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Sechs Mitglieder der Schweizer Heilsarmee wollen ihr Land in Malmö vertreten (Bild: Heilsarmee)

Die Schweiz liefert einen neuen Beweis, wie politisch der Eurovision Song Contest ist. Auf Anfrage eines Boulevardblatts erklärten mehrere Verbände von Schwulen und Lesben am Mittwoch, eine Teilnahme der Heilsarmee beim nationalen Vorentscheid sei nicht erwünscht.

Eine für den Contest zusammengestellte Band aus sechs Heilsarmeemitgliedern im Alter zwischen 20 und 94 Jahren hatte sich mit acht weiteren für die Finalshow am 15. Dezember in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen qualifiziert. In dem Vorentscheid wird der Vertreter des Landes für den im Mai 2013 im schwedischen Malmö stattfindenden Eurovision Song Contest bestimmt. Zuvor hatten Interessierte im Internet und eine Senderjury aus über 180 Bewerbern ihre Favoriten gewählt.

Die Qualifikation der Heilsarmee wurde am Montag bekannt gegeben. Die christlich-protestantische Freikirche, die besonders in den Bereichen Sozialarbeit und Missionierung aktiv ist, hatte erst im Mai Schlagzeilen gemacht, als die Leiterin einer Zürcher Behinderteneinrichtung entlassen wurde, weil ihre Homosexualität bekannt wurde.

"Ich wünsche mir nicht, dass eine homophobe Organisation als Botschafter der Schweiz im Ausland auftritt", sagte daher Eveline Mugier von der Lesbenorganisation Schweiz der Zeitung "20 Minuten". "Der Eurovision Song Contest ist nicht das richtige Umfeld für die Heilsarmee", findet auch Beat Stephan, Chefredakteur des Schwulenmagazins "Display": "Solange sich die Vereinigung nicht klar von homophobem Gedankengut distanziert, ist die Teilnahme am ESC nicht zu unterstützen. Man sollte nicht für sie voten."

Youtube | Das Musikvideo der Heilsarmee

Biblische Grundsätze oder Twelve Points?

Heilsarmee-Sprecher Martin Künzi hatte damals die Entlassung verteidigt: "Eine Führungskraft muss die biblischen Grundsätze nach Interpretation der Heilsarmee mittragen – wir haben uns auch schon von einem Kadermann getrennt, der ausserehelich eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin unterhielt". Wie in Deutschland gelten Kirchen in der Schweiz als Tendenzbetriebe, die von Antidiskriminierungsregelungen ausgenommen werden können.

Künzi bedauerte damals zugleich die Kündigung: "Die Kaderfrau war kompetent und geschätzt." Ihre Freundin arbeitet als normale Angestellte weiterhin für die Heilsarmee, bei der Einstellung sei die sexuelle Orientierung kein Kriterium. "Aussereheliche und gleichgeschlechtliche Verbindungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden" würden aber nicht toleriert.

Es sei der Kirche bewusst gewesen, dass der Eurovision Song Contest auch ein "Feld" sei, "wo Homosexualität ein Thema ist", sagte Künzi nun gegenüber "20 Minuten". Man werde sich aber nicht zurückziehen: "Wem wir nicht sympathisch sind, der muss nicht für uns voten. Wir wollen aber die Schweiz vertreten, wie sie ist – und dazu gehören auch die Homosexuellen."

Einige Homo-Organisationen äußerten sich vorsichtiger als ihre Kollegen: Daniel Diriwächter vom Magazin queer.ch, das mit queer.de nicht verbunden ist und keine besonders politische Ausrichtung hat, sagte, der ESC "könnte eine Chance für die Heilsarmee und für die Homosexuellen sein, um einander besser kennenzulernen und Vorurteile abzubauen". "Wegen eines Einzelfalls möchte ich nicht die gesamte Heilsarmee der Homophobie bezichtigen", sagte auch die Geschäftsführerin von Pink Cross, Alice Parel. Die ESC-Teilnahme sei "kein Problem".

Vorentscheid in Deutschland im Februar


In der Malmö-Arena findet im nächsten Mai der Eurovision Song Contest statt

Sauer mit der Auswahl für den Vorentscheid ist auch Grand-Prix-Urgestein Ralph Siegel. Sein Beitrag, in der die erste Grand-Prix-Gewinnerin, die heute 88-jährige Lys Assia auf junge Rapper trifft, hat sich nicht für den Vorentscheid qualifiziert. Der notorische ESC-Komponist und die rüstige Rentnerin beklagten, ihre Zielgruppe sei mit dem Internet nicht vertraut, daher habe man weniger Stimmen bekommen. Sie forderten einen Wildcard-Einzug ins Finale, das Schweizer Fernsehen lehnte das ab.

Bisher haben 40 Länder ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest in Schweden zugesagt, bislang ist nur eine Teilnehmerin bekannt: Die Niederlande schicken die Sängerin Anouk mit einem noch unbekannten Song ins Rennen. Der belgische Sender RTBF wird in der nächsten Woche seinen Beitrag bekannt geben – Gerüchte zufolge soll es sich um Roberto Bellarosa handeln, Gewinner von "The voice of belgium".

In Österreich ist die Anmeldefrist für die nationale Vorentscheidung abgelaufen, die am 15. Februar 2013 stattfinden soll – eine Jury stimmt über die fünf Teilnehmer der Endrunde ab. Weiterhin unklar ist, was der NDR für Deutschland plant. Die Zusammenarbeit mit Pro Sieben mit dem Casting-Show-Format "Unser Star für…" war im Sommer beendet worden. Bekannt ist bislang, dass es eine einzige Vorentscheidungsshow geben soll, im Februar in der ARD. Am Dienstag wurde angekündigt, dass der Sender dafür erneut die Firma Brainpool beauftragt hat. (nb)

Youtube | Gescheitert: Ralph Siegel, Lys Assia und ein paar junge Rapper


#1 erererEhemaliges Profil
  • 14.11.2012, 18:02h
  • In diesen Tagen versucht die christdemokratische Partei der Schweiz, die Homo-Ehe in der Verfassung durch zwei 'familienfreundliche' Stimmeninitiativen ausdruecklich zu verbieten ('Basler Zeitung'). Das sollte fuer die schweizerische Gay-Community heute wohl von etwas groesserer Wichtigkeit sein, oder?..
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#2 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 14.11.2012, 19:14h
  • Lys Assia und Ralph Siegel sollen endlich einsehen, daß ihre Zeit beim ESC abgelaufen ist.
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#3 -BC-Anonym
  • 14.11.2012, 19:37h
  • Da ich selbst nicht der größte ESC-Fan bin, könnte es mir egal sein, aber ich finde einen Boykott falsch und überzogen.

    Ich würde den ESC so halten wie die olympischen Spiele (ursprünglich) gedacht sind: Man trifft sich, wetteifert, lässt aber Politik und dergleichen zu Hause.
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#4 Thorsten1Profil
  • 14.11.2012, 21:31hBerlin
  • Die evangelikale Heilsarmee (die übrigens im Ausland eine viel größere Bedeutung hat als in Deutschland) IST homophob, und zwar in ALLEN Ländern!
    Die Heilsarmee ist, sogar noch stärker als die katholische Kirche, hierarchisch organisiert und alle Anweisungen kommen aus dem homophoben Hauptquartier in London. Sie ist deshalb selbst in solchen Ländern wie Schweden, Dänemark und in den Niederlanden homophob. In den Niederlanden gab es Aktionen, in denen die Schwulen aufgerufen wurden, kein Geld in die Spendendosen der Heilsarmeesoldaten, die in den Kneipen der Großstädte die Heilsarmeezeitung verkaufen und Spendengelder einsammeln, zu geben.
    Die Heilsarmee ist, was Homophobie betrifft, offenbar beratungsresistent. Emanzipierte Schwule und Lesben sollten über diese Organsiation informiert sein und sich nicht durch die vordergründige Freundlichkeit der Heilsarmeeangehörigen täuschen lassen.
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#5 SotekProfil
  • 15.11.2012, 00:48hBerlin
  • Keine Frage, die Heilsarmee ist ein grässlicher Verein und hat nichts beim ESC verloren. Aber ich muss leider sagen, dass ich den Song leider zimelich klasse finde...
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#6 felix-koelnAnonym
  • 15.11.2012, 09:28h
  • Antwort auf #4 von Thorsten1
  • Ich teile deine Kritik an der Heilsarmee.

    Aber falls das Lied wirklich gut ist und diese "Armee" wirklich eine ESC-Chance hat, kann eine öffentliche Diskussion (besonders im LSGBT-satarken Großbitannien) auch bewirken, dass sich die Heilsarmee aufgrund des öffentlichen Drucks mit ihrer Homophobie auseinandersetzen muss. Einen shitstorm würden diese vermeintlichen Gutmenschen nicht aushalten.
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#7 womenProfil
  • 15.11.2012, 09:55hfulda
  • Der Titel ist einfach toll .Ein "Ohrwurm" ! Man sollte "die Kirche" hier im Dorf lassen und das Lied als " Lied" sehen und nicht als eine homophobe Aktion .
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#8 Thorsten1Profil
  • 15.11.2012, 10:02hBerlin
  • Antwort auf #7 von women
  • Nein, dieses Lied ist keine homophobe Aktion, aber dieses Lied schafft massiv Sympatie für die homophobe Organisation Heilsarmee.
    Das Spendenaufkommen wird deutlich in die Höhe gehen, die Heilsarmee hat dadurch (noch) mehr Geld als sie sowieso schon hat (die Witwe des McDonalds-Gründers spendete der Heilsarmee 1 Milliarde Dollar!), und dadurch kann die Heilsarmee weiterhin massiv Lobbyarbeit, u.a. gegen Schwule und Lesben, machen.
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#9 userer
  • 15.11.2012, 11:52h
  • Antwort auf #3 von -BC-
  • BC hält den Ball sehr flach: "Ich würde den ESC so halten wie die olympischen Spiele (ursprünglich) gedacht sind: Man trifft sich, wetteifert, lässt aber Politik und dergleichen zu Hause."

    Klar, das hat bei den Spielen 1936 in Berlin ja glänzend geklappt.
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#10 BurgkhardttAnonym
  • 18.11.2012, 01:48h
  • Hiermit fordere ich sämtliche schwule (lesbische wahrscheinlich weniger) Inhaber von Schwarzgeldkonten in der Schweiz auf, ihre Kröten umgehend abzuziehen und sie an LGBT- Gruppen in Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien, wo es besonders wichtig ist, zu spenden.
    Also falls die Heilsarmee echt beim Contest auftritt.

    Das ist kein Witz!
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