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  • 01.11.2012           9      Teilen:   |

25 Jahre "Männer": Die Odyssee des "Organträger"-Magazins

"Männer" lieferte im Jahr 1988 "10 knackige Kerle" (mit merkwürdigen Frisuren)
"Männer" lieferte im Jahr 1988 "10 knackige Kerle" (mit merkwürdigen Frisuren)

Im November 1987 ging das Gmünder-Magazin "Männer" mit Softcore-Erotik und harten News aus dem schwulen Leben an den Start.

Von Christian Scheuß (mit Fakten von Kevin Clarke)

Die Historiker, die sich irgendwann einmal mit der Geschichte der schwul-lesbischen Medien in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beschäftigen werden, müssen aufpassen, den Überblick zu behalten. So viele Printerzeugnisse – überregional wie regional – kamen und gingen. Die meisten hielt es nur ein paar Jahre auf dem Markt. Doch es gibt ein paar Ausnahmen wie das Magazin "Du & Ich" zum Beispiel. Aber auch "Männer", das lange noch den Zusatz "aktuell" trug, brachte es auf einen Jahrzehnte währenden Erscheinungszeitraum. Das "aktuell" war – nebenbei bemerkt – eh eine schamlose Beschönigung bei einem Monatsheft, das den Redaktionsschluss lange Zeit auf sechs Wochen vor Erscheinen gelegt hatte.

Die wechselhafte Geschichte von "Männer" beginnt 1982 mit einer Zeitschrift namens "Torso." Die sieht mit ihrem rosa Raufaserpapier aus wie ein Vorläufer von "Butt Magazine", war aber tatsächlich eine Mischung aus dem US-Porno/Lifestyleheft "Blueboy" und der Zeitungsversion von "The Advocate". Bloß mit deutschen Inhalten. Die Idee dazu hatte der junge Bruno Gmünder, der das Torso-Projekt, das es auf prall gefüllte 18 Ausgaben brachte, im Rückblick als "Flop sondergleichen" bezeichnete. Dann kam im Herbst 1987 der Anruf von den US-Kollegen, die "Advocate Men" rausbrachten (die Pornoauskopplung vom "Advocate"), und fragten, ob der Gmünder Verlag nicht die erektionslose deutsche Variante vermarkten wolle. Antwort: Ja. Das Resultat war laut Gmünder ein "Periodikum von 64 Seiten, wo jeweils zehn Männer mit durchschnittlich sechs Aufnahmen vorgestellt wurden". Dazwischen: Informationen aus der Szene. Zum Beispiel im ersten Heft der "Männer aktuell": "Pornoikone Casey Donovan gestorben" oder der Schwulenklassiker "'Maurice' von E. M. Forster erstmals auf Deutsch erschienen."

Fortsetzung nach Anzeige


Pulleralarm aus Berlin bei den Sittenwächtern in Bonn

"Männer" 2006 mit verrutschtem Umlaut, klitzekleinem "aktuell" und oscargekröntem Aufmacher
"Männer" 2006 mit verrutschtem Umlaut, klitzekleinem "aktuell" und oscargekröntem Aufmacher

Die nackten Männer riefen sofort die deutschen Sittenwächter auf den Plan, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bad Godesberg ließ ein Gutachten erstellen von Prof. Dr. Willy Rehm. Der kam zu dem Schluss: "Durchgängiger Hauptgegenstand der Zeitschrift ist die Demonstration des männlichen Genitals." Schlimmer noch: Es kommt zu einem "extremen Anbieten der Genital- und Analzone". Die Männer seien dadurch keine "normalen Personen" mehr, sondern würden degradiert zu "Organträgern". Die man am besten in Sexshops verbannen sollte, damit das Blatt mit seinen Inhalten Jugendliche nicht in ein "Orientierungsdilemma" stürzen könnte.

Obwohl "Männer" nicht auf den Index kam, liegt es auch 25 Jahren später – und mit deutlich weniger "Organträgern" – in vielen Zeitschriftenhandlungen nach wie vor in der Erotikecke. Weil "schwul" für die meisten Heteros immer noch gleichbedeutend ist mit "Sex". Die "Bild"-Zeitung polierte dieses falsche Etikett im letzten Jahr einen "Skandal" noch einmal auf, weil SPD-Politikerin Hannelore Kraft dem "Schniedelmagazin" ein Interview gegeben hatte zu Fragen des Adoptionsrechts und der Homoehe.

Fast die gesamte schwule Journalistenriege war für "Männer" tätig

"M" ohne "änner": Das Magazin ist mit Optik und Themenauswahl ganz im Hier und Jetzt
"M" ohne "änner": Das Magazin ist mit Optik und Themenauswahl ganz im Hier und Jetzt

Dass "Männer" als Kaufmagazin auf einem schwierigen Markt für Nischentitel aus der Community nach wie vor erhältlich ist, hat die Leserschaft vor allem dem Gründer Bruno Gmünder zu verdanken. Trotz marginaler Werbung und trotz einer für einen bundesweit erscheinenden Titel geringen Auflage hielt er an seinem Blatt fest und konnte es mit seinen anderen Printprodukten querfinanzieren. Das Organträger-Medium hatte sich nämlich im Laufe der Jahre zu einem Presseorgan mit wesentlichen Inhalten gemausert, das war dem Verleger wichtig. Die Inhalte waren mal mehr, mal weniger gut, es hing vom jeweiligen Chefredakteur ab. Und von den Autoren, die dafür arbeiteten.

Immerhin: Beinahe alle Namen, die man in den alten Ausgaben liest, sind heute noch irgendwo im schwulen Journalismus zu finden. Auch zwei Redakteure des Portals queer.de, Christian Scheuß und Micha Schulze, gehörten in den Neunzigern zum festen Autorenstamm. Und konnten im Heft Geschichten umsetzen, die bei den vergleichsweise geringen Budgets für Honorare heute kaum noch denkbar sind. So reisten sie zum Beispiel 1994 einen ganzen Monat lang durch die Republik, um für ihren "großen Saunatest" alle schwulen Schwitzbäder Deutschlands zu besuchen.

Derzeit jongliert Chefredakteur Kevin Clarke mit der Mischung aus Erotik und harten News. Das alte Rezept – mit einem Schwerpunkt auf die Redaktion zwischen den Bildstrecken – taugt nach wie vor, um schwules Leben inklusive Sexualität umfassend wie unterhaltend abzubilden. Ein Ende ist nicht in Sicht. Der Schritt ins zukunftsträchtige digitale Zeitalter ist mit der ersten iTunes-Ausgabe getan.

Links zum Thema:
» Die aktuelle "Männer"-Ausgabe im Queer-Shop bestellen
» "Männer"-Homepage
Galerie
Magazin "Männer", Cover 1988 - 2012

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Tags: männer aktuell, bruno gmünder verlag, kevin clarke
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Reaktionen zu "25 Jahre "Männer": Die Odyssee des "Organträger"-Magazins"


 9 User-Kommentare
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Die ersten:   
#1
01.11.2012
15:55:22


(-1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Alles Gute zum Jubiläum!


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#2
01.11.2012
17:42:39


(+1, 3 Votes)

Von Yannick


Toll, dass die sich mit viel Engagement und Idealismus seit 25 Jahren am Markt gehalten haben!

Ich wünsche der Zeitschrift noch viele weitere erfolgreiche Jahrzehnte!

PS:
Dass die BILD-Zeitung es skandalös findet, dass die NRW-Ministerpräsidenten Hannelore Kraft (SPD) der Zeitschrift ein Interview zu homopolitischen Themen gegeben hat, ist wieder mal typisch. Und sagt alles über die BILD.


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#3
01.11.2012
18:27:39


(+1, 3 Votes)

Von Robin


Mich stört es auch immer, wenn schwule Magazine automatisch in der Erotik-Ecke landen oder nur unterm Ladentisch oder gar nicht verkauft werden...


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#4
01.11.2012
18:56:05


(+1, 3 Votes)

Von Marek


Ich kann mich nur wundern, dass Männer auch digital in Apples Abzock-Store iTunes verkauft wird. Ein Verlag, der bereit ist, 30 % (!) seiner Einnahmen an Apple abzugeben, muss ja wirklich im Geld schwimmen...


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#5
01.11.2012
20:48:00


(0, 2 Votes)

Von Timm Johannes


Da wünsche ich auch "Alles Gute" zum Jubiläum. Das Magazin habe ich in den vergangenen beiden Jahrzehnten bereits öfters gekauft.

---

Ansonsten ist sicherlich nicht so einfach in Zeiten des Internets ein gedrucktes Magazin im LGBT-Sektor finanziell erfolgreich zu betreiben. Hoffentlich gelingt es jedoch weiter.


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#6
02.11.2012
09:47:27


(+2, 2 Votes)

Von antos
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Antwort zu Kommentar #4 von Marek


"Ein Verlag, der bereit ist, 30 % (!) seiner Einnahmen an Apple abzugeben, muss ja wirklich im Geld schwimmen..."

Schwimmen muss er nicht, aber rechnen können; er spart die sonst anfallenden Vervielfältigungs- und Distributionskosten, die je nach Aboanteil bis zu 50% betragen können, muss aber auch die Stückkosten drastisch senken.


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#7
02.11.2012
11:12:42


(0, 2 Votes)

Von apo__
Antwort zu Kommentar #3 von Robin


An österreichischen Bahnhöfen (ich lese die Männer meistens wenn ich mit dem Zug unterwegs bin) findet man sie seit einigen Jahren ganz "normal" bei den Lifestyle-Magazinen zwischen einer GQ, Vogue oder Cosmopolitan.


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#8
02.11.2012
21:02:54


(+2, 2 Votes)

Von Peer
Antwort zu Kommentar #6 von antos


Ein Verlag verliert aber auch den Kontakt zu seinen Abonnenten dank iTunes. Denn das ist das größte Kapital.

Herzlichen Glückwunsch der Zeitschrift Männer!


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#9
04.11.2012
11:14:48
Via Handy


(+3, 3 Votes)

Von daVinci6667
Profil nur für angemeldete User sichtbar
Antwort zu Kommentar #7 von apo__


Bei uns meist auch. Aber in Deutschland ist man da offenbar besonders vorsichtig.

"damit das Blatt mit seinen Inhalten Jugendliche nicht in ein "Orientie­rungs dilemma" stürzen könnte."

Glaubt diese "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" vielleicht auch heute noch an diesen Unsinn?

Wie können denn ein paar nackte Männer oder Frauen sowas auslösen? Entweder es gefällt einem was man sieht oder nicht! Beruhigt euch doch, die unzähligen nackten Frauen in den Massenmedien die uns Schwulen täglich aufgezwungen werden machen uns auch nicht hetero. Als ich als kaum 14jähriger in einer Ecke verstohlen in so nem Magazin blätterte war es eine riesige Erleichterung! Da regt sich bei mir ja doch was! Halt nur nicht zu Frauen wie bei den Kumpels an der Schule die mir freundlicherweise ihre Wixheftli mitgegeben hatten. Dazu gings bei mir nämlich nur, wenn ich es beiseite legte und ich mir genau vorstellte wie die sich damit einen runtergeholt haben....


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