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Reinhard Klenke: "Meine Schwäche? Meine Sturheit!" (Bild: privat)

Fast sein gesamtes Arbeitsleben widmete der Wahlkölner dem Kampf gegen Aids. Jetzt ist das 25-jährige Dienstjubiläum bei der Aids-Hilfe NRW fällig.

Von Christian Scheuß

Die Aids-Krise begann Anfang der achtziger Jahre in den Großstädten: In New York und San Francisco, in London und Berlin. Noch bevor das Virus die Provinz erreichte, kroch die Angst in jeden Winkel der Republik. Auch im westfälischen Paderborn wurden die beunruhigenden Nachrichten im Spiegel und in den Homoblättern über die rätselhafte Seuche, die in der Gay Community grassierte, registriert. Reinhard Klenke fühlte sich zunächst so, wie alle anderen: hilflos, ratlos. Es wurde aber schnell klar, dass da etwas Gefährliches auf ihn und die anderen schwulen Männer zurollte. Nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive.

Der 1953 geborene Westfale hatte 1978 seine homopolitische Sozialisation durch Mitwirken beim Paderborner Arbeitskreis Homosexualität durchlaufen. Der Verwaltungsfachmann, der an der Hochschule arbeitete, schloss sich außerdem einer noch neuen politischen Bewegung an. 1984 saß er für die Grünen im Paderborner Kreistag. Derart politisch geschult wurde Klenke auch die gesellschaftlich-politische Bedrohung der Krankheit bewusst. "Wir hatten es ja bereits mit dem Strafrechtsparagraphen 175 mitbekommen, wie repressiv der Staat mit Homosexuellen umgegangen ist", erzählt er.

Der Sozialwissenschaftler Rolf Rosenbrock veröffentlichte im November 1986 das Buch "Aids kann schneller besiegt werden", in denen die Grundlinien der bis heute geltenden Gesundheitspolitik bei HIV und Aids skizziert wurden. Nicht Repression, Zwangstest und Quarantäne sollten die Krankheit eindämmen, sondern Prävention durch Aufklärung und Vernunft sollte helfen. "Dieses Buch war auch Motivation für mich", berichtet Klenke. 1986 ist er einer der Mitbegründer der Aids-Hilfe Paderborn, ein Jahr später beginnt er beim Dachverband, der Aids-Hilfe NRW in Köln. "Wir wollten mit unserer Arbeit gegen den Schrecken ankämpfen." Sein Wissen um Verwaltungsvorgänge half mit, dem mitunter chaotischen schwulen Aktivistenhaufen studentischer Herkunft in der sich neu organisierenden Selbsthilfe eine Struktur zu geben.

1987 hieß es: "Aids kann schneller besiegt werden". 2012 arbeiten noch alle daran


"Meine Stärke? Meine Beharrlichkeit." Klenke am Herzenslust-Infostand 2010 (Bild: herzenslust.de)

Der Buchtitel "Aids kann schneller besiegt werden" mag – das kann man von heute aus betrachtet zugeben – etwas zu optimistisch gewählt worden sein und Reinhard Klenke hat seinen Job immer noch. Er verwaltet, strukturiert und organsiert im 25. Jahr, inzwischen ist er der Dienstälteste im Landesverband. Die heutigen Berufswege sind durch häufige Brüche und Wechsel geprägt, ein 25-jähriges Dienstjubiläum ist seltener geworden. Was genau hielt den Westfalen, der als Immi-Rheinländer inzwischen sogar großen Spaß am Karneval entwickelt hat – so lang auf diesem Posten? Seine Antwort kommt ohne Zögern: "Es war die nie als alltäglich empfundene Arbeit." Verwalten heißt bei einer Aids-Hilfe nämlich nicht Aktenvorgänge zu pflegen, es heißt kreativ zu bleiben. Und dabei immer professioneller zu werden.

"Zu Beginn waren wir ständig überfordert. Wir mussten erst lernen, wie man Verhandlungen mit Politikern führt, später Hospize aufbauen, die eine menschenwürdige Pflege für Aids-Kranke ermöglichten." Klenke wirkte nicht nur dort mit, er war auch einer der Initiatoren des erfolgreichen Präventionsprojekt "Herzenzlust" für schwule Männer in NRW, das seit 1995 existiert. Politisch mischte er ebenfalls mit. Als Vorstand beim "Kölner Lesben- und Schwulentag" belebte er den CSD neu, und – ebenfalls als Vorstand – sorgte er mit dafür, dass aus der schlichten Verwalterin staatlicher Fördermittel für schwul-lesbische Projekte ein inhaltlich-politisch starker Fachverband namens "Schwules Netzwerk NRW" wurde.

Aids ist nicht ganz so schnell besiegt worden, wie gehofft. Man ist schon ein gutes Stück weit, es bleibt aber noch viel zu tun. Eines seiner derzeitigen Themenfelder: "Die Community organisiert sich im Internetzeitalter neu und wird unsichtbarer. Das Verschwinden darf nicht passieren." Das Reinhard Klenke irgendwann noch einmal einen neuen Job suchen müsste, ist unwahrscheinlich. Die Antwort auf eine klassische Frage aus Bewerbungsgesprächen hat er aber gleich parat, und damit verrät er zugleich eine Grundlage seiner dauerhaften wie erfolgreichen Arbeit. Es ist die Frage nach seinen Stärken und seinen Schwächen. "Meine Schwäche? Meine Sturheit. Meine Stärke? Meine Beharrlichkeit."



#1 stephan
  • 31.10.2012, 23:11h
  • Lieber Reinhard,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem Dienstjubiläum und liebe Grüße aus Deiner alten Heimat! Herzlichen Dank für Deine wichtige Arbeit und die vielen Impulse!

    Gerne erinnere ich mich der Zeiten, als Du von Köln aus zusammen mit Dirk, Beate u.v.a. die Arbeit der AH Paderborn mit großem Verständnis der Situation und in Kenntnis des konservativ-klerikalen Umfeldes weiter gefördert und unterstützt hast. In der Zeit als ich Vorsitzender der AH Pb war, habe ich Deinen Rat und Deine Unterstützung immer sehr geschätzt und hoffe, dass Dir Dein Elan noch lange erhalten bleibt!

    Liebe Grüße

    Stephan
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 01.11.2012, 16:09h
  • Die besten Glückwünsche zum Dienstjubiläum und noch weitere erfolgreiche Jahre!!!
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#3 MarekAnonym
  • 01.11.2012, 18:54h
  • Eine wichtige Arbeit!

    Dennoch hoffen wir alle (inkl. ihm selbst) dass er irgendwann "arbeitslos" wird... Weil AIDS besiegt ist. Das wäre toll!
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