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Bundesmitgliederversammlung in Düsseldorf

Keine Experimente bei der LSU


LSU-Vize Thomas Steins, der alte und neue Vorsitzende Alexander Vogt, NRW-LSU-Chef Manuel Hase, Herausforderer Thomas Mehlkopf (Bild: Dennis Klein)

In einer Kampfabstimmung hat sich der bisherige Chef der Lesben und Schwulen in der Union, Alexander Vogt, knapp gegen Thomas Mehlkopf durchgesetzt, der die Gruppe aus einem "Dornröschenschlaf" wecken wollte.

Von Dennis Klein

"Der Tagesordnungspunkt 'Singen der Nationalhyme' fehlt", so die Klage am Samstagmorgen in der Landesgeschäftsstelle der NRW-CDU in Düsseldorf. Hier hatten sich 65 der rund 400 Mitglieder der Lesben und Schwulen in der Union zu ihrer Bundesversammlung zusammengefunden. Zu belegten Brötchen, Kaffee und Wasser wollten sie entscheiden, wie sie ihre Partei dazu bewegen können, genauso viel Herz für sexuelle Minderheiten zu entwickeln wie die Konkurrenz links von der Mitte. Vorher mussten aber die Basics geklärt werden: "Nationalhymne können wir auch ohne Tagesordnungspunkt machen", hieß es vom Podium.

Das Treffen fand zu einer Zeit statt, in der es in der Union rund geht: Seit sich im August 13 CDU-Bundestagsabgeordnete für die Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnern im Eherecht ausgesprochen haben, fragen sich die LSUler, wie sie ihre Parteien beim Thema Homo-Rechte endlich einen Ruck geben können. Schließlich rudert Bundeskanzlerin Angela Merkel derzeit wieder zurück und lehnte erst vor wenigen Tagen die Gleichbehandlung von schwulen oder lesbischen Paaren "aus eigenem Antrieb" erneut ab (queer.de berichtete).

Die wenigen Lesben und vielen Schwulen in der Union wurden bei ihrem Treffen unterstützt von der ehemaligen NRW-Landtagspräsidentin Regina von Dinter und dem CDU-Bundesvorstandsmitglied Regina Görner. Sie war 2010 aus Solidarität der LSU beigetreten. Görner appellierte, mehr Heterosexuelle wie sie in die LSU zu locken – auch weil man so den vielen versteckt lebenden Schwulen und Lesben in der Union erleichtern könnte, offen für Homo-Rechte einzutreten: "Je mehr Heterosexuelle dabei sind, desto leichter fällt es denjenigen, die sich nicht outen wollen, uns zu unterstützen."

Die wichtigste Entscheidung des Tages war der Kampf um den LSU-Bundesvorsitz: Hier konnte Amtsinhaber Alexander Vogt, der einen weniger aggressiven Kurs gegenüber der eigenen Partei führt, am Ende seinen Herausforderer Thomas Mehlkopf bezwingen: Der aus Frankfurt stammende Banker erhielt 35 Stimmen, Mehlkopf brachte es auf 29 Unterstützer. Er wurde aber später zum Vize-Vorsitzenden gewählt.

"Seelische Schmerzen"


Regina Görner: "In der Union gibt es mehr Menschen, als man denkt, die die Union unterstützen" (Bild: dk)

Zuvor hatten die beiden ihre Positionen ausgetauscht: In einer knapp halbstündigen Rede stellte Mehlkopf klar, warum er der LSU mehr Schwung geben will. Er führte dabei seine eigene Biografie an: So musste er seinen früheren Job als LSU-Vize aufgeben, weil sein kirchlicher Arbeitgeber das nicht gerne sah. Inzwischen hat er einen neuen Job. "Ich möchte so etwas nie mehr erleben, deshalb setze ich mich heute in der LSU ein".

Der 48-Jährige beklagte, dass die LSU in der Vergangenheit zu oft ein "Feigenblatt" für die Union gewesen sei: Die Partei konnte demnach homofeindliche Gesetze verteidigen und erklären, sie sei nicht homofeindlich, weil es ja die LSU gebe. "Wir haben zu lange eine moderate bis zurückhaltende Rolle gespielt. Wir haben selbst unerfreuliche Dinge begrüßt. Wir waren im Dornröschenschlaf", so Mehlkopf. So fragte er, warum man nicht unsägliche Äußerungen wie denen von Katherina Reiche oder Karl-Josef Laumann mehr entgegensetzt habe.

Wie er von Parteifreunden behandelt wurde, habe ihm oft "seelische Schmerzen" bereitet – und das nebenbei den politischen Gegnern Munition geliefert. "Ich leide an der eigenen Partei. Was nützt uns ein gutes Grundsatzprogramm, wenn wir uns nicht dafür einsetzen?", so Mehlkopf. Von Christdemokraten, die beim Atomausstieg und bei der Wehrpflicht Positionen im Eiltempo aufgegeben haben, könne man bei einem "Randthema" wie dem der Homo-Rechte ohne Angst Forderungen stellen.

Danach appellierte Alexander Vogt an die Teilnehmer, Augenmaß zu behalten: "'Konservativ' heißt für mich, Wandel erträglich zu gestalten", so Vogt. Es sei für die Gesellschaft wichtig, dass es eine Partei gebe, die nicht alles aus Gutdünken über den Hafen werfen wolle. In anderthalb Jahrzehnten, in denen die LSU existiert hat, habe man schon einen weiten Weg in der Union zurückgelegt: Während in den 90er Jahren noch Parteifreunde beim Erwähnen von Worten wie "schwul" oder "lesbisch" verschmitzt zu Boden geschaut hätten, sei die LSU nun in der Partei etabliert. Daher kämpfe man für "Akzeptanz" – und wolle die Christsozialen und Christdemokraten in Zukunft davon überzeugen, dass eine Öffnung der Ehe der beste Weg für alle Beteiligten sei.

Dialog oder Konfrontation?


Ronny Pohle (links) bleibt im LSU-Vorstand

"Offene Kritik an Parteifreunden scheuen wir nicht", beteuerte Vogt weiter. Manche Aktionen gingen aber zu weit. Er erinnerte dabei an die Strafanzeige des Noch-Bundesgeschäftsführers Ronny Pohle gegen die Äußerungen von Thomas Goppel, der auf Facebook über "Qualitätsunterschiede" zwischen Hetero- und Homosexuellen philosophiert hatte (queer.de berichtete). Der Adressat der LSU-Aktionen sei die eigene Partei – und der Dialog mit ihr breche ab, wenn man mit der Keule auf Parteifreunde einschlage, so Vogt.

Pohle, der in der Vergangenheit oft mit deftiger Sprache diskriminierende Äußerungen aus den eigenen Reihen kommentierte, wurde von den Mitgliedern abgestraft. Er kandidierte nicht mehr als Geschäftsführer, wollte aber als als Beisitzer im Bundesvorstand im LSU-Boot bleiben. Hier traten bei der Abstimmung elf Kandidaten für neun Sitze an: Pohle erreichte in der Abstimmung den neunten Platz und rutschte damit äußerst knapp in den Vorstand. "Ich werde weiter nerven. Und das kannst du auch schreiben", versprach er nach der Verkündung des Abstimmungsergebnisses.



#1 alexander
  • 13.10.2012, 20:56h
  • zu schön, dieses "kasperletheater"!
    sollten sie doch das absingen der nationalhymne am besten in ihren burschenschaften tätigen. es stört dann weniger und nach dem 10. bier sind die "mannmännlichen stimmen" so richtig geölt !

    ansonsten warten die DORNRÖSCHEN IM TIEFSCHLAF weiter auf den prinzen der sie so richtig und deftig- heftig wachküsst ???

    wenn man überdenkt, dass diese lackel in "höheren positionen arbeiten" und verantwortung (beruflich) tragen müssen, muss man sich nicht mehr über unsere gesamte politikerkaste wundern, die ohnehin den eindruck von "ferngesteuerten unterhosen" macht, am steuer "angie mit dem joystick"!
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#2 GF Pr von PrAnonym
  • 13.10.2012, 21:12h
  • Schade. Einen katholischen Theologen Thomas Mehlkopf als den Vorsitzenden der LSU zu erleben waere es bestimmt noch interessanter als eine geschiedene ewangelische Frau aus dem Osten auf dem Thron der CDU. Zwar bemuehen sich Aussenseiter sehr oft so schnell wie moeglich dem Mainestream anzupassen (Merkel ist exakt so ein Beispiel), ein zweimal Aussenseiter Thomas (als katholischer Theologe Vorsitzende einer Homo-Gruppe und als Schwuler Mitglied der homophoben Partei Deutschlands) waere wohl eine sehr interessante Wahl gewesen. Zumindest soziologisch gesehen.
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#3 Frau SchmidtAnonym
#4 stephan
  • 13.10.2012, 23:25h
  • Lächerlich! Die ganze Truppe! Wahrscheinlich einer der wenigen Punkte in denen ich mit Merkel einig bin!
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#5 KerouaclyAnonym
#6 Simon HAnonym
  • 14.10.2012, 11:33h
  • Natürlich, wo käme man da hin, wenn jemand Vorsitzender würde, der mal was ändern will. Am Ende würde der sogar noch Verbesserungen fordern.

    Da ist es natürlich viel wichtiger, ob die Nationalhymne ohne Tagesordnungspunkt gesungen werden kann oder nicht.

    Die bleiben lieber die Arschkriecher-Gruppe, die ihren homophoben Vorbildern nach dem Mund redet, weil sie so gerne dazugehören würde. Werden sie aber nie.
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#7 Julian ACAnonym
  • 14.10.2012, 12:04h
  • "Pohle, der in der Vergangenheit oft mit deftiger Sprache diskriminierende Äußerungen aus den eigenen Reihen kommentierte, wurde von den Mitgliedern abgestraft."

    Ja klar, bloß nicht die Dinge offen beim Namen nennen. Das "geht zu weit".

    Das ist das Duckmäusertum und der Opportunismus, den man braucht, um in der CDU/CSU zu sein.
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#8 Ellen GchosAnonym
  • 14.10.2012, 14:50h
  • Immerhin arbeitet die CDU im Bereich "Keine Experimente" hart an ihrer Frauen-Quote!

    Ein Gutachter der Universität Düsseldorf wirft Bildungsministerin Annette Schavan nach Informationen der F.A.Z. eine leitende Täuschungsabsicht beim Verfassen ihrer Dissertation vor.
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#9 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.10.2012, 18:36h
  • Wie die Abstimmung denn wohl ausgegangen wäre, wenn Smartie Ronny Pohle seine Kandidatur nicht zurückgezogen hätte?
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#10 LSU wozuAnonym