Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?17699

Kein Vorbild: Jeder vierte Lehrer lacht vor der Klasse über homophobe Witze (Bild: www.audio-luci-store.it / flickr / by 2.0)

Studie aus Berlin: 62 Prozent der Grundschüler verwenden "schwul" oder "Schwuchtel" und 40 Prozent "Lesbe" als Schimpfwort.

Von Carsten Weidemann

Alarmierende Ergebnisse einer Studie aus Berlin: Laut der am Mittwoch vorgestellten Studie "Akzeptanz sexueller Vielfalt an Berliner Schulen" verwenden 62 Prozent der Grundschüler der sechsten Klasse "schwul" oder "Schwuchtel" sowie 40 Prozent "Lesbe" als Schimpfwort. Über diskriminierendes Verhalten gegenüber Mitschülern, die homosexuell sind bzw. für homosexuell gehalten werden, berichtet durchschnittlich jeder dritte Schüler in der Hauptstadt.

Homophobie ist laut der im Auftrag der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft von Dr. Ulrich Klocke erstellten Studie nicht nur an Grundschulen, sondern über alle Schulformen hinweg zu beobachten, wenn auch unterschiedlich stark verbreitet. So verwenden in den Klassenstufen 9 und 10 "nur noch" 54 Prozent "schwul" oder "Schwuchtel" als Schimpfwort und 22 Prozent das Wort "Lesbe".

Dabei gibt es deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede: "Mädchen haben sehr viel positivere Einstellungen zu schwulen und bisexuellen Jungen und Männern und viel positivere Einstellungen zu gleichen Rechten von Lesben und Schwulen", heißt es in der der Untersuchung. "Zugleich zeigen Mädchen weniger diskriminierendes Verhalten als Jungen."

Schüler mit Migrationshintergrund negativer eingestellt


Nur 15 Prozent der Lehrer kennen den Inhalt der Richtlinien zu Sexualerziehung (Bild: cliff1066™ / flickr / by 2.0)

Schüler mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund haben laut der Studie "deutlich negativere Einstellungen zum Thema Homosexualität" als Jugendliche ohne einen solchen Migrationshintergrund. Zugleich lassen sich Schüler mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund eher durch das Verhalten ihrer Lehrkräfte (im negativen wie im positiven Sinne) beeinflussen.

Nicht immer kommen die Lehrkräfte dabei ihrer Vorbildfunktion nach. So lacht jeder vierte Lehrer demnach in Anwesenheit der Klasse über homophobe Witze. Zugleich kennen nur 15 Prozent der befragten Lehrer den Inhalt der Richtlinien zu Sexualerziehung an Berliner Schulen, obwohl Schulleitungen und Lehrerschaft zur Thematisierung von Schwulen und Lesben im Unterricht grundsätzlich eher positiv eingestellt sind.

LSVD sieht "großen Handlungsbedarf"

In einer ersten Stellungnahme sieht der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) "großen Handlungsbedarf": "Wir müssen verstärkt in den Grundschulen aktiv werden", forderte Geschäftsführer Jörg Steinert in einer Pressemitteilung. "Kindern Vielfalt als etwas Selbstverständliches zu vermitteln, ist einfacher, als bereits verfestigte Vorurteile bei Jugendlichen abzubauen. Aber auch die unmittelbare Sensibilisierungsarbeit mit Jugendlichen muss grundsätzlich weiter ausgebaut werden." Steinert forderte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf, den Kampf gegen Homophobie zur Chefsache zu erklären.

Für die Studie wurden 787 Schüler, 27 Lehrer und 14 Elternvertreter aus den Klassenstufen 6 bzw. 9/10 sowie 12 Schulleiter befragt.

Fachtag "Vielfalt für Fortgeschrittene"

Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) sieht großen Fortbildungsbedarf und lädt deshalb Berliner Lehrkräfte zu dem Fachtag "Vielfalt für Fortgeschrittene" am Freitag, den 7. Dezember 2012 von 9 bis 16 Uhr ein. Ort: Rathaus Schöneberg, John-F.-Kennedy-Platz 1, 10825 Berlin. Anmeldung unter regenbogenschutzkreis.de.


#1 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 25.10.2012, 08:52h
  • Es besteht auf jeden Fall akuter Handlungsbedarf! In Sachen Toleranz und Akzeptanz von Schwulen und Lesben sollten sich die Jungen mal ein Beispiel an den Mädchen nehmen! Die gehen damit nämlich viel vernünftiger mit dem Thema um!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 GuidoAnonym
  • 25.10.2012, 08:54h
  • Ein Schimpfwort ist es nur so lange, wie man es negativ besetzt - und z.B. "schwule Sau" ist biologisch schon mal "ungenau".
    Sollten wir uns nicht eher mal Gedanke machen, warum der Wortschatz heutzutage bei vielen Jugendlichen derart verkümmert ist, dass sie nicht mal originelle Beleidigungen zustande bringen??? Oha... ich werde schon wieder zynisch ... Schluß jetzt...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 TinoAnonym
#4 kwier dee eeAnonym
  • 25.10.2012, 09:43h
  • macht einen auf Sarrazin.

    Rasse und Geschlecht als Gott gegebene Eigenschaften sind schuld an Homphobie.

    Und nicht etwa die grundlegenden gesellschaftlichen Verhältnisse, welche die herrschende Geschlechterordnung, strukturelle und sonstige Gewalt und Diskriminierung (besonders brutal auch gegen Jugendliche "mit Migrationshintergrund"!!!) hervorbringen.

    Alles in allem nichts Neues, sondern die immergleiche widerliche rassistische und sexistische Propaganda!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 ptaskdeAnonym
  • 25.10.2012, 09:44h

  • Ich lebe in der Schweiz und habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht, wie in der Studie beschrieben.
    Es müsste ein obligatorisches Seminar für Lehrer eingeführt werden, bei welchem sie lernen, die Schüler zu sensibilisieren, damit niemand mehr diskriminiert wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 BallroomDancerProfil
  • 25.10.2012, 10:03hGöttingen
  • Antwort auf #2 von Guido
  • Das Problem ist, dass Kinder zwar vielleicht noch nicht genau wissen, was sie da genau sagen bzw. was das bedeutet, aber meiner Erfahrung nach schon wissen, dass sie damit etwas negatives ausdrücken (Kinder sind ja doch eher impulsiv und denken meist noch nicht so viel darüber nach, wie sie sagen können, was sie denken. Sie tuns einfach...). Ich kann auf jeden Fall bestätigen, dass ich schon als kleiner Junge, lange bevor ich selbst wusste, dass ich schwul bin (etwa 5 Jahre früher), als Schwuchtel beschimpft wurde und mir überhaupt nicht verständlich wurde, warum sie mich so nennen. Vermutlich viel ihnen nichts besseres ein...
  • Antworten » | Direktlink »
#7 BPPzAnonym
  • 25.10.2012, 10:35h
  • Antwort auf #4 von kwier dee ee
  • Es ist nunmal Fakt, dass Mirgrantenkinder (besonders Jungs) öfter zur Homophobie neigen als andere, warum sollte man das nicht laut aussprechen dürfen? ich habe selbst einen Migrationshintergrund und fühle mich nicht angegriffen, wenn ich sowas höre. Soetwas als "rassistische Propaganda" abzustempeln ist wirklich lächerlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 NickAnonym
  • 25.10.2012, 10:37h

  • Tja wundert es noch einen? Auch das schwul mehr als Schimpfwort benutzt wird als Lesbe ist kein Wunder. Die kleinen gucken das von den großen ab. Wie man selbst bei queer.de auf Facebook sieht lösen lesbische Küsse wesentlich mehr Begeisterung aus als Männer in Badehosen oder schwule Küsse. Wir sind schon als Erwachsene gewohnt lesbisches und Zährtlichkeiten unter Frauen offener zu honorieren, öffentlicher bekunden es schön zufinden und es bei weiteren Freunden und mit der Öffentlichkeit zuteilen. Ich bin mittlerweile der Ansicht das es unter Schwulen wesentlich mehr Schrankschwestern gibt als bei Lesben. Vor allem macht sich die Diskriminierung in Schulen vor allem an homophoben Äusserungen gegen Jungen fest. Ich erwarte von "unserer" queeren Gemeinschaft nicht mehr das gegen Homophobie ausreichend unternommen wird. Dazu sind wir schon zu sehr mit dem zufrieden was wir erreicht haben, oder was wir denken erreicht zu haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 daVinci6667
  • 25.10.2012, 21:04h
  • Antwort auf #7 von BPPz

  • "Es ist nunmal Fakt, dass Mirgrantenkinder (besonders Jungs) öfter zur Homophobie neigen als andere, warum sollte man das nicht laut aussprechen dürfen? ich habe selbst einen Migrationshintergrund und fühle mich nicht angegriffen, wenn ich sowas höre. Soetwas als "rassistische Propaganda" abzustempeln ist wirklich lächerlich."

    Sehr richtig. Mit Rassismus hat das nichts zu tun!

    Man darf Tatsachen nicht negieren oder unter den Tisch kehren nur weil es einem nicht ins Weltbild passt. Das könnte sich böse rächen.

    Einheimische Jungs deren Eltern sehr homoohob eingestellt sind übernehmen deren Einstellung meist leider ebenso. Das ist logisch.

    England zeigt wies besser geht. Homophobie gehört in den Schulen geächtet und Lehrer besser geschult.
  • Antworten » | Direktlink »