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  • 06.11.2012           1      Teilen:   |

Rainbow Reykjavik 2013

Island: Penis-Poesie mit Elfen und Páll Óskar

Der Künstler Wolfgang Müller liebt Island und hat mehrere Bücher über das Land geschrieben - Quelle: Hertha Hunau
Der Künstler Wolfgang Müller liebt Island und hat mehrere Bücher über das Land geschrieben (Bild: Hertha Hunau)

Vom 31. Januar bis 3. Februar 2013 findet das LGBT-Festival "Rainbow Reykjavik" zum zweiten Mal statt. Im Interview entlockte Christian Scheuß dem Island-Experte Wolfgang Müller einige Geheimnisse der Vulkaninsel.

Wolfgang, du stammst aus Wolfsburg, nicht aus Reykjavik. Aber als exzellenter Kenner Islands und als Künstler mit vielen Facetten weißt du sicher eine Antwort für folgende Überlegung. Es gibt auf dieser Insel ganz viele Menschen mit einer enormen Offenheit und mindestens zwei Talenten, eines davon meist künstlerisch: Wir denken an die Sängerin Björk oder den Sänger Páll Óskar; an Jóhanna Sigurðardóttir, die mit einer Frau verheiratete Premierministerin, oder Jón Gnarr, einen heterosexueller Komiker, der nicht nur beim CSD im Fummel mitläuft, sondern es auch mit seiner Spaßpartei zum Bürgermeister gebracht hat. Woher kommt das?

Ich denke, es liegt einfach daran, dass man bei der geringen Einwohnerzahl unglaublich vielseitig sein muss. Wenn du als Bildhauer tätig bist, wirst du unter den 300.000 Einwohnern nur wenige Sammler finden, die auch noch das mögen, was man macht. Man kann dann wie Björk ins Ausland gehen, um von seiner Kunst zu leben. Oder wie Páll Óskar, der ja der erste offen schwule Sänger bei einem Eurovision Contest gewesen ist. Bleibt man auf Island, muss man seine weiteren Talente pflegen und entwickeln.

Island gibt nicht all seine Geheimnisse auf Anhieb preis. Zum Beispiel haben wir bei unserem Besuch im Februar (queer.de berichtete) keine Nordlichter zu sehen bekommen. Aber auch keine einzige Elfe, die es doch überall geben soll. Wo kann man sie treffen und finden?

Stell dir vor, du findest einen großen Stein auf einer Straße. Bauarbeiter wollen ihn entfernen, es gelingt ihnen aber partout nicht und sogar der Bagger geht bei diesem Versuch kaputt. Dann sagen die Isländer: Tja, das waren die Elfen, die wollen nicht, dass der Stein wegkommt. Es ist eine poetische Beschreibung für die Tatsache, dass wir als Menschen nicht alles beherrschen. In Deutschland wird gern rational argumentiert und begründet. Da würde man sagen, die Straße musste wegen technischer Probleme umgeleitet werden. Ob man es nun poetisch oder rational erklärt, es bleibt die Tatsache: Der Stein ist unverrückbar. In einem Land, in dem es dir beispielsweise passieren kann, dass auf dem Gelände hinter deinem Hof plötzlich Lava aus der Erde quillt, macht diese Art des Umgangs mit dem Unabänderlichen Sinn.

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Islands bekanntester Schwuler: Sänger Páll Óskar, seit Jahren gern gesehener Gast auf Europas CSDs. - Quelle: myspace/palloskar
Islands bekanntester Schwuler: Sänger Páll Óskar, seit Jahren gern gesehener Gast auf Europas CSDs. (Bild: myspace/palloskar)

Okay, halten wir fest: Die Elfen sorgen für Überraschungen. In deinem Buch "Die Elfe im Schlafsack" verrätst du aber noch einiges mehr über sie. Was sie beispielsweise tun, wenn sie sich nicht mit uns beschäftigen. Sie sind nicht nur sexuell außergewöhnlich aktiv, sie sind auch ein überaus queeres Völkchen, das gern mit Genderrollen und -identitäten spielt…

Ich wollte die isländischen Elfen aus der esoterischen Ecke zurück in die Realität holen und habe sie dabei etwas grotesk überzeichnet. In etwa so wie der Karikaturist Aubrey Beardsley, der unter anderem für Oscar Wilde erotische Zeichnungen kreiert hat. Ich bin großer Fan seiner Arbeiten, die ja auch Grotesken waren. Deshalb gibt es bei mir zum Beispiel die Geschichte eines kleinen Gummizwergs mit einem Riesenschwanz, den er von einer Hexe verpasst bekam, nur weil er mit ihr nicht schlafen wollte. Das Riesenteil bereitet ihm jetzt Rückenschmerzen. Wenn man es so interpretieren möchte, kann man darin eine Kritik an der teilweisen Frauenfeindlichkeit und Schwanzfixiertheit schwuler Männer sehen.

Es gibt auch Gendergeschichten, zum Beispiel die des Odinshühnchens. Das ist der weltweit kleinste existierende Wasservogel mit einem gewaltigen Namen. Bei diesen Vögeln ist das Rollenverhalten völlig umgekehrt zu dem, was man sonst in der Vogelwelt beobachtet. Das Männchen baut das Nest und brütet, das Weibchen amüsiert sich derweil und füttert nicht mal die Jungen. Alle Nachkommen der Odinshühnchen sind praktisch mutterlos. Die – wenn man nach den Theorien der Gegner von Regenbogenfamilien geht – eigentlich alle psychisch gestörte Geschöpfe sein müssten, da sie ja ohne Mutter aufgewachsen sind.

Must-Do auf Island: Bad in der Blauen Lagune - Quelle:
Must-Do auf Island: Bad in der Blauen Lagune

Apropos Schwanz. Auf Island gibt es ein Penismuseum, das die weltweit größte Sammlung von Geschlechtsorganen männlicher Säugetiere beherbergt. Das werden wir nächstes Mal besuchen, um unseren Kastrationsängsten zu frönen. In der Sammlung befindet sich unter anderem auch ein Elfenpenis. Wie kam der denn dahin?

Sigurður Hjartarson, der Gründer der Sammlung, hatte mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, für das Museum ein Jingle zu schreiben. Entstanden ist ein kurzer Song, den man sich auf der Website anhören kann. "Pe-pe-pe-nis Museum von Reyjkavik" ist die Kurzversion einer Geschichte, die Sigurður mir erzählt hatte, die mich richtig geschockt hatte. Ab und zu stranden schon mal Wale an der Küste, das wird dann in den Nachrichten bekannt gegeben. Einmal landete ein toter Blauwal am Strand. Der Museumschef ist mit Messern und Tüten bestückt in sein kleines Auto gestiegen und hat den Penis des Tieres für seine Sammlung gesichert. Er beschrieb, wie er zumindest den vorderen Teil des Organs abschnitt. Den kompletten Penis mitzunehmen, wäre nicht möglich gewesen, allein schon wegen des Gewichts. Es habe auch höllisch gestunken, weil das Tier bereits eine Weile tot im Wasser getrieben sei.

Jetzt wissen wir, wie der Blauwalpenis ins Museum kam. Aber wie gelangte der Elfenpenis dorthin?

Als Sigurður Hjartarson das Phallusmuseum 1997 eröffnete, brachte ihm ein befreundeter Parlamentarier als Geschenk ein Glas gefüllt mit Formaldehyd mit. Ja, und darin schwimmt der Elfenpenis. Den können natürlich nur die Leute sehen, die auch Elfen sehen können…

Wolfgang Müller, 1957 in Wolfsburg geboren, ist Autor, Musiker, Künstler und "Missverständnis-Wissenschaftler". In Wolfsburg gründete er dereinst eine Schwulengruppe, sah dann aber das politische wie künstlerische Potential für sich in dieser Stadt erschöpft. Er lebt heute in Berlin und Reykjavík. Mit Nikolaus Utermöhlen (1958-1996) gründete er einst die Band "Die Tödliche Doris". Mit seiner Kunst-Aktion "Gays Against Guido" setzte er ein Zeichen gegen Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), den er beschrieb als "Typus eines angepassten Karrieristen, der ausblendet, dass erst die schwule Emanzipationsbewegung der 1970er Jahre die Basis geschaffen hat, auf der ein Homosexueller überhaupt Parteivorsitzender, Bürgermeister oder Minister werden kann." Bücher vom ihm sind "Geniale Dilletanten" (Hg.), "Blue Tit", "Neues von der Elfenfront", "Valeska Gert. Ästhetik der Präsenzen", "Die Elfe im Schlafsack". Im Dezember wird sein neues Buch "Subkultur" erscheinen.

  Internationales LGBT-Festival
Rainbow Reykjavik heißt das junge Gay-Event, das sich sowohl an Isländer als auch an Gäste aus Europa und den USA richtet.

Das Programm vom 31. Januar. bis 3. Februar 2013 ist ein ungewöhnlicher Mix aus Natur, Kultur, Party, Politik und kulinarischen Erlebnissen. So geht es gleich nach Ankunft auf dem Flughafen Keflavik zur Blauen Lagune – ein geothermal beheiztes Freibad mit naturblauem Wasser. Auf dem Programm stehen außerdem ein Besuch des einzigen Phallus-Museums der Welt, an den Abenden Konzerte und Partys. Kurztrips führen darüber hinaus zu Gletschern und Geysiren.

Für "Rainbow Reykjavik" bietet Icelandair Online-Reisepakete ab 870 Euro an. Die Pakete beinhalten Hin- und Rückflug ab Frankfurt oder München, drei Übernachtungen in gehobenen Hotels, tägliche Mahlzeiten sowie alle Transfers, Ausflüge und Eintrittsgelder. Individuelle Verlängerungen sind möglich.
Links zum Thema:
» Website von Wolfgang Müller
» Text-Sammlung zu Müllers Aktion "Gays Against Guido"
» Myspace-Site von Páll Óskar
» Homepage des Phallusmuseums
» Alle Infos zum Rainbow Reykjavik Festival
» Buchungsmöglichkeit bei der Fluglinie Icelandair
Mehr zum Thema:
» Blau, pink, bunt: Rainbow Reykjavik! (03.10.2012)
» Bericht von Rainbow Reykjavik 2012: Farbenrausch & Wikingerliebe (22.02.2012)
» Bücher von Wolfgang Müller, rezensiert auf queer.de
» Gay and gayfriendly Hotels buchen
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Tags: björk, páll óskar, rainbow reykjavik, island, wolfgang müller
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#1
08.11.2012
12:55:19


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