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  • 12.10.2012           17      Teilen:   |

Moskau: Randalierer stürmen LGBT-Party

Bei dem Überfall auf den Club wurden mehrere Personen verletzt - Quelle: Elena Kostyuchenko
Bei dem Überfall auf den Club wurden mehrere Personen verletzt (Bild: Elena Kostyuchenko)

In Mokau haben am Donnerstagabend rund 15 Personen einen Club gestürmt, in dem eine schwul-lesbische Feier zum Internationalen Coming-out-Tag stattfand. Mindestens vier Teilnehmer wurden verletzt.

Die deutsch-russische Gruppe Quarteera spricht auf ihrer Homepage von einem "Pogrom". Berichte von Augenzeugen zufolge waren rund 100 Menschen im Club "7freedays". "Plötzlich stürmten ca. 15 Personen mit chirurgischen Masken und Kapuzen in den Klub hinein", so die Augenzeugin Xenia. "Sie begannen, den Klub zu zerstören, Tische umzustoßen und Menschen zu schlagen." Der Vorfall ereignete sich um 21.30 Uhr Ortszeit. Einigen Berichten zufolge wurde der Barkeeper mit einer Pistole bedroht, um keinen Notruf absetzen zu können; mit der Waffe wurden die Gäste auch von der Flucht abgehalten.

Drei Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, darunter eine Person mit einer Gehirnerschütterung und eine Frau mit Splittern ihrer Brille im Auge, mehrere weitere verletzte Personen wurde vor Ort behandelt. Einem Mann war eine möglicherweise ätzende Flüssigkeit ins Auge gespritzt worden.

Fortsetzung nach Anzeige


Die Polizei traf erst nach 30 Minuten ein

Im LGBT-freundlichen Club "7freedays" fand am Donnerstag eine Party und ein Konzert statt. Rund 100 Schwule und Lesben feierten den Internationalen Tag des Coming-outs.
Im LGBT-freundlichen Club "7freedays" fand am Donnerstag eine Party und ein Konzert statt. Rund 100 Schwule und Lesben feierten den Internationalen Tag des Coming-outs.

Später ermittelte die Moskauer Polizei in dem Club und vernahm die Augenzeugen, die sich auch über ein spätes Eintreffen der Beamten beschwerten – in einigen Berichten ist von 30 Minuten die Rede, die die Polizei nach den ersten Notrufen brauchte. In einer Meldung der Zeitung "Novaya Gazeta", die auch eine Bildergalerie zum Vorfall bietet, ist von bis zu 20 Randalieren die Rede, die "Ihr wollt eine Schlägerei? Ihr bekommt eine" geschrieen hätten. Sie verwüsteten den Club und schlugen und traten auf die Besucher ein.

Nach wenigen Minuten flüchteten die Männer, die einigen Medienberichten zufolge teilweise kahlgeschorene Köpfe gehabt haben sollen. Möglicherweise war die Attacke vorbereitet: Augenzeugen berichten, vor dem Eintreffen des Mobs seien zwei Personen in Anzügen in dem Club erschienen, die nicht zu den normalen Gästen passten. Kurz vor der Attacke seien sie verschwunden.

Einer der Organisatoren der Feier, Pavel Samburov, glaubt ebenfalls, dass Nationalisten an dem Überfall beteiligt waren. Ein Augenzeuge sagte dem Portal "Life News", er habe am Abend zuvor eine ähnliche Attacke auf einen anderen Club gesehen. Dafür gibt es zunächst aber keine weitere Quelle.

"Es gibt keinen Zweifel, dass dieses Verbrechen von Homophobie motiviert war", sagte der Vorsitzende des LGBT-Network, Igor Koschetkow, am späten Abend. Man werde alles tun, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Er bot den Opfern rechtliche Unterstützung an.

Diskussion über Schließung von Homo-Clubs

Ein Sanitäter kümmert sich um einen Verletzten - Quelle: Elena Kostyuchenko
Ein Sanitäter kümmert sich um einen Verletzten (Bild: Elena Kostyuchenko)

Nach Informationen von Konstantin Sherstyuk von der Gruppe "Rainbow Association", die die Party organisierte, war einer der Überfallenen in diesem Jahr als Gast beim Berliner CSD dabei – deutsche und eingeladene russische Aktivisten hatten die Diskriminierung in Russland zum Thema gemacht (queer.de berichtete).

Zu der angeprangerten Diskriminierung gehören die Gesetze gegen "Homo-Propaganda", die in immer mehr Regionen Russlands erlassen werden. In den letzten Tagen hatten Vertreter der Organisation "Volkskonzil" damit begonnen, Unterschriften für ein entsprechendes Gesetz in der russischen Hauptstadt zu sammeln.

Der Vorsitzende der homophoben Bündnisorganisation, Oleg Kassin, hatte gesagt: "Wir werden ein Verbot der Propaganda von sexueller Perversion in der Hauptstadt erwirken. Vor allem ist es notwendig, die existierenden Gay-Clubs zu schließen, die unmittelbar daran arbeiten, labile Seelen in die homosexuelle Gemeinschaft zu locken." Mehrere Parlamentsabgeordnete hatten dafür ihre Unterstützung zugesagt.

LGBT-Aktivisten befürchten, dass diese Forderung der Schreibtischtäter die Schlägerbande erst motiviert hat. Der LGBT-Aktivist Nikolai Aleksejew erinnerte am Freitag daran, dass bisher kein anti-schwuler Gewalttäter verurteilt wurde. Allein beim vom ihm organisierten Moskauer CSD gab es immer wieder Gewalt, 2006 wurde Volker Beck verletzt, ein Jahr später der britische Aktivist Peter Tatchell und im letzten Jahr die Journalistin Elena Kostyuchenko, die nun auch Augenzeugin des Vorfalls am Donnerstag wurde. Obwohl teilweise bekannt und angezeigt, wurde kein Täter verurteilt. Ebenso wenig wie nach einer Attacke von Nationalisten auf einen Bus beim Internationalen Tag gegen Homophobie in St. Petersburg in diesem Mai (queer.de berichtete) oder nach einer Serie von Überfallen auf schwule Clubs in der Hauptstadt vor einigen Jahren. "Die Liste hört nicht auf", so Aleksejew. Verantwortlich dafür seien auch die Mächtigen, die Hysterie schürten und Vorfällen wie diese dazu auch noch nutzten.

Die Polizei sagte am Freitag, sie untersuche die Videos der Überwachungskameras des Clubs. In einem Radio-Interview lehnte Oleg Kassin die Verantwortung für die Tat ab: "Wir operieren nur innerhalb des Gesetzes." In den nächsten Tagen werde man weiter für ein Verbot von "Homo-Propaganda" kämpfen.

Eine Person, die Frau mit der Glasverletzung im Auge, befindet sich weiterhin im Krankenhaus. Das "7freedays" will am Freitag wieder öffnen.

Volker Beck gibt Wladimir Putin Mitschuld

Der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck erklärte am Freitag, dass die "geistigen Brandstifter, die Schwule und Lesben öffentlich diffamieren" eine Mitschuld an dem Überfall trügen. "Letztlich trägt auch Präsident Putin Verantwortung, dem antihomosexuelle Hetze als Ablenkung von seinem korrupten Regime hoch willkommen ist", erklärte Beck. Putins Russland sei "das Gegenteil von einem Rechtsstaat" und "deshalb kein strategischer Partner Deutschlands". (nb)

Nachtrag, 16.40h Noch ein Stück bitterernste Realsatire: Der orthodoxe Priester und Aktivist Igumen Sergij hat Verständnis für die Angreifer gezeigt. "Die Heilige Schrift schreibt vor, all diese Leute mit nichttraditioneller Orientierung zu steinigen. Solange diese Unmenschen nicht vom russischen Boden verschwinden teile ich die Ansichten derer, die versuchen, unsere Heimat von ihnen zu reinigen. Wenn der Staat dazu nicht in der Lage ist, wird es das Volk selbst tun." Zu seinem Bedauern dürfe er als Priester nicht an solchen Aktionen teilnehmen.

Youtube | Ein Video-Bericht mit Bildern von vor und nach der Attacke
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Tags: russland, moskau, gewalt
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Reaktionen zu "Moskau: Randalierer stürmen LGBT-Party"


 17 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
12.10.2012
00:34:30


(+2, 2 Votes)

Von GF Pr von Pr


In einem normalen, demokratischen Staat koennte dieser Vorfall als Argument fuer mehr Toleranz fuer Schwule dienen. Leider wird es in Moskau bzw. Russland sehr wahrscheinlich ganz umgekehrt geschehen - so im Sinne: da die Homosexualitaet so viel Unruhe in unserer guten, braven Gesellschaft macht, dann muss sie verboten sein, je schneller, desto besser. Die Logik der russischen Psychologie bei solchen Faellen war und ist immer: Opfer, nicht Taeter sind schuld. Es kann sogar sein, dass der eigentliche Zweck in diesem Fall eben so ist.


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#2
12.10.2012
00:39:40


(+4, 6 Votes)

Von Juno


"Der Vorsitzende der nationalen Bündnisorganisation, Oleg Kassin, hatte gesagt: "Wir werden ein Verbot der Propaganda von sexueller Perversion in der Hauptstadt erwirken. Vor allem ist es notwendig, die existierenden Gay-Clubs zu schließen"

Deutschland 23.2.1933:
Erlass des Preußischen Ministeriums des Innern:
Gaststätten, die der widernatürlichen Unzucht huldigen, müssen sofort geschlossen werden

Link:
boardsteinschwubbe.de/schwulenchronic/gayhistory.p
hp#1918


man kann der russischen bevölkerung nur ans herz legen: wehret den anfängen.


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#3
12.10.2012
00:42:27


(+2, 2 Votes)

Von Lapushka


Ja genau, die Gay Clubs senden unsichtbare Gamma-Strahlen aus damit sie unbescholtene Bürger dazu zwingen, die Clubs zu betreten und schwul/lesbisch zu werden. Wie kann so eine Masse an Menschen so dermassen bekloppt sein?
Obwohl, das kommt ja häufiger vor.

Dieses Propaganda-Gesetz hätte nie verabschiedet werden dürfen und wenn, dann hätte man wenigstens konkret definieren müssen was Propaganda ist.

Wenn es nun schon Propaganda sein soll, dass fernab von der Öffentlichkeit gefeiert wird, was kommt als nächstes?

Aber die russische Community scheint angesichts der Situation im Land auch zu naiv zu sein. Gibt es bei solchen Feiern keine Security oder eigene Bewaffnung damit man sich im Notfall wehren kann und ausgearbeitete "Notfallpläne"? Keine Überwachungskameras? Ist doch nicht das erste Mal, dass sowas passiert.

Aber es ist echt traurig, wenn nicht einmal mehr Rückzugsräume gelassen werden, weil der Staat auch da noch eindringen muss, was bleibt dann noch? Man mag sich echt nicht vorstellen wie es sein muss dort zu leben.

Offenbar ist das in Russland generell etwas krass. Im Spiegel stand neulich, dass es in öffentlichen Verkehrsmitteln keine Rampen für Rollstuhlfahrer gibt und Behinderte schon mal trotz Reservierung aus Restaurants geworfen werden weil sie den anderen Gästen den Appetit verderben. Was ist das bloß für eine Mentalität?


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#4
12.10.2012
00:45:59


(+1, 3 Votes)

Von Lapushka


Und regiert werden sie von ihm hier.

Youtube-Video:


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#5
12.10.2012
07:05:17


(+7, 9 Votes)

Von Lupenbrück


Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften (rechts im Bild)

Bild-Link:
putin_koepff_schroeder.jpg


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#6
12.10.2012
07:19:25


(+8, 10 Votes)

Von Steinmerkel
Antwort zu Kommentar #5 von Lupenbrück


"Zu den primären Zielen der Russischen Akademie der Wissenschaften gehören vor allem grundlegende Forschung im Bereich von Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften, die auch dazu beitragen soll, die soziale und geistige Entwicklung der russischen Gesellschaft voranzutreiben. Dies schließt auch die Auswahl und Förderung von begabten Nachwuchsforschern mit ein."

Link:
de.wikipedia.org/wiki/Russische_Akademie_der_Wisse
nschaften


„Erstens ist die sozial-politische Lage im Lande günstig für eine Umsetzung dieser Idee. Russlands Behörden haben anscheinend den Kurs auf eine Mobilisierung der Gesellschaft eingeschlagen und begründen das mit unerwarteten äußeren und inneren Bedrohungen“, berichtet das Blatt.

Eine Popularisierung des Verteidigungsbewusstseins sowie eine aktive Suche nach einer patriotischen Ideologie seien im Gange.

Link:
de.ria.ru/politics/20121011/264671156.html


"Einer der Organisatoren der Feier, Pavel Samburov, glaubt ebenfalls, dass Nationalisten an dem Überfall beteiligt waren."

"Weiterhin übernehmen wir gesellschaftliche Verantwortung durch unsere zahlreichen Aktivitäten und langjährigen Partnerschaften in den Bereichen Kunst und Kultur, Gesundheit und Soziales, Jugend und Bildung sowie Sport, denn es ist uns sehr wichtig den gesellschaftlichen und interkulturellen Dialog aktiv zu unterstützen."

Link zu www.gazprom-germania.de

Bild-Link:
image.jpg


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#7
12.10.2012
07:47:31


(+9, 11 Votes)

Von Da Gangstas
Antwort zu Kommentar #6 von Steinmerkel


"die soziale und geistige Entwicklung der russischen Gesellschaft voranzutreiben. Dies schließt auch die Auswahl und Förderung von begabten Nachwuchsforschern mit ein:

AGENT 2010, Bildmitte

Bild-Link:
3c1c0fb17061.jpg


"Ausdrücklich lobten die Akademiemitglieder die Arbeiten Schröders zur Sozialdemokratie, unter anderem in dem gemeinsam mit dem früheren britischen Premierminister Tony Blair verfassten Papier "Der Weg nach vorne für Europas Sozialdemokraten". (AGENDA 2010)

Link zu www.sueddeutsche.de

Metropolit Josif, Diözese Ivanovo: „Ich würde mich hiermit gerne bei den Deutschen bedanken, dafür, dass sie allein in unserer Region über 50 Projekte fördern und so an Russlands seelischem Wohl teilhaben. Ich wünsche allen, die Mittel für die Nikolaus-Stiftung bereitgestellt haben, Wohlergehen und Gottes Segen.“

Link zu www.wdr.de

Link zu www.pravoslavie.ru


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#8
12.10.2012
08:10:11


(+8, 8 Votes)

Von Nico


Das sind die Folgen, wenn Politik und Kirche uns als Untermenschen hinstellen. Da entsteht ein gesellschaftliches Klima, das sowas erst ermöglicht.

Manche bestreiten diesen Zusammenhang ja gerne, aber es zeigt sich immer wieder, dass es diesen Zusammenhang gibt.


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#9
12.10.2012
09:00:06


(-1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, daß Rußland in rasanten Schritten zur Diktatur wird. Würde sich Anarchie auch noch Bahn brechen, dann kann ich nur noch sagen: Gute Nacht! Der Staat muß jetzt endlich politisch und gesellschaftlich isoliert und ignoriert werden!


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#10
12.10.2012
10:12:45


(+4, 6 Votes)
 
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