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Immer mehr suchen den unsafen Sex-Kick ohne Gummi im Internet. Sollen die Portale Barebacker ausschließen? Oder muss jeder selbst wissen, was er tut?

PRO: Barebacker raus!
Von Christian Scheuß, queer.de

"Beim Blasen: Raus, bevor es kommt, ficken nur mit Kondom". Das waren Safer Sex-Regeln, die als Antwort auf die Bedrohung durch AIDS in den Achtzigern in der Szene formuliert und in der Community kommuniziert wurden. Allseits akzeptiert und eingeübt, versuchten sich die meisten mit den lästigen Einschränkungen ihrer Sexualität zu arrangieren, denn ihnen war ihr Leben lieb. Der Konsens scheint zerstört, das Ficken ohne Kondom und der Verzicht auf Safer Sex hat einen neuen schicken Modenamen bekommen. Bare klingt ja auch irgendwie geiler als unsafe. Auf Plattformen wie barebackcity.de kommen plötzlich Tausende zusammen, die den Kitzel des "Verbotenen" auskosten, die auf Nichts beim Sex verzichten wollen, auch nicht auf das Risiko. Über die Gründe dieses Verhaltens wäre noch zu forschen, die AIDS-Hilfen haben bislang keine passende Antwort parat.
Auch nicht – und vor allem – die schwulen Internetportale. Im Gegenteil. Die Suche nach Leuten, die es ohne machen wollen, ist einfach, der nächste Barebacker nur ein paar Mausklicks entfernt. In den Clubs innerhalb der Datingplattformen gibt es eigene Barebackertreffs, ein Bareback-Profilname wird problemlos zugelassen. Da haben die Programmierer offensichtlich die Prämisse der (sexuellen) Selbstbestimmung nicht richtig kapiert. Zumindest haben sie in falsch verstandener Liberalität den Safer Sex-Konsens mutwillig verlassen. Die virtuellen Hausherren von gayromeo, gaychat und Co. wären in der Lage, zu sagen: Was ihr im Bett miteinander aushandelt, ist tatsächlich Euer Ding, aber wir bieten Euch keine Plattform für ein weiterhin gesundheitsschädigendes und verantwortungsloses Verhalten. Ganz simpel, so wie beim Rauchverbot in Büros, das ja inzwischen gesellschaftlich akzeptiert ist und allen nutzt. Deshalb: Barebacker raus! Und weiterhin: "Raus, bevor es kommt"…

KONTRA: Keine Zensur der Lebensentwürfe!
Von Norbert Blech, queer.de

Die Diskussion um Bareback-Profile ist sicher notwendig, aber sie greift die Falschen an. Warum sollten die Dating-Portale die Interessen ihrer User ignorieren, gar zensieren? Wenn Positive ungeschützt ficken wollen - dann ist das ihr gutes Recht. Es gibt die Gefahr einer Zweitinfektion mit einem anderen Virenstamm, aber das Risiko muss jeder selbst eingehen oder ablehnen. Wenn bisher Negative mitmachen wollen, ist das ebenfalls ihre Entscheidung. In allen Fällen ist es sicher und zweifellos notwendig, Barebacker an ihre Verantwortung zu erinnern. Im Befehlston hieße das in etwa: Ficke nur jemand ungeschützt, der dazu eine klare, bewusste Entscheidung getroffen hat. Ein Teenager mitten im Coming-out, geplagt von Zweifeln und Identitätskrise, wird nicht immer 'Nein' sagen - eine bewusste, durchdachte Entscheidung ist das nicht. Es ist in der Tat erschreckend, wieviele Profile auch und gerade von jungen Schwulen unter Safer Sex "nie" oder "nach Absprache" enthalten. Doch Zensur und Verbote helfen hier auch nicht, wirken kontraproduktiv. Vielmehr ist die Szene gefordert, das Bewusstsein für HIV wieder zu schärfen; hier sind vor allem auch Positive gefordert, sich wieder offen in der Szene zu zeigen, auf ihre Krankheit und all die damit verbundenen Qualen zu verweisen - damit die Entscheidung zum Unsafe Sex in Gänze durchdacht werden kann. Fällt sie trotzdem, so ist sie zu akzeptieren. Die Zeiten, in denen vorgeschrieben wurde, wer wann mit wem und wie ins Bett zu gehen hat, sind gottseidank vorbei. Im übrigen: die meisten Infektionen passieren noch immer bei Frisch-Verliebten, in Partnerschaften. Soll man deswegen die Dating-Portale ganz schließen?



129 Kommentare

#1 marcoAnonym
  • 12.10.2004, 16:54h
  • sage dazu folgendes:..

    es wird endlich Zeit BAREBACK
    gesetzlich zu verbieten!!!

    Siehe dazu.
    GAYROMEO & BAREBACKCITIE
    2 Chat Seiten die das ganze regelrecht unterstützen..
    man(n) gebe nur mal in romeo unter CLUBS ein Stichwort Bareback,und siehe da über 100 Treffer...

    in Royal, zum grossen glück wesentlich weniger...

    auch sollte bareback öff unterbunden werden...
    ausgerechnet zum Folsom Veranstaltung,wurde im Prenzlauer Berg bis auf die Tanzfläche hinaus Bareback betrieben...muss das wirklich sein???

    nur als beispiel...und die Aids Aufklärung,ist auch sehr mangelhaft geworden...

    Die Schwulen sollten endlich begreifen:ES GIBT KEIN HEILMITTEL GEGEN AIDS...alle medikamente ,die es gibt ,sind keine Heilmittel,sondern verlängern nur das leben....sterben wird man trotzdem,nur nicht sofort !!!!!!

    Traurig,einfach traurig sowas...
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#2 henricAnonym
  • 12.10.2004, 17:16h
  • Klar, sicher.. am besten gleich ALLE zum Zwangstest, anschliessend drei bis sechs Monate in Einzelquarantäne und die Positiven alle in eine große Gaskammer (diesmal vielleicht mit Poppers statt ZyklonB). Sollen sie sich doch dort zu Tode barebacken; irgendwann wird der letzte schon das Licht ausmachen (achso, ´tschuldigung, ist ja ´n Darkroom!)
    Sag mal, Scheuss, wie fändest Du es eigentlich, wenn man Dir das Reden verbietet? Und an die, die sich mit in seinem Bott befinden: Findet Ihr es eigentlih normal, in welch nazistischer Art und Weise Ihr hier gegen die grundgesetzlich geschütze Freiheit der sexuellen Identität loswettert?? Bei allem Respekt vor der Benutzung eines Kondoms und dem Schutz der Gesundheit meines Fickpartners: Wahrscheinlich habt Ihr zuviele Gummis benutzt, aus denen irgendwelche Substanzen wie Weichmacher austreten. Selbst ein Toxoplasmosekranker kann nicht so einen Schwachsinn von sich geben, wie Ihr es hier tut. Konsequenterweise müsstet Ihr nämlich das ungeschützte Ficken generell verbieten, egal in welcher Konstellation. Das heisst dann aber auch: Keiner mehr da, der Euch später die Rente zahlt. aber ist ja egal; die Kondomindustrie wird sich eine derartige verdeckte PR schon was kosten lassen; das reicht ja ´ne Weile..

    Ganz egal, ob ich nun auch ein Barer seine sollte oder nicht: Alle Barebacker haben meine vollste Sympathie - genauso wie alle, die sich bewusst für das Kondom oder geschützen Sex entscheiden. Aber Typen, die sich erdreisten, anderen Leuten vorschreiben zu wollen, was sie zu tun oer zu lassen haben, gehören für mich in die Tonne. ´
    Fickt, wie es EUCH passt !!
    Henric.
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#3 rainerAnonym
  • 12.10.2004, 17:34h
  • ich bin absolust dafür, bareback strafrechtlich zu verfolgen. es handelt sich nämlich um vorsätzliche tötung (auf zeit) mit einverständnis des partners.
    es ist eben nicht mehr ein problem einer aidskranken minderheit. die kosten für renten, für krankheitskosten, sozialhilfe nach der berufsunfähigkeit müssen wir alle mit den geldern aus den sozial- und steuerkassen tragen.
    aber da rufen die aidskranken sicher nach solidarität.
    ich kann nur sagen, wer sich heute noch mit hiv infiziert hat selber schuld.
    ich hab gottseidank glück gehabt, und hab schon seit über 20 jahren vorsichtig gehandelt als ich in das schwule paradies köln gezogen bin und seit dem lieber safer sex betrieben. ich bin jetzt 47 j. und immer noch kern gesund. ...wie gesagt, glück gehabt. aber die menschen, die sich heutzutage für sex mit einem mitmenschen entscheiden, haben ihr schicksal noch selbst in der hand.
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#4 StefanAnonym
  • 12.10.2004, 17:50h
  • NICHT AUFREGEN, JUNGS!

    diese wirklich schon faschistoid anmutenden äußerungen selbsternannter barebackpolizisten basieren lediglich auf neid. und zwar, weil barebacker sich die freiheit nehmen, das zu tun, was ihre gegner auch gerne wollen, sich aber nicht trauen.
    und was ich sonst noch so lese hier...
    tötung auf zeit - so´n blödsinn! tötung ist es erst, wenn jemand tot ist - und wahrscheinlich ist in dem fall der "täter" sowieso eher tot als das "opfer", wenn das "opfer" nicht schon vorher infiziert bzw. erkrankt war. ich frage mich, wie du das mit der strafrechtlichen verfolgung durchsetzen willst. steht bei jedem fick ein bulle daneben?? naja, zugegeben, hat ja auch was geiles! *fg*
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#5 FairbäckerAnonym
  • 12.10.2004, 18:33h
  • So, nu haben wir zwei kontra, zwei pro (oder wenigstens Sympathisanten), den ach so schicken Nazivergleich auf beiden Seiten, aber immer noch herzlich wenig Antworten auf das Warum? Dazu hätt ich gern die Barebacker-Fraktion befragt: was ist euer Grund?

    Und die ganze Diskussion krankt meiner Meinung nach an den schlecht gezogenen Definitionsgrenzen. Rein technisch ist in der Tat der vom Papst so befürwortete Zeugungsakt auch barebacken... also was gibts da für Abgrenzungen, wer darf getrost und sozial akzeptiert ohne Gummi?

    Zwei sich seit Jahren treue, beide negative Partner?
    Zwei sich seit Jahren treue, beide *positive* Partner?
    Dürfen Negative sich pozzen (also bewusst anstecken) lassen?
    Dürfen Positive einen Negativen mit dessen Einverständnis pozzen?
    Der anonyme Fuckbuddy aus dem Darkroom, dessen Handynummer falsch ist, und sein Glory-Hole-Freund, dürfen die?
    Die Heten?
    Schäfer und Schaf?

    Wo ist bei wem die Grenze gezogen? Und das Wichtigste: warum geht jeder stillschweigend davon aus, dass schon alles okee ist - etwa nur, weil ein vorheriger kurzer Wortwechsel die geile Situation verkrampft?

    Fahrlässig ist es in jedem Fall, wenn man dieses kleine Detail seinem Opfer in der Sling verschweigt. Auch im Sinne des Gesetzes.
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#6 torstenAnonym
  • 12.10.2004, 19:09h
  • Nüchtern betrachtet ist das Leben an sich doch auch nichts weiter als eine sexuell übertragbare Krankheit, die ebenfalls in jedem Fall tödlich verläuft.
    Sollte ich deshalb darauf verzichten?
    Ihr müßt keinen unsafen sex haben, niemand zwingt euch, jeder kann sich frei entscheiden.
    Aids ist eine (Lern-)Aufgabe an die ganze Gesellschaft und ihr Thema ist ganz einfach (eigentlich): Bedingungslose Liebe
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#7 gregorAnonym
  • 12.10.2004, 19:52h
  • ein verbot bringt doch gar nix
    als ob das eine rolle spielen würde wenn man solche angebote aus dem netz verbannen würde
    bareback ist einfach in den köpfen drin
    safer sex ist out da hilft auch keine aufklärung mehr weil die leute abgestumpft sind
    so siehts doch aus
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#8 TorstenAnonym
  • 12.10.2004, 21:09h
  • also .. bareback ja oder nein .. es muss jeder selbst wissen .. erfahrungsgemäß jedoch ist die frage überflüssig wenn das kleinhirn in der hose das denken übernommen hat .. was vorher noch guter vorsatz war, ist in anbetracht der erregung schnell vergessen .. ich bin froh das bei royal bareback weitgehenst unterbunden wird.. in profilen .. anzeigen und galerien wird alles diesbezüglich entfernt .. was die leute jedoch später im one2one chat machen ist und bleibt deren sache .. in dem punkt ist jeder für sich und sein verhalten selbst verantwortlich .. es gehören immer 2 dazu.
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#9 Franz BiberkopfAnonym
  • 12.10.2004, 21:11h
  • Das Thema barebacking wird leider viel zu moralisch angegangen noch bevor man sich diesem Phänomen konkreter zugewandt hat. Dies gilt sowohl für die Pro als auch für die Kontra-Position.
    Eine Versachlichung der Diskussion tut not. Die zentrale Frage muss doch lauten: Wie ist es dazu gekommen? Diese Frage müsste ersteinmal geklärt werden bevor man in Aktionismus übergeht.
    Wir als etuxx-Redaktion haben zusammen mit den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz auf dem Kongress "HIV im Dialog" einen workshop angeboten um eine erste sachliche Diskussion darüber zu führen, zu einem Ergebnis sind wir - wie abzusehen war - nicht gekommen. Aber wir haben ersteinmal Faktoren die das Phänomen bedingen gesammelt um daraus Konsequenzen für eine einflussreiche/erfolgreiche Präventionsarbeit zu finden.
    Wir denken einer der Faktoren ist ein egozentrischer Hedonismus innerhalb einer zunehmend neoliberaleren Gesellschaft. (Aber wie gesagt es ist nur ein Faktor).

    Problematisch sehen wir allerdings eine Poltik an die auf Verbote setzt, diese habe nur in den seltensten Fällen zu Erfolgen geführt.
    Mit einer emanzipatorischen Kritik ist dies nur schwerlich vereinbar.

    weiter Informationen und Open-Posting:
    www.etuxx.com

    zu barebacking:

    www.etuxx.de/diskussionen/foo268.php3

    Beste Grüße Franz B.
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#10 Jörg FischerAnonym
  • 12.10.2004, 22:01h
  • Es ist fast schon typisch: Da ist etwas, was man nicht gut oder schlecht findet - was tut der anständige Deutsche? Er ruft nach dem Staatsanwalt, der Staatsmacht, Polizei ins Schlafzimmer, "Täter" ab in den Knast. Und dann ist alles wieder gut, die Guten sind wieder unter sich und versichern sich gegenseitig ihre Symphatie und das sie zu den Guten gehören.

    Grundsätzlich gilt: Was zwei oder mehr Beteiligte im gegenseitigen einvernehmen, aus freien Stücken und unter Abschätzung der Konsequenzen tun, geht niemanden etwas an. Aber so eine Herangehensweise ist natürlich anstrengender, als der krude Ruf nach Verboten, Zensur und der allmacht unseres gelobten Staates.
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