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  • 29.10.2012               Teilen:   |

Forschung

Medikamente "so stabil" wie Kondome

Der "Gold"-Standard – hier in Silberummantelung bietet 95-prozentigen Schutz, gilt deshalb als sicher. - Quelle: www.condomerie.com
Der "Gold"-Standard – hier in Silberummantelung bietet 95-prozentigen Schutz, gilt deshalb als sicher. (Bild: www.condomerie.com)

Das Kondom als zuverlässiger Schutz vor HIV. Eine Studie belegt, dass Medikamente noch einen Hauch "robuster" sind. Die Safer Sex-Regeln ändert das nicht.

Von Christian Scheuß

Die vergangene Welt-Aids-Konferenz in Washington versetzte viele Besucher in eine ungewohnt neue optimistische Aufbruchsstimmung. Auch die Medien brachten die "good vibrations", ausgelöst durch einige neue wissenschaftliche Erkenntnisse bei Therapie und Prävention, nach Deutschland. Mit einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" unter dem Titel "HIV-Medikamente – So sicher wie Kondome" gelangte erstmals die Botschaft an die breite Öffentlichkeit, die bislang nur die Runde in der Positiven-Selbsthilfe und den angeschlossenen Experten-Zirkeln machte: Die HIV-Therapie ist unter kontrollierten Bedingungen so effektiv, dass der HIV-Positive seine Infektion praktisch nicht mehr weitergeben kann.

Wenn man nach einer im Mai vorzeitig beendeten Studie geht, soll – was das Übertragungsrisiko angeht – die funktionierende Therapie sogar noch ein Hauch "sicherer" sein.

Wer jetzt sofort "Jupieh" ruft und die Kondome zum Sondermüll bringen will, der möge bitte schnell zu den letzten Absätzen springen, um sich dann wieder hier zu den Details der Studie einzufinden.

Die lief seit dem Jahr 2005 unter dem wenig spektakulären Kürzel "HPTN 052". Rund 1.800 Paare aus Afrika und Asien mit jeweils unterschiedlichem Immunstatus – der/die eine HIV+, der/die andere HIV- (Serodiskordant) – waren involviert. In zwei Vergleichsgruppen bekamen die HIV+ Getesteten entweder HIV-Medikamente oder sie wurden durch Präventionsschulungen und Kondomvergabe fit gemacht für klassisches Safer-Sex-Verhalten.

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Die Studie "HPTN 052" wurde wegen ethischer Bedenken vorzeitig beendet

ART statt Kondom? Jetzt sind doch zu viele Gummis daheim? Wie wäre es dann mit etwas Condom-Art (Kondom-Kunst) - Quelle: noii's / flickr / cc by-sa 2.0
ART statt Kondom? Jetzt sind doch zu viele Gummis daheim? Wie wäre es dann mit etwas Condom-Art (Kondom-Kunst) (Bild: noii's / flickr / cc by-sa 2.0)

Mit abschließenden Ergebnissen hatte man ursprünglich für 2016 gerechnet, doch Mitte Mai 2012 war plötzlich Schluss. Die ersten Vergleiche der beiden an der Studie teilnehmenden Gruppen zeigten bereits die deutliche Risikominimierung einer HIV-Transmission, wenn frühzeitig mit der antiretroviralen Therapie (ART) begonnen wird. Die Studie wurde vom kontrollierenden "Data and Safety Monitoring Board" (DSMB) beendet, weil ein weiteres Vorenthalten von Medikamenten in der "Kondom-Vergleichsgruppe" ethisch nicht mehr tragbar gewesen wäre.

Das "HIV-Prevention Trials Network" verkündete entsprechend in einer Pressemitteilung am 12. Mai 2012: "Das DSMB stellt fest, dass die Initiale Behandlung mit ART bei HIV-Positiven signifikant deren HIV-negative Partner vor einer Übertragung schützt." Und zwar mit 96-prozentigem "Wirkungsgrad". Richtig angewendet, kommt das Kondom "nur" auf einen 95-prozentigen Schutz.

Warum die Kondome weiterhin sinnvoll sind? Weil dieser 96-Prozent-Schutz nur unter ganz besonderen Voraussetzungen gilt. Nämlich für Paare, die nach dem bereits 2008 in der Schweiz von der Eidgenössischen Kommission für Aids-Fragen (EKAF) formulierten Bedingungen zusammenleben: Das serodiskordante Paar lässt regelmäßig abchecken, ob die Immunwerte beim Infizierten dauerhaft (mind. sechs Monate) unter der Nachweisgrenze bleiben, und ob eventuell hier wie dort andere sexuell übertragbare Krankheiten vorliegen, die erst austherapiert werden müssen. Eventuelle sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung laufen stets unter den üblichen Safer-Sex-Regeln.

Das Kondom bleibt "Goldstandard"

Erst dann kann sich das Paar überlegen, ob es auf Kondome verzichten möchte. Zumindest aber braucht keiner mehr ein schlechtes Gewissen und Ängste zu haben, wenn es in der letzten stürmischen Nacht dann mal vergessen wurde. Bei Kontakten mit unbekannten oder ungetesteten Partnern sind all diese Voraussetzungen nicht gegeben. Das Kondom bleibt hier der Goldstandard.

Auch die derzeit diskutierte Prävention durch die Einnahme eines HIV-Medikaments ist keine praktische Alternative zum Kondom. In den USA ist vor ein paar Monaten "Truvada" für den präventiven Einsatz zugelassen worden, weil es nachweislich bei HIV-Negativen eine schützende Wirkung entfaltet. Die liegt aber nur bei 70 Prozent. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete Anfang Septemer, dass nach den Meldungen von der WAT die Aids-Hilfen verstärkt nach dem "neuen Mittel" gefragt werden. Nicht nur wegen der wesentlich höheren Kosten im Vergleich zum Kondom raten die Präventionisten ab. Auch die möglichen Nebenwirkungen sowie die Gefahr der Bildung von Resistenzen bei unregelmäßiger gelegentlicher Einnahme der Tabletten sind schlagende Argumente.

  Disclaimer
Dieser Artikel wurde inhaltlich frei von einem queer.de-Autoren verfasst. Der Themenkanal "Gesundheit HIV+" wird durch Unterstützung von "GILEAD Sciences GmbH" ermöglicht.
Links zum Thema:
» Spiegel-Bericht: "HIV-Medikamente – So sicher wie Kondome"
» "Infekt.ch" berichtet detailliert über den Abbruch von "HPTN 052"
» Das "HIV Prevention Trials Network" zum Studiendesign von "HPTN 052"
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Tags: hiv, serostatus, aids, prävention, ekaf, serodiskordant
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