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Bei dieser Menge drückt keine Polizei mehr ein Auge zu, in der Medizin jedoch ist Cannabis hilfreich (Bild: enter_Tpc / flickr / by-sa 2.0)

Dies ist kein politisches Statement. Die Wissenschaft liefert jedoch neue Argumente, die für den Einsatz der im Cannabis enthaltenen Wirkstoffe bei HIV-Patienten sprechen.

Von Carsten Weidemann

Wird hierzulande über Cannabis gesprochen, gehen schnell bedauernde Blicke und Worte in Richtung Niederlande. Nach und nach geht bei den Nachbarn das Licht in den Coffeeshops aus oder bleiben die Türen für Ausländer verschlossen. Die Regierung argumentiert aus ordnungspolitischer Sicht und versucht den Freizeitkonsum der Droge stärker als bisher einzuschränken. In mittlerweile 14 Staaten der USA steigen dagegen immer mehr der süßlichen Rauchschwaden in den Himmel. Der wichtigste Unterschied ist allerdings: Hier wird nur gekifft, wenn der Doktor es empfiehlt und verschreibt. Die oberste Gesundheitsbehörde der Vereinigten Staaten, die "Food and Drug Administration" (FDA) lässt den Gebrauch zur therapeutischen Anwendung bestimmter Symptome bei HIV-Patienten zu. Eine im März 2012 veröffentlichte neue Studie hat weitere Erkenntnisse gebracht: Auch Viruslast und Helferzellenzahl werden positiv beeinflusst.

Die Hanfpflanze enthält eine Menge von Substanzen, die unter dem Begriff Cannabinoide zusammengefasst werden, die aber unterschiedliche pharmakologische Eigenschaften haben. Während den Kiffern die starken psychoaktiven Wirkungen am Herzen liegen, konzentrieren sich die Mediziner auf die therapeutischen Effekte. Antibiotische, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkungen sind bekannt und haben in der Vergangenheit zur Entwicklung von Medikamenten geführt, die bei Epilepsie- und Schizophrenie-Patienten helfen sollen. Bei Patienten, die HIV-assoziierte Symptome wie Nervenschmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit plagt, hat die begleitende Behandlung mit der Cannabispflanze oder cannaboidhaltigen Medikamenten Erfolge gezeigt.

Die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze zeigen zunehmend Nutzen bei therapeutischer Anwendung

Doch wie sieht es mit den Wechselwirkungen aus? Hat das gerauchte oder eingenommene Marihuana womöglich einen negativen Einfluss auf das Immunsystem. Alte Untersuchungen, die noch aus der Zeit vor der Einführung der antiretroviralen Therapien (ART) stammen, nährten die Befürchtung. Es schein einen Zusammenhang zu geben zwischen dem Auftrete der opportunistischen Infektionen, dem Fortschreiten der Aids-Erkrankung sowie dem Gebrauch von Marihuana zu geben.

Doch die jüngsten Analyse der randomisierte, placebokontrollierten klinischen Studie von HIV-Patienten, denen Cannabinoid-Gaben verabreicht wurden, haben gezeigt, dass der Cannabinoid-Gebrauch zu keiner signifikanten Immunsuppression führt. Im Gegenteil: Innerhalb von drei Wochen konnte eine Erhöhung der Helferzellenzahl bei gleichzeitiger Verringerung der Viruslast beobachtet werden. Die von mehreren in New York ansässigen Forschungsinstituten durchgeführte Studie hat neben dem generellen Beleg der positiven Effekte die genaue Funktionsweise der Cannaboide angesehen, und dabei festgestellt, dass die Substanzen im Prinzip ähnlich funktionieren, wie die ART. Die Cannabinoide verwehren den HI-Viren das Andocken an den Rezeptoren der Helferzellen, die sie sonst okkupieren und für ihre eigene Reproduktion nutzen. Inwieweit diese Grundlagen in Behandlungsmethoden einfließen werden, wird sich erst in der Zukunft zeigen.

Disclaimer

Dieser Artikel wurde inhaltlich frei von einem queer.de-Autoren verfasst. Der Themenkanal "Gesundheit HIV+" wird durch Unterstützung von "GILEAD Sciences GmbH" ermöglicht.