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Über den Wolken...

Reisen in den Zeiten von Aids

  • 29. Oktober 2012, noch kein Kommentar

Diese Palme in Florida bekommen HIV-Positive nun auch mit Einreisegenehmigung zu sehen (Bild: jfl1066 / flickr / by 2.0)

Grenzenlose Mobilität für Menschen mit HIV ist nach wie vor Wunschdenken. Vor allem, wenn man länger verreisen möchte. Schlaglichter zur aktuellen Lage.

Von Christian Scheuß

Als A. vor drei Jahren den Schritt wagte von Thailand nach Deutschland zu ziehen, um zunächst die Sprache zu lernen und dann ein Betriebswirtschaftsstudium zu beginnen, stellte sich ihm nichts in den Weg. Beim Termin zur Visaerteilung in der Deutschen Botschaft beantwortete Mittzwanziger die Frage, ob eine chronische Erkrankung vorliege, mit "Nein". Einen Gesundheitscheck gab es nicht.

Nun steht für ihn und seine Kommilitonen der Kölner Uni das Auslandssemester an. Die Zusage einer Universität in Sydney hat A. bereits, es fehlt noch das Studentenvisum des australischen Staates. Und da beginnt der Stress, denn A. ist HIV-positiv. In den Antragsunterlagen muss er beantworten, welche Erkrankungen vorliegen und ob er damit rechnet, dass dies zu Aufenthalten bei Ärzten oder Krankenhäusern führen könne und damit zu Kosten für das Gesundheitssystem. Die Ergebnisse der regelmäßigen Gesundheitschecks seines Hausarztes werden nicht anerkannt. Er muss zweimal in eine 200 Kilometer entfernte Stadt reisen, weil nur dort einer der wenigen zugelassenen Ärzte die Standard-Laboruntersuchungen durchführen darf, deren Ergebnisse direkt an die Behörden geschickt werden.

Alles auf eigene Kosten und alles mit Nervenkitzel bis zum Schluss. Der Flug ist längst gebucht, sonst wären die Tickets zu teuer. Die Verunsicherung, ob er in diesem undurchschaubaren System einen Fehler gemacht hat, ist groß. Doch dann die Erlösung: Zwei Wochen vor dem Abflugtermin erhält er das Visum. A. ist erleichtert, aber auch sauer: "Nur weil ich Thailänder bin, musste ich zusätzliche Untersuchungen über mich ergehen lassen (Tuberkulose), die Europäer nicht machen müssen. Das Risiko, wegen meiner HIV-Infektion eventuell abgewiesen zu werden, ist eine zweite Diskriminierung."

Ein Anfang: Einreiseverbote sind in den USA und China gefallen

Die Erlebnisse von A. sind exemplarisch. Australien hat 2002 die Bestimmungen für längere Aufenthalte und Einwanderungen verschärft. Regularien, die noch nicht angepasst wurden an die Verbesserungen durch die wirksamen neuen Therapien. Glücklicherweise gibt es für Touristen, die "Down Under" besuchen wollen, keine solchen Beschränkungen, A. hätte es aber große Probleme beim Studium und der weiteren Karriere bereitet.

Weltweit sind unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten. Während 2009 / 2010 in Südkorea, China, den USA und Namibia die Aufhebung des Einreiseverbots für HIV-Positive erfolgte, wird das Grundrecht auf Reisefreiheit und Freizügigkeit in diversen Staaten auf unterschiedlichem Niveau verletzt. 31 Länder weisen HIV-positive Ausländer aus. 20 Länder verlangen selbst bei kurzfristigen Aufenthalten die Offenlegung des HIV-Status. Und ein striktes Einreiseverbot gilt noch in 14 Staaten.

Medikamente verstecken und HIV-Infektion verheimlichen?


Der Immunstatus entscheidet in vielen Ländern nach wie vor, ob man reingelassen wird (Bild: withassociates / flickr / by-sa 2.0)

Die Zeit des Lügens und Umpackens von Medikamenten in unauffällige Aspirin-Verpackungen ist damit für Touristen wie Auswanderer noch lange nicht vorbei. Auch wenn die USA löblicherweise den Bann aufgehoben hat, die Hosen muss man nach wie vor runterlassen. Eine HIV-Infektion muss im Einreiseformular nicht als "ansteckende Krankheit" angegeben werden. Die Zollvorschriften verlangen bei der Mitnahme von HIV-Medikamenten das Mitführen eines ärztlichen Attests in englischer Sprache. Wer falsche Angaben macht und auffliegt, kriegt großen Ärger mit den Grenzbeamten.

Die Annahme von Regierungen und deren Gesundheitsbehörden, dass sich Infektionsketten an den Grenzen von Nationalstaaten unterbrechen lassen, ist falsch, da sind sich Experten seit langem einig. Für HIV-Positive, die unter erfolgreicher Therapie nicht mehr infektiös sind, ist die Diskriminierung besonders deutlich spürbar. Vor Antritt eines Auslandsaufenthaltes außerhalb der EU ist es für sie nach wie vor unerlässlich, sich über die aktuellen Bestimmungen zu informieren.

Die untenstehenden Links helfen verlässlich und aktuell weiter.

Disclaimer

Dieser Artikel wurde inhaltlich frei von einem queer.de-Autoren verfasst. Der Themenkanal "Gesundheit HIV+" wird durch Unterstützung von "GILEAD Sciences GmbH" ermöglicht.