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  • 29.10.2012           1      Teilen:   |

"Get Together"-Treffen in Berlin

Deutsche Aids-Hilfe: "Fetter Respekt" für das Ehrenamt

Der Hans-Peter-Hauschild-Preis wurde im Berliner SchwuZ überreicht - Quelle: Christian Scheuß
Der Hans-Peter-Hauschild-Preis wurde im Berliner SchwuZ überreicht (Bild: Christian Scheuß)

Der Hans-Peter-Hauschild-Preis 2012 ging an das Frankfurter "Café Karusell". Ehrenamtler aus München und Wuppertal wurden DAH-Ehrenmitglied.

Von Christian Scheuß

"Im 29. Jahr des Bestehens der Deutschen Aids-Hilfe begeben wir uns mal in den Keller." Mit dem "Keller" ist das SchwuZ gemeint, der traditionelle wie geschichtsträchtige Treffpunkt der schwulen Community am Mehringdamm in Berlin. Pressesprecher Holger Wicht sprach diesen Satz am Samstagabend zur Eröffnung des "Get Together"-Treffens der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), meinte dies aber keinesfalls respektlos. Im Gegenteil: Dieser Abend, an dem neue Ehrenmitglieder des Dachverbandes offiziell ernannt und der Hans-Peter-Hauschild-Preis verliehen wurde, fand an einem Ort statt, der eines der Fundamente der schwulen Community darstellt – und aus der sich vor über 30 Jahren die Selbsthilfe im Kampf gegen HIV und Aids organisierte.

Nicht nur mit der Preisverleihung, auch mit der einrahmenden Fachtagung, die von der DAH jährlich durchgeführt wird, begab man sich wieder etwas näher an die Wurzeln der Bewegung. Die Tagung mit dem Titel "Ausgrenzung. Macht. Krank." fand in der alternativen "Werkstatt der Kulturen" statt. In den Jahren davor hatte man sich in repräsentativ-kühlen Funktionsraumschiffen der Deutschen Bank und der Friedrich-Ebert-Stiftung getroffen.

Auch mit den Geehrten hatte man sich ganz und gar dem Ehrenamt und deren Arbeit an der Front von Prävention und Politik von unten zugewandt. Der Münchner Hansmartin Schön und der Wuppertaler Jürgen Heimchen sind seit Samstag frisch gebackene DAH-Ehrenmitglieder. Der Hans-Peter-Hauschild-Preis ging nach Frankfurt an das schwule Seniorenprojekt "Café Karusell" im Szenetreff Switchboard.

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Akzeptierende Drogenarbeit und der Verzicht auf Macht

Neues DAH-Ehrenmitglied: Jürgen Heimchen kämpft für akzeptierende Drogenarbeit - Quelle: Elternverband für akzeptierende Drogenarbeit
Neues DAH-Ehrenmitglied: Jürgen Heimchen kämpft für akzeptierende Drogenarbeit (Bild: Elternverband für akzeptierende Drogenarbeit)

Hansmartin Schön kommt aus der Sozialarbeit für Menschen mit Behinderungen. Das positive HIV-Testergebnis im Jahr 1986 stellte zunächst all seine Lebenspläne in Frage. Ein Kuchen bildete Jahre später der Einstieg in eine neue Perspektive. Den hatte der Münchner für ein Treffen der lokalen Aids-Hilfe gebacken. Als Vorstand der Münchner Aids-Hilfe ist er nun seit 16 Jahren aktiv, seine Expertise stellte er im Delegiertenrat der Deutschen Aids-Hilfe zur Verfügung. "Seine Macht liegt im Verzicht auf die Macht", betonte Laudator Manuel Izdebski vom DAH-Vorstand. Und deutete damit an, dass im beratenden wie kontrollierenden Gremium des Dachverbandes die moderierende Diplomatie mitunter sehr gefragt ist.

Mit Jürgen Heimchen hat die DAH nun einen Vorkämpfer der akzeptierenden Drogenarbeit und der HIV-Prävention bei drogengebrauchenden Menschen in den Ehrenmitgliedsreihen. Der inzwischen 70-Jährige und seine Ehefrau hatten den Verlust ihres drogenabhängigen Sohnes zu beklagen, der an den Folgen eines Suizidversuchs in Haft verstarb. Die persönliche Betroffenheit trieb den Gewerkschafter an, sich mit dem Spannungsfeld Drogen zwischen Kriminalisierung, Therapie und Gesundheitsvorsorge zu beschäftigen. Der harten Linie von Politik wie Therapieeinrichtungen, die nur in Verbot und Abstinenz einen Weg aus Konsum und Abhängigkeit sehen, erteilte er eine Absage. Er gründete den "Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit".

Neben Information und Beratung setzt sich der Verband unter anderem für eine humanere Politik ein, die mehr auf Hilfsangebote statt Strafandrohungen setzt. Seiner politischen Arbeit ist die Gründung des bundesweit ersten Drogenkonsumraums im Jahr 2001 in Wuppertal zu verdanken. Und auch beim Beschluss der Bundesregierung von 2009, Diamorphin als Ersatzstoff für schwer Drogenabhängige zuzulassen, war er beteiligt. In einem Internetforum hatten Betroffene Heimchen dafür ihren "fetten Respekt" ausgesprochen.

Brückenbau zwischen Polittunte und Schrankhomo

Ehrenmitglied Hansmartin Schön (unten links) im Kreis seiner Vorstandskollegen der Aids-Hilfe München - Quelle: Aids-Hilfe München
Ehrenmitglied Hansmartin Schön (unten links) im Kreis seiner Vorstandskollegen der Aids-Hilfe München (Bild: Aids-Hilfe München)

Bernd Aretz, schwuler HIV-Aktivist der ersten Stunde, würdigte als Laudator die Arbeit des "Café Karusell". Das Projekt, das als offener Treff seit 2009 existiert, lockt regelmäßig ältere Homosexuelle ins Switchbord, dem Café der Frankfurter Aids-Hilfe. Es ist Teil der so genannten strukturellen Prävention, einem Konzept, das angst- und diskriminierungsfreie Lebenssituationen für Menschen schaffen will, die hauptsächlich durch HIV und Aids bedroht sind. Mit einem Mix aus Beratung, Selbsthilfe, Vorträgen und Diskussionen existiere hier – so Aretz – etwas "Grenzenloses". Es bringt nicht nur Männer zusammen, die mit dem Versteckspiel aufgewachsen seien, die älteren Generationen bleiben zudem inmitten der Szene sichtbar. Aretz: "Es baut Brücken zwischen der Polittunte und dem versteckt lebenden Homosexuellen."

Hans-Peter Hauschild, Namenspatron für den stellvertretend an Norbert Dräger von der Frankfurter Aids-Hilfe überreichten Preis, war übrigens direkt in die Gründung des Café Switchbord im Jahr 1988 verwickelt. Die lief nicht ohne Widerstände ab und kostete ihn am Ende seinen damaligen Job als Geschäftsführer der Frankfurter Aids-Hilfe. Der Hans-Peter-Hauschild Preis, 2011 erstmals ausgelobt und mit 1.000 Euro dotiert, ging im Vorjahr an Peter Lechl, dem Gründer von "Projekt Information e.V."

Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Hans-Peter-Hauschild-Preis
» Bundesverband Akzeptierende Eltern
» Aids-Hilfe München
» Aids-Hilfe Frankfurt
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Tags: dah, hans-peter-hauschild-preis, hansmartin schön, jürgen heimchen, bernd aretz
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Reaktionen zu "Deutsche Aids-Hilfe: "Fetter Respekt" für das Ehrenamt"


 1 User-Kommentar
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Die ersten:   
#1
29.10.2012
09:36:52


(0, 0 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Die Einrichtung hat den Preis absolut verdient!


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