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  • 12. Oktober 2004, noch kein Kommentar

Mit zunehmender Globalisierung gewinnt auch eine spezielle Art des Managements an Bedeutung: Diversity Management. Was ist das?

Von Dirk Jung

Der Völklinger Kreis, Bundesverband schwuler Manager, zeichnet mit dem Max-Spohr-Preis dieses Jahr die Deutsche Bahn aus. Der Preis wird an ein Unternehmen verliehen, das sich um die Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Orientierung, Religion, körperlicher Behinderung, Alter und Geschlecht verdient gemacht haben soll.

Richtlinien für Chancengleichheit

Bei der Deutschen Bahn gibt es eine Richtlinie zur Chancengleichheit. Der Frauenanteil hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 18 auf jetzt 22 Prozent erhöht. Das Diversity Management der Deutschen Bahn hatte erst im September zum dritten Mal in Folge das Total-E-Quality-Prädikat des gleichnamigen Vereins für die nächsten drei Jahre erhalten. "Das Prädikat zeichnet Unternehmen, Organisationen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus, die eine an Chancengleichheit orientierte Personalpolitik verfolgen", liest man auf der Homepage des Vereins.

Viele Unternehmen haben erkannt, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Betrieb ein wichtiger Aspekt von Produktivität und Kreativität ist – hier setzt Diversity Management an. Diversität, die Vielfalt der Mitarbeiter, wird nicht negiert, sondern der Pluralismus in der Belegschaft hervorgehoben. "Wer ganz unterschiedliche Mitarbeiter hat, hat auch bessere Chancen, ganz unterschiedliche Kunden zu verstehen", sagte Barbara David, Diversity-Managerin der Commerzbank, dem "Manager-Magazin". Schwule oder Lesben müssen sich beispielsweise nicht mit einem Versteckspiel quälen, können ihre Energie ins Unternehmen stecken. Dennoch leben einer Studie des Lesben-Magazins "L-Mag" aus dem Jahre 2003 zufolge nur 54 Prozent der Frauen am Arbeitsplatz offen lesbisch. Hier wollen Firmen wie die Commerzbank, Ford, die Deutsche Bank, Schering oder die Deutsche Bahn entgegen wirken.

Diversity Management für die Volkswirtschaft

Schon lange gibt es in vielen Firmen psycho-soziale Betreuung der Betriebsangehörigen durch Psychologen. Im "Diversity Management" werden weniger die Probleme der Mitarbeiter in ihrem privaten Umfeld betrachtet, sondern an der Arbeitsstätte. Für jeden Angestellten sollen gleiche Chancen bestehen. Mitarbeiter können sich an Vertrauenspersonen, Diversity-Manager, wenden, wenn sie sich diskriminiert fühlen. Mobbing ist in diesen Unternehmen tabu. Anders als der betriebliche psycho-soziale Dienst findet man im Diversity Management keine Psychologen, sondern Volks- und Betriebswirte. Firmen, die Diversity-Manager beschäftigen, erwarten von diesen pädagogisches Geschick mit Blick auf den Erfolg des Unternehmens. "Neben kommunikativen Fähigkeiten und einem Interesse am Thema stehen ein hohes Maß an Sensibilität für die Belange unterschiedlicher Menschen ganz oben auf der Anforderungsliste", berichtet Hans Jablonski, seit Anfang 2003 Diversity Manager bei Ford in Köln.

Besonders in Branchen mit Mangel an Fachkräften können es sich Betriebe nicht leisten, bei der Personalauswahl Gruppen auszuschließen – im Gegenteil: exponierte Posten mit Schwulen, Frauen oder Farbigen besetzt, lässt Firmen auf erhöhten Zuspruch durch die entsprechenden Kundengruppen hoffen. Legt ein Unternehmen wert auf die Unterschiedlichkeit der Belegschaft, gilt es als kreativ und flexibel – und das wirkt umsatzsteigernd. "Manche bewerben sich gezielt da, wo sie sich wegen der größeren Vielfalt im Betrieb besser aufgehoben fühlen", sagt Barbara David.

Diversity Management findet man hauptsächlich in Großunternehmen bzw. so genannten "Global Players". Die Deutsche Bank ist in 76 Ländern der Erde vertreten, auch dort, wo z.B. Homosexualität strafbar ist: "Wir haben einen globalen Verhaltenskodex in der Bank verabschiedet, der jede Form von Diskriminierung unter anderem auch aufgrund sexueller Identität verbietet und in allen unseren Niederlassungen Gültigkeit hat", so Diversity-Managerin Mareike Coppi von der Deutschen Bank. Neben Ford ist das Geldinstitut einer der beiden bisherigen Träger des Max-Spohr-Preises. Das schwul-lesbische US-Magazin "The Advocate" listete die Bank im Oktober 2003 als einen der weltweit besten Arbeitgeber für Lesben und Schwule.

"Jeder Mensch ist einzigartig"

Ford konnte dieses Jahr im Wettbewerb "Great Place to Work" der Psychonomics AG um Deutschlands besten Arbeitgeber den "Sonderpreis Diversity" entgegennehmen – absehen davon, dass man unter den Top 50 gelistet wurde (erster Platz: Microsoft). Die Deutsche Bahn taucht hier nicht auf. Auf dem Wege zu einer Kulturveränderung ist für Ford eines der wichtigsten Ergebnisse die im Februar 2002 abgeschlossene Betriebsvereinbarung zum partnerschaftlichen Verhalten am Arbeitsplatz. "Daneben ist die Gewährung einer Hinterbliebenen-Betriebsrente für eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaften seit Anfang 2003 aus diesem ganzheitlichen Ansatz erwachsen", so Jablonski, "Wenn gläubige Moslems im Ramadan tagsüber nichts essen, wird darauf Rücksicht genommen".

"Jeder Mensch ist einzigartig" ließt sich die Prämisse dieses Unternehmens mit 335.000 Mitarbeitern. Um Diversität verdiente Mitarbeiter und Mitarbeiter-Teams werden konzernintern mit dem "Chairman's Leadership Award for Diversity" ausgezeichnet. Behinderte Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit eines Telearbeitsplatzes zu Hause, selbst auf Managementposten kann bei Ford in Teilzeit gearbeitet werden.