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Single, schwul und Vampir: Blutsauger Elias aus Marokko verliebt sich in den Bonner Studenten Jan

In seinem Gay-Fantasy-Roman "Hochzeit der Vampire" räumt der Bonner Autor Hagen Ulrich mit zahlreichen Blutsauger-Klischees auf.

Von Angelo Algieri

Blut. Sarg. Transsilvanien. Das sind die gängigsten Assoziationen zu Vampiren. Dass es auch anders geht, beweist der Debütroman "Hochzeit der Vampire" von Hagen Ulrich, der im Hamburger Himmelstürmer Verlag erschienen ist. Der unter Pseudonym schreibende Autor und Orientalist, Jahrgang 1967, lebt in Bonn samt seinem Mann und Kater.

Wie anders die Vampire sind, wird gleich zu Beginn des Romans deutlich: Die Blutsauger stammen aus dem Atlas-Gebirge in Marokko. Sie fürchten weder den Tag noch Kreuze oder Weihwasser. Was von den bekannten Zuschreibungen bleibt, sind die verlängerbaren Eckzähne, funkelnd-grüne Augen, schnelle Genesung bei Verletzungen (außer, wenn Holz – nicht unbedingt ein Pflock – ins Spiel kommt) und das langsame Altern. Klar: Auch die marokkanischen Vampire haben Durst nach Blut. Doch sie jagen lieber Tiere. Hinzu kommt, dass sie telepathische Eigenschaften haben.

Die marokkanischen Vampir-Zwillinge Elias und Mounia Al-Buchari, beide Anfang 20, werden von der 800 Jahre alten Matriarchin Lalla Sara nach Deutschland geschickt. Sie glaubt, dass ein Ortswechsel gut tun würde. Die Zwillinge haben nämlich kurz zuvor ihre Eltern, Cousins und Freunde verloren, weil die US-Armee versehentlich das falsche Flugzeug abgeschossen hat, in dem die Familienmitglieder saßen.

Zwei Geschwisterpaare, die ihre Eltern verloren haben


Schwule Vampire gibt es auch in der TV-Serie "True Blood" (Bild: HBO)

Elias und Mounia kommen bei der Familie Meyer-Frankenforst unter. Sie besitzen eine Villa in Bad Godesberg bei Bonn. Die betagten Gastgeber Monika und Clemens sowie der Hausarzt Schäfer und Nachrichtendienst-Beamter von Leistikow wissen von dem Vampir-Geheimnis des Al-Buchari-Clans. Während die adoptierten Kinder von Monika und Clemens, der 26-jährige Jan und die 21-jährige Nina, noch keine Ahnung haben.

Auch dieses Geschwisterpaar hat seine Eltern verloren – und zwar 15 Jahre zuvor bei einem Selbstmordattentat von Islamisten in Ägypten. Während Nina die Marokkaner freundlich empfängt, ist Jan ihnen feindlich gestimmt. Er demütigt und beschimpft Elias. Bis dieser Jan handgreiflich die Grenzen aufzeigt. Zunächst ist "Waffenstillstand" in der Villa, doch schon bald werden der muskulöse vermeintliche Heterojunge Jan und der gutaussehende, schwule Elias zusammenkommen… Nach dem Motto: Was sich liebt, das neckt sich.

Kurz darauf wird Elias Opfer von brutalen Schlägern. Der Familienarzt weiß, was zu tun ist und operiert ihn. In dieser ganzen Aufregung wird Jan klar, dass er Elias innig liebt. Jan und seine Schwester werden eingeweiht, dass die beiden jungen Marokkaner Vampire sind. Aber das ist für Jan egal. Weil er Elias liebt und sogar entschlossen ist, ihn zu heiraten. Allerdings sind sie nicht die einzigen, die zu ihrem Beziehungsglück finden. Jeder der jungen Erwachsenen findet in diesem Roman seinen Deckel…

Orient und Okzident kommen zusammen


Mit Graf Dracula aus Transsilvanien, hier gespielt von Christopher Lee, hat der marokkanische Vampir Elias Al-Buchari nur wenig gemein

Hagen Ulrich entwickelt in seinem Vampir-Roman zunächst eine schöne Idee von schwulen Vampiren, die aus Marokko stammen und besondere Eigenschaften besitzen. Begrüßenswert ist auch, dass Orient und Okzident trotz der ihnen jeweils angetanen Schmerzen zusammenkommen. Zudem ist die kitschige Story bis zur Hälfte des Buches gut aufgebaut.

Doch das bleibt bedauerlicherweise nicht so: Die Spannung flacht mit der zweiten Hälfte des Romans deutlich ab. Zum einen hat der Autor die Figuren nicht mehr im Griff. Zum anderen versteht man nicht, wo er mit seinem Plot hin will: Die Liebes-, Coming-out- und Coming-of-Age-Geschichte wird zu einem Justizroman, Ulrich beginnt immer mehr zu schwadronieren und schreibt auf, was er offensichtlich schon immer mal sagen wollte.

Obwohl der Roman so peinlich genau politisch korrekt ist, kommen am Schluss Themen, die mit der Handlung absolut gar nichts zu tun haben. Es ist einfach ärgerlich, das Girls-Day-Kapitel zu lesen: Nur um darauf hinzuweisen, dass laut Autor Girls-Days etwas Schwachsinniges sind. Und wirklich kurz vor dem Ende drischt Hagen Ulrich auf Parteien und Politiker ein. Wenn es bloß nur witzig wäre… Genauso unverständlich ist, als Jan seinen Oldtimer auf einen Frauenparkplatz stellt und eine Frau zurechtweist, obwohl sie Anspruch darauf hat – es ist einfach unerträglich, weil es mit der Story nichts zu tun hat! Als ob dem Autor im letzten Moment Gesellschaftskritisches eingefallen wäre – unfassbar!

Mal Fantasyroman, mal Erbauungsliteratur

Des Weiteren frage ich mich, für wen er das Buch geschrieben hat. Vor allem zu Anfang scheint er an Jugendliche gedacht zu haben. Nicht nur dass viel erklärt wird, sondern Jan wird ständig von Monika und Clemens weiterhin erzogen. Dabei ist Jan erwachsen, kein Jugendlicher! Dieser offensichtliche pädagogische Duktus ist äußerst irritierend. Das kann man anders verpacken, wenn überhaupt! Und erinnert unangenehmerweise an Erbauungs- und Moralliteratur. Wer will denn so etwas in einem Vampir-Roman lesen?

Und was mich im Besonderen aufregt, ist, dass Nachrichtendienste und Polizei in einem so tollen, einfühlsamen und offenem Licht stehen, dass man sich fragt, ob am Autor etwa die NSU-Vorfälle vorbeigegangen sind. Absurd! Ebenfalls: Keine Homophobie oder Probleme mit Fremdenfeindlichkeit: Alles super, will uns der Autor suggerieren. Da hätte sich Hagen Ulrich an Andreas Bertram ein Beispiel nehmen sollen, der in seinem Roman "Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick" einen schwulen Polizeibeamten in die Handlung einführt, aber auch Homophobie innerhalb der Polizei thematisiert (queer.de berichtete).

Um es nochmals deutlich zu sagen: Die Grundidee ist super, doch die Handlung und die Figuren sind dem Autor eindeutig entglitten. Schade! Denn so verkommt der Roman zu einem ungewollten Horror-Trip!

Infos zum Buch

Hagen Ulrich: Hochzeit der Vampire. Gay-Fantasy-Roman. Himmelstürmer Verlag, Hamburg 2012. 415 Seiten. 17,90 €. ISBN: 978-3-86361-190-3.


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