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  • 15.11.2012           4      Teilen:   |

Kinostart

"Dicke Mädchen" – Eine Komödie für 517 Euro

Daniel und Sven – Das späte schwule Glück sorgt für ein bisschen Panik - Quelle: missing films
Daniel und Sven – Das späte schwule Glück sorgt für ein bisschen Panik (Bild: missing films)

Der Film über eine Männerfreundschaft inklusive demenzkranker Mutter war auf vielen Festivals bereits Publikumsliebling. Jetzt geht's ab ins Kino.

Von Carsten Weidemann

Die Geschichte zur Entstehung dieses Films ist mindestens ebenso lustig wie die Komödie selbst. Deshalb beginnen wir mit der Story drum herum. Vor etwa Jahren begann sich der Potsdamer Filmstudent Axel Ranisch Gedanken darüber zu machen, was denn das Thema seiner Diplomabschlussarbeit sein könnte. Vier Jahre lang saß er grübelnd wie zweifelnd über einem Drehbuch, verwarf Szenen, schrieb neue, um sie wieder raus zu kicken. Die Zeit wurde knapp, die Anspannung immer größer und ein Problem blieb ungelöst: Wie an eine ausreichende Förderung kommen, mit der sich der auf dem Papier formende große Wurf realisieren lässt. Es ist schließlich teuer, einen Spielfilm zu produzieren.

Doch Ranisch – dem jungen Bärchentyp mit lustiger Frisur – liegt es nicht, sich mit Geduld durch die gemächlichen Papiermühlen der Filmförderinstanzen zu kämpfen. Auch die Kompromisse, die man bei Staats- wie Stiftungs-Bezuschussung üblicherweise einzugehen hat, behagten ihm nicht. Er beschließt, sein Drehbuch auf dem Schreibtisch zu lassen und in jeglicher Hinsicht zu improvisieren. Er heuert die Schauspieler Heiko Pinkowski und Peter Trabner an, die keine Gage bekommen. Er holt seine 73-jährige Großmutter als dritte Hauptdarstellerin mit ins Boot. Gedreht wird in Omis Zweiraum-Wohnung in Berlin-Marzahn. Statt ausgefeiten Dialogen und exakten Regieanweisungen drückt Ranisch seinem Trio einen roten Faden in die Hand, um den herum sie improvisierend die Geschichte spielen sollen. Die Aufnahmen werden mit einer handelsüblichen DV-Kamera gemacht. Produktionskosten am Ende: 517 Euro und 32 Cent.

Fortsetzung nach Anzeige


Omi geht mal wieder stiften, Sven und Daniel erkunden ihre Liebe im Fahrstuhl

Demente Oma Edeltraud – Mit Narrenfreiheit zur Engelsgeduld - Quelle: missing films
Demente Oma Edeltraud – Mit Narrenfreiheit zur Engelsgeduld (Bild: missing films)

Die Story: Sven Ritter lebt mit seiner an Demenz erkrankten Mutter Edeltraut zusammen, teilt mit ihr das Leben, die Wohnung, sogar das Bett. Tagsüber arbeitet er in der Bank. Während Svens Arbeitszeit kommt Daniel in die Wohnung und passt auf Edeltraut auf, geht mit ihr zum Friseur, spazieren, einkaufen und hält die Wohnung in Schuss. Doch eines Tages macht Edeltraut sich allein aus dem Staub. Die beiden Männer gehen auf die Suche nach ihr. Doch was sie finden, ist nicht nur Edeltraut, sondern eine zarte Zuneigung zueinander, die das Leben der beiden gehörig durcheinander bringt.

Das kompromisslose Experiment hat sich ausgezahlt. Seit 2011 wird die No-Budget-Produktion weltweit auf diversen Festivals für Independent- und schwul-lesbische Filme gezeigt und überzeugt dort vor allem das Publikum: "Lobende Erwähnungen" in Turin und Philadelphia, "Bester Filmtitel" vom Kinofest Lünen, "Bester Spielfilm" vom "new berlin film award – Achtung Film" und zuletzt den Hauptpreis der vergangenen Lesbisch-Schwulen Filmtage Hamburg hat Ranisch bereits erhalten.

Sven und Daniel – Zwei reife Männer mit spätem Coming-out

Bärchentyp mit lustiger Frisur: Regisseur Axel Ranisch - Quelle: missing films
Bärchentyp mit lustiger Frisur: Regisseur Axel Ranisch (Bild: missing films)

Was bei "Dicke Mädchen" vor allem überzeugt, ist das Spiel der drei Protagonisten, die sich augenscheinlich gut verstehen und mit Lust in ihre Rollen schlüpfen. Das scheinbar Amateurhafte trägt zur Authentizität bei. Neben der Botschaft an eine Filmindustrie, deren Struktur mitunter künstlerische Kreativität eher erstickt denn fördert, kommt beim Kinogänger aber vor allem eines deutlich an: Das auf viele noch zukommende Thema Demenz und Pflege bei Familienangehörigen ist keines, vor dem man verzweifeln muss. Mit Liebe, Zusammenhalt und Lebensfreude kann man viel erreichen.

Und: Es gibt ein schwules Leben jenseits von Muckibude und Hochglanz-Jugend. Männer wie Sven und Daniel trifft man in der schwulen Szene leider kaum, denn es gibt für sie wenig bis gar keine Orte, wo sie beispielsweise über ihr spätes Coming-out der die Belastungen durch die Pflegesituation reden könnten.

Youtube | Der offizielle Trailer
  Info
Dicke Mädchen startet am 15. November in mehreren Städten. Das Filmteam tourt in den kommenden Tagen durch Deutschland, um den Film persönlich vorzustellen. Genaue Termine über den untenstehenden Link.
Links zum Thema:
» Website zum Film
» Terminübersicht zur Kinotour
Galerie
Dicke Mädchen (Komödie, D 2011)

15 Bilder
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Service: | pdf | mailen
Tags: demenz, axel ranisch, coming-out
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Reaktionen zu ""Dicke Mädchen" – Eine Komödie für 517 Euro"


 4 User-Kommentare
« zurück  1  vor »

Die ersten:   
#1
15.11.2012
09:07:28


(-1, 1 Vote)

Von ehemaligem User FoXXXyness


Gute Filme müssen nicht teuer sein!


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#2
15.11.2012
10:04:40


(0, 2 Votes)

Von Veronika
Antwort zu Kommentar #1 von FoXXXyness


Gute Bildung schon.


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#3
16.11.2012
18:28:45


(+2, 2 Votes)

Von Stein
Profil nur für angemeldete User sichtbar


der film liest sich echt gut :)


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#4
16.11.2012
19:17:40


(+2, 2 Votes)

Von Thorsten1
Aus Berlin
Mitglied seit 15.05.2012


Schwule und ihre Mütter.....


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