Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?17879

Im netten wie auch frechen Talk-Ton geschrieben: "Ich mach doch nur Spaß!"

Zum ersten Mal wurde ein Buch der lesbischen US-Talkmasterin Ellen DeGeneres auf Deutsch übersetzt: "Ich mach doch nur Spaß!".

Von Angelo Algieri

Sie ist ein bekannter Comedystar in den USA, hat eine eigene Talkshow und moderierte 2007 die Oscar-Verleihung. Auch die Emmy Awards hat sie geleitet – jene nach 9/11 mit den legendären Worten: "What would bug the Taliban more than seeing a gay woman in a suit surrounded by Jews?" Sie hat selbst Emmy Awards und etliche andere Auszeichnungen bekommen. Außerdem ist sie Schauspielerin und trat in Sitcoms und Filmen auf, zudem verlieh sie Dory ihre Stimme im Animationsfilm "Findet Nemo". Sie hat erst vor zwei Monaten einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood erhalten. Außerdem ist die 54-jährige Veganerin laut dem US-Magazin Forbes die 47. mächtigste Frau der Welt (Stand Mai 2012) und verdient 53 Millionen US-Dollar. Sie ist lesbisch und hat am 16. August 2008 ihre Freundin Portia geheiratet: Ellen DeGeneres.

Nun ist ihr neues Buch "Ich mach doch nur Spaß!" (Original: "Seriously … I'm kidding") im Münchner mvg Verlag erschienen. Ihr erstes auf Deutsch erschienenes Buch, übersetzt von Elisabeth Liebl.

In ihrem unterhaltenden Text stellt man schnell fest, dass DeGeneres mit dem Leser direkt in Kontakt tritt, so als ob sie vor einem stehen würde. In einem netten und charmanten Plauderton wie in ihrer Sendung. Klar dürfen die humorvollen und doppel-ironischen Passagen nicht fehlen.

Gute Laune, Höflichkeit und pragmatische Tipps


Ellen DeGeneres mit ihrer Frau Portia de Rossi (li.) bei der Einweihung ihres Sterns auf dem Walk of Fame im September 2012 (Bild: Wiki Commons / Angela George / CC-BY-SA-3.0)

Ellen DeGeneres mäandert durch verschiedene Themen: Von pragmatischen Alltagsweisheiten über ihr aufregendes Leben des letzten Jahrzehnts bis hin zur Verbreitung von guter Laune. Beinahe zu viel guter Laune. Es wirkt teilweise wie eine Missionierung zum positiven Denken.

Zusätzlich appelliert Ellen DeGeneres für mehr Höflichkeit. Dazu gehört, dass man pünktlich ist. Die Autorin findet es ausgesprochen respektlos, wenn Personen ihres Bekanntenkreises zu spät kommen. Da müssen sie schon sehr gute Gründe liefern, etwa dass sie "gerade im Auto entbunden haben". Bei mehr als einer Stunde Verspätung sollte man "am besten gleich auf der Tragbahre" ankommen.

Zudem gibt sie nicht immer ernst gemeinte Tipps, beispielsweise fürs Zocken. DeGeneres ist nämlich laut eigenen Angaben leidenschaftliche Poker-Spielerin und mag generell Glücksspiele. Ihre Tipps für Roulette, einarmige Banditen oder das Würfelspiel Craps sind sehr amüsant, die letztlich auf Mäßigung hinauslaufen (Welch Überraschung…). Dabei hat sie auch ähnlich humorvolle Tipps gegen Langeweile oder Geldverdienen. Einfache, banale Hinweise gewürzt mit einem Schuss Pragmatismus – wer es mag…

Zwischen den kurzen Kapiteln zerstreut DeGeneres kurze Geschichten, einen Haiku (japanische Gedichtform in drei Versen mit je 5, 7, 5 Silben) oder auch einen Tweet von 140 Zeichen. Sie lockern den Plauderton auf, wie Werbeblocks in ihrer Sendung.

Diie drei Katzen der "richtigen Lesbe"


Ellen tanzt in ihrer Show mit Michelle Obama (Bild: Official White House Photo by Chuck Kennedy)

Was in diesem Buch auffällt: Sie präsentiert sich kaum als Lesbe. Sie erwähnt ihre Ehefrau beinahe beiläufig. Und dass beide keine Kinder wollen. Weil sie zu viel Glas in der Wohnung haben, wie DeGeneres scherzhaft meint.

Einerseits macht sie auf Frauenpower aufmerksam. Sie verweist beispielsweise darauf, dass viele nützliche Dinge wie BH, Wegwerfwindel oder Scheibenwischer von Frauen erfunden bzw. entwickelt worden sind. Darum ist es ihr in ihrer Talkshow wichtig, dass sie Frauen einlädt, die als Vorbilder fungieren. Und in der Tat kamen etwa Michelle Obama oder Hillary Clinton in ihre Show. Andererseits hätte sich DeGeneres in diesem Buch auch deutlicher für LGBT-Rechte einsetzen können. Ein Manko, wie ich finde. Sie kann – auch in einem Merchandising-Produkt wie diesem – ruhig mehr fordern. Schließlich ist sie für viele in den USA ein Vorbild!

Zugegeben, sie wendet sich gegen lesbische Stereotype: Eine Frau meinte zu ihr einmal, dass sie eine "richtige Lesbe" sei, weil sie drei Katzen habe… Und wendet sich gegen Vorurteile, die von (vermeintlich) wissenschaftlichen Umfragen oder Studien gespeist werden.

Fazit: "Ich mach doch nur Spaß!" eignet sich super als Geschenkbuch. Nicht nur für Ellen-DeGeneres-Fans, sondern auch wenn man jemanden erheitern möchte. Ein veritables Gute-Laune-Buch. Im netten wie auch frechen Talk-Ton geschrieben. Doch Vorsicht: Nachdem man das Buch zu Ende gelesen hat, holt einem die bittere, brutale, sorgenvolle Realität wieder ein!

Infos zum Buch

Ellen DeGeneres: Ich mach doch nur Spaß! Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Liebl. mvg Verlag, München 2012. 191 Seiten. 17,99 €. ISBN: 978-3-86882-278.


#1 SabineAnonym
  • 17.11.2012, 15:13h
  • Ellen de Generes muss, glaube ich, niemandem mehr beweisen, dass sie sich für LGBT-Rechte einsetzt und schon gar nicht in den USA.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 HK2012Anonym
  • 17.11.2012, 16:36h
  • Als Ellen-Fan habe ich das Buch im Original gelesen. Es ist wirklich ein Gute-Laune-Buch und ein Muss für alle, die Ellen mögen. Leider ist ihre Talkshow in Deutschland ja nicht zu sehen.
    Ansonsten kann ich mich Sabine nur anschließen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
#4 FoXXXy LoveAnonym