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Eine der wichtigsten und kritischsten deutschsprachigen Quellen zum Thema HIV und Aids versiegt. Der Blogger Ulrich Würdemann verabschiedete sich am Mittwoch mit einem "Danke und Tschüss" von seinen Lesern. Sieben Jahre lang hatte der HIV-positive Autor auf ondamaris.de mit Leidenschaft die Community mit Nachrichten, Hintergrundinfos und Analysen auf dem Laufenden gehalten. "Ondamaris" – die Meereswelle – hatte er sich als Titel ausgesucht, weil sie als Symbol für die "Wellenbewegung des Fortschritts und Rückfalls" bei diesem Thema schlicht passe. Und weil er gern ans Meer fährt (Leidenschaft!!). Mindestens einmal im Jahr, möglichst mit seinem Mann, mit dem er seit 30 Jahren zusammen ist (Leidenschaft!!!).

Dafür hat er nun mehr Zeit, denn das zeitfressende Projekt eines journalistisch fundierten und gut gepflegten Blogs hat er erst mal an den Nagel gehängt. "Nach sieben Jahren hat sich bei mir eine Routine eingeschlichen, die im Widerspruch zu meinem Selbstverständnis als Journalist mit aktivistischer Sichtweise steht", nennt Würdemann gegenüber queer.de einen seiner Gründe. Der 53-Jährige, der vor 26 Jahren sein positives Testergebnis erhielt, fühlt sich aber auch nicht mehr ganz repräsentativ als Berichterstatter in Sachen HIV und Aids. "Es wird Zeit für Jüngere, die das Thema aus ihrer Perspektive heraus und in ihren eigenen Erzählweisen aufgreifen."

Einen jüngeren Nachfolger, der ondamaris.de weiter betreiben würde, hat Ulrich Würdemann nicht gefunden. Die potentiellen Kandidaten aus seinem Mitautorenkreis schreckten vor Verantwortung und Aufwand für die ehrenamtlich wie finanziell unabhängig betriebene Website zurück. "Ich hatte den 'Luxus', als Frührentner die Zeit für ondamaris zu haben. Wer arbeiten geht, kriegt das nicht nebenbei hin." Deshalb ist nach mehr als 2.300 Artikeln und 8.000 begleitenden User-Kommentaren erst einmal Schluss mit der kritischen Stimme, die über "tabuisierte Feigwarzen" und das "minimale Risiko Oralverkehr" kompetent aufklärte, die Themen der Selbsthilfe-Bewegung hintergründig dokumentierte und zu den sozialen wie politischen Folgen der Immunschwächekrankheit fundierte Analysen lieferte. Was im Sommer 2009 mit der Verleihung des Medienpreises der Deutschen Aids-Stiftung zu Recht gewürdigt wurde. Das Team von queer.de sagt mit Leidenschaft "Danke" für die vergangenen sieben Jahre.

Was stellt er jetzt mit der vielen freien Zeit an? "Ideen habe ich viele, es wird sich zeigen, was umsetzbar ist." Ondamaris bleibt auf jeden Fall als Archiv online, er selbst in den sozialen Netzwerken präsent. Und wer wissen will, wohin genau ihn die Wellenbewegungen seines privaten Lebens samt Mann und Meer treiben, der kann dies auf 2mecs.de verfolgen… (cs/Foto: ondamaris)



#1 stromboliProfil
#2 reiserobbyEhemaliges Profil
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.11.2012, 15:59h
  • Alles Gute auf dem weiteren Lebensweg sowie mit Ihrem Lebenspartner, Ulrich Würdemann!
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#4 postagebuchProfil
  • 14.11.2012, 23:37hFrankfurt
  • Hallo ondamaris!

    Ein Blog hat einen Anfang und auch ein Ende

    Jeder, der selbst bloggt, weiss, wieviel Arbeit in Deinen fundierten Artikeln drin steckt(e). Vielen Dank an Dich für Deine Arbeit, Deine Zeit & Kreativität etc

    Sicher gibt es auch hin und wieder etwas über Dich zu lesen?! Das würde ich mir wünschen.

    Dir wünsche ich jetzt erstmal alles Gute für die nahe Zukunft viele Grüße vom Postagebuch-Blogger.

    P.S. Es würde mich auch freuen, wenn noch mehr HIV-Positive bloggen würden sachlich, fachlich, kreativ und immer fantasievoll.
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#5 MatainaAnonym
  • 15.11.2012, 10:55h
  • Was Ulrich Würdemann geleistet hat, kann ich gar nicht genug bewundern. Er hat das Thema HIV und AIDS auf fundierte und überzeugende Weise ins neue Medienzeitalter geführt. Ein wahrer Pionier, der vielen Anlass zum Nachdenken und Diskutieren gegeben hat. Vielen Dank für Deine Leistung und viel Glück für die neuen Aufgaben.
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#6 Ulli_2mecsProfil
  • 15.11.2012, 12:49hHamburg
  • Vielen Dank euch allen für die schönen Worte und das virtuelle Kondolieren !

    Wir sehen uns in virtuellen oder realen Welten :-)

    Ulli
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#7 Timm JohannesAnonym
  • 17.11.2012, 01:43h
  • Habe ich gern gelesen.

    Die Zeiten mit HIV/AIDS haben sich aber sicherlich grundlegend mit den Medikamenten seit Mitte der 1990er verändert, und ich fand es gut, dass er dies auch entsprechend dargestellt hat.

    Von meinen schwulen Freunden, die in den letzten zehn Jahren verstorben sind, war kein einziger Todesfall wegen AIDS bzw. den Folgen von AIDS.

    Dafür aber durfte ich leider Todesfälle wegen Krebs und Herzinfarkten in den letzten zehn Jahren beobachten.

    Anfang der 1990er fand ich als junger Mann die Bedrohung durch AIDS als furchtbar; heute mit Mitte 40 empfinde ich insbesondere die Krankheit Krebs als viel, viel furchtbarer und schlimmer.

    Während es für HIV mittlerweile gute Medikamente gibt, sterben leider immer noch viel zu viele Menschen in unserer Gesellschaft an Krebs.
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#8 TheoAnonym
#9 MarstophProfil
  • 01.12.2012, 21:52hBerlin
  • Ein Verlust! Aber deine Gründe sind nachvollziehbar. Danke für deine Zeit und deine Arbeit!!
    Alles Gute, viele schöne zeiten für dich und deinen Mann!
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