.10.2012, 17:14h
  • Der Film wurde zurecht mit Preisen überhäuft! Es lebe das nouvelle cinéma de la France!
  • Antworten » | Direktlink »